Gedicht zum Evangelium des Tages

Die Heilung des Lahmen
Mk. 2,1-12

Der Meister kam zu mir. Ich war geehrt,
Den vielgerühmten Gottesmann zu sehen.
Ich wollte so viel fragen und verstehen.
Man sagte, keinen ließ Er unbelehrt.

Es sprach sich schnell herum. Schon kamen Massen.
Sein Wort war liebevoll und streng und stark.
Ich spürte nicht als einzger bis ins Mark
Die Kraft des ewgen Gottes mich erfassen.

Bis auf die Straße drängte, dicht an dicht,
Voll Neugier aller Nachbardörfer Menge.
Er saß und lehrte in des Hauses Enge,
Und plötzlich übergoß Ihn Mittagslicht.

Die lose Platte war beiseitgeschoben.
Wie eine Säule stand der Sonnenglast,
An Seilen ließen sie herab die Last
Und schauten hoffnungsvoll auf Ihn von oben.

Drei Freunde auf dem Dach, den vierten sah
In einem Tragetuch man niederschweben
Vor Jesus. „Deine Sünden sind vergeben.“
Erleichtert lächelnd lag der Lahme da.

Die Schriftgelehrten waren voller Fragen:
„Wer kann vergeben außer Gott allein?“
Der Meister sagte: „Was wird größer sein:
Vergebung oder Heilung zuzusagen?“

So sprach Er und befahl dem Mann, zu gehen,
Der stand und nahm die Trage und ging fort.
Großäugig standen die Gelehrten dort:
„So etwas haben wir noch nie gesehen.“

© Claudia Sperlich

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Mission im Netz. Und in der Tagespost.

Wer als Katholik bloggt, ist missionarisch tätig. Das ergibt sich von selbst, wenn man öffentlich über das schreibt, was man als Wahrheit erkannt hat. Ob diese Missionstätigkeit darin besteht, das Evangelium vom Tag zu kommentieren oder in Bildern und Literatur die Schönheit des katholischen Glaubens vorzustellen, Familien und Kindern den Rücken zu stärken, Bücher und Filme aus katholischer Sicht zu rezensieren, katholische Philosophie zu treiben, über Kirchengeschichte oder Weltgeschehen zu schreiben, ist dabei nicht das Wesentliche. Wesentlich ist die Begeisterung für Jesus Christus und den facettenreichen katholischen Glauben.

Meinen vollständigen Artikel gibt es in der Tagespost. Ohnehin eine empfehlenswerte Zeitung!

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Und wie fanden Sie die Messe so?

Das wurde ich heute beim Verlassen der Kirche wörtlich von einem jungen Mann gefragt, der auch an der Messe teilgenommen hatte.

Ich verstand die Frage zunächst gar nicht und fragte zurück: „Wie meinen Sie das? Es war eine Messe.“

Ja, es gebe halt solche und solche Messen. So mit besonderer Gestaltung, irgendwie anders, und dann, die Texte sind ja auch nicht immer jedermanns Sache. Und dann, wie die Messe so gemacht ist, das ist auch verschieden.

Ich habe dem jungen Mann geantwortet – und ich tue es hier noch einmal etwas ausführlicher, obwohl er vermutlich meinen Blog gar nicht kennt. Aber ich halte ihn nicht für einen so großen Sonderfall, daß diese Antwort nur ihn allein etwas anginge, sondern für – pardon, falls Sie es doch lesen – einen ganz gewöhnlichen jungen Mann, der für ganz gewöhnliche Irrtümer anfällig ist. (Ich bin auch für ganz gewöhnliche Irrtümer anfällig, aber aufgrund meines Alters und Geschlechts für andere Irrtümer als ein junger Mann.)

Vor wenigen Tagen wohnte ich als eine von über achttausend Gläubigen einem Pontifikalamt bei. Außer dem Bischof waren etwa zwanzig Priester und zahlreiche Ministranten anwesend, eine christliche Band spielte und sang mitreißende Lieder, ein weltbekannter Geistlicher predigte mit Witz und voll Liebe, die Messe wurde gestreamt, EWTN und Radio Horeb waren dabei.
Heute war ich mit etwa zwanzig Gläubigen zur Messe. Der Kaplan zelebrierte, die Ministranten waren in der Schule, eine Predigt gab es nicht. Unterstützt von der Orgel, sangen wir einige schöne Lieder aus dem Gotteslob, allerdings merkte man an den Stimmen das hohe Durchschnittsalter.

