Halleluja!

Melodie: Alles meinem Gott zu Ehren (GL 455)

Jesus, Sonne, Licht und Feuer, 
Du hast allen Tod besiegt!
Du bist Herr, Du hältst das Steuer,
und der Satan unterliegt!
Du bist nicht im Grab geblieben,
ewig lebst Du, um zu lieben -
Du bist Herr, Halleluja!
Du bist Herr, Halleluja!

Jesus, die verklärten Wunden
zeigen uns: Du trugst das Leid,
durch Dich kann die Welt gesunden,
Du hast uns im Tod befreit!
Wer Dir glaubt, wird auferstehen,
wird in Ewigkeit Dich sehen,
Dich, den auferstandnen Herrn,
Dich, den auferstandnen Herrn!

Jesus, Tilger aller Sünden,
Bruder, Herr und Gottessohn!
Von Dir alle Zeiten künden,
Du bist aller Künder Lohn.
Du bist uns vorangegangen,
lass auch uns zum Heil gelangen,
Wahrheit, Weg und Leben Du,
Wahrheit, Weg und Leben Du!

© Claudia Sperlich
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Gesegnete Speisen

Heute mittag wurden die Osterspeisen gesegnet. Heute abend, nach der Feier der Osternacht, werde ich zum ersten Mal davon essen. Bis dahin: Angucken, freuen, aber nicht mehr!

In den Gläsern sind marinierte Eier. Den Osterzopf habe ich in der letzten Nacht gebacken (geplant war der frühe Morgen, aber ich konnte nicht schlafen). Übrigens aus 650er Mehl, ungewohnt für mich – das Vollkornmehl war ausverkauft. Die Wildschweinsalami ist meine Beteiligung daran, die viel zu vielen Wildschweine in und um Berlin einzudämmen, oder vielleicht könnte man sagen: zu recyclen. Bei der Menge der Schokoladeneier muss man bedenken, daß ich in der gesamten Fastenzeit keine Lebensmittel – also auch keinen Süßkram – gekauft habe. Es war mir nicht möglich, weniger zu nehmen. Die sechs rohen Eier habe ich heil zur Kirche und wieder zurück gebracht – doppelt segensreich!

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Kreuzverehrung

Schon oft hab ich voll Zwiespalt so gekniet,
mit dem Gedanken: Kann ich denn verehren
ein Folterwerkzeug, an dem Jesus hing? 
Kann ich die Lieder singen, die zum Kreuz 
so sprechen wie zu Christi bestem Freund?
 
Auch heute war ich voller Zweifel, noch
als ich das „ecce lignum crucis” mitsang.
Im Herzen sagte ich: Mein Herr und Heiland,
für mich gekreuzigt – Dich will ich verehren.
Wie kann ich ehren dieses Schreckensding?

Dann kniete ich vorm Kreuz, und herzensklar
war mir ganz kurz der Sinn des alten Brauches:
Verehrung dessen, was zu Christi Tod
und meinem Heil geführt hat als ein Werkzeug.
Es schien ganz deutlich für den Augenblick.

Zurück in meiner Kirchenbank, ersann ich
Vergleiche mit den Dingen des Gedenkens,
mit einem Werkzeug oder einer Waffe,
im Leben einst gebraucht, im Tod erlitten
von einem Freund, an den man gerne denkt.

Das alles traf es nicht. Das Licht verschwand.
Doch die Sekunden, da ich klar erkannte
den Sinn in dieser seltsamen Verehrung,
Sekunden meines Lebens, bleiben Funken,
die mir mein Herz erhellen und versehren.

© Claudia Sperlich
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Zwei Lieder zum Karfreitag

Melodie: GL 428 (Herr, Dir ist nichts verborgen)

Das Kreuz hast Du getragen
zum Heil der ganzen Welt. 
Ans Kreuz bist Du geschlagen
als unser Lösegeld.
Hast Angst und Hohn und Qual,
den Foltertod erlitten.
Für uns, die so zerstritten,
starbst Du aus freier Wahl.

