Adventssonntagabend

Ich hatte spontan Lust, mir einen netten kleinen Kuchen zu backen. Das geht, auch wenn eigentlich nur wenig Kuchengeeignetes im Haus ist:

Mehl, Grieß, Backpulver, Zimt, Ingwer, Zucker, Butter, Hafermilch. Und eine Prise Salz, natürlich.

Ganz unaufwendig – und, noch warm genossen, sehr lecker!

Kuchen

Auch das ist ein Grund zum Dank: Genug im Haus haben und die Fähigkeit haben, daraus etwas zu machen.

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1. Adventssonntag – Ad Te levavi

Mein Adventskalender beginnt nicht mit dem Dezember, sondern mit dem 1. Adventssonntag. Also heute.
Allen Lesern wünsche ich eine gnadenreiche und stressarme Adventszeit!

Erster Advent

Advent – Sonettenkranz
I

 
Der Herr ist Menschenohnmacht selbst geworden!
Wer kann sich über Schwäche noch erheben?
Da sterblich wurde allen Lebens Leben,
Sind sonnenhell und warm auch Nacht und Norden.
 
So kleinlich und so eigennützig streben
Wir allzuoft nach Dingen, die uns schaden,
Und Jesus weiß, wie wir mit Schuld beladen –
Als Mensch und Gott hat Er die Schuld vergeben.
 
Der göttlich ist und sich zum Menschen macht,
Der menschlich ist und Göttliches verkündet,
Der hat die Liebe in uns angefacht,
 
Der stürmt in uns wie Flammengeist und Wind,
Hat sich aus freiem Willen uns verbündet –
Er fordert unsre Liebe als ein Kind.

aus: Zyklische Sonette, tredition 2016

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Der Advent kann kommen!

Zwar ist die Wohnung nicht aufgeräumt – aber der Adventskranz ist fertig.

Adventskranz

Am Sonntag geht es los: Drei Wochen lang – so kurz ist der Advent heuer – möglichst gründlich innerlich auf das herzliebe Hochfest der Christgeburt vorbereiten. Licht werden, ruhig mit norddeutscher Doppelbedeutung, denn der Advent ist ursprünglich eine Fastenzeit. Ballast abwerfen.

Ich will mich im Advent auf gar keinen Fall in irgendwelche vorweihnachtlichen Konsumräusche stürzen, will versuchen, mehr zu beten und weniger dummes Zeug zu reden, und ich will Guardini lesen. Mal schauen, ob ich es schaffe.

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Ein Adventskalender kommt noch.

Es wird heuer wieder einen Blog-Adventskalender geben – allerdings fange ich erst im Advent damit an, also mit dem kommenden Sonntag. Geduld!

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Sankt Andreas

Allen, die Andreas, Andrea, Andrew, André, Anders, Andrzej oder so ähnlich heißen, Gottes Segen zum Namenstag!

Andreas
Melodie: Wer nur den lieben Gott läßt walten

Andreas kam zum Jordanufer
Voll Sehnsucht nach der Gotteszeit.
Er ließ sich mahnen von dem Rufer:
„Macht unserm Herrn den Weg bereit!“
Dort stand, von heilgem Geist umweht,
Der Nazarener im Gebet.

Andreas hört‘ den Täufer sagen:
„Seht, Gottes Lamm trägt unsre Schuld!“
Er ging zu Jesus, Ihn zu fragen,
Erfuhr von Liebe und Geduld.
„Komm mit und sieh“, der Meister sprach,
Da folgte Ihm Andreas nach.

„Den Christus haben wir gefunden!“
Sein Bruder Simon folgte gleich,
Und beide gingen, zu bekunden
In Wort und Tat das Gottesreich.
Wer Jesu Liebeswort erzählt,
Gibt mehr als jedes Reich der Welt.

Herr, laß mich Deinen Weg bereiten
Und allen sagen, wer Du bist:
Der Welten trägt durch alle Zeiten,
Der Menschen Retter, Jesus Christ,
Der auch die schwerste Schuld vergibt,
Der ewig lebt und ewig liebt.

aus: Lass mich bekennen Deine Mandelblüte, tredition 2015

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Ave Maria – Devotionalien in Berlin

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Ave Maria heißt nicht nur eines der bekanntesten Gebete, sondern auch ein viel zu unbekannter Devotionalienladen in Berlin-Tiergarten.

