Ukraine – wo die Künstler noch Engel und Heilige malen

Es ist zwar nicht wahr, daß Westeuropa schier gar keine christliche Kunst mehr hat. Es gibt und gab in den letzten Jahrzehnten so großartige religiöse Künstler wie Triegel, Meistermann, Gerresheim, van der Grinten… Aber Künstler mit deutlichem christlichem Profil bilden in der großen Schar der Künstler nur eine kleine Minderheit. Jedenfalls in Westeuropa.

Anders in der Ukraine. Seit langem poste ich auf Facebook abendliche Grüße mit Bildern von Engeln. Das waren zunächst in der Regel Gemälde vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert, sehr selten modernere. Seit dem Krieg gegen die Ukraine poste ich vorzugsweise Engel von ukrainischen Künstlern – und da tut sich eine Welt jetzt lebender Künstler auf, die vor religiösen Themen keine Angst haben.

Engel gibt es da von Kinderbuchillustratoren ebenso wie von Künstlern, die katholische und orthodoxe Kirchen ausmalen, in Stilrichtungen, die sich z.B. an Ikonenmalerei oder Renaissance orientieren, mit Anleihen an die ukrainische Sagenwelt und Folklore, schlicht und üppig… Engel über Engel, dazu Heilige, Madonnen, Stilleben mit religiösen Motiven, Darstellungen weihnachtlicher und österlicher Festbräuche… Religion ist in der vielfältigen modernen ukrainischen Kunst äußerst präsent.

Ukrainische Kunst gibt es nicht nur in der Ukraine. Lebhafte ukrainische Auswanderer-Gemeinden gibt es z.B. auch in Kanada und Amerika. Und auch dort ist sie religiös geprägt.

Alexander Anufriev (*1940) liebt Engel. Seine Engelbilder sind klar, fast streng in ihren Umrissen, und oft mit einem leicht erstaunten Blick, als ob sie sich ununterbrochen über Gottes Größe wundern. In einem Interview sagte Anufriev: „Wenn ich male, stehe ich zwischen Himmel und Erde und versuche, das Unsichtbare sichtbar zu machen.“

Alexandra Laskina (*1976) ist besonders für Stilleben und Landschaftsbilder bekannt. In diesem Jahr hat sie einen Schutzengel der Ukraine gemalt, einen still betenden Engel, weiß bekränzt und gewandet, mit angedeuteten Flügeln in den ukrainischen Farben Blau und Gelb – und trotz seiner konzentrierten Stille zugleich in einer dynamischen Haltung, als ob er gleich losfliegen will.

Vasily Martinyuk (*1959) behandelt in spielerischen, heiteren und doch tiefgründigen Bildern klassische mythologische Themen und die ukrainische Sagenwelt – und die Bibel. Seine neutestamentlichen Bilder sind weniger verspielt, aber selbst bei der durchaus ernst und dramatisch dargestellten Flucht nach Ägypten gibt es zwei lustige Fische, die sich offenbar über das Kommen der Heiligen Familie freuen.

Olesya Hudyma (*1980) malt abstrakt und figürlich. Viele ihrer Bilder sind von der ukrainischen Volkskunst und Volkstracht beeinflusst, andere zeigen Phantasiewelten. Ihr religiöses Werk umfasst besonders Madonnen und Engel, auch betende Frauen.

Alexandr Ochapkin (von dem ich keine Daten gefunden habe) ist ein Ikonenmaler, von dem es auf einer russischen Pinterest-Seite heißt, er male, als sei die Gottesmutter eine Ukrainerin. Seine Ikonen wirken besonders lebendig und haben einen ganz eigenen Stil.

Feodosiy Humeniuk (*1941) malt in gedeckten Farben und großflächig. Biblische Szenen und Christliche Symbolik sind bei ihm eingebettet in die ukrainische Welt. Da kämpft ein Kossak mit einem Engel. Stilistisch merkt man ihm an, daß er in Russland studiert hat, aber ohne daß er Authentizität vermissen lässt. Besonders schön finde ich seine „Ukrainischen Kossaken„, die andächtig um einen zelebrierenden Popen stehen, behütet von zwei Engeln, bewacht von der Gottesmutter.

Vladimir Kornev malt religiöse Bilder ebenso wie Darstellungen bäuerlichen und familiären Lebens und andere Themen. Aber auch die nicht ausdrücklich religiösen Bilder haben einen Hintergrund christlicher Spiritualität.

Das ist nur ein winziger Einblick in die religiöse Kunst der Ukraine. Religiöse Themen begegnen uns auch immer wieder bei ukrainischen Künstlern, deren Gesamtwerk gar nicht explizit religiös ist, so bei Vasili Rybachenko (*1954) mit Susanna im Bade.

Einen Überblick über ukrainische Malerei unserer Zeit bekommt man hier und hier, über religiöse ukrainische Malerei und Kleinkunst hier.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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3 Antworten zu Ukraine – wo die Künstler noch Engel und Heilige malen

  1. akinom schreibt:

    Schon das Wort „moderne Kunst“ lässt mich schaudern. Dagegen ist allein schon das Betrachten der wunderbaren Fenster und Skulpturen in unserer neugotischen Pfarrkirche Gebet. Als falsch verstandene Neuevangelisierung sieht man offenbar die „künstlerische Gestaltung“ für besondere Messen und Festzeiten bei denen die Fantasie keine Grenzen kennt. Für die Karfreitagsliturgie wurde zum Beispiel ein überdimensionales Kreuz geschaffen ohne Corpus und stattdessen mit einem Metallgitter, durch das Seile gezogen waren. Thema der Verkündigung waren unsere Verstrickungen. Es gab einmal ein christliches Abendland, das die Bloggerin bei Kunstwerken der Ukraine wiederentdeckt hat. Machen wir sie zu unserem Gebet . Mögen die Künstler Hoffnung schenken in diesen apokalyptischen Zeiten.

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Alle in diesem Artikel vorgestellten Künstler leben jetzt. Sie sind also modern.
      Übrigens auch die weiter oben genannten Triegel, Meistermann, Gerresheim, van der Grinten. Diese frommen Künstler mit modernistischen (nicht modernen) Projekten zur Verfälschung von Gottesdiensten gedanklich zu verbinden, tut geradezu weh.
      Auch ich lebe jetzt. Bin also eine moderne Autorin.

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      • akinom schreibt:

        „Es gab einmal ein christliches Abendland, das die Bloggerin bei Kunstwerken der Ukraine wiederentdeckt hat. Machen wir sie zu unserem Gebet . Mögen die Künstler Hoffnung schenken in diesen apokalyptischen Zeiten.“ Ich bin wirklich froh und dankbar für den Blogbeitrag gerade aufgrund meiner negativen Erlebnisse. Den Begriff „moderne Kunst“ habe ich bewusst in Anführungszeichen gestellt, weil ich glaube, dass darunter selten religiöse Darstellungen und solche mit positiver Ausstrahlung zu finden sind. Sicher gibt es fromme religiöse Künstler auch nicht nur in der Ukraine. Möge Frau Sperlichs Blogbeitrag dazu anregen, Ausschau nach ihnen zu halten.

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