Zwei andre Kreuze tragen
zwei Räuber, die voll Hohn
Dir noch im Sterben sagen:
„Nun hilf uns, Gottessohn!”
Da sieht der eine Dich
als Weg zu neuem Leben:
„Wird Dir das Reich gegeben,
Herr Jesus, denk an mich!”

Ihm sagst Du zu: „Noch heute
wirst du mit Mir dort sein!”
Wer seine Schuld bereute,
geht in das Leben ein.
Vor Deinem Kreuz will ich
die Sünden eingestehen,
zu Dir um Heilung flehen
und ganz vertrau'n auf Dich.

© Claudia Sperlich

Ein anderes Lied hat der Dichter und Sänger Roger Strayt heute veröffentlicht: Ukrainian Tears.

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Gründonnerstag

Malchus

Ich wollte nur im Kreise der Familie 
Zum Sederabend alles vorbereiten
Wie jedes Jahr, wie jeder fromme Jude.

Da lässt mein Herr, der Hohepriester Kaiphas, 
Mich rufen – er, der doch vor allen Frommen
Darauf besteht, den heiligen Gesetzen,
Dem Gotteswort in jedem Punkt zu folgen. 
Er kennt und liebt Gesetz und Liturgie!

Nun aber unterbricht er sich und mich
Für diesen Jeshua, den Nazarener,
Den Dorn im Auge aller Pharisäer.

Die Römer, sagt er, wollen ihn ergreifen,
Er stelle sich angeblich über Cäsar.
Nun gelte es zu prüfen, ob er wirklich
Auch gegen Gottes Recht sich hat vergangen,
Und ob er schuldig sei nach unserm Recht.
Will denn der Sanhedrin zu Pessach tagen?

Was soll das? Ich bin ratlos – muss gehorchen.
Und meine Frau in Tränen! Und mein Jüngster 
Sagt vorwurfsvoll: „Es ist doch Seder! Papa!”
Der Bote drängt. Ich muss dem Kaiphas folgen.
Ich greife die Laterne, gehe stumm.

Da sind nicht nur die Priester und die Diener,
Noch andere, mit Knüppeln und mit Fackeln,
Ein ungeordnet aggressiver Haufen.
Ein wenig abseits römische Soldaten
In Reih und Glied, als ob sie uns bewachten.

Ein Unbekannter führt uns bis zum Ölberg.
Der Prediger ist dort, mit ihm drei andre.
Der Fremde, der uns führt, geht auf ihn zu
Und küsst ihn auf die Wangen. Ein Theater,
Angeblich ausgemacht mit unsern Priestern,
Als wäre Jeshua nicht stadtbekannt,
Als könnte er nicht einfach auf ihn zeigen!

Wir gehen auf ihn zu. Er steht und schweigt.
Doch einer seiner Freunde zückt ein Messer
Und stürzt auf Kaiphas los. Ich werfe mich 
Vor meinen Herrn. Der Kerl greift an, ich spüre 
Den heißen scharfen Schmerz an meinem Ohr,
Lass die Laterne fallen, und ich fühle:
Mein Ohr ist längs gespalten, nur vom Läppchen
Wird es gehalten, und es blutet furchtbar.

Und dieser Jeshua herrscht seinen Jünger an:
„Zurück! Das Messer weg!” Er streckt die Hand
Nach meiner aus, zieht sachte sie herunter,
Berührt mein Ohr – da heilt es in Sekunden,
Es tut nicht weh, es ist so gut wie neu.

Nun nehmen sie ihn fest, den Jeshua,
Den Prediger – der andre kommt davon.
Ich hebe die Laterne auf und gehe,
Mein Herr hat es gestattet und geht selbst.

Zu Hause sieht mich meine Frau zuerst 
Und jammert auf, denn ich bin voller Blut,
Der Hals und das Gewand sind rot besudelt.
Ich kann sie bald beruhigen, wasche mich,
Zieh etwas Saubres an, betrachte lange
Mein Ohr im Spiegel, es ist ganz und heil.

Das Sedermahl ist vorbereitet. Aber
Kann ich denn Seder feiern, wenn ich weiß:
Der mich verletzt hat, der ist fortgelaufen,
Doch meinen Heiler haben sie gefangen?

