Lohnt es? Oder doch nicht?

Die meisten gewinnen nichts.

Auf den ersten Blick scheint dies Schild zu sagen: Glücksspiel lohnt nicht!

Aber dann lese ich: Der angegebene Gewinn „Gar nichts“ wird unter 95 Millionen nur einmal erzielt. Das würde ja bedeuten, daß man fast immer irgendetwas gewinnt. Einen Teil des Einsatzes vielleicht? Eher nicht. Oder die Erkenntnis, daß Glücksspiel nicht lohnt? Oder die Fähigkeit, mit wenig Geld auszukommen? Brauch ich nicht mehr, hab ich schon.

Ich lasse lieber die Finger davon.

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Ich habe eine Babyflasche!

Gestern abend wurde in St. Marien in Berlin-Friedenau die Babyflaschen-Aktion von 1000plus vorgestellt.

Babyflasche 1000plus

Zur Erinnerung: In Deutschland werden jährlich etwa hunderttausend (100.000) Menschen im Mutterleib getötet. 2017 waren es 101.209, das sind 2,5% mehr als 2016. Stellen Sie sich vor, alle Einwohner von Kaiserslautern (oder von Gütersloh oder Cottbus oder Hildesheim) würden innerhalb eines Jahres ermordet – dann haben Sie einen Begriff von der Größenordnung.

1000plus setzt sich für Mütter und Kinder ein. Die Beratung von Frauen in einer konfliktbeladenen Schwangerschaft ist kostenlos. 1000plus hilft schnell und unbürokratisch beratend, bei Amtsgängen, mit Sachspenden. 1000plus stellt aber keine Beratungsscheine aus, um auf keinen Fall eine Abtreibung zu ermöglichen. Deshalb ist 1000plus vollständig vom Staat unabhängig – und vollständig spendenfinanziert.

Hier kommen die Babyflaschen zum Einsatz. Im Vorraum der Kirche konnte man sich ein Fläschchen mitnehmen.

Babyflasche 1000plus

In den folgenden drei Wochen kommt Geld hinein – was man erübrigen kann. Man kann auch Freunde einladen und auf das Fläschchen hinweisen, oder es zur Arbeit mitnehmen und Kollegen darauf aufmerksam machen – oder darüber bloggen, facebooken, twittern etc. Nach drei Wochen bringt man die Babyflasche samt Geld in das Pfarrbüro der Kirche, wo man sie abgeholt hat – oder einer anderen Kirche, die an der Aktion beteiligt ist. Man kann auch eine Spendenbescheinigung anfordern; ein Formular liegt der Babyflasche bei.

Die Aktion 1000plus bittet, die Fläschchen auch dann wieder abzugeben, wenn man doch kein Geld übrig hatte, damit sie weiterverwendet werden können.

Und natürlich kann man in der eigenen Pfarrei anregen, mitzumachen bei der Babyflaschenaktion.

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St. Joseph

Joseph

Er wurde nie von seinem Herrn gefragt,
ob er den sonderbaren Ziehsohn wollte.
Er lernte träumend, wie er handeln sollte –
und blieb bei ihr und hat sich nicht beklagt.

Schon möglich, daß er trauerte und schmollte,
vielleicht von Zorn und Zweifel angenagt.
Doch hat das Ungewohnte er gewagt,
als das verheißne Wort ihn überrollte.

Er richtete, so gut es ging, die Hütte
und legte seinen Mantel auf die Schütte,
damit Maria weich lag und der Knabe.

Er brachte beide durch als Gastarbeiter.
Die Träume blieben seine Wegbereiter.
Vielleicht sah er den Sohn als Gottesgabe.

aus: Lass mich bekennen Deine Mandelblüte, tredition 2015

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Ein Sündenregister, das keines ist

Der katholische Publizist Josef Bordat, Philosoph, Blogger und Mitarbeiter bei der Tagespost, hat kürzlich ein neues Buch vorgelegt: Von Ablasshandel bis Zölibat. Das „Sündenregister“ der Katholischen Kirche.