Es geschah hier wie dort haargenau das Gleiche: Wir bekannten unsere Schuld (im Chor zwar, aber jeder individuell mit „Ich bekenne“), wir stellten klar, daß wir alle erlösungsbedürftig und auf Gottes Barmherzigkeit angewiesen sind und darum bitten, der Priester sprach das Hochgebet, der Herr kam in der Wandlung zu uns, Er lieferte sich im Eucharistischen Mahl jedem einzelnen aus. Wir dankten. Das wars auch schon!

Wir feiern in der Messe den barmherzigen Gott, und Er feiert uns, indem Er sich hergibt in Wort und Brot und Wein.

Was das Wort angeht – Er will damit nicht unseren Geschmack treffen, sondern unser Herz. Wenn ich die heutigen Perikopen nicht so mag, nicht verstehe oder einfach unaufmerksam bin, sind sie davon nicht weniger göttlich. Es liegt dann an mir, und nur an mir, wenn ich scheinbar nichts davon habe. Wenn ich (wie heute tatsächlich) nach der Messe schon wieder vergessen habe, was genau gelesen wurde, kann ich es im Schott nachlesen (in Zeiten des Internet brauche ich dazu noch nicht einmal ein Buch) und bei schwierigen Stellen darüber beten und nachdenken, und ich kann sogar bei nächster Gelegenheit den Pfarrer fragen, wie diese Perikope gemeint ist. (Heute war es übrigens alles klar. Lesung: Der Herr beruft Samuel. Psalm: Gottes Willen zu tun ist schön. Evangelium: Jesus heilt Kranke. Ich sehe da kein Verständnisproblem, so ist er halt, der Herr.)

In der Eucharistie wird Brot und Wein zu Fleisch und Blut unseres Herrn Jesu Christi. Das verstehe ich nicht, womit ich in guter Gesellschaft bin, aber ich glaube es. Deshalb bin ich katholisch.

Bekenntnis, Bitte, Opfer, Gegenwart Christi, Annahme Christi, Dank. Das ist alles, und das nennt man Messe. Wie fand ich die Messe so? Nu ja – wie man Erlösung halt so findet. Grandios.

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Kolumne über den Seligen Erminold

Auf kath.net ist sie zu lesen, seit dem 6. Januar. Ich komme erst heute dazu, sie zu verlinken, aber dem Seligen Erminold, dem tüchtigen Klosterreformer aus dem 11./12. Jh., kann man ja an jedem beliebigen Tag danken.

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Rosenkranz bei Nacht und Nebel

Die öffentlichen Verkehrsmittel in Augsburg sind, nun ja, spannend für Fremde. Die Buslinie 211 fährt stündlich, und sie fährt abends sowie an Sonn- und Feiertagen nicht die gleiche Strecke wie wochentags. Das bescherte mir einige Warterei – und eine sehr schöne Erfahrung.

Am Samstag war die Endstation nicht wie am Donnerstag und Freitag zehn Minuten vom Hotel entfernt, sondern eine knappe halbe Stunde. Und das Hotel war ziemlich weit außerhalb der Stadt, in einem Industriegebiet. Das bedeutet: An einem winterlichen Samstagabend ist es an der Haltestelle Tancherechweg (und in der weiteren Umgebung) zappenduster und leer. Da ist niemand! Wenn es dann auch noch, wie vergangenen Samstag, so neblig ist, daß man die nächste trübe Laterne auch nicht sieht, wird es spannend. Ich verlief mich.

Normalerweise ist das eine beängstigende Situation, und die Angst klopfte auch ganz kurz bei mir an. Ich atmete tief durch, dachte „Was soll schon passieren?“ und betete den Rosenkranz (laut, weil in einem Industriegebiet am Samstagabend niemand sich daran stört). Dabei merkte ich, wie ich immer fröhlicher wurde. Irgendwann kam ein Auto des Wegs, ich winkte, der Fahrer hielt tatsächlich und gab mir freundlich die richtige Auskunft, wie ich gehen musste. Es war nicht einmal allzu weit.