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Man wird in Berlin vermutlich selbst unter Katholiken wenig Menschen treffen, die überhaupt etwas mit dem Wort „Devotionalien“ anfangen können. Umso froher bin ich, daß die Autorin Bettina Klix mich auf dies Geschäft aufmerksam machte. In ihrem kürzlich erschienenen und sehr lesenswerten Buch „Berliner Suchbilder“ hat sie dem Laden ein anrührendes Denkmal gesetzt:

Devotionalien, Berlin-Schöneberg

Als ich das erste Mal das Geschäft besuche, braucht ein verzweifelt aussehender Mann im Arbeitsoverall sofort! eine neue Krippe. Denn diejenige, die sein Betrieb immer zum ersten Advent ins Schaufenster stellt, ging heute zu Bruch. „Ich sag’ noch zu den Lehrlingen: Seid bloß vorsichtig! Und dann fällt mir der Karton aus der Hand. Dem Josef ist der Arm abgebrochen und dem Jesuskind Arme und Kopf.“ Schnell hat er sich eine Krippe aus dem Schaufenster ausgesucht, ein Stall wird für noch ihn angefertigt werden. Der Kunde ist glücklich. Er hatte den Laden bisher nur von außen gesehen, aber nie daran gezweifelt, dass er hier findet, was er sucht. „Die kaputten Tiere kann ich ja noch selbst kleben.“ Aber nicht die heilige Familie, lautet der nicht ausgesprochene Nachsatz.
Zwei gepflegte junge Männer fragen nach Rosenkränzen. Ihnen wird eine Quittung für Requisiten ausgestellt. Denn hier werden die Devotionalien nicht nur von Gläubigen gekauft, sondern auch von Theater – und Filmleuten, die sie für Ausstattungszwecke benötigen. Die Nachfrage hat zugenommen, da das Fernsehen das klerikale Milieu entdeckt hat.
Eine Nonne kommt auf dem Fahrrad vorgefahren und sucht ein sonst schwer erhältliches Stehkreuz. Die Schwester braucht ein mobiles Kruzifix für ihre Besuche an Krankenbetten.

Weil der Standort dieses Ladens namens „Ave Maria“ an der Potsdamer Straße so unwahrscheinlich war, dachten manche, das Ganze könne nur ironisch gemeint sein. Doch mag da anfangs noch Spielraum für Understatement gewesen sein oder ein mehr ästhetischer Umgang mit bestimmten Produkten, so fand dies spätestens mit dem Regiment von Rachele Cutolo ein Ende, einer tief gläubigen Katholikin, die den Laden jetzt führt.
Am Samstag, wenn sie das Geschäft geschlossen hat, verlässt sie die Räume erst, nachdem sie ein Gesätz des Rosenkranzes gebetet hat.

© Bettina Klix

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Zur Feier des Tages war ich nun endlich selbst dort – am neuen, nicht weit von der Potsdamer Straße entfernten Standort des Ladens:

AVE MARIA
Lützowstraße 23
10785 Berlin

U-Bahn: Linie U1 Kurfürstenstraße)
Bus: Linie M48, M85 (Lützowstr./Potsdamer Str.)

Öffnungszeiten:
Mo – Fr: 12 – 18 Uhr
Samstag: 12 – 15 Uhr

Rachele Cutolo ist ein liebenswertes Original von mütterlicher Herzlichkeit. Sie sieht den Laden nicht so sehr als Geschäft wie als Missionsauftrag. Die Geschäftsräume sind eigentlich zu klein für das überwältigende Angebot von allem, was das katholische Herz begehrt – Kruzifixe, Madonnen, Heiligenstatuetten verschiedenster Art, kostbare und schlichte Rosenkränze, Altarkerzen, Bilder (auch einige ausgezeichnete Dürerrepliken), Bücher, frommer Oblatenkitsch von Anno Dunnemals und winzige Reproduktionen alter Meister zum Einlegen ins Gesangbuch, Bronze, Silber, Wachs, Holz, Papier und ein ganz bißchen Plastik, Modernes und Altes – und eine eindrucksvolle Kollektion von Weihrauchsorten.

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Wer in Berlin katholisch ist (oder Filmemacher, oder beides), sollte das Ave Maria unbedingt aufsuchen. Wer nicht, auch – denn diese „katholische Gemischtwarenhandlung“ ist ganz einfach ein Erlebnis.

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Ein Jahr unter Gelübde

Am ersten Adventssonntag vorigen Jahres legte ich in St. Lambertus in Spandau ein feierliches Gelübde ab:

Ich gelobe, über die Zeit von drei Jahren – von heute an – keusch zu leben, dem Herrn und der Kirche gehorsam, in evangelischer Armut so besitzend, als besäße ich nicht,
täglich an der Heiligen Messe teilzunehmen,
täglich wenigstens eine halbe Stunde lang in Anbetung zu verharren, entweder vor dem Tabernakel oder bei der Eucharistischen Anbetung,
häufig, das heißt mindestens einmal im Monat, das Sakrament der Versöhnung zu empfangen.

