Ist der Einsatz für das absolute Lebensrecht frauenfeindlich?

Im Nachklapp zum Marsch für das Leben höre und lese ich es immer wieder. Alle frauenfeindlich! Alle rechtsextrem!

In Deutschland betrifft Abtreibung in 50% der Fälle weibliche Ungeborene, in zahlreichen anderen bevölkerungsreichen Ländern (z.B. Indien, China) weit über 50%. Mit anderen Worten: die meisten abgetriebenen Menschlein wären zu Frauen herangewachsen, wenn man sie gelassen hätte. Das ist frauenfeindlich.

Auch in Deutschland finden sehr viele, vielleicht die meisten Abtreibungen statt, weil Männer und Familien darauf drängen und nicht, weil die betroffene Frau es wirklich will. Das ist frauenfeindlich.

Demonstrationen sind in einer Demokratie mit sehr geringen Ausnahmen (Aufruf zur Gewalt; Anstachelung zu Straftaten) erlaubt, und zwar unabhängig davon, was man wählt, glaubt, mag oder erhofft. Wenn auf einer Demonstration unter viertausend Menschen einige sind, mit deren politischer Meinung ich nicht übereinstimme, oder gar einige, die ich von Herzen unsympathisch finde, kann ich beschließen, wegen dieser Leute wegzubleiben. Das wäre allerdings etwas überempfindlich. Ich werde nie viertausend Menschen finden, unter denen kein einziger ist, den ich nicht zum Nachbarn haben möchte.

Der jüngst vergangenen Marsch für das Leben musste zwar ohne mich auskommen. Aber das lag nicht an irgendwelchen Teilnehmern, sondern an meinem linken Wadenbein, was mit meinem Denken, meiner Urteilskraft und meiner Sympathie nichts zu tun hat.

Ich bin froh, daß der Marsch für das Leben stattfand, daß viele dabei waren – und ich bin zwiegespalten darüber, daß auch einige Menschen dabei waren, die ich politisch schiefgewickelt finde. Einerseits sage ich mir: Aufgrund dieser Menschen wird jetzt jedem, der den Marsch für das Leben unterstützt, Nähe zu Rechtsextremen nachgesagt. Anderseits sage ich mir: Wenn die nicht wären, würde den anderen trotzdem irgendetwas Ungutes nachgesagt – wie immer. Und schließlich: Wer auf dem Marsch für das Leben ist, kann wenigstens in dieser Zeit kaum anders, als mit den anderen dort gemeinsam für das Leben einzutreten. Wenn Frau Storch dort mitgeht, muss sie sich gleichzeitig mit Menschen „gemein machen“, die die AfD absolut nicht mögen – das sind die weitaus meisten dort.

Ich verteidige das uneingeschränkte Recht auf Leben eines jeden Menschen von der Zeugung bis zum Tod. Alles andere ist frauen-, männer-, kinder- und greisenfeindlich.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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Eine Antwort zu Ist der Einsatz für das absolute Lebensrecht frauenfeindlich?

  1. akinom schreibt:

    „Bewahre uns vor Verwirrung und Sünde!“ lautet mein Sturmgebet nicht nur dann, wenn ich den Lebensschutzrosenkranz bete mit den blauen Tränen der Gottesmutter, die alle einen Embryo enthalten. Was frauenfeindlich und rechtsextrem wenn der Herr beim Endgericht die Menschen “ zu seiner Rechten und zu seiner Linken“ versammelt!

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