Ich wurde mit jeder Rosenkranzperle froher. Sollte doch irgendjemand außer mir in der Nähe gewesen sein, hat er sich vermutlich gewundert, wie laut und fröhlich Rosenkranzgebet klingen kann. Und dann erreichte ich das Hotel, ganz ruhig, ganz froh, ganz erfüllt. Was für eine Gnade!

Sollte also noch jemand behaupten, Rosenkranz sei etwas für alte Schachteln, kann ich ihm nur erwidern: Ja, auch, und was dabei herauskommt, sind frohe und furchtlose alte Schachteln. Es gibt vergleichbare Berichte von frohen und furchtlosen jungen Kerlen.

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Massenhaft und MEHR!

Von Donnerstag bis Sonntag war ich auf der MEHR in Augsburg – einer von Johannes Hartl organisierten Konferenz, an der über 10.000 Menschen teilnahmen.

Ich bin ein Mensch mit Angst vor Menschenmengen – nicht so, daß ich in Panik ausbreche, aber doch so, daß ich mich bei einer Party mit fünfzig Leuten schon extrem unwohl fühle. (Marsch für das Leben und gut besuchte Gottesdienste sind Ausnahmen, weil es da einen klaren Ablauf gibt und ich weiß, wo ich hingehöre.) Als ich mich im Dezember endlich durchgerungen hatte, mich zur MEHR anzumelden, dachte ich eine Weile: „Claudia, du spinnst.“ Und nun bin ich zurück von einer Veranstaltung, bei der meine Gedanken bezüglich der Massen waren: „Wow, ist das klasse, so viele, alle sind wegen Jesus hier! Ist das großartig – aber ein paar mehr dürften es ruhig sein!“

Meine späte Anmeldung hatte zur Folge, daß ich nur noch ein Hotel sehr weit draußen fand. Das Euro Hotel Friedberg ist zwar äußerst preisgünstig und sehr angenehm, sauber, äußerst freundlich, mit phänomenalem Frühstück… aber man sollte dort schon ein Auto haben. Allerdings bekam ich morgens regelmäßig eine Mitfahrgelegenheit, nur die Rückkehr abends gestaltete sich etwas aufwendiger. Der Bus fährt stündlich, und Sonn- und Feiertags fährt er nicht mehr alle Stationen an. Deshalb habe ich das Abendprogramm an keinem Tag mitgemacht, sonst wäre es mir zu spät geworden.

Am Donnerstag fuhr ich mit der Bahn nach Augsburg, verpasste dort den nur stündlich fahrenden Bus zum Hotel. Der nächste Bus brachte mich bis kurz vor das Hotel, und beim Versuch, eine Abkürzung über eine regennasse Wiese zu nehmen, rutschte ich aus und lag kurz der Länge lang im Matsch. Die Frau an der Rezeption zeigte sich aber völlig gelassen, als ich etwas geniert sagte, normalerweise sehe ich besser aus. Meine Sachen wurden im Hotel sogar kostenlos gewaschen!

Bei der MEHR checkte ich ein und erlebte ein erstes Einatmen der fröhlichen und friedvollen Atmosphäre. Leider war heute keine Messfeier in der MEHR; ich ging abends nach St. Georg zu Anbetung und Messe und kam rechtzeitig zurück zur MEHR, um den ersten ruhigen Lobpreis mitzusingen. Für die Musik auf der MEHR war die Band Könige und Priester zuständig mit eingängiger, aber niemals schnulziger Musik und biblischen sowie an der Schrift orientierten Texten sowie „Schönster Herr Jesu“ von Friedrich von Spee (dafür mein besonderes Lob). All das ist fern von dem unerträglichen Genre „Neues Geistliches Lied“ und einfach gute Musik zur Ehre Gottes!