So sah es aus:
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Gelübde
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Gelübde
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Ich habe es keinen Augenblick bereut. Im Gegenteil werde ich jeden Tag durch mein Gelübde beschenkt und erfahre immer mehr, wie schön meine geistliche Heimat, die katholische Kirche, ist – als hätte ich gelobt, jeden Tag ein Kästchen Juwelen anzunehmen.

Ich habe in dieser Zeit das Stundengebet und den Rosenkranz, alte Schätze der Kirche, für mich wiederentdeckt und darin unter anderem einen Weg zu innerer Ruhe gefunden. (Die Betonung liegt auf Weg; falls jemand die Stirn haben sollte, zu behaupten, ich sei gar nicht wirklich immer völlig gelassen…) Besonders ins Stundengebet hoffe ich mit der Zeit immer tiefer „einzusteigen“. Zur Zeit kann ich sagen, daß der Tag mir ohne Laudes und Komplet unvollständig scheint.

Ich hoffe zwar, in zwei Jahren ein ewiges Gelübde abzulegen – hoffe es so sehr, daß ich eine Neigung habe, das schon mal immer zu planen. Aber ich kann und soll jetzt nicht „die frischen Früchte für später einwecken“, wie mir ein kluger Geistlicher sagte. Was später wird, weiß ich nicht – jetzt habe ich die Möglichkeit, staunend und dankbar die Früchte des Gelübdes zu genießen.

DEO GRATIAS!

Warum mir dies so wichtig ist, und warum ich glaube, Gott meint es genau so mit mir, erklärt vielleicht dies Sonett.

Mein Dienst

Dreieiner Gott, ich wollte Dich durch Taten,
Durch unaufhaltsam gutes Tun verehren,
Und wollte Großes tun und Großes lehren –
Und nichts davon ist lange gut geraten.

Du aber wolltest Liebe und Gebete.
Du zeigtest streng mir, daß ich mich nur sonnte
In dem, was ich gern wollte und nicht konnte,
Bis ich um Weisung und Erbarmen flehte.

Mein Herr und Gott, ich liebe Dich. Ich will
Dir dienen, so wie Du es mir gegeben.
Dir geb ich, was ich von Dir hab: Mein Leben.

In Dir allein wird meine Seele still.
Mit Dir zur Seite kann mich nichts gefährden.
Durch Dich allein kann ich wahrhaftig werden.

© Claudia Sperlich

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Pater Burkard O.P. Mein ganz persönlicher Nachruf.

Pater Burkard von den Dominikanern in Berlin-Moabit starb am 5. November, gut neunzigjährig. Sechzig Jahre lang war er mit Leidenschaft Seelsorger, und viele Berliner hatten ihn als gütigen Beichtvater kennengelernt. Ich wohne nicht in oder nahe bei Moabit und lernte ihn vor etwas über einem Jahr in anderem Zusammenhang kennen.

Ich wollte ein Gelübde ablegen und hatte mit einem anderen Priester darüber gesprochen. Der hatte mir geraten, auch mit P. Burkard zu sprechen, da dieser so viel Erfahrung habe.

Ich traf im Besprechungszimmer der Dominikaner einen im wörtlichen wie bildlichen Sinne aufrechten Geistlichen, der eine Art geistlicher wie geistiger Stärke und Freundlichkeit ausstrahlte. Er hörte mich wach und interessiert an, stellte mir dann viele Fragen und machte sich Notizen. Zwischendurch sagte er mehrmals, wie um Entschuldigung bittend, ich möge ihn nicht für inquisitorisch halten. Ich versicherte ihm, den Eindruck habe ich gar nicht.

Aber ich war ein wenig bange, was seine Einschätzung meines Unterfangens sein möchte. Denn ich hatte mir fest vorgenommen, auf ihn zu hören – und wenn er nun sagen würde: „Liebe Frau, schlagen Sie sich das mal schön aus dem Kopf“, dann würde ich auch auf ihn hören, aber es nicht im Wortsinn wollen.

Er fragte mich genau nach meiner persönlichen Situation, nach meiner Familie, meinem kirchlichen Leben, endlich auch danach, ob ein Gelübde, das die tägliche Feier der Heiligen Messe und tägliche Anbetung beinhaltet, praktisch auf jeden Fall möglich sei. Hier konnte ich sehr ruhig antworten – in Berlin kann ich mir täglich aussuchen, in welcher der vielen Kirchen ich zur Messe gehe, morgens oder abends, und in St. Clemens sogar mittags – und zur Anbetung offen ist St. Clemens immer, Tag und Nacht, und mehrere Kirchen in meiner Reichweite zumindest tagsüber.