Wie jedes apologetische Werk hat es viel mit Kirchengeschichte zu tun, aber die Ordnung der 36 Kapitel ist nicht chronologisch, sondern alphabetisch. Das ist praktisch, da es im Grunde ein Nachschlagewerk ist; es könnte, wäre Bordat nicht so höflich, auch heißen: „Von A bis Z – die abenteuerlichen und schier unausrottbaren Falschaussagen über die Katholische Kirche“. Jedem Kapitel ist eine solche Falschaussage in der Form vorangestellt, wie man sie in Diskussionen, beonders in den sozialen Medien, häufig antrifft. Jedes Kapitel schließt mit Literaturnachweisen und Hinweisen auf weiterführende Literatur, wobei dem Leser kein Bibliothekskatalog zugemutet wird, sondern nur ganz wenige, aber fundierte Bücher.

Das Kapitel Antisemitismus zeigt auf, daß der in der Kirche leider vorkommende Antijudaismus einerseits keineswegs kirchlich gebilligt oder gar durch die Inhalte des Christentums begründbar ist, andererseits keinesfalls linear und als einziger oder auch nur ein wesentlicher Grund in die Barbarei des Dutzendjährigen Reiches führt. Bordat belegt deutlich, daß die katholische Kirche sich stets gegen die Drangsalierung von Juden gewandt hat. Hier wäre allerdings eine Erwähnung des im 4. Jh. virulenten Antijudaismus redlich gewesen, der immerhin von den Kirchenvätern Athanasius und Hieronymus in unanständiger Weise propagiert wurde. Ein kleiner Absatz darüber, daß zu jener Zeit selbst kluge und fromme Leuchten der Kirche so hasserfüllt sein konnten, hätte das Buch noch besser gemacht.

Das ist aber schon mein einziger sachlicher Kritikpunkt. Sprachlich sind die Kapitel unterschiedlich; das über das Naturrecht ist für den philosophischen Laien schwer (aber keinesfalls unmöglich) zu lesen. Vielleicht wäre hier etwas mehr Abstand vom philosophischen Fachjargon oder die eine oder andere Fußnote möglich gewesen; allerdings ist das Thema eben schwierig, und gut, daß Bordat es nicht verflacht, sondern dem Leser diese Schwierigkeit zumutet. Andererseits ist das Kapitel über Jesus für einen normalbegabten Fünfzehnjährigen verstehbar. Insgesamt habe ich Bordats Buch Das Gewissen mit größerem Lesevergnügen gelesen als das Sündenregister. Das ist aber eine nur stilistische Anmerkung; das Sündenregister ist ein gutes Handbuch für den Umgang mit Kirchenkritikern und zugleich eine gute Quelle für jeden, der mehr über die schwierigen und zweifelhaften Punkte kirchlicher Geschichte und Gegenwart lernen möchte.

Die alphabetische Ordnung bescherte mir einen Schmunzler: die Kapitel Engel und Frauen stehen unmittelbar hintereinander – das wirkt inmitten der sachlich-wissenschaftlichen Art des Buches höchst charmant. Ersteres Kapitel erklärt den biblisch begründeten Glauben an Geistwesen und grenzt ihn eindeutig von esoterischem Engelglauben ab, der z.T. ganz ohne Gottesvorstellung auszukommen versucht; in letzterem weist Bordat nach, daß die Kirche von Anfang an hohen Respekt vor Frauen und Weiblichkeit hat.

Besonders schön finde ich das Kapitel Schöpfungsglaube, in dem Bordat den scheinbaren Widerspruch zwischen Schöpfung und Evolution auflöst:

„Was besagt die Evolutionstheorie? Daß sich das Leben in seiner ganzen Vielfalt entwickelt hat. Und was besagt der Schöpfungsglaube? Daß es für diese Entwicklung einen Grund geben muß. Zwischen der naturwissenschaftlichen Erkenntnis und dem theologischen Verständnis ist kein Widerspruch möglich, weil jeweils ganz unterschiedliche Kategorien der Weltanschauung angesprochen werden: Prozesse und Ursachen, Mechanismen und Gründe, die Frage nach dem Wie und die Frage nach dem Warum.“

Spannend ist auch das Kapitel über Tradition, in dem Bordat die schwierige Gratwanderung zwischen „Bewahrung der Asche“ und scheinbar praktischem, tatsächlich aber beliebigem modernistischem Wildwuchs zeigt. Die Sinnhaftigkeit der Tradition ist ihm, ist der katholischen Kirche wichtig, und gerade deshalb darf sie auch in Frage gestellt werden, wo der ursprüngliche Sinn nicht mehr klar oder schwer verständlich ist. Dabei darf das Infragestellen nicht leichtfertig zum Abschaffen führen, wenn es mit der Auffrischung des Wissens getan wäre.