© Claudia Sperlich

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Judas

Ich liebte Jesus und vertraute Ihm
als dem Messias, der vor Rom uns rettet,
und unter dem Gerechtigkeit wird blühen
und Heil für alle Völker und die Freiheit.
Doch Er sprach nicht das Machtwort gegen Rom,
Er zögerte so lang. Ich musste handeln.

Ich wollte Ihn als Freund zum Handeln zwingen.
Die Pharisäer hatten mich bezahlt...
Ich tat, als stünde ich auf ihrer Seite.
Er selbst wusch uns die Füße, wie ein Sklave,
und ich ging fort, noch während jenes Mahles, 
Und Er schien einverstanden! „Tu es gleich!”

Ich hätte einfach auf Ihn zeigen können.
Ich habe Ihn geküsst. Es war mir ernst.
Und Er: „Mit einem Kuss verrätst du Mich?”
Da wusste ich: Er würde anders handeln,
weit weg von dem, was ich mir vorgestellt,
ich war Ihm keine Hilfe, war im Wege.

Als Petrus die Verteidigung versuchte
(viel mutiger als ich), da schritt Er ein
und wies ihn schroff zurecht: „Das Messer weg!”
Ich schlich mich fort. Ich wollte es nicht sehen.
Er wird mir sicher nicht vergeben können.
Mein Leben ist nichts wert. Es ist vorbei.

© Claudia Sperlich
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Papyrus aus Jerusalem

Kürzlich wurde in Jerusalem eine antike Schatulle mit einem Papyrus gefunden. Er enthält die Stenographie eines Gespräches, vermutlich zwischen zwei Männern im Dienst des Herodes. Mein Gewährsmann meint, auf ihn macht das einen authentischen Eindruck, es muss aber noch wissenschaftlich untersucht werden. Wenn die Handschrift echt ist, dürfte sie das Zeugnis der größten Fehleinschätzung der Geschichte sein.

Es gibt da eine ganz kleine, gut vernetzte Gruppe von Männern und Frauen, die diesem „Neuen Weg”, wie sie sich ausdrücken, folgen. Sie behaupten steif und fest, der Delinquent Jeshua ben Joseph, der kürzlich hingerichtet wurde, sei wieder lebendig geworden. Nach Evidenz befragt, können sie allerdings nichts weiter angeben als den angeblichen Augenschein, oft nicht mal den eigenen, sondern Zeugenaussagen.

Aber die Gruppe ist wirklich klein. Das läuft sich doch von selber tot, warten wir es einfach ab.

Ich bin nicht der Ansicht, daß man die einfach laufen lassen kann. Ja, noch sind es nicht so viele, aber andererseits wirklich gut vernetzt…

Vom Netzeknüpfen verstehen sie ja was, diese Fischer…

[Gelächter]

Sie sind meiner Ansicht nach religions- und staatsgefährdende Fanatiker. Man sollte kurzen Prozess mit ihnen machen. Denken Sie an die Sikarier, das waren auch erst wenige und haben sich zu einem handfesten Problem ausgewachsen.

Ja, die! Aber diese Bewegung ist ja ganz gewaltlos. Die wehren sich nicht mal, wenn es ihnen an den Kragen geht. Angeblich bilden sie sich sogar was darauf ein, wenn sie ausgepeitscht werden.

Im Ernst? Na, das passt zu ihnen. Andererseits hat einer von ihnen bei der Festnahme ihres Anführers einen Menschen am Kopf verletzt. So harmlos war das nicht.

Ja, davon habe ich gehört. Aber der Anführer hat ihn dann ja zurechtgewiesen. Angeblich den Angegriffenen sogar geheilt, aber das dürfte ein Ammenmärchen sein.

Hmmm… ja, irgendwie seltsam. Dieser … Malchus oder so ähnlich – behauptet das nämlich auch, und tatsächlich ist er nicht verletzt.

Dann stimmt die Geschichte mit der Verletzung eben nicht. – Na, wie dem auch sei. Ich glaube, man sollte diese komische Bewegung einfach möglichst ignorieren. Ich meine, wem schaden die denn?