Damit war für ihn soweit alles klar; er sagte bedächtig, daß aus seiner Sicht kein äußeres Hindernis bestehe. Etwas schüchtern fragte ich nun, ob er denn den Eindruck habe, daß mein Wunsch vernünftig sei. Er lachte ein wenig, sehr freundlich, und meinte, er sei kein Prophet – aber ich solle es ruhig machen, nur vernünftigerweise vorerst auf drei Jahre begrenzen. Er empfehle übrigens einen Termin, der mir irgendetwas sagt – mein Namenstag vielleicht, oder mein Taufdatum? – Beides sei mir ein wenig zu lang hin, wandte ich ein. – Nun, dann vielleicht einfach den ersten Adventssonntag, gleich zum Beginn des Kirchenjahres. (Das waren keine zwei Monate mehr.)

So geschah es also. Ich habe ihm wenige Monate später noch ganz kurz nach einer Messe sagen können, wie glücklich ich sei mit dem Gelübde – und ich sah, wie ihn das freute. Ich hätte ihm gerne nächste Woche, nach meinem „Einjährigen“, noch etwas ausführlicher gesagt, wie dankbar ich ihm bin und wie glücklich mein Gelübde mich macht. Stattdessen habe ich heute den Herrn gebeten, ihm das zu sagen. Und ich glaube, wenn ich kommenden Montag meinen ersten Jahrestag feiere, feiert Pater Burkard mit. Eingeladen ist er jedenfalls.

Gott, Pater Burkard ist nun bei Dir – vielleicht noch auf dem Weg, in dem Zustand der Sehnsucht, den wir Purgatorium nennen, aber ich kann mir nicht vorstellen, daß er lange dort sein muss. Wie auch immer: Er hat heilig gelebt, hat Dich geliebt und seinen Nächsten geholfen, Dich zu lieben.
Ich danke Dir, Herr, dafür, daß Pater Burkard hier gelebt hat. Ich hatte in ihm einen weisen und gütigen Berater.
Gott, für mich ist heute ein Tag der Freude, weil ich dadurch, daß ich bei Requiem und Begräbnis für ihn beten konnte, ihm etwas vergelten konnte.
Halt ihn an Deinem Herzen, Herr, Du gnädiger Richter, Du großherziger König. Nimm ihn auf in die Schar Deiner Heiligen. Amen.

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Bei hartnäckigem Husten

Husten, geh, verlasse mich!
Nie will ich dich wiederhaben!
Du zerstörst der Stimme Gaben –
Husten, fort! Ich hasse dich!

Daß du außerdem mit mir
Nächtelang im Bett gelegen
Ohne priesterlichen Segen,
Nehm ich wahrhaft übel dir!

Ich hab nie „Ich will“ gesagt,
Und es können nicht bestehen
Zwischen Mensch und Husten Ehen,
Gleich wie laut der Husten klagt.

Husten, fort! Du musst nun fliehn
Vor des Kirchenrechtes Walten:
Hustenehe kann nicht halten,
Sagt auch Thomas von Aquin.

Wenn du nicht von selber fliehst,
Werd gerechten Krieg ich führen,
Lass den Hustensaft dich spüren,
Bis besiegt du niederkniest.

Waffen liefert Hildegard:
Eibisch, Thymian, Königskerzen.
Eukalyptus überm Herzen,
Kämpfe ich nach Christenart.

Husten, du entkommst mir nicht!
Mit Papst Gregor an der Seite
Scheuch ich dich in Wüstenweite –
Wart nur auf das Endgericht!

© Claudia Sperlich

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Darf man Urlaub von Gott nehmen?

Auf Facebook wurde diese scholastische Frage gestellt, und die Diskussion ist wirklich interessant.

Zunächst ist zu bemerken, daß es sowohl von „Gott“ als auch von „Urlaub“ zu verschiedene Auffassungen gibt, um die Diskussionsbeiträge klar gegeneinander abzuwägen.

Wenn man Gott als eine Art großen Freund sieht, der für einen da ist, wenn man Ihn braucht, einen aber sonst in Ruhe läßt, dann ist ein gelegentliches „Urlaub machen“ nicht nur möglich, sondern um der persönlichen Entwicklung willen auch nötig. Sieht man Ihn als Aufseher, der beurteilt, ob man auch nie die Messe schwänzt, ist ein Urlaub gefährlich, aber vielleicht das Risiko wert.

