Gehorsam

Bischof Bätzing gab kürzlich ein Interview, in dem er Dinge vorbrachte, die ich für nicht vereinbar halte mit seinem Amt und dem christlichen Glauben (insbesondere katholischer Prägung). Er hat deshalb auch schon von Klügeren als mir auf den Deckel bekommen, dennoch möchte ich ihm und allen sagen, warum mich (Laie ohne übergroße Verdienste) dies Interview entsetzt.

Bischof Bätzing sagt: „Ich bin 60 Jahre alt. Die Zeit der Ängstlichkeit ist vorbei. Das war mal anders. Es gab durchaus Zeiten, da war ich ängstlicher, zurückhaltender. Es geht aber um so viel in unserer Zeit, da ist es wichtig zu sagen, was wir denken.“ Diesen einen Absatz kann ich, einschließlich der Altersangabe, Wort für Wort selbst sagen. Ich habe keine Scheu, auch einem Bischof die Leviten zu lesen, wenn es sein muss.

Als Herr Georg Bätzing am 1. Juli 2016 zum Bischof geweiht wurde, stellte ihm der Zelebrant neun rituelle Fragen, und Bätzing antwortete auf jede „Ich bin bereit“ – auf die letzte sogar „Mit Gottes Hilfe bin ich bereit“. Schauen wir mal, was übrigblieb.

  • Bist du bereit, in dem Amt, das von den Aposteln auf uns gekommen ist und das wir dir heute durch Handauflegung übertragen, mit der Gnade des Heiligen Geistes bis zum Tod zu dienen?
  • Bist du bereit, das Evangelium Christi treu und unermüdlich zu verkünden?
  • Bist du bereit, das von den Aposteln überlieferte Gut, das immer und überall in der Kirche bewahrt wurde, rein und unverkürzt weiterzugeben?
  • Bist du bereit, am Aufbau der Kirche, des Leibes Christi, mitzuwirken und zusammen mit dem Bischofskollegium unter dem Nachfolger des heiligen Petrus stets ihre Einheit zu wahren?
  • Bist du bereit, dem Nachfolger des Apostels Petrus treuen Gehorsam zu erweisen?
  • Bist du bereit, zusammen mit deinen Mitarbeitern, den Presbytern und Diakonen, für das Volk Gottes wie ein guter Vater zu sorgen und es auf dem Weg des Heiles zu führen?
  • Bist du bereit, um des Herrn willen den Armen und den Heimatlosen und allen Notleidenden gütig zu begegnen und zu ihnen barmherzig zu sein?
  • Bist du bereit, den Verirrten als guter Hirte nachzugehen und sie zur Herde Christi zurückzuführen?
  • Bist du bereit, für das Heil des Volkes unablässig zum allmächtigen Gott zu beten und das hohepriesterliche Amt untadelig auszuüben?

Bischof Bätzing trennt sich in dem Interview von biblischer und kirchlicher Lehre und Tradition – und damit von dem „überlieferten Gut“ – in einem Maße, das ich mit Aufbau und Einheit nicht mehr zusammenbringen kann.

Priesterinnen will er haben. – Der Heilige Vater hat – ebenso wie seine Vorgänger – betont, daß es keine katholischen Priesterinnen geben kann. Und „wir brauchen die Kraft der Frauen“, wie der Bischof sich ausdrückt? Bitte sehr, ich stelle meine Kraft zur Verfügung. Wenn Bischof Bätzing wissen möchte, warum ich auch dann nicht Priesterin werden könnte, wenn ich das ganz, ganz dringend wollte, kann ich Ihm das gerne mit Argumenten aus Bibel und Tradition erklären, z.B. in diesem Vortrag. Wenn er wissen möchte, was ich sonst noch zu sagen habe zum großen Thema Kirche und zum Gehorsam, kann er auf meinem Blog herumstöbern oder mich einladen – adsum.

Der priesterliche Zölibat soll freigestellt werden. Damit auch gar nichts mehr stört, was? Ich sehe darin den Willen, alles, was irgendwie schwierig, eigen, anachronistisch erscheint, wegzuputzen – statt sich damit auseinanderzusetzen.

