Gesegnete Osterspeisen

Zu unserer Gemeinde gehören viele Polen. Die haben den hierzulande schon fast vergessenen Brauch der Speisensegnung zu Ostern wieder eingeführt. Heute war ich zum ersten Mal dabei und fand es sehr schön.

Warum segnet man die Speisen gerade am Tag der Grabesruhe?
Jesus ist ja nicht einfach weg – Er ist auferstanden, und auch, als Sein Leib noch im Grab lag, hat der Vater Ihn nicht alleingelassen. „Hinabgestiegen in das Reich des Todes“ beten wir im Glaubensbekenntnis – und dürfen daher vertrauen, daß Jesus niemals einfach „weg“ war.

Traditionell segnet man Brot, Wein, Eier, Salz, Lammfleisch und Meerrettich. Eier werden als Fruchtbarkeitssymbol auch des Glaubens gesehen; im Mittelalter verglich man die am Jüngsten Tag aus den Gräbern auferstehenden Leiber mit dem Vogelküken, das die Eierschale zerbricht. Salz ist immer auch ein Zeichen der Gemeinschaft und Gastfreundschaft, ebenso Brot und Wein – die zudem durch die Eucharistie noch eine besondere Bedeutung bekommen, auch wenn sie nicht gewandelt sind. Daß Ostern traditionell Lamm gegessen wird, bezieht sich auf die Bezeichnung Jesu als Wahres Paschalamm und Lamm Gottes. Der frisch geriebene Meerrettich treibt einem Tränen in die Augen und soll daher an das Leiden Christi erinnern.

Nun bin ich erstens ein Schussel und habe zweitens kein richtig hübsches Körbchen. Also hatte ich meinen heute morgen gebackenen Osterzopf nur in Papier eingeschlagen. Das wäre nicht schlimm gewesen, aber alle anderen hatten so sehr niedlich geschmückte Körbchen! Ich fragte also eine Polin, ob ich bitte das Brot in ihren Korb legen dürfe. Daraufhin gab sie mir ein weißes Deckchen, auf dem mein Brot dann doch recht anmutig aussah, und steckte einen winzigen Buxuszweig in das Brot. Und zum Schluß schenkte sie mir nicht nur das Deckchen, sondern auch noch ein Osterei.

Das ist so lieb! Und nun warten Brot und Ei und noch mancherlei andere gute Sachen, bis ich von der Osternacht wiederkomme.

Osterbrot
Osterbrot
Osterei

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Für mich gestorben

„Der ist für mich gestorben“ heißt in der Sprache unserer Zeit: „Den will ich nicht mehr sehen, mit dem will ich nichts mehr zu tun haben“.

In der Sprache der nach Jesu Wort überzeitlichen Kirche heißt dieser Satz etwas ganz Anderes.

Jesus ist für mich gestorben, Er hat sich für mich zu Tode foltern lassen – damit ich mit Ihm ewig leben kann. Er hat für mich einen schrecklichen Tod erlitten, weil Er mich so sehr liebt.

Er ist für mich gestorben – und ich darf Ihn in der verhüllten Gestalt der Eucharistie jeden Tag sehen (nur heute nicht), und werde Ihn einst unverhüllt sehen. Und das ist kein Privileg, weil ich so großartig bin (ich bin es nicht), sondern eine Gnade für jeden, der sie nicht ablehnt.

Das Leben ist für uns gestorben, damit wir das Leben haben.

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Nach einer guten Veranstaltung

… bin ich so richtig glücklich. Ich habe vorhin in der Arche Potsdam einen Vortrag über den Kirchenlehrer Athanasius gehalten, der gut war, gut besucht war, gut ankam – und Blumen habe ich auch bekommen!

Radio Horeb war auch dabei und wird ihn irgendwann demnächst senden. Einen neuen Termin in der Arche habe ich auch:

Dienstag, 10. Oktober
19.30-20.30 Uhr
Kirchenlehrer Hieronymus
Arche Potsdam
Am Bassin 2
14467 Potsdam (schräg gegenüber von St. Peter und Paul)

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Für die koptischen Märtyrer

Plures efficimur, quoties metumur a vobis; semen est sanguis christianorum.

Mehr werden wir, sooft wir von euch niedergemäht werden; Saat ist das Blut der Christen.

Tertullian

Gott schenke den Verletzten Heilung, den Toten Frieden, den Hinterbliebenen Trost und den Mördern Umkehr.

