Ich will Herrn Habeck gar nicht ärgern, aber…

… ich habe nun zum ersten Mal eine Online-Petition verfasst.

Menschen in Deutschland sind von russischem Gas und Öl abhängig. Ohne diese Rohstoffe gibt es für die meisten weder Heizung noch warmes Wasser und Kochmöglichkeit.

Damit finanzieren wir, ohne es zu wollen, den Krieg gegen die Ukraine, samt Massakern an Zivilisten.

Robert Habeck ist verantwortlich für das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und damit auch dafür, ob Deutschland weiter russisches Gas und Öl bezieht oder nicht. Bis jetzt gibt es keine Abkehr von russischen Energiequellen; nur Katar wird als Ersatzlieferant in Erwägung gezogen. Katar ist allerdings hinsichtlich der Menschenrechte auch nicht besser. Die dortige Rechtsprechung orientiert sich an der Scharia, es gibt extreme Körperstrafen, und vergewaltigte Frauen werden wegen Ehebruch eingesperrt.

Bestürmen wir Herrn Habeck. Wir wollen Gas und Öl – aber nicht um den Preis von Menschenleben und Frauenrechten!

Sehr geehrter Herr Habeck,

ich bin auf Gas und/oder Öl für Herd und Heizung angewiesen und muss nehmen, was ich bekomme. Mit Gewissensbissen, Schmerz und Trauer nehme ich wahr, dass ich seit fünf Wochen ein mörderisches Unrechtsregime unterstütze, wenn ich mir bloß einen Kaffee koche oder warmes Wasser nutze.

Sie haben die Möglichkeit, das zu ändern. Sie wissen, wie und wo Deutschland zu Gas kommen kann, ohne Massenmorde an Zivilisten zu unterstützen. (Katar ist übrigens keine besonders gute Option. Ich möchte auch nicht unterstützen, daß vergewaltigte Frauen wegen außerehelichen Geschlechtsverkehrs ins Gefängnis kommen und was sonst noch in der Justiz von Katar üblich ist.)

Ich gehe davon aus, dass Sie bei der Ausübung Ihres Amtes die Menschenrechte nicht ganz ausblenden wollen – auch nicht, wenn es um die Rechte von Bürgern anderer Länder als Deutschland geht.

Bitte sorgen Sie dafür, dass Deutschland nicht durch den Kauf von Gas und Öl zur Mitschuldigen an einem verbrecherischen Krieg wird.

Mit besten Grüßen

Claudia Sperlich

Wer sich anschließen möchte, kann hier unterschreiben. Ich habe keine Ahnung, ob das etwas bringt. Aber es nicht einmal versuchen bringt bestimmt nichts.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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16 Antworten zu Ich will Herrn Habeck gar nicht ärgern, aber…

  1. gerd schreibt:

    „Bitte sorgen Sie dafür, dass Deutschland nicht durch den Kauf von Gas und Öl zur Mitschuldigen an einem verbrecherischen Krieg wird.“

    Ich wünsche der Petition alles Gute, möchte aber bemerken, dass u.a. Deutschland die finanziellen Möglichkeiten geschaffen hat, dass ein Angriffskrieg überhaupt möglich wurde, indem sich unser Land unter Schröder und Merkel vollkommen abhängig vom Russland-Gas gemacht hat. Darüber hinaus sind wir keinesfalls daran Schuld, was jemand mit unserem Geld macht, weil wir etwas bei ihm gekauft haben.

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Die Pipeline war vor allem Schröders Idee, und ich fürchte, er bildet sich immer noch etwas darauf ein.
      Ich habe hier auch nicht von Schuld der Konsumenten gesprochen – sondern von Unbehagen und, ja, ein wenig auch Gewissensbissen, weil das ja auch mit Verantwortung (das ist etwas anderes als Schuld) zu tun hat. Tatsächlich unterstütze ich gerade den Krieg in der Ukraine, ob mir das passt oder nicht. Die Heizung läuft.