„Tradition schreibt das Wesentliche unter veränderten Kontextbedingungen fort, ohne an starren Formen festzuhalten. Was Zeiterscheinung ist, darf in der jeweiligen Zeit bleiben. Was aber wesentlich ist, muß erhalten werden für die Zukunft: „Prüft alles und behaltet das Gute!“ (1 Thess 5,21).“

Das Kapitel endet übrigens mit einem so flammend poetischen Appell an die Kirche, daß der Buchkauf schon dafür lohnen würde.

Im Kapitel Vernunft spielen die Hauptrollen die beiden berühmtesten Erzvernünftigen der katholischen Kirche: Ratzinger / Benedikt XVI. und Thomas von Aquin. An ihnen verdeutlicht Bordat, daß die katholische Kirche in sich vernünftig ist, weil sie sonst nicht sein kann – und daß die beleidigten Reaktionen auf schwierige Stellen in vernunftgeleiteten Reden und Schriften alles andere als vernünftig sind.

Von Ablasshandel bis Zölibat. Das „Sündenregister“ der Katholischen Kirche. Lepanto Verlag, 296 S.

Zuletzt noch ein Hinweis: Man muß Bücher nicht bei amazon bestellen. Genauso zuverlässig und ohne Schaden für die Bücherbranche bekommt man sie, wenn man

a) in einen Buchladen geht, nachdem man das Buch dort telephonisch bestellt hat,
b) über Internet bei einem Buchladen bestellt, z.B. bei der Buchhandlung Schwericke, die auch zustellt,
c) beim Lepanto Verlag bestellt.

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Zwei Disclaimer

Zwei auf verschiedene Weise schlechte Sachverhalte gilt es zu klären.

1. Ich habe früher mal, als Cathwalk noch ein vielversprechendes Magazin war, selbiges zweimal affirmativ zitiert. Das wird wohl nicht mehr vorkommen nach diesem haarsträubenden Irrsinn. Obwohl er auf Cathwalk selbst eine gebührende Antwort bekam, mag ich nimmer.

2. Zur Zeit ist wieder ein Irrer unterwegs, der unter den Namen klardenkender Blogger nazihafte Äußerungen in Kommentarspalten hinterläßt. Nur für alle Fälle – nein, das bin ich nicht. (Könnte man ja irgendwie selber drauf kommen, aber manche Leser sähen gern schon einen Strick um meinen dicken Hals – deshalb sag ich das lieber noch mal.)

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Kann Beten helfen?

Mit dieser Frage wurde mein Weblog gefunden, was mich sehr rührt. Nun ist der so gefundene Artikel schon etwas älter und geht auf eine bestimmte Situation ein, die längst nicht mehr aktuell ist. Ich möchte daher die Frage noch einmal genauer beantworten.

Es gibt viele Erfahrungsberichte, die von unverhoffter Hilfe nach einem Gebet sprechen. Dabei geht es um so verschiedene Dinge wie Lebensgefahr, schwere Krankheit, Unsicherheit bei einer anstehenden Entscheidung, Lebensangst, verbummelte Dinge und vieles mehr. Die guten Erfahrungen mit dem Gebet zu Gott sind so zahlreich, daß es schwierig wird, sie hinwegzupsychologisieren oder rundheraus als fromme Märchen darzustellen. Man muß nicht die bisher 65 in Lourdes geschehenen, medizinisch nicht erklärbaren anerkannten Wunderheilungen bemühen, um an die Kraft des Gebetes zu glauben – es genügt, die alltägliche Erfahrung von Trost, Ruhe, Geborgenheit und praktischer Hilfe durch das Gebet unzähliger Christen hinzunehmen.