Die katholische Sexuallehre soll fallen (jeder soll mit jedem dürfen, sofern es „aus Liebe“ geschieht). Bislang ist nach katholischer Lehre Sexualität so heilig, daß sie nur in dem geschützten Raum der Ehe zwischen genau einem Mann und genau einer Frau Platz hat. Die Verweltlichung und Banalisierung der Sexualität kann ich nicht als etwas Erstrebenswertes erkennen – auch aufgrund eigener leidvoller Erfahrungen.

Bätzing: „Keiner muss mehr Angst haben, seinen Job zu verlieren, wenn er seine persönliche Intimität lebt. Die geht mich nichts an.“ Diesem Hirten scheint egal zu sein, wenn seine Schäfchen sich verirren. Das kommt mir nicht besonders liebevoll vor. Ein guter Vater lässt seine Kinder auch nicht blindlings ins Unglück rennen.

Die Bereitschaft zur untadeligen Ausübung beinhaltet nicht, daß man dann auch tatsächlich immer „untadelig“ ist – das ist keiner, das kann keiner. Wäre hier also nur die Tatsache, daß auch ein Bischof ein Sünder ist (wie ich, wie alle), wäre es banal. Aber ich kann die Bereitschaft – also den festen Willen, immer wieder umzukehren und Gottes Willen und Geboten zu folgen, so gut man es vermag – hier nicht mehr erkennen. Wäre ich in Limburg, müsste ich mich fragen, ob ich diesem Hirten noch gehorsam sein darf.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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11 Antworten zu Gehorsam

  1. Hartmut Kluge schreibt:

    Bitte als „Offener Brief“ an die DBK, den Herrn Vorsitzenden daselbst sowie weitere an sich maßgebliche Personen, Stellen und Körperschaften!

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  2. akinom schreibt:

    Nie hätte ich mir vorstellen können, dass es Priester und auch Bischöfe gibt, die nicht mehr katholisch sind. „Bewahre uns vor Verwirrung und Sünde!“ Mir läuft es kalt den Rücken herunter beim Lesen des Blogbeitrags. Was versteht die Bibel eigentlich unter dem begriff Unzucht? Wenn doch wenigstens alles im Schlafzimmer bliebe, was ins Schlafzimmer gehört! Wie dankbar können wir doch sein für den treuen Hirten Kardinal Woelki, der offenbar – wie ich ihm mailte – das Fegefeuer schon auf Erden leben darf!

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  3. Wolfram schreibt:

    Ich bin nicht sicher, daß arbeitsrechtliche Mittel zur pastoralen Begleitung gehören.

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Einerseits das Arbeitsrecht: Ich kann auch nicht gleichzeitig Sekretärin des Veganerbundes sein und in einem Steakrestaurant jobben. Da muss ich mich nicht wundern, wenn der Veganerbund mich rauswirft.
      Andererseits die pastoralen Aufgaben: Wenn ein Bischof sagt, daß es ihn nicht angeht (also: ihm egal ist), wenn Gläubige sich hinsichtlich klarer Vorgaben ihrer Religion auf gefährlichem Glatteis bewegen, darf mich das wundern.

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      • Wolfram schreibt:

        Man kann aber beim Veganerbund angestellt sein und privat Fleisch essen.

        Die Gleichsetzung von „geht mich nicht an“ und „ist mir egal“ nehme ich gerade Ihnen nicht ab: dazu sind Sie zu gewandt im Umgang mit der deutschen Sprache.
        Mich beispielsweise geht der Wahlkampf in Frankreich nicht an, weil ich nicht wählen darf; er ist mit aber alles andere als egal. Auch amtlich geht mich der Wahlkampf nichts an…
        Ethische Fragen bespreche ich allerdings nicht in der Presse; da kennt man nachher seine eigenen Gedanken nicht wieder…

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  4. Klaus K. schreibt:

    Kann sich noch jemand an Rudolph Scharping erinnern? Dessen Abstieg begann auch mit einem BUNTE-Interview

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  5. gerd schreibt:

    „Keiner muss mehr Angst haben, seinen Job zu verlieren, wenn er seine persönliche Intimität lebt. Die geht mich nichts an.“

    Dann sollen doch die Leute aufhören ihre persönliche Intimität in die Öffentlichkeit zu posaunen. So einfach ist das.

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  6. Pingback: Wenn Erklärungen nicht fruchten | Katholisch? Logisch!

  7. Schmidt schreibt:

    Ich stimme Ihrem Blog-Beitrag voll zu. Dieser Bischof wie viele andere auch, ist eine totale Fehlbesetzung. Ich schäme mich für ihn.

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