Henri de Lubac SJ

Vor 126 Jahren wurde Henri de Lubac in Nordfrankreich geboren. 17jährig trat er der Gesellschaft Jesu bei. Im Ersten Weltkrieg wurde er eingezogen und erlitt eine schwere Kopfverletzung, die ihm lebenslang zu schaffen machte. Das hinderte ihn nicht daran, ein umfangreiches theologisches Werk zu hinterlassen.

Unter dem Verdacht des Modernismus wurde ihm von seinem Orden eine Zeitlang die Lehrtätigkeit untersagt. Das hinderte ihn nicht am Schreiben – und hinderte Johannes XXIII nicht daran, ihn 1960 zum Berater der theologischen Kommission des Zweiten Vatikanischen Konzils zu ernennen. Eine glanzvollere Rehabilitation war kaum möglich – kam aber doch: 1983 machte Johannes Paul II. ihn zum Kardinaldiakon.

In einer Meditation über die Kirche schrieb er:

„Die Kirche, die ganze Kirche, die einzige Kirche, die von heute ebenso wie von gestern und morgen, ist das Sakrament Jesu Christi. Sie ist tatsächlich nichts anderes, oder was darüber hinausgeht, ist nur Zusatz.

Die einzige Mission der Kirche ist, den Menschen Jesus Christus zu vergegenwärtigen. Sie muss Ihn künden, Ihn zeigen, Ihn allen geben. Nochmals, was darüber hinausgeht, ist nur Zusatz. Wir alle wissen, daß sie in dieser Mission nicht versagen kann. Sie ist in Wahrheit de Kirche Christi und wird es immer bleiben: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt (Mt. 28,20). Aber was sie in sich ist, das muss sie auch in ihren Gliedern sein. Was sie für uns ist, das muss sie auch durch uns sein. Jesus Christus muss von uns weiter verkündet werden, nur durch uns bleibt Er sichtbar. Das ist mehr als eine Verpflichtung, man kann sagen, es ist eine natürliche Notwendigkeit.“

Méditation sur l’Église, 1954 (Übersetzung von mir)

Kardinal de Lubac starb 1991 in Paris.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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5 Antworten zu Henri de Lubac SJ

  1. Einfacher Katholik schreibt:

    In den Worten „Die einzige Mission der Kirche“ steckt schon das jesuitische Problem verborgen, das sich besonders im aktuellen Pontifikat offenbart. Es ist die völlige Verständnislosigkeit gegenüber der Anbetung und dem Dienen Gottes. Kontemplative Orden können ein Lied davon singen.
    Es mag sein, daß ich dem einen oder anderen Jesuiten unrecht tue, aber wenn ich das Wort Jesuit höre, erwarte ich selten einen positive Kontext, aber jederzeit irgendeinen Angriff auf Tradition und Lehre der Kirche.

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Pardon, ich habe das eben erst gesehen und freigeschaltet.
      Mich würde interessieren, was Sie als Mission der Kirche sehen, AUSSER Jesus Christus zu verkünden auf jede erdenkliche Weise (auch durch Gebet und Kontemplation, beides bei Jesuiten äußerst wichtig). Außerdem interessiert mich, wie viele Jesuiten Sie persönlich kennen.

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      • Einfacher Katholik schreibt:

        Nun, von „jede erdenkliche Weise“ steht in der Meditation erstmal nichts. Ich deute die Worte deshalb als reinen Verkündungsauftrag, als etwas den Menschen Zugewandtes.

        Meine skeptische Einstellung über Jesuiten resultiert nicht aus persönlicher Begegnung sondern durch die Rezeption jesuitische Schriftbeiträge, die allzu oft die Treue zur Lehre der Kirche vermissen lassen. Der letzte, der mir hier unangenehm aufgefallen ist, war Kardinal Höllenbruch (oder so ähnlich) aus Luxemburg.

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        • Claudia Sperlich schreibt:

          „Die einzige Mission der Kirche ist, den Menschen Jesus Christus zu vergegenwärtigen. Sie muss Ihn künden, Ihn zeigen, Ihn allen geben.“ Das umfasst noch mehr als ich in meinem Kommentar gesagt habe.
          Es gibt leider bei Jesuiten genau wie bei anderen auch schlechte Beispiele. Das ändert nichts an den ausgezeichneten Beispielen, die es seit Ignatius von Loyola eben auch gibt. Ein solches Beispiel ist Pater Adrian Kunert. Vielleicht kann ein Blick auf seine Seiten Ihr harsches Urteil revidieren. http://adrian-kunert.com/KatholischeKirche/Kirchestart.html

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  2. akinom schreibt:

    Ich bin sehr dankbar dafür, dass Claudia Sperlich mutig lebt, was Henri de Lubac vorausschauend auf die Pippi-Langstrumpf-Kirche von heute verkündet hat. Herzlichen Glückwunsch zum Namenstag!

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