Ab wann ist es Leben?

„Es ist doch noch gar kein Leben“ – ich weiß nicht, wie oft ich diese Behauptung im Zusammenhang mit Embryonen (die es angeblich nicht unbedingt zu schützen gilt) schon gehört habe.

Ich tue um des Arguments willen mal so, als setze ich voraus, daß das stimmt. Also: eine befruchtete Eizelle oder eine Morula ist noch gar kein Leben. Ich lasse dabei unbeachtet, daß dies „kein Leben“ sich stündlich weiterentwickelt. Aber irgendwann ist es ja doch auch in den Augen der Streiter für ein Recht auf Abtreibung Leben. Ich glaube nicht, daß irgendjemand behauptet, eine hochschwangere Frau bekommt von „keinem Leben“ Tritte.

Irgendwann also wird „kein Leben“ zu „Leben“. Ab Herzschlag? Ab Schmerzempfinden? Ab ersten Spuren von Bewußtsein? Ab Überlebensfähigkeit im Inkubator?

Und wie soll das überhaupt gehen, daß aus „kein Leben“ „Leben“ wird? (Zumal, wenn man nicht an einen Schöpfer glaubt!)

Wenn ich mit wissenschaftlicher Genauigkeit sage, eine befruchtete Eizelle ist ein Lebewesen im frühesten Entwicklungsstadium, sehe ich einen logischen und zugleich staunenswerten Ablauf der Entwicklung des Lebens. Ich kann wissen, daß bereits bei der brandneuen DNA der befruchteten Zelle Eigenschaften festgelegt sind: Aussehen, Funktionen, auch Schwächen und genetische Abweichungen, zu einem Teil auch Talente und Fähigkeiten.

Wenn ich dies alles weiß (zum Beispiel aus dem Biologieunterricht; ich muss dazu nicht Genetik studiert haben), dann aber immer noch sage, daß „das“ erst einmal kein Leben ist, kann ich mir selbst eigentlich nicht mehr glauben. Eigentlich!

Aber Befürworter eines Rechts auf Abtreibung sind erstaunlich häufig trotz fundiertem biologischen Wissen felsenfest davon überzeugt, daß es sich genau so verhält. Sie wissen, daß innerhalb von neun Monaten die Eizelle zum geburtsreifen Kind heranwächst, und sie wissen, daß es sich dabei um einen ununterbrochenen Vorgang handelt, an dessen Anfang Befruchtung und Entstehung der DNA stehen. Sie sagen trotzdem, daß es zunächst kein Leben ist, sagen aber niemals, ab wann es eben doch Leben ist.

C.S. Lewis schreibt in dem Buch der Narnia-Reihe „The Magician’s Nephew“ (Das Wunder von Narnia): “Now the trouble about trying to make yourself stupider than you really are is that you very often succeed.” (Nun, wenn man versucht, sich dümmer zu machen, als man eigentlich ist, dann hat das den Nachteil, dass es einem sehr oft auch gelingt.“)

Wer unbedingt möchte,  daß ein Mensch im frühesten Stadium noch kein Leben ist, sich aber zum Leben entwickelt,  das man ab irgendeinem,  nicht festgesetzten Zeitpunkt als Leben anerkennt und dann möglicherweise auch ein bisschen schützenswert

findet, der wird sich von mir keines Besseren belehren lassen.  Aber für alle anderen werde ich weiter über das unbedingte Lebensrecht des Menschen von der Zeugung bis zum natürlichen   Tod schreiben.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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4 Antworten zu Ab wann ist es Leben?

  1. akinom schreibt:

    „Bewahre uns vor Verwirrung und Sünde!“ Ich empfehle den Lebensschutz-Rosenkranz mit den Tränen der Gottesmutter, die jeweils einen Embryo enthalten und denke auch an das Evangelium, das davon berichtet wie Jesus und Johannes schon im Mutterleib mit einander kommuniziert haben. Natürlich kann man so keine Abtreibungsbefürworter und Demonstranten bekehren, die grölen: „Hätt Maria abgetrieben wärt ihr uns erspart geblieben!“

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  2. Herr S. schreibt:

    Es ist empfehlenswert und lohnt, einmal die hochkomplex ablaufenden Vorgänge bei einer Zeugung z.B. auf Wikipedia (Stichwort Zeugung) nachzulesen und sich wirklich bewusst zu machen, wie es dazu kommt, bis es vom die Zeugung einleitenden kopulierenden Geschlechtsakt wirklich mit der erst Tage später vollzogenen Einnistung zu einer abgeschlossenen Empfängnis kommt. Immer noch ein staunenswertes und letztlich doch respektgebietendes weitgehend „geheimnisvolles“ Ereignis, vor dem sich ein gläubiger Mensch voller Staunen und Hochachtung verneigt.
    Und nun dauert die voller höchst staunenswerter Entwicklungen der befruchteten menschlichen Zelle bis zum fertigen Kind noch weitere 270 Tage…

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  3. Herr S. schreibt:

    Wer sich wirklich einmal in Ruhe und mit Muße klar macht, was da angefangen von der Zeugung bis zur Geburt des Kindes abläuft, kann darüber als gläubiger Mensch nur voller Ehrfurcht staunen!

    Eine Banalisierung dieser Vorgänge ist gänzlich unangebracht und allenfalls mit einer gewissen Unwissenheit oder gar Dummheit zu erklären.

    Nicht zuletzt sind es ja auch gerade oft verbildete Halbwüchsige oder Jugendliche, die mit zwar eingängigen aber höchst unqualifizierten geschrienen Parolen die stille Mahnung der Lebensrechtsbewegungen z.B. beim alljährlichen Schweigemarsch für das Leben zu stören versuchen.

    Vergib Ihnen, Herr – sie wissen nicht, was sie da tun!

    Aber Gott lässt Seiner nicht spotten:

    Die Zeichen stehen auf Sturm – nicht nur hierzulande.

    Die „Party is over“ – bereits jetzt fehlen z.B. überall qualifizierte Fachkräfte, und das ist erder Anfang schwerer uns bevorstehenden Zeiten…

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  4. Herr S. schreibt:

    Übrigens:
    Nach einer weltweiten Umfrage unter 5500 Biologen vertraten 96% die Auffassung, dass menschl. Leben mit der Empfängnis beginnt.

    Näheres dazu hier:

    https://www.kath.net/news/79518

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