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Zum Herz-Jesu-Freitag

… mal ein neues Gedicht, nachdem ich lange Zeit gedacht habe, dazu kann ich nun wirklich nichts schreiben.

Herz Jesu

Herz über Engeln und Mächten,
Herz, das im Dornenkranz brennt,
Herzblut des Ewig Gerechten,
Den unser Glaube bekennt!

Dornbusch an heiligem Orte,
Brennend und doch nicht verbrannt,
Wies schon zum Ewigen Worte –
Gott gab sich Moses bekannt.

Wasser, aus Felsen geflossen,
Hat unsern Durst einst gestillt.
Alter Bund wurde beschlossen,
Neuen Bund zeigte das Bild.

Wasser und Blut aus der Seite,
Dornen auf göttlichem Wort –
Herr, durch Dein Leiden geleite
Uns an den seligen Ort.

© Claudia Sperlich

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Neue Hinweise auf diesen Seiten

Meine Bücher sind jetzt in der Kopfleiste unter Veröffentlichungen zu finden. Von dort findet man auch die Seiten Kolumnen auf kath.net mit Links zu meinen Kolumnen seit Oktober 2016 sowie Radio Horeb mit Links zu meinen Beiträgen dort als mp3 und zum Download.

Zuletzt noch ein Veranstaltungshinweis:

Dienstag, 11. April
19.30 Uhr
Kirchenlehrer Athanasius
Arche Potsdam
Am Bassin 2
14467 Potsdam

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Gehorsam, Kritik und Katzbuckelei

Wegen meiner kritischen Haltung gegenüber einer Gesetzeslage, die die Vernichtung ungeborener Menschen “kinderleicht“ macht, wurde mir mangelnde Staatstreue vorgeworfen. Das ist unter allen Vorwürfen, denen Lebensrechtler sich stellen müssen, immerhin einer der originellsten.

Ich bin keine Anarchistin; ein funktionierendes Staatswesen mit menschenfreundlichen Gesetzen halte ich für wichtig. Gerade deshalb ist aber der kritische Blick auf Gesetze und Rechtspraxis nötig. Wo Gesetze aufhören, der Erhaltung von Menschen zu dienen, sind sie schlecht und muss das gesagt werden.
Ein Gesetz, das allen Menschen Lebensrecht garantiert, ist gut. Es ist gut, jede Art der Tötung von Menschen zu verbieten und allen Menschen jede nötige medizinische und soziale Fürsorge zu gewährleisten, auch den ärmsten und schwächsten.

Es ist schlecht, das Recht auf Leben zu unterlaufen. Es ist hanebüchen, das in einem Absatz a) zu einem Gesetz zu tun, das die Tötung verbietet.

Und ausschließlich weil ich die widerrechtliche und dennoch im deutschen Recht bestehende Gewährung von Abtreibung – um die ging es in der Diskussion – ablehne, wurde mir eine Haltung vorgeworfen, die den Staat über kurz oder lang ruiniert und die Gesellschaft ins Chaos stürzt.

So denken Leute, die postulieren, die Mutter habe das unumstößliche Recht, den Tod ihres Kindes zu beschließen.

Katzbuckelei vor dem Staat, gleich wie miserabel er entscheidet und entscheiden lässt, ist nicht staatstragend, sondern dumm und schädlich. Einem Lebensrechtler vorzuwerfen, er sei ein Staatsfeind, weil er ohne Abstriche gegen Abtreibung ist, ist unlogisch.

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Tagesheiliger: Schutzpatron des Internet

Offiziell ist Isidor von Sevilla das zwar noch nicht, aber Benedikt XVI. hatte ihn hierfür vor Jahren vorgeschlagen, und ich finde es einleuchtend.
Isidor ist Schutzpatron dieses Weblogs.

Bitte an Isidor von Sevilla

Heiliger Isidor, lass doch im Netze
niemals obsiegen die Mordlust und Hetze,
Einhalt gebiete dem hohlen Geschwätze!
Lass doch in Facebook und Twitter die Nattern
mehr sich bekehren und weniger schnattern!
Nimm doch die törichten Kommentatoren,
Heiliger Isidor, bei ihren Ohren!
Nimm auch mich selber mit heiliger Wucht,
Isidor, da wo es nötig, in Zucht!

© Claudia Sperlich

Nachtrag: Auch Josef Bordat schreibt über den Tagesheiligen – wie immer sehr lesenswert!