Ich hatte eine Karte für MEHRspace, das ist ruhiger als MEHRauditorium und ohne Laserlicht. Die Vorträge von Johannes Hartl und der Lobpreis wurden dort auf Leinwand übertragen. Nur wenige Vorträge gab es ausschließlich in der MEHRspace, während im Auditorium andere gehalten wurden.
Das gemeinsame Singen war sehr schön. Den anschließenden Vortrag von Johannes Hartl „Jubeln für Anfänger“, den ich schon des humorvollen Titels wegen gerne gehört hätte, verpasste ich, denn die umständliche und lange Fahrt zum Hotel wollte ich nicht noch später machen. Die folgenden Tage zeigten mir, daß es auf der MEHR wahrlich genug zu sehen, zu erleben, zu lernen gibt, auch wenn man nicht alles „mitnimmt“.
Ich kam gleichzeitig mit einer anderen, mir bisher unbekannten MEHR-Teilnehmerin am Hotel an. Sie hatte für morgen eine Mitfahrgelegenheit nach Augsburg und bot mir an, mitzufahren. Für die nächsten Tage sollte mir und ihr ein anderer MEHR-Teilnehmer Chauffeurdienste anbieten. Damit war das morgendliche Fahrproblem gelöst, nur abends blieb es bei den Öffentlichen.

Das MEHR-Forum ist eine riesige Halle mit Ständen. Hier stellen sich Organisationen und Initiativen vor, man kann über Christenverfolgung ebenso etwas lernen wie über verschiedene Orden, christliche Schulen, Hilfsangebote bei verschiedenen Lebensproblemen und Situationen, auch Radio Horeb und der katholische Fernsehsender EWTN haben Stände, und man kann überall interessante und freundliche Gespräche haben. Gefährlich für mich war, daß man an fast jedem Stand irgendeine Art von Süßigkeit bekommen konnte! Aber man fährt ja nicht zum Abnehmen auf die MEHR.
Besonders erfreulich fand ich das Gespräch mit den Immakulataschwestern aus dem Kloster Brandenburg (leider nicht das Brandenburg in meiner Nähe, sondern Brandenburg an der Iller). Sehr fröhliche und sehr geradlinige Christinnen sind das! Die Geradlinigkeit zeigte sich auch, als eine junge Frau mit Kreuz und Traumfänger um den Hals diesen Stand in Augenschein nahm. Eine Schwester wies sie höflich, aber bestimmt darauf hin, daß der Traumfänger ein esoterisches Symbol sei und sie ihn bitte abnehmen möge. Dies sah die Frau nicht ein, die sich als Katholikin bezeichnete und argumentierte, alle Religionen hätten doch irgendwie recht. Sie wurde daraufhin gebeten, den Traumfänger von diesem Stand zu entfernen – was sie tat, indem sie mitsamt ihrem esoterischen Quatsch wegging.
Dies war allerdings meine einzige Begegnung mit relativistischem oder esoterischem Kram während der MEHR. Nach meinem Eindruck gab es dergleichen dort wirklich wenig. Ökumenisch orientiert ist die MEHR trotz ihres deutlich katholischen Profils; im Forum finden sich verschiedene evangelische Stände, und es wird allgemein großer Wert darauf gelegt, auf das Verbindende zu sehen und einander zu respektieren.

Im Raum der Stille war ständig Eucharistische Anbetung und im hinteren Teil meistens Beichtmöglichkeit. Dort waren zu Spitzenzeiten etwa fünfzehn Priester, und man musste Schlange stehen! Auch zwei bis drei evangelische Pfarrerinnen waren dort bereit zu Beichtgesprächen. (Die evangelische Kirche sieht die Beichte zwar nicht als Sakrament an und gibt keine Absolution, kennt aber das Beichtgespräch mit anschließendem Gebet um Versöhnung und Segensbitte.) Sie saßen aber meist allein da. Ich war hierüber erst etwas süffisant, aber ein katholischer Freund wies mich zurecht darauf hin, daß sie dort ausharrten und nicht weggingen – und auch das ist Gottesdienst.