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  2. Herr S. schreibt:

    Tut mir leid, aber da unterschreibe ich nicht mit.

    Ich finde Robert Habecks, den ich eigentlich früher nicht sehr mochte, hier in diesem Zusammenhang öffentlich vorgetragene Überlegungen nachvollziehbar und eines Bundes-Ministers, der für das gesamte Volk auch gerade in diesem Fall Verantwortung trägt, angemessen und nachvollziehbar.

    Die derzeitige enorm große Abhängigkeit von fossilen russischen Energieträger kann man nur mit Augenmaß verantwortungsvoll zurückfahren und umsteuern.

    Zwar so schnell wie möglich, aber doch auch mit der nötigen Behutsamkeit, um auch die hiesige Infrastruktur nicht massiv zu schädigen und etwa hierzulande zu wirtschaftlichen und darauf folgenden sozialen Verwerfungen zu kommen, die unser Land und Volk gar destabilisieren könnten.

    Denn das würde dann Putin und Konsorten in die Hände spielen, und derzeit können wir gerade als ein wirtschaftlich potentes und sozial gefestigtes Land der Ukraine und auch den ukrainischen Flüchtlingen so besser und effektiver helfen, als wenn wir uns auf einen Schlag unsere notwendige Energieversorgung destabilisieren.

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      „So schnell wie möglich“ ist ja durchaus eine Option. Aber ich sehe nicht, daß die sehr ernsthaft in Angriff genommen wird.

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      • Herr S. schreibt:

        Na, das sehe ich doch etwas anders, nachdem u.a. Herr Habeck im Fernsehen mehrfach dazu Stellung genommen hat:

        Danach werden wir in Deutschland bis zum Jahresende 2022 z.B. vollkommen raus sein aus dem Bezug von russ. Kohle und Erdöl.

        Bei Erdgas dauert es danach noch etwas länger – wohl bis Mitte 2024. Ich finde, das wäre schon eine große Leistung, wenn das klappt.

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        • Claudia Sperlich schreibt:

          Hoffen wir es. Ich bin leider nicht sonderlich zuversichtlich.
          Ich würde mich aber gerade sehr gerne irren mit meinem diesbezüglichen Pessimismus.

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        • Herr S. schreibt:

          Russische Kohleimporte werden wohl als Sanktionsantwort auf die in Butscha an Zivilisten verüben Massaker wahrscheinlich sofort und umgehend gestoppt werden.
          Ist natürlich der kleinste Posten fossiler russischer Energieträger – aber immerhin…

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  3. Nepomuk schreibt:

    Es tut mir auch leid, aber ich kann da auch nicht unterschreiben, und zwar im wesentlichen aus drei Gründen:

    1. >>Mit Gewissensbissen, Schmerz und Trauer nehme ich wahr, dass ich seit fünf Wochen ein mörderisches Unrechtsregime unterstütze, wenn ich mir bloß einen Kaffee koche oder warmes Wasser nutze.

    Bei aller Betroffenheit: Das stimmt nicht; also daß „Du unterstützen“ würdest. Und deshalb sind für das Geld, das fließt, das Putin vielleicht gegen unseren Willen für seinen Krieg einsetzen kann, auch vielleicht der Schmerz und die Trauer berechtigt, nicht aber die Gewissensbisse. Das Geld ist moralisch ebensowenig Unterstützung, wie wenn man Hunger, auch Geld, aber kein Essen hat und der einzige Lebensmittelhändler weit und breit das Geld für den Einkauf anschließend im Bordell verpraßt dessen Unzucht unterstützen würde; und daß wir mit unserer Mißbilligung des Krieges uns irgendwie zurückgehalten hätten wegen unserer energetischen Abhängigkeit, kann man uns (ich gestehe: durchaus ein wenig zu meiner Überraschung!) wirklich nicht vorwerfen.

