Fastenprojekt: keine Lebensmittel kaufen

… und auch sonst möglichst wenig.

Wie sollte das klappen? Klar, ich könnte „an das Eingemachte“ gehen. Das geschieht in sehr geringem Maß – in dem geplanten. Sauer eingelegte Zwiebeln und dito Eier sind dafür gemeint, an Sonn- und Feiertagen nach und nach vernascht zu werden. Ich habe zudem einen Vorrat an Linsen, Haferflocken, Nudeln usw., der eine Weile reicht. Hafermilch (die ich als leichte Alternative zu Milch sehr gerne mag) habe ich nur noch zwei Liter; Nudeln und passierte Tomaten waren bereits in der ersten Fastenwoche an ein Ende gelangt – nachgekauft wird nicht.

Essenrettung ist eine Möglichkeit, gute Nahrungsmittel vor dem Wegwerfen zu retten. Jeden Samstagabend stehen Freiwillige in Berlin und geben gerettete Lebensmittel aus. Das ist für mich der „Wocheneinkauf“ – für den ich keinen Cent ausgebe. Nun ist diese Ausgabestelle 17 Kilometer von meiner Wohnung entfernt. Andere Ausgabestellen sind nicht für jedermann, sondern für besonders Bedürftige, also muss dieser Weg schon sein. Allerdings wohnen ganz nahe der Ausgabestelle liebe Freunde, die ich ohnehin jeden Samstag besuche. Die Arbeit ist also nur, zwei Packtaschen und einen Rucksack voll Essen (Brot, Brötchen, Obst, Gemüse, ein paar Milchprodukte und manchmal Wurst) nach Hause zu transportieren.

Auf halben Weg liegt die Bahnhofsmission. Da ich oft große Mengen an Mandarinen bekomme, fahre ich dort noch kurz vorbei und gebe etwas ab. (Mandarinen kommen dort immer sehr gut an. Obdachlose brauchen dringend Vitamine – und Mandarinen kann man auch bei sehr schlechtem Zahnstatus essen.) Dann geht es nach Hause, die Sachen einräumen und Abendbrot machen.

Die Essenrettung mache ich so fast jede Woche, unabhängig von der Zeit im Kirchenjahr. Aber außerhalb der Fastenzeit kaufe ich trotzdem auch Essen ein. Brot backe ich in der Regel selber. Nun aber das Fastenprojekt: Nichts Essbares kaufen!

Ganz hat es nicht geklappt. In der ersten Fastenwoche war das Olivenöl leer. Ich überlegte eine Weile, ob ich auch darauf verzichten und nur noch das Rapsöl nehmen sollte, das ich zum Braten nehme. Aber da sträubte ich mich. Also Olivenöl! Und am Gründonnerstag ist der Einkauf für Ostern dran – eindeutig nur für Ostern, davon wird vorher nichts angebrochen.

Ich versuche auch, nicht an die eingemachten Suppen zu gehen. (Ich habe im Februar massenweis gute Suppen gekocht und eingemacht, eingedenk der Mahnung von Katastrophenschutz und klugen alten Frauen, man brauche im Katastrophenfall einen Vorrat für zehn Tage, den man notfalls kalt Strom essen kann. Rohe Linsen und Nudeln sind da ungeeignet.)

Wenn das Brot schon am Donnerstag aufgegessen ist, kann man Freitag und Samstag Porridge zum Frühstück essen. Schmeckt gut und macht satt und warm.

Montags bis Samstags gibt es in der Regel nichts Tierisches und keinen Süßkram. Das möchte ich gerne so beibehalten – war schon mal dabei und hatte dann die Disziplin verloren. Sonn- und feiertags ist alles möglich. Falls es bei der Abholung mal weder Wurst noch Käse gibt, kann ich darauf in der Fastenzeit entweder einfach mal verzichten oder auf eine der Thunfischdosen zurückgreifen (davon habe ich mehr als es Fastensonntage gibt). Eingelegte Eier sind mir sicher (und sehr, sehr lecker). Und wenn ich sonntags Lust auf Süßkram habe? Süßes Joghurt oder selbstgemachtes Popcorn mit Zucker ist lecker.

Beim Essen von der Abholung muss man schauen, was möglichst schnell verarbeitet werden muss. Da kann es durchaus sein, daß ich einen großen Topf Gemüsesuppe mache und davon mehrere Tage esse (oder, außerhalb der Fastenzeit, einen Teil einwecke). Falls Brötchen hart werden, kann man sie zu Auflauf oder Brotsuppe (herzhaft oder süß) oder zu Semmelbröseln verarbeiten. Immer aber ist es möglich, sich auf diese Weise gut und gesund zu ernähren. Auch ein durchaus festliches Mahl am Sonntag ist möglich (heute: Salat, Kartoffel-Pilz-Pfanne, Joghurt mit Banane – bis auf Öl, Essig und Salz alle Zutaten aus der Essenrettung).

Klar, nach Ostern werde ich einiges an Grundnahrungsmitteln wieder kaufen müssen. Aber bis dahin sollte es langen, zumal ich bei der Essenrettung eine Menge Kartoffeln bekomme.

Gewinn: Essen vor dem Verderb retten, Haushalten und Disziplin lernen, Obdachlosen zu Obst verhelfen, Geld sparen (nicht nur in der Fastenzeit: um es wenigstens teilweise zu spenden), dankbarer werden.

Und weil nach den Rezepten sicher gefragt wird:

Saure Zwiebeln
Im Prinzip wie die teuren Borettane-Zwiebeln, nur billig. Nicht zu große Zwiebeln (ich mache das mit ganz gewöhnlichen Zwiebeln, wie man sie normalerweise in der Küche hat) schälen, aber nicht schneiden, in einen Topf legen, knapp mit Wasser bedecken und etwa 15-20 Minuten lang kochen.
Inzwischen eine Lake machen aus 1 Teil Balsamico-Essig, 1 Teil Wasser, etwas Salz, etwas mehr Zucker, evtl. Pimentkörnern oder was einem sonst einfällt. Aufkochen.
Zwiebeln abgießen und in Schraubgläser oder Weckgläser legen. Gläser mit kochendem Sud füllen, verschließen, einige Minuten umgedreht stehen lassen. Dann mindestens zwei Wochen lang ungeöffnet stehenlassen. 

Saure Eier
Eier hartkochen. Inzwischen reichlich Gemüse (Paprika oder Pilze oder eine Mischung daraus sind gut geeignet, frische Kräuter ebenfalls) in Streifen schneiden (bzw. Kräuter möglichst erkennbar lassen). Sud aus 1/2 Liter Essig (Sorte nach Wahl, hier darf man experimentierfreudig sein), 1/2 Liter Wasser, 1 Esslöffel Salz, 3 Esslöffel Zucker, Gewürze nach Belieben (Vorschläge: Piment oder Koriander oder Pfeffer). Eier pellen. In die Gläser erst eine Schicht Gemüse, dann 2-3 Eier, dann wieder Gemüse, wieder Eier usw.; mit Gemüse abschließen. Kochenden Sud drüber und weiter wie bei den Zwiebeln. Eier vertragen gut, noch länger zu ziehen.

Mit sauberem Löffel entnehmen. Was drinbleibt, hält sich weiter, solange es von Sud bedeckt ist. Der Sud aus beiden Rezepten hält lange und eignet sich hervorragend als Suppengewürz. (Ganz simpel: 1 Kästchen passierte Tomaten, ebensoviel Wasser, knapp so viel Sud - dafür gehe ich dann auch von dem Prinzip "unter der Woche kein Zucker" mal ab.)

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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