Und wie lief das Fastenprojekt „kein Essen kaufen“?

Spannend war es. Und bereichernd.

Auch hatte ich mir vorgenommen, von Montag bis Samstag auf tierische Produkte und auf Zucker zu verzichten. Eine Ausnahme machte ich mit süßem Senf und der zuckerhaltigen Lake, die ich zum Einlegen und später zum Würzen benutze.

In der ersten Woche habe ich ein bisschen gemogelt: Olivenöl war aus. Einen Moment überlegte ich, ob ich mich mit dem Rapsöl begnüge, das ich zum Braten benutze. Aber das wollte ich dann doch nicht! Also kaufte ich eine Flasche Olivenöl – und das war es dann auch an Lebensmittelkäufen. Einmal war ich zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Bei einer spontanen Einladung bei Nachbarn gab es Süßigkeiten. Und einen Samstag war ich wie fast immer samstags bei Freunden und konnte beim allgemeinen Schokoladeessen nicht zugucken. Jedesmal aber beschränkte ich mich auf wenig und fand das nicht schwierig – was mir zeigt, daß man Maßhalten auch ganz gut einüben kann. (Nichts Neues – aber doch immer wieder wie neu.)

Jeden Samstag war ich bei der Ausgabestelle der Essenrettung. Ich bekam dort immer reichlich Brot, Obst und Gemüse und in aller Regel auch Wurst und Milchprodukte (mein Sonntagsessen). Ein einziges Mal verpasste ich die Ausgabe – da hatte ich gedacht, ich schaffe noch, vorher um den Tegeler See zu fahren. Dann war es zu spät, der See ist größer, als ich ahnte. Ich nahm es mit Humor. „Weniger essen, mehr radfahren“ ist zuweilen ganz gut.

Meine zahlreichen selbstgekochten, selbst eingemachten Suppen mussten fast vollständig dran glauben. In der vierten Fastenwoche begann ich ernsthaft zu rationieren. Dann fiel mir ein, daß es eine kleinere Essenrettung auch in der nahen baptistischen Gemeinde gibt: den „Fairteiler“, wo Essenspenden (von Essenrettern dorthin gebracht) in öffentlich zugänglichen Kühlschränken liegen. Dort fand ich nur Brot, aber das langt ja. Ich hatte damit eindeutig genug, um Einkäufe zu vermeiden.

Fasten, um das Ersparte denen zu geben, die es nötiger haben als ich. Das war der Plan, und immerhin gab ich sehr wenig für mich aus (und bis auf das Öl nichts für Essen) und konnte ein bißchen spenden. Darüberhinaus lernte ich wieder einmal, daß man sich durchaus beschränken kann, auch hinsichtlich Essen. Dummerweise geht Beschränkung nicht in allem – wenn man auf sein Fahrrad angewiesen ist und es geht kaputt, muss man schon wieder Geld ausgeben. Sonst blieb aber alles im Rahmen, Fahrrad konnte repariert werden (nur eben nicht von mir).

Ich werde auch weiter die Essenrettung in Anspruch nehmen. Hinsichtlich Brot, Obst und Gemüse kommt ein Mensch damit beinah über die Woche, schont Geldbeutel und Ressourcen und verhindert sinnlosen Verderb. Brot werde ich aber auch wieder selber backen. Da könnte ich versuchen, eine Balance zu finden zwischen Selbermachen und Retten – was ich beides wichtig finde.

Zudem möchte ich noch mehr als bisher darauf achten, nicht unnötig weit transportierte Lebensmittel zu kaufen und möglichst nicht solche aus Ländern, in denen die Mißachtung der Menschenrechte zum guten Ton gehört. Zwar haben z.B. chinesische Christen und Uiguren vermutlich nichts davon, wenn ich keinen chinesischen Reis kaufe. Aber – würden Sie einem Menschen den Gebrauchtwagen abkaufen, wenn sie wissen, daß dieser Mensch seine Frau verprügelt? Wohl nicht, obwohl das gar nichts mit seinem Gebrauchtwagen zu tun hätte. Es ist schlimm genug, daß ich derzeit Gas von einem Kriegstreiber beziehe.

Am Gründonnerstag kaufte ich ein – nicht nur für die Ostertage, sondern auch wieder für die Vorratshaltung. Ich nahm mir vor, nichts von den Einkäufen vor Ostern anzurühren. Das gelang. Nun ist Osterwoche, da wird nicht gespart… aber danach möchte ich mich wieder beschränken, wenn auch nicht so radikal wie während der Fastenzeit.

Sich beschränken macht dankbar. Nach der Fastenzeit wieder festlich Mahl halten ist doppelt schön. Und danach weiterhin maßvoll essen und Ressourcen schonen, ist immerhin ein gutes Vorhaben, für das ich in der Fastenzeit trainiert habe. Es kann gelingen. Und wenn nicht, ist es auf jeden Fall den Versuch wert. Denn jeder Tag zählt.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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