    2. Es tut mir ja sehr leid, aber beim Lesen dieser Petition taucht unweigerlich Satz „Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht naß“ auf meiner inneren Mattscheibe auf. Wenn Katar keine Option ist und daß es dann eben „für die meisten weder Heizung noch warmes Wasser und Kochmöglichkeit“ gibt, wie ich meine zwischen den Zeilen lesen zu können, auch keine Option ist: ja wat denn nu, sagt der Norddeutsche? „Lieber Katar als Rußland“ ist eine Option. „Lieber frieren, rationieren usw. als russisches Gas“ ist eine Option. (Der derzeitige Rationierungsplan will dann die Haushalte vor der Industrie bevorzugen – was ich übrigens sagen würde: auch vor der Rüstungsindustrie? Empfiehlt es sich in unserer Lage nicht auch dafür zu frieren, daß Panzer fertig werden?.) Aber so?

    Ich verstehe Dich so, daß Du mit der Petition im wesentlichen einen Aufschrei beabsichtigst. Okay. Den Sinn des Instruments Petition sehe ich aber mit Verlaub darin, eine zumindest theoretisch auch exakt so umsetzbare Forderung zu stellen (auch wenn man dann immer noch Kompromisse schließen kann).

    3. und unwichtigstens: Ich denke, daß Herr S weitgehend mit dem Recht hat, was er hier sagt.

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Was Du zwischen den Zeilen zu lesen meinst, steht da nicht. Daß allerdings die Zukunft, wie immer sie geplant sein mag und von wem immer, Verzicht mit sich bringen wird, ist eine Banalität. Ich freue mich nicht besonders darauf.
      „Im wesentlichen einen Aufschrei“… mag stimmen. Ich hab einfach keine bessere Idee gehabt. Sonette sind hier wirkungslos.
      Und 3. – kann sein.

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      • Nepomuk schreibt:

        Die „Gewissensbisse“ standen nicht zwischen den Zeilen, sondern explizit da. (Ich kann’s auch nicht ändern, daß ich Wörter meistens wörtlich verstehe…)

        >>Daß allerdings die Zukunft, wie immer sie geplant sein mag und von wem immer, Verzicht mit sich bringen wird, ist eine Banalität.

        Ja gewiß. Mein Punkt ist nur, daß „Wir wollen weder aus Rußland noch aus Katar Gas und Öl haben, ganz egal, was das für Konsequenzen hat“ als Petitionsmaterial tauglich ist (die, um nicht falsch verstanden zu werden, einige Argumente für sich hat), hingegen „Wir wollen Gas und Öl – aber nicht um den Preis von Menschenleben und Frauenrechten“ eben nicht so sehr. Bei Petitionen muß für mich zumindest die theoretische Möglichkeit bestehen, daß ein Politiker hergeht und sie exakt so umsetzt, wie sie geschrieben hat.

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  4. gerd schreibt:

    Wir sollten auch die Realität im Blick haben. Wenn die Lieferungen aus Russland, aus welchen Gründen auch immer, ausbleiben, dann funktioniert in unserem Land und nicht nur dort, so gut wie nichts mehr. (Stellen Sie sich einen Blackout mitten im Berufsverkehr vor.) Dann haben die Minister ganz andere Probleme als Bücklinge vor dem Scheich aus Katar.

    „Danach werden wir in Deutschland bis zum Jahresende 2022 z.B. vollkommen raus sein aus dem Bezug von russ. Kohle und Erdöl.“

    Und dann? Energie aus China oder Katar? Beide Länder keine lupenreine Demokratien.

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    • Nepomuk schreibt:

      Eine mögliche Antwort darauf wäre: „Dann ist das eben so.“

      Zweierlei Dinge gilt es zu vermeiden das eine ist, an solche Dinge gar nicht zu denken oder aus rein von (verständlichen) Emotionen getriebenem Etwastunwollen sich blindlings ins Elend zu stürzen. Man muß vernünftig, nach kühler Abwägung handeln. – Und das andere ist: Allzuviele meinen andererseits, kühles kluges Handeln hieße *notwendig*, daß man den Schwanz einzieht. Dem ist nicht so. Es mag durchaus sein, als worst case, daß ein sofortiger Öl- und Gasboykott zum Volkstod Deutschlands (bei Überleben einzelner versprengter Deutscher) führt, aber in der Berechnung ist jedenfalls mit einzuberechnen, daß dieser Tod ein Heldentod wäre. Dulce et decorum est pro libertate mori stimmt halt wirklich bei Gelegenheit (also dulce vielleicht nicht, keine Ahnung, was Horaz da geritten hat).

