Flieg, Odessa, auf blau-goldnen Flügeln!

Am 13. März 2022 gaben Chor und Orchesterder Oper von Odessa ein Freiluftkonzert, das seitdem durchs Internet geht. Hier der Gefangenenchor „Va pensiero“ aus Verdis Nabucco.


Das Libretto schrieb Temistocle Solera. Ich weiß nicht mehr, warum ich mich gerade im Oktober 2007 mit genau diesem Lied so beschäftigte – jedenfalls habe ich es damals mit Hilfe meiner Lateinkenntnisse, eines italienisch-deutschen Wörterbuches und der englischen wörtlichen Übersetzung auf einem Forum in eine singbare (mithin nicht ganz wörtliche) Übersetzung gebracht. Heute widme ich diese Übersetzung den Ukrainern – insbesondere jenen, die jetzt in Deutschland ankommen und sich mit unserer schwierigen Sprache auseinandersetzen müssen.

Flieg, mein Sinnen, auf goldenen Flügeln,
laß dich nieder auf Hügeln, auf Bergen,
süße Lüfte der heimischen Erde
geben warmen und lieblichen Duft!

Grüß des Jordans verlassene Ufer,
und auch Zions zerschlagene Türme.
Oh mein Heimatland, schön und verloren,
oh Gedenken so elend und so wert!

Goldne Harfe prophetischer Sänger,
warum hängst du so stumm an der Weide?
In die Herzen ruf uns die Erinnrung,
daß sie spricht von vergangener Zeit!

Oh wie Salomo einst sein Geschick sang,
gib ein Tönen von dir rauher Klage.
Es erwecke der Herr deinen Wohlklang,
der durchdringe voll Liebe unser Leid!

© der Übersetzung: Claudia Sperlich

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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