Sehr viele Kinder waren dabei, und die ausgezeichnete Organisation der Konferenz hatte dafür Sorge getragen, es gab passende Nebenprogramme für alle Altersstufen. Der Saal der MEHRspace hat zudem eine unbestuhlte Fläche an der Seite, wo immer irgendwelche Kinder spielten. (Ein etwa fünfjähriges Mädchen verbrachte mindestens eine halbe Stunde damit, immer wieder nach zwei perfekten Radschlägen in den Spagat zu fallen, wieder aufzuspringen, ein paar Schritte zu laufen und dann das Ganze von vorn. Lachend, die kleine Artistin!) Überhaupt waren die Kinder größtenteils sehr locker und fröhlich, und auf gelegentliche Quengeleien wurde grundsätzlich freundlich und liebevoll reagiert. Ich habe kein einziges Mal erlebt, daß auf der MEHR ein Kind angeschrien oder irgendwo weggezerrt wurde. Mein künftiges Patenkind schlief jedesmal, wenn ich sie sah, unbeeindruckt von der lauten Umgebung.

Fast ein Wunder – aber in Wahrheit wohl einfach eiserne Disziplin und unglaublicher Fleiß der Putzfrauen – war die Sauberkeit der Toiletten. Ich hatte mich da auf einiges gefasst gemacht, bei über zehntausend Menschen, aber es gab auch in dieser Hinsicht keine Probleme. Kurz kam mir der Gedanke: Die meisten Putzfrauen hier sind offensichtlich nichtdeutsche Muslimas. Ob jemand denken mag, die nehmen ihm den Arbeitsplatz weg, indem sie für zehntausend Menschen die Klos putzen? Auf der MEHR vermute ich solche Leute nicht, aber es gibt sie da draußen, ich weiß es.

Ich habe am letzten Tag immer wieder dem ein oder anderen an Garderobe, beim Catering, beim Reinigungsdienst und zuletzt beim Sicherheitsdienst gedankt für die gute Arbeit – denn das fand ich sehr nötig. So viele Menschen haben gearbeitet für die MEHR, und von einer Frau vom Catering erfuhr ich, daß diese Arbeit auch mal über zehn Stunden dauert und die Kräfte einer über 60jährigen eigentlich übersteigt.

Freitag fand die Messe im Raum der Stille statt, und ich dachte, so gut besucht möchte ich eine Sonntagsmesse in meiner Heimatgemeinde auch immer haben.

Die Messe an Epiphanias fand in der riesigen Halle des MEHRauditorium statt – und die war brechend voll. Zelebrant war Marian Eleganti, der Weihbischof von Chur, und die Predigt hielt Father James Mallon aus Kanada. Die Könige und Priester mit ihrer frischen Musik waren ein wunderbarer Teil des Gottesdienstes, der Psalmengesang war wirklich herzbewegend.
Die Sonntagsmesse wurde für die MEHRspace-Besucher live übertragen, wir feierten sie also gültig mit, und es kamen auch Priester und reichten uns die Eucharistie. Ich hätte es aber schon edel gefunden, wenn man auch diesmal alle ins Auditorium gelassen hätte. Es ist seltsam, eine Messe in Echtzeit zu sehen, geistlich teilzunehmen, aber nicht körperlich dabeizusein. Weihrauch aufsteigen sehen, ohne daß es duftet, ist vollends sonderbar – auch wenn ich weiß, daß er für Gott ist und nicht für mich.

***

Was ich aus Johannes Hartls Vorträgen, soweit ich sie mitgehört habe, mitnahm:

Über Schuld, Verleugnung und Schönreden und echte Versöhnung
So schlimm das Schönreden von Schuld und Sünde ist (es ist eine glatte Lüge und kann zu Selbstmord führen!), gibt es noch Schlimmeres: seine Schuld einzusehen, aber auf den Ankläger zu hören, auf Satan, der uns sagt, daß wir schlecht sind (was stimmt) und daß es deshalb keine Rettung gibt (was Blödsinn ist).
Echte Versöhnung braucht dreierlei: Ehrliche Anerkenntnis der Schuld, echte, fühlbare Reue und echten Ausgleich der Schuld. Das kann niemand von sich aus vollkommen leisten. Die Lösung des Problems – die einzige Lösung! – ist Jesu Kreuzesopfer als Täter-Opfer-Ausgleich. Hartl: „Gott ist Mensch geworden und hat an unserer Stelle etwas getan, was kein Mensch kann. Er war der komplette Büßer.“
Das Kreuz zeigt uns, was Sünde macht. Sie durchbohrt den besten aller Menschen. Das zeigt: So verloren wie Jesus am Kreuz ist jeder Sünder. Dort hat der Ankläger, der Zerstörer sein Werk getan – und dort wurde er besiegt. Satan kann nichts mehr ausrichten.
So verloren wie Jesus am Kreuz wäre ich – so geliebt bin ich.
Das Christentum sagt: Ja, wir sind Sünder – aber Erben Gottes. Wir sind keine guten Menschen – aber von Jesus gerettet.
„So wie Jesus zwischen zwei Menschen gekreuzigt wurde, wird jede Wahrheit zwischen zwei Häresien gekreuzigt.“ (Tertullian) Das Kreuz steht zwischen Moralismus und Relativismus. Hartl: „Es gibt keine guten Menschen, es gibt nur normale Sünder, die viel mehr Schlimmes täten, wenn sie Gelegenheit dazu hätten.“
Jesus ist die Sabbatruhe.