      (Ich besteh‘ dann nur persönlich darauf, daß wer Heldentaten, auch heldenhafte Verzichte, fordert sie auch beim Namen nennt. Wir müssen dem Helden, auch dem Helden des Verzichts, zum Lohn für seine Mühen ein bißchen Großsprecherei gestatten.)

      (Wer sich für eine literarische Beschreibung der richtigen Herangehensweise interessiert, der lese im Herrn der Ringe, Band 2 Buch 3, nach, Stichwort: Ents. Aber die im Buch, nicht im Film. Die nehmen sich erstmal die Zeit, alle Optionen zu erörtern, kommen dann zu dem vernünftigen Entschluß, daß ein heldenhafter Einsatz von ihnen gefordert ist, und ab dann sind sie tatkräftig – und daß das ihren Untergang bedeuten kann, ist ihnen völlig bewußt und sie akzeptieren das.)

      Aber ja, mein Eindruck ist, daß unsere Politiker, trotz mancher Versuchung, Dinge umzusetzen, die man schon immer umsetzen wollte, diesen Spagat einigermaßen hinkriegen. Daß das ein bißchen von einer Überraschung hat, ist freilich auch kein Geheimnis.

      (Und so Feinheiten wie zum Beispiel einerseits zu sagen „wir beziehen, als kleineres Übel, erstmal weiter Gas“, andererseits aber auch „wenn Rußland unsere Euros und Dollars nicht dafür nimmt und selber den Hahn zudreht, dann ist das eben so; wir werden, komme was da wolle, uns keine Rubel beschaffen“, wie wir die Situation letzte Woche hatten – wo dann tatsächlich Rußland den Schwanz einzog und sich irgendwie fadenscheinig rauswieselte – das finde ich dann tatsächlich schon recht bewundernswert. Wäre der Anlaß nicht so beschissen, könnte man das „Politisches Manövrieren für Genießer“ nennen.)

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  5. Das schon, aber sie überfallen und zerstören nicht andere Länder.

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    • Hans-Jürgen Caspar schreibt:

      Ich meinte China und Katar. (Bemerkung zu gerd 6:31)

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    • gerd schreibt:

      U.a.Irakkkrieg! Schon vergessen? Der ging nicht von China oder Katar aus. Sondern von dem Land der Freiheit und Demokratie. Laut den USA 500 000 tote Iraker, darunter, weil es immer zu erwähnen ist, auch zahlreiche Zivilisten. War ja ein gerechter Krieg. Deswegen wurden hier auch keine amerikanischen Waren boykottiert. Wenn schon Whataboutismus dann bitte richtig.

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      • Herr S. schreibt:

        Der rechtslastig-radikale Poster gerd versucht wieder einmal mehr, fakes zu verbreiten (hier über den angeblich völkerrechtswidrigen Irakkrieg, der dem jetzigen russischen Überfall auf den souveränen Staat Ukraine) vergleichbar wenn nicht „ebenbürtig“ sei – dazu werden dann auch frech von ihm Zahlen gefälscht von angeblich 500 000 Toten Irakern, was nicht stimmt sondern maßlos gelogen und übertrieben ist.

        Wer sich zum Irakkrieg und u.a. Opferzahlen auf die Schnelle informieren möchte, bitte:

        https://de.m.wikipedia.org/wiki/Irakkrieg

        Ich habe allerdings nicht vor, mich hier mit rechtslastigen Unpatrioten oder gar verdeckten Putinisten etwa fruchtlos abzusabbeln.

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