Daß man im Gebet – also im Stillehalten und der Konzentration auf etwas anderes als sich selbst und die umgebenden Dinge – zur Ruhe kommt und dadurch zur Klärung der Gedanken, mag noch als natürliche Erklärung hingehen. Aber besonders gut ist diese Erklärung nicht mehr, wenn man – wie ich – schon mal im Zentrum eines schweren alpinen Unwetters in über 3000 Meter Höhe um Bewahrung gebetet hat und dabei ganz und gar nicht ruhig und gelassen wurde, sondern nur einfach unversehrt herunterkam. Oder wenn man – wie ich – schon mal in großer Nervosität gebetet hat: „Heiliger Antonius, ich habe keine Ahnung, ob das mit deiner Hilfe bei verlorenen Sachen stimmt, aber wenn ja, bitte hilf mir jetzt“ – und im nächsten Augenblick ein seit Stunden verbummeltes Schlüsselbund sah. Auch die Wirkung von fürbittendem Gebet für mich durfte ich schon erleben; in einer schlimmen seelischen Situation habe ich einen Freund um Fürbitte gebeten und Heilung wirklich pronto, am nächsten Tag, erfahren. Ich halte mich nicht für so besonders, daß ich mit solchen Erfahrungen allein dastehe; tatsächlich gibt es zahlreiche nicht anders als durch Gebet und Wunder erklärbare Heilungen furchtbarer Krankheiten und noch viel mehr Erfahrung von Trost, Schutz und Hilfe durch Gebet.

Jedoch ist das Gebet keine Wunscherfüllungsmaschine. Wir können Gott um alles bitten, aber Er ist nicht unser dienstbarer Geist. Oft ist es unverständlich, warum ein Gebet erhört wird und ein anderes, ebenso aufrichtiges, ebenso dringliches nicht. Aber unverständlich ist etwas Anderes als unsinnig; ich vertraue darauf, daß Gott keine Fehler macht (allerdings eine Menge Fehler zulässt, was mit unserer Freiheit zu tun hat). Wenn ich also um etwas bitte, was mir sehr sinnvoll und sogar meinem Heil dienlich scheint, z.B. einen schärferen Verstand oder größeren Einfluss im Guten auf meine Umwelt, und ich merke gar keinen Erfolg, dann kann das drei Gründe haben:

– Es ist aus einem mir unbekannten Grund nicht sinnvoll, daß diese Wünsche in Erfüllung gehen, oder
– es ist noch nicht an der Zeit, und Gott wird mir zu dem Erbetenen später verhelfen, oder
– Er hat mich schon erhört, ich habe es nur einfach nicht gemerkt.

(Bezüglich des letzten Falles lohnt es sich, auf das eigene Leben der letzten fünf oder zehn Jahre zu schauen. Was mich angeht, kann ich sagen, so doof wie vor zehn Jahren bin ich heute tatsächlich nicht mehr.)

Gott hört den Beter immer. Er erhört ihn dann, wenn es gut ist, auf eine Weise, die meist unvermutet gut ist. Aber mit diesem Satz löse ich nicht die Theodizeefrage. Ich weiß nicht, warum Er so schrecklichen und ungerechten Tod zuläßt, und die menschliche Freiheit (auch die, sich und anderen zu schaden) beantwortet die Theodizeefrage nur unbefriedigend. Damit muss ich leben.

Wäre der gute Effekt des Gebets vollständig in mathematischem Sinne beweisbar, so wäre er mir suspekt. Wenn wieder einmal nachgewiesen wird, daß beim Rosenkranzgebet der Herzrhythmus sich stabilisiert und beruhigt, dann argwöhne ich sofort, daß das auch bei einem Adagio des Lieblingskomponisten oder bei therapeutischen Atemübungen geschieht und also nicht notwendig mit dem Glauben zu tun hat. Aber unzählige Christen haben Gebetserhörungen erlebt in ganz und gar nicht ruhigen und beschaulichen Situationen. Die messbare körperliche Beruhigung bei meditativen Gebeten ist nicht die Hauptsache, sondern eine angenehme Nebensache, die nicht allein vom Glauben abhängt. Aber Heilung von Zwangsvorstellungen, von destruktiven Gedanken und von Krankheiten, Lösung kleiner und großer Probleme, Auffinden verlorener Dinge und Wege in Situationen, wo „nur noch Beten hilft“, sind zu gut dokumentiert, um sie zu ignorieren.

