Das Verbot der Frauenweihe kritisch sehen

Vor einiger Zeit fand ich unter einem klugen und bissigen Facebook-Post von Bernhard Meuser über schlechte Theologie im Herder-Verlag diesen Kommentar:

„Ich bin zum Beispiel auch katholisch, sehe aber das Verbot der Frauenweihe so lange kritisch, bis mir jemand schlüssig erklären kann, was denn der Unterschied zwischen Mann und Frau ist – abgesehen von rein körperlichen Merkmalen wie jenem, ob jemand einen Pimmel hat oder nicht. Darum kann es ja bei dieser Frage nicht gehen.“

Ich helfe gerne. (Jener Kommentar steht für unzählige ähnliche Äußerungen, es ist daher gleichgültig, dass er für Facebook-Maßstäbe steinalt ist.) Zunächst kann man die theologischen, auf der Bibel basierenden Argumente gegen die Weihe von Priesterinnen nachlesen in meinem Vortrag „Warum gibt es keine katholischen Priesterinnen?“ und natürlich bei unzähligen Theologen.

Jedoch werden von derartigen Kritikern sämtliche Argumente von den Kirchenvätern bis heute ignoriert. Das ist unredlich, und es ist ganz und gar nicht schlüssig.

Dieser Kommentator fragt ausdrücklich nach dem nicht nur physischen Unterschied zwischen Mann und Frau. Da fällt mir auf, daß er offensichtlich Mann-Sein und Frau-Sein ausschließlich an körperlichen Merkmalen festmacht. Er geht also davon aus, daß Herz und Hirn für die Geschlechtlichkeit irrelevant sind (was extrem sexualfeindlich ist) oder daß körperliche und seelische Welt strikt voneinander zu trennen sind (was nicht nur Theologie und Psychologie, sondern auch zahlreiche Ärzte, nicht zuletzt Neurologen und Dermatologen, bestreiten).

Statt schon wieder zu erklären, was so oft und auch von mir erklärt wurde, erkläre ich ein für allemal: Ich befolge die katholische Lehre so lange, bis mir jemand schlüssig erklären kann, daß Frauen kategorisch haargenau so ticken wie Männer, daß also eine Frau, die sich als Frau fühlt, nicht ganz richtig tickt.

Ich nehme gelassen an, daß diese Erklärung nie erfolgen wird.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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Eine Antwort zu Das Verbot der Frauenweihe kritisch sehen

  1. Wolfram schreibt:

    Nun, man könnte auch fragen, welcher Unterschied denn nun die Frau unfähig zum geweihten Amt macht.
    Da fehlt es meiner Ansicht nach noch an Argumenten.

    Andererseits halte ich die Frage der Frauemordination für eine Frage der inneren Ordnung jeder Kirche, die auch von innen entschieden werden soll.

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