Allerdings sind diese beiden Gottesauffassungen zwar entgegengesetzt, aber gleichermaßen naiv. Im 60er-bis-80er-Jahre-Christentum gibt es starke Strömungen, die Gott als kumpelhaften Typen sehen, den man um Hilfe bitten kann, wenn man selbst nicht fertig wird, und der uns im übrigen einfach machen läßt. Diese Vorstellung widerspricht der immer fürsorgenden Güte Gottes ebenso wie Seiner richterlichen Vollmacht.
Die barocke und im 19. Jh. noch einmal auf sentimentalere Weise großgewordene Vorstellung des Gottes, der das Nasepopeln eines kleinen Jungen nicht nur genau sieht, sondern auch ahndet (z.B. mit dem nächsten aufgeschlagenen Knie) und der auf dem Gottesdienstbesuch besteht, weil Er es eben so haben will und basta, ist von kindlicher (oder kindischer) Angt geprägt, ebenso die Vorstellung eines Über-Arbeitgebers, der mich ununterbrochen antreibt, Gutes zu tun, und jede Erschöpfungspause ahndet.

Urlaub wird teilweise als Abwesenheit von der Messe, von anderen religiösen Verpflichtungen definiert, teilweise als Pause in der Gottsuche, als Zeit, in der Gott einfach „kein Thema“ ist, und einmal – sehr interessant – unter Bezugnahme auf Hiob als „Urlaub vor Seinem Zorn“. Gegenargumente sind: Wenn Gott das Leben selbst ist, kann man vor Ihm gar keinen Urlaub machen, das wäre wie aufhören zu atmen oder wie absolut nicht mehr lieben.

Der geäußerte Wunsch, ab und zu mal der Sonntagspflicht und anderen religiösen Pflichten nicht zu genügen, entspringt meiner Ansicht nach (und meiner eigenen Erfahrung nach!) einer unvollkommenenen Sicht auf die Messe. Wenn ich darin einen irgendwie gemeinschaftstiftenden Ritus sehe, in der real existierenden katholischen Ortsgemeinde aber gerade unschöne Erfahrungen mache (und noch nicht imstande bin, mein eigenes Anteil daran wahrzunehmen), dann wiegt das Argument „keine Lust auf Gottesdienst“ ziemlich schwer. Sehe ich aber in der Messe das heilbringende Opfer und in der Hostie Jesus Christus selbst, der sich mit mir vereinigen will, dann kann mich der unangenehmste Banknachbar, die schlampigste Liturgie und die schlechteste Predigt nicht davon abhalten, hinzugehen. Ich kann allerdings beides als Prüfung wahrnehmen und auch mit Gott hadern, was Er mir da schon wieder zumutet. Möglich, daß ich im Laufe der Zeit merke, wenn ich selbst erträglicher wäre und besser zu- oder im schlimmsten Fall weghören würde, wäre alles gar nicht so schlimm. (Anmerkung: Ich habe leicht reden – in meiner Gemeinde ist schöne Liturgie und kluge Predigt an der Tagesordnung. Aber ich kenne es auch anders.)

Wo „Gott kein Thema“ ist, fehlt meiner Ansicht nach dem Leben das Leben selbst. Mag sein, daß das als erholsam empfunden wird, aber nur, weil man sich von einer falschen Gottesvorstellung erholt. Es entsteht ein Vakuum im Leben, das mit Tätigkeiten gefüllt wird. So schön jede einzelne dieser Tätigkeiten sein mag, das führt zu einer Selbsterlösungslehre. Und solche Lehren haben noch nie auf Dauer Gutes gebracht.

Wenn ich Gott als die Liebe selbst sehe, den Allmächtigen, Allgütigen, der für mich grausames Leiden auf sich genommen hat, und dem ich in jeder Messe leiblich begegne, dann kann ich gar nicht Urlaub von Ihm wollen. Trotzdem gibt es immer wieder Momente, wo ich mich eben doch „beurlaube“, indem ich auf irgendeine Weise lieblos bin. Einen Mangel an Liebe nennt man auf katholisch „Sünde“. Sünde trennt von Gott. Wenn man sehr ehrlich zu sich selbst ist, merkt man wahrscheinlich eine ganze Menge kleiner Lieblosigkeiten, sei es aus Bequemlichkeit oder Zorn oder irgendeinem anderen Grund. Durch die Bitte um Vergebung, idealerweise im Sakrament der Beichte, kann der dadurch entstandene „Urlaub“ geheilt werden. Von Gott.

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