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Seliger Liberatus Weiß

Am 3. März 1716 sterben die Patres Liberatus, Michael Pio und Samuele Marzorato im Steinhagel. Es ist ihr Geburtstag im Himmel.

Mehr dazu hier.

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Requiem für Père Alain

Die kleine Kirche St. Thomas von Aquin in Berlin-Charlottenburg zeigte gestern Abend, daß sie hunderte Menschen fassen kann – denn der ermordete Père Alain-Florent Gandoulou wurde verabschiedet.

Als Weiße war ich Teil einer kleinen Minderheit, als Katholikin Teil einer weltumspannenden Gemeinde. So traurig der Anlass war, so froh und liebevoll war die Grundstimmung (auch wenn selbstverständlich Tränen vergossen wurden). Einige trugen über ihren warmen Jacken ein weißes T-Shirt mit dem Photo des strahlend lachenden Père Alain in Priesterornat und der Aufschrift „Adieu Papa Alain“ – eine geradezu heitere Demonstration der Liebe.

Die französischsprachige Gemeinde – Diaspora in der Diaspora Berlin – hat einen sichtbar engen Zusammenhalt; die Art, wie man sich hier über mehrere Bankreihen hinweg grüßt, wie man einander wahrnimmt, ist wärmer und herzlicher als in den meisten deutschen Gemeinden. Zugleich habe ich hier eine Welle von unverstellter, rechtgläubiger (und nicht nur recht gläubiger) Frömmigkeit erlebt, die mir in meiner Heimatgemeinde oft fehlt.

Erzbischof Koch zelebrierte, und mit ihm ungefähr zwanzig Priester. Der afrikanische Chor der Gemeinde sang Lieder auf Lingala, der kongolesischen Nationalsprache. Das klang sehr mitreißend und schön, und ein bißchen gelang mir auch, die Wiederholungen mitzusingen – die Texte standen in lateinischer Schrift auf dem Liedzettel. Zelebriert wurde teils auf Deutsch, teils auf Französisch; das Vaterunser wurde nach Père Alains Gewohnheit erst auf Französisch und dann auf Deutsch gebetet. Ich merkte, daß ich aus meiner längst vergangenen Zeit in Frankreich immer noch die wichtigsten Gebete mitsprechen kann und auch sonst alles verstand (außer Lingala).

Der Erzbischof sagte, Père Alain sei trotz seines imposanten Auftretens immer äußerst bescheiden und von großer Glaubensstärke gewesen. In der in deutscher Sprache gehaltenen Predigt war davon die Rede, wie sinnlos und schmerzvoll dieser Tod scheint – und daß Jesus mit Seinen Schmerzen und Seinem Kreuz eben auch in dieser scheinbaren Sinnlosigkeit präsent ist, daß Er dem sterbenden Père Alain nah war. Allerdings war dem Prediger – der mit Père Alain gut befreundet gewesen war – auch die Fassungslosigkeit anzumerken. Auch von der Großherzigkeit des Getöteten war die Rede; der liebevolle Spitzname „Papa Alain“ kam nicht von ungefähr.

Père Alains Bruder und eine andere junge Verwandte baten nach der Messe auf deutsch und französisch um Entschuldigung, daß der Sarg geschlossen war – die Familie hatte es so beschlossen, und man solle den Toten so in Erinnerung behalten, wie man ihn gekannt hatte. Eine weise Entscheidung angesichts der furchtbaren Verletzungen. Auf dem Sarg lag eine Bibel, darauf stand der Primizkelch des Verstorbenen. (Über den Kelch berührt der Priester den Herrn täglich mit den Lippen. Er ist ein Liebeszeichen.)

Während alle anstanden, um am Sarg Abschied zu nehmen, sang der Chor wieder etwas auf Lingala – ein schönes, fröhliches Lied, in dem ich immerhin die Worte Yésu, Alleluya, Amen verstand. Halleluja, auch in der Fastenzeit – wie Père Alain in einem kurz vor seinem Tod veröffentlichten Video auf der Gitarre begleitete und wie er nun ewig singen darf!