Ich habe da ein ganz ungutes Gefühl. Halten Sie mich meinetwegen für abergläubisch, aber diese Leute sind mir unheimlich. Sie sind so völlig anders als andere. Und die Frauen fahren ja vollkommen ab darauf! Laufen ihnen in Scharen hinterher.

Völlig verrückt. Aber Sie werden doch keine Angst haben vor einem Verein, der von Frauen am Leben gehalten wird?

[Gelächter]

Nicht zu vergessen diesen kleinen inneren Kreis aus Männern!

Einer von ihnen hat sich neulich umgebracht. Der Rest, alles Fischer und so, kleine Leute, spinnt jetzt ein bißchen herum, glauben Sie mir, das gibt sich. Am Ende verläuft sich die Sache. Nicht mal Frauen sind imstande, ohne Ende so unbedeutenden Typen hinterherzulaufen. Und wenn sie noch so gut vernetzt sind.

Ja, da haben Sie wohl Recht. Wissen Sie, meine Frau regt sich deshalb so auf. „Die werden noch bis Rom kommen”, meinte sie neulich. Und ich so, „Schatz, ich bitte dich, bis Rom?” Aber irgendwie wirkte sie da so überzeugend… hat mich wohl etwas angesteckt mit ihren Sorgen.

Ja, Frauen! Aber wirklich, machen Sie sich keine Sorgen. – Ich muss jetzt los. Grüßen Sie Ihre liebe Gattin von mir. Und sagen Sie ihr von einem erfahrenen Mann: Nach Rom kommen die niemals. Rom ist schon mit ganz anderen Leuten fertiggeworden.

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Palmarum, und warum es kein Happy End geben kann

Man stelle sich vor: Eine begeisterte Menge jubelt dem in Jerusalem einziehenden Herrn zu. Der Jubel ist eindeutig: Hoshanah, Herr, hilf doch – das ist der Ruf an den Herrscher. Der hier, der sanfte Wundertäter, der gegenüber der Upper Class oft strenge, nie unversöhnliche, der auf Einhaltung der Gebote pocht und zugleich barmherzig ist und vergibt – der soll König sein über Jerusalem, über das Heilige Land, über die Welt.

Aber da waren doch noch jene, die Ihn für gefährlich hielten: Pharisäer und auch Römer, wobei die Römer Ihn noch nicht so ernst nahmen, Ihn als wirkliche Bedrohung anzusehen. Sicher, da war auch Nikodemus, der Ihm so gerne gefolgt wäre und sich nicht traute und Ihm doch von Herzen nah war. Da war aber auch Kajaphas, der trockene Realist: Besser einer stirbt als alle – und dann konnte es ja dieser komische Wundertäter sein. Da war Herodes, der reiche Spießer, der sensationelle Geschichten hören wollte und Ihn, als Er die nicht erzählte, verspottete und auslieferte. Da war Pilatus, der von Jesu Unschuld überzeugt war, aber Angst vor der Menge hatte. Ein bißchen wie Kajaphas, mit umgekehrten Vorzeichen: Besser ich liefere diesen einen ans Messer, als daß es hier eine Revolution gibt mit jeder Menge Blutvergießen auf beiden Seiten.

Pilatus versucht es mit einem Kompromiss. Geißeln lassen, um den Blutdurst der Menge zu befriedigen, und dann freilassen.

Jesus, Sein Leib eine blutige Masse von der Geißelung, wird der Menge vorgeführt. Pilatus hält ein wenig Abstand, Blutflecken gehen aus Wollstoffen nie mehr raus, und diese Toga war wirklich teuer. Schlimm genug, daß auch auf der Marmortreppe Blutflecken zu sehen sind. Aus dem porösen Stein ist das auch nicht mehr zu entfernen.