Über Wertschätzung und Freiheit
Sie sind der Schlüssel, der überall passt; man kann mit ihnen Herzen öffnen. Niemand hat diesen Schlüssel so vollkommen benutzt wie Jesus.
Nathanael fragt skeptisch, was denn aus Nazareth Gutes kommen könne – und Jesus nennt ihn einen echten Israeliten, an dem kein Falsch ist (Joh. 1,46-47). Jesus hört Nathanaels Einwand nicht als Nörgelei, sondern als sehnsüchtige Frage eines Schriftkundigen.
Mit dem verachteten Steuerpächter Zachäus (Lk. 19,1-10) isst Jesus – nur einfach dies. Er sagt ihm nicht, was er tun soll, darauf kommt Zachäus von selbst, nachdem Jesus mit ihm gegessen, also: ihn wertgeschätzt hat.
Jesus hat niemals jemanden beschämt oder kontrolliert. Authentische Liebe ist das Siegel und Zeichen, an dem man Jünger Jesu erkennt.
Wer alles kontrolliert, kann vielleicht einen Judas unter seinen Freunden vermeiden – aber die anderen elf, die heiligen Apostel, vermeidet er auch.
Simon der Pharisäer wird von Jesus gefragt: „Siehst du diese Frau?“ (Lk. 7,36-50) Was für eine Frage! Eine stadtbekannte Prostituierte drängt sich in einen intellektuellen Gesprächskreis frommer Männer und salbt dem prominenten Gast die Füße – und Jesus fragt den Gastgeber, ob er diese Frau sieht!
Simon sieht die Nutte. Jesus sieht die Frau.

Es ist Gottes Eigenschaft, gefallenen Menschen kostbare Gewänder anzuziehen (Ez. 16,4-8).
„Er hat die Riegel deiner Tore festgemacht… Er verschafft deinen Grenzen Frieden…“ (Ps. 147,13-14) Das kann auch die Grenzen bedeuten, die in jeder menschlichen Beziehung nötig sind, gleich ob es eine Partnerschaft, eine freundschaftliche, eine kollegiale oder irgendeine andere Beziehung ist.
Zur Kultur des Reiches Gottes gehört die Regel: Du bist in königliche Roben gehüllt, deshalb musst du andere nicht beugen. Die anderen sind auch Könige – das nimmt dir nichts!