Nach dem Requiem blieben sehr viele noch zur Nachtwache in der Kirche, zu Gespräch und Stärkung im Pfarrsaal.

Ich habe Père Alain nicht gekannt. Aber in diesem Requiem war er mir nah durch die so lebendige und freundliche Erinnerung.

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Was am Katholizismus so klasse ist: Die Litaneien!

Litanei? Ist das nicht so ein nerviger langweiliger Singsang?
Spottwort für eine jammernde Aufzählung von Klagen, „immer die gleiche Litanei“?

Eine Litanei (von gr. λιτή litḗ, Bitte, Flehen) ist ein Bittgebet, das im Wechsel von Vorbeter und Gemeinde vortragen wird – im Idealfall gesungen. Die Melodien sind einfach: eine kleine Phrase mit geringem Tonumfang wird vom Kantor oder vom Priester vorgesungen und von der Gemeinde wiederholt. Kathpedia hat einen ausführlichen Artikel zum Thema.

Und warum tut man sich das an?

Ähnlich wie der Rosenkranz, ist die Litanei ein meditatives Gebet. Zugleich ist die Litanei ihrer Natur nach ein gemeinschaftliches Gebet. (Selbstverständlich kann man eine Litanei auch alleine und im Stillen beten. Aber man merkt dabei schon, daß sie eigentlich dialogisch ist.)

Gott wird angerufen, Litaneien beginnen mit dem Ruf um Gottes Erbarmen – generell ein guter Anfang von so ziemlich allem, nicht nur dem Gebet. In vielen Litaneien werden die Heiligen um Fürsprache gebeten. Jeder, der mitbeten will, kann schnell und einfach „einsteigen“. Der meditative Charakter wirkt beruhigend, das ist auch in Not- und Angstsituationen gut, wenn man selbst keine Worte zum Gebet mehr findet. In der Litanei sagt der Beter im Grunde: „Da ist so viel, worum ich bitten und wofür ich beten will – ich kann oder will mir aber nicht sorgfältig irgendwelche Worte zurechtlegen, Gott weiß ohnehin besser, worum es geht. Ich bitte Maria und die Heiligen als meine vertrauten Freunde, die viel besser beten können als ich, um Fürbitte, und ich bitte Gott in ganz einfachen vorgegebenen Worten und vertraue, daß die schon passen.“

Ich will damit nicht sagen, daß Litaneien nur dann sinnvoll sind, wenn einem die Angst die Worte nimmt. Auch sehr große Freude kann einem ja geradezu die Sprache rauben. Tatsächlich bete ich eine Litanei auch in besonderer Weise als Teil der Gemeinschaft, also auch stellvertretend für den todunglücklichen oder auch den überglücklichen Nächsten als Bitte und Dank. Glaube hat mit Gemeinschaft zu tun – Gemeinschaft und Glaube befruchten und nähren sich gegenseitig. Das chorische Sprechen, mehr noch das chorische Singen unterstützt den gemeinsamen Glauben. Es ist wie eine ganz einfache Katechese – jede Anrufung einer Litanei sagt zugleich allen, die sich daran beteiligen: Das gehört zu unserem Glauben.

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Tausend Dank!

Gestern war so ein Tag, da stimmte einfach alles. Sogar das Wetter strahlte mich an, was Ende Februar eher selten geschieht (mein gewöhnliches Geburtstagswetter ist grauer Matsch).
Liebe Gäste waren da, und von nah und fern wurde ich überhäuft mit freundlichen Worten und guten Wünschen. Heute bekam ich überraschend noch einmal einen vielstimmigen Geburtstagsgruß beim Kaffee gleich nach der Messe. Und ich weiß, daß viele Menschen für mich beten.

Ich weiß nicht, ob ich mich bei allen gebührend bedankt habe. Sollte ich jemanden übersehen haben, bitte ich, diese Worte als vollgültigen Dank anzunehmen.

Jetzt hat mich der Alltag wieder, ich sitze an einer überfälligen Kolumne, die spätestens um 14.00 Uhr abgeschickt werden muss, und ich freue mich wie ein Kind, daß ich so eine schöne Arbeit tun darf.

Tausend Dank!

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