Und dann die Wahl der Amnestie: den hier oder den Barabbas? Ein Terrorist soll er sein, vielleicht auch nur ein Straßenräuber, jedenfalls hat er gemordet. Aber Barabbas ist nicht so bekannt wie Jesus. Ein Sprechchor bildet sich: „Weg mit Jesus! Hoch Barabbas!“ … Plötzlich schieben sich einige Menschen, Männer und Frauen, vor die Gröler. „Nein!“ schreit eine Frau. „Jesus Messias! Jesus Messias!“ skandiert die Gruppe. Ein Beobachter fragt einige aus der Menge, wer diese Leute sind. Die Angaben sind widersprüchlich. Leute aus dem Umkreis dieses Wunderheilers. Verwandte von Opfern der Bande um Barabbas. Verwandte Jesu.

Aber die Menge lässt sich umstimmen. Das herzzerreißend schrille „Nein!“, der so lange erwartete Titel „Messias“, auch das Mitleid mit dem Geschundenen läßt immer mehr Menschen den ersten Chor überschreien: „Jesus Messias!“ Pilatus seufzt erleichtert auf. Jesus wird freigelassen. Seine Freunde tragen ihn – halb im Triumph, halb besorgt – in die Villa des Nikodemus. Der Hausherr wäscht seine Wunden, ruft einen Arzt, lässt den bewunderten Meister bei sich wohnen bis zur völligen Genesung.

Und dann?

Jesus lebt und lehrt weiter, bis Er im hohen Alter heimgerufen wird. Seine Jünger werden mit ihm alt, geben Seine Lehre an ihre Kinder weiter. Eine Zeitlang gibt es eine missionarische Strömung im Judentum. Der junge Saulus missbilligt das zwar, hält die Bewegung aber für nicht besonders wichtig. Nach hundert, zweihundert Jahren ist das Geschichte. Das Leben geht weiter. Rom bleibt heidnisch. Der Rest der Welt auch.

Zu unserem Heil war es anders.

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Palmarum

Melodie: GL499 (Gott, der nach Seinem Bilde / Wir weih'n, wie Du geboten)

Lasst uns mit frischen Zweigen
dem Herrn entgegengeh'n,
in Ehrfurcht uns verneigen,
voll Liebe auf Ihn seh'n.
Der Gutes tat und lehrte,
der Wasser macht zu Wein,
der selbst dem Satan wehrte,
zieht nun als König ein!

Verdorrt sind bald die Zweige
in dieser Leidenszeit.
Doch niemals geht zur Neige,
was uns im Herzen schreit:
Bleib in den dunklen Stunden
bei uns mit Deinem Licht,
die Sünder lass gesunden,
sei gnädig im Gericht!

Durch Nöte und Beschwerden
lass Du uns sicher geh'n.
Im Himmel und auf Erden
Dein Wille soll geschehn.
Wenn wir einst vor Dir stehen,
ob jung, ob lebenssatt,
dann lass mit Dir uns gehen
in Deine goldne Stadt.

Nun wollen wir Dir singen:
Hosanna Davidssohn!
Du endest unser Ringen,
Du bist der höchste Lohn,
Nur Du kannst Liebe geben
in Zeit und Ewigkeit!
Ich leg vor Dich mein Leben,
mein Herr, ich bin bereit.

© Claudia Sperlich

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„Beten kann ich auch im Wald!“

Den Satz hört man oft in dem Sinne, daß die Kirche nicht nötig ist. Das ist natürlich Unsinn. Daß und warum die Kirche nötig ist, habe ich bereits mehrmals erklärt.

Tatsächlich ist das, was der moderne Mensch „die Natur“ nennt – Wälder, Berge, Meer, Heide und so weiter – in der Regel nach unseren Maßstäben „schön“ und auch ehrfurchtgebietend, und da kommen bei vielen Menschen religiöse Gefühle auf, selbst wenn sie sonst nicht viel von Religion halten. Auch gibt es Bekehrungserlebnisse in „der Natur“ (bei mir waren es die Alpen). Aber gegen den Satz „Beten kann ich auch im Wald / in der Natur / in den Bergen“ habe ich dennoch Einwände.