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April, April!

Der gestern hier vorgestellte gregorianische Ruf zur Vigil steht in keinem Graduale und keiner klösterlichen Handschrift der Welt. Auch die erwähnten Notizen zum Caffee-Kanon findet man nur auf diesem Weblog.

Meine Geschichte des Kaffee-Kanons gehört in die Rubrik Aprilscherz.

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Geschichte des Caffee-Kanons

C-A-F-F-E-E, trink nicht so viel Caffee!

So der protestantische Komponist und Musikpädagoge Carl Gottlieb Hering.

Die neuere Musikforschung hat interessante Details zur Entstehungsgeschichte des bekannten Kanons aufgedeckt.

Der Kanon ist als musikalische Paraphrase und weltliche Parodie eines kürzlich entdeckten gregorianischen Gesanges zu verstehen. Der kurze gesangliche Ruf „Vigilate et orate – Wachet und betet“ wurde in Benediktbeuren während der Vigil vermutlich immer wieder angestimmt.

vigilate

Der Text (Mt. 26,41) wurde in der säkularisierten Gesellschaft mit protestantischer Arbeitsethik entgegen dem ursprünglichen Sinn so verstanden, daß frühes Aufstehen und Morgengebet den Auftakt zum Arbeitstag bildeten. In katholisch geprägten Gebieten sah man den Kaffee als göttliche Hilfe zum Wachen beim nächtlichen Gebet, dessen Genuss der Nüchternheit nicht widerspreche. Kaffee, der neu entdeckte Wachmacher, galt daher konfessionsübergreifend als gottgewolltes Mittel zum Zweck. Kritik an dem Getränk, das „die Nacht zum Tage“ mache, gab es ebenfalls konfessionsübergreifend, zumal die gesundheitlichen Folgen übermäßigen Koffeinkonsums bald bekannt wurden. Carl Gottlieb Hering komponierte und dichtete den Kaffee-Kanon, als ihm auffiel, daß die Notenwerte des ersten Wortes den Buchstaben des Wortes Caffee entsprachen. Darauf lässt eine erst jüngst entdeckte Notiz aus dem Nachlass des Komponisten schließen. Die Notiz ist in unbekannter Handschrift verfasst und vom Komponisten mit einem Zusatz versehen, durch den er sich von einer extrem katholikenfeindlichen Interpretation seines Werkes abgrenzte.

Die katholische Auffassung des Rufes unseres hochheiligen Herrn Jesu Christi, zu wachen und zu beten, ist immer gewesen, die Nächte in sinnlosem Singsang und Gemurmel zu verbringen. Förderlich ist das aber nicht der Arbeit des Tages. Wir müssen den Ruf Jesu „Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet“ so verstehen, daß wir früh uns erheben, Ihm danken für die vergangene Nacht und den neuen Tag, uns Ihm ganz ergeben und dann unser Tagewerk unverdrossen beginnen, immer fleißig, immer mit einem Loblied auf den Lippen. Die Nacht aber, die „keines Menschen Freund“ ist, soll uns, wenn dem keine nothwendige Arbeit entgegensteht, zur Ruhe dienen.
Als drollige Fußnote der Musikhistorie mag gelten, daß ein uralter klösterlicher Weckruf aus Benediktbeuren, der die Mönche bei ihren Gebete murmelnd durchwachten Nächten begleitete, auf der Notation CAFFEE beginnt – jenem Wach-Rauschgetränk unserer Zeit, das nur jenen noth tut, die nächtens anderen Beschäftigungen, als dem Schlafe, obliegen.

Herings Zusatz:

Ja, mit dem papistischen Gesänglein habe ich wohl gespielt, aber so übelgesonnen, wie dieser Herr es meint, bin ich den Römlingen nicht, daß ich sie gleich in Grund und Boden verdammen möchte. Es sind treffliche Leute darunter.

Der Kaffee-Kanon ist Warnung vor übertriebenem Kaffeekonsum und Spott über die Muslime, die hier als kränkliche Kaffeetrinker dargestellt werden. Ob er auch eine beißende und gänzlich ungerechtfertigte Kritik an der katholischen Kirche beinhaltet, ist wegen Herings Fragezeichen-Zusatz zu dieser kühnen Interpretation von fremder Hand mehr als fraglich. In jedem Fall aber wird es Zeit, sich auf das mittelalterliche Original zu besinnen, zu wachen, die Vigil zu beten und zu singen.

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