Asche
Der Prophet Elia erlebte Burnout und Depression (1 Kön. 19).
Gott lässt zu, daß Elia seine Erfolge (1 Kön. 18)vergisst und alles sinnlos findet. Elia will sterben; sein Feuer ist gewissermaßen zu Asche geworden – und lernt in der Wüste, daß er auf Hilfe angewiesen ist: Ein Engel versorgt ihn mit in Asche gebackenem Brot und Wasser.
Dann aber geht er nicht etwa gestärkt wieder in die Stadt, sondern tiefer in die Wüste hinein, bis zum Berg Horeb (dessen Name sich mit „Verwüstung“ oder „Ödnis“ übersetzen läßt).
Gott hatte das in 1 Kön. 18 beschriebene Töten der Baalspriester übrigens nicht befohlen. Sonst steht bei allem, was Elia tut, daß er auf Gottes Weisung handelt oder nach einer Anrufung Gottes, nur hier handelt Elia eigenmächtig. Möglich ist die Interpretation, daß die von Gott nicht befohlene Tötung der Baalspriester ihn belastet, daß hier der Kern von Elias Problem liegt: Elia hat für Gott geeifert, aber die Tötung von Menschen war seine eigene Entscheidung. Elia hat sich über die 450 Baalspriester ereifert, Gott aber sieht die siebentausend, die Ihm treu geblieben sind (1 Kön. 19,18).
Am Horeb ist Gott nicht im Erdbeben oder im Sturm, sondern im sanften Säuseln – Elia, nach Jesus Sirach 48,1 „ein Prophet wie Feuer“, kommt dort zu Ruhe, wo einst Moses die Gebote empfing.
Elia lernt in der Wüste, daß er, der Starke, nichts aus eigener Kraft kann. Tests sind notwendig, um das zu begreifen – nicht nur bei ihm.
Manchmal muß etwas verbrennen, um zu klären, daß hier nicht Gottes Plan, sondern menschlicher Traum erfüllt werden sollte. Elias Flucht vor Isebel war ein Rückzug aus Angst – das ist gefährlich. Elia musste durch die Wüste, um wieder vor Gott stehen zu können, um wieder sagen zu können: Ich bin Elia, der vor Gott steht (1 Kön. 17,1).

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Allen Lesern ein frohes und gesegnetes 2018!

Ich möchte über mein neues Jahr Epheser 4 als Motto stellen, das ganze Kapitel. Ich glaube, nicht nur Christen aller Konfessionen können daraus guten Rat ziehen, sondern alle Menschen, gleich ob und was sie glauben.

Ertragen wir einander in Liebe!

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Das Jahr erlischt

Die Kerzen auf dem Weihnachtstisch brennen nieder.

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Das Kalenderjahr endete dann für mich mit einer wundervollen Messe – mit Kohelet 3,1-11, einem meiner Lieblingstexte, sowie einer sehr feinen Meditation über den Satz „Meine Zeit steht in Gottes Händen“ – im Wechsel gelesen und von unserem einmaligen Organisten gespielt. Allein schon dafür kann man dankbar sein – und es gibt so viel mehr Grund zum Danken!

Wieder zu Hause, erledigte ich die letzte Arbeit des Jahres: Der weihnachtliche Tisch wurde etwas schlichter. Aber die Krippe bleibt bis Lichtmess!

Silvesterabend
Krippe

Und nun: Wein trinken, Krimis gucken, mitternachts auf den Balkon treten und Feuerwerk anschauen. Gott danken für ein wunderbares Jahr. Mehr muss ich in diesem Jahr wirklich nicht mehr tun.

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Zum Jahreswechsel 2017/2018

In Deinen Händen, Herr, steht alle Zeit,
Aus Deinen Händen kam ein gutes Jahr,
Und wo mit Sorgen es belastet war,
War Deine Güte, war Dein Trost nie weit.

Du nahmst mir meine Angst, und vor Gefahr
Beschirmtest Du mich und vor großem Leid.
Durch Dich, für Dich bin ich zum Dienst bereit,
Mein Herr bist Du, allmächtig, wunderbar.

Lass mich im neuen Jahre klüger sein,
Hilf, daß ich Nötiges nicht lang verschiebe,
Lass reifen mich in Glauben, Hoffnung, Liebe.

Gib mir auf eines neuen Jahres Reise
Auch neue Verse, daß ich neu Dich preise!
Sei Du mein Licht, Du Wort und Brot und Wein.

© Claudia Sperlich

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Dank für das Jahr

Ich bin dankbar für das Jahr 2017. Ich habe viel geschrieben, Neues begonnen, Bewährtes weitergemacht, und durfte wieder einmal feststellen, daß ich viele gute Freunde habe.
Hier eine Auslese meiner Blogartikel – Begebenheiten, Gedichte, Bilder.

Januar: Christus mansionem benedicat
Februar: Reich beschenkt
März: Frühlingsblüten
April: Auferstehung des Fleisches
Mai: Jeanne d’Arc
Juni: Fronleichnam
Juli: Wenn Dichter sich einen freien Vormittag nehmen
August: Mariæ Dormitio, Maria Regina
September: Marsch für das Leben
Oktober: Mittendrin Ost
November: Ave Maria – Devotionalien in Berlin
Dezember: Neun fromme Hutzelbrote

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