Zunächst ist er banal. Wer beten kann, kann das natürlich auch in den Bergen oder am Meer oder im Düppeler Forst. Das ist genau so wahr wie „Beten kann ich auch beim Schlangestehen in einem Behördengebäude / beim Staubsaugen / auf dem Weg zur Arbeit“. Das mit dem Gebet in der Natur ist ein romantisch überhöhtes Denken an das nach dem Zeitgeschmack als wahr, gut und schön Akzeptierte. „Boah, Matterhorn. Groß, hoch, eindrucksvoll.“ Oder: „Wow, Schwarzwaldbäume. Groß, hoch, eindrucksvoll.“ Sehr oft ist es nur ein kleiner Schritt vom Beten in der Natur zum Beten zur Natur.

Nun ist zwar eine Bakterienkultur in einer Petrischale auch „Natur“, und bei einigen Arten empfiehlt es sich durchaus, vor der Arbeit damit Gottes Schutz und Segen zu erbitten. Dennoch geht der Biologe nicht „in die Natur“, wenn er zur Arbeit im Labor geht. Alles Essbare ist Natur, trotzdem sagt man nicht „Ich gehe in die Natur“, wenn man in ein Lebensmittelgeschäft geht, und betet dort in der Regel auch nicht (obwohl das Schlangestehen an der Kasse wieder eine Gelegenheit zum stillen Gebet ist). Der Ausdruck „die Natur“ ist im Zusammenhang mit „rausgehen“ oder „beten“ die Vorstellung der ehrfurchtgebietenden, aber im Großen und Ganzen dem Menschen freundlich gesonnenen Natur. Das ist natürlich romantischer Quatsch, die Natur hat gar kein Interesse am Menschen,wenn man von hungrigen Mücken und Bären mal absieht.

Bis weit in die Neuzeit hinein war die unkultivierte Natur etwas Feindliches, Gefährliches, was man besser mied. War man doch „in der Natur“, konnte sie selbstverständlich zu Gebeten inspirieren wie „Lieber Gott, lass mich diese Reise überleben“. Paul Gerhardts entzückendes Sommerlied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ ebenso wie Friedrich von Spees fröhliches katholisches Gegenstück „Lob Gottes aus Beschreibung der Sommerzeit“ beschreiben die kultivierte Natur, Bauernhöfe, Gärten, Felder. In Wäldern suchte man keine Freude und fand man kein Loblied. Natürlich wurde auch auf dem Meer, auf Almen und in Köhlerhütten, also „in der Natur“, gebetet – aber romantisch war da gar nichts.

Die Kultivierung der Wälder, das Anlegen von Wegen, die Arbeit der Alpenvereine, die Wandervogelbewegung haben dazu geführt, daß „Natur“ eine Chiffre für „Wohlgefühl, gepaart mit Ehrfurcht“ wurde und leider auch ein numinoses Etwas, das einen ahnen lässt, da muss irgendwas Göttliches sein. Die Kirche ist da sehr viel klarer.

Ich habe übrigens nichts dagegen, „in der Natur“ zu beten. Sehr eindringlich ist es mir mal gelungen während eines schweren alpinen Gewitters in großer Höhe – keine Erfahrung, die ich irgendjemandem wünsche. Aber als Berlinerin weiß ich, daß auch die 17 Kilometer Radweg zwischen Friedenau und Alt-Tegel – nicht im mindesten romantisch – gute Gelegenheiten zum Gebet geben: Dank (ich habe ein Fahrrad, meine Knie schaffen das, ich darf nachher liebe Freunde sehen), Bitte um Bewahrung (vor Glasscherben, vor Rasern, vor abbiegenden Lastwagen, vor eigener Unachtsamkeit), Bitte für die Männer in dem Gefängnis, an dem ich vorbeifahre, Dank für das Wetter oder das Regencape… Immer mal Bitte um Bewahrung vor Teilen der Natur, zum Beispiel vor Coronaviren. Und immer wieder Bitte um Frieden.

Beten kann ich auch in der Kirche. In der Messe, wo der Herr sich mir ausliefert, mich nährt und stärkt. In der Anbetung, wo ich vor Ihm knie und staune und danke, daß Er in Gestalt der Hostie leiblich da ist. Das sind die beiden wundervollen, stärkenden Gebetsformen, die ohne die Kirche gar nicht möglich wären.

#betenwirgemeinsam

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