Dämonen, Löwen, Wölfe und Schweine

Mit all diesen bekam Antonius der Große zu tun, der Heilige, dessen die Kirche heute gedenkt.

Als radikaler Eremit erlebte er dämonische Versuchungen. Zuerst versuchte der Teufel es – und ihn – mit dem wohlfeilsten aller Mittel, mit Sex. Aber die Vorspiegelung von appetitlichen Frauen hatte keine Wirkung außer zeitweiliger Genervtheit auf den Asketen. Nun probierte der Teufel es mit der Angst und piesackte Antonius seelisch und körperlich mit erschreckenden Dämonen. Auch das war für Antonius sicher äußerst unangenehm, brachte ihn aber nur zu noch mehr Gebet. Der Feind musste aufgeben.

In seiner Einsiedelei empfing Antonius Ratsuchende, und seine direkte, auch schroffe, immer wahrhaftige Art wirkte anziehender als ihm lieb war. Aber obwohl er oft viel lieber über Gottes Wort meditiert als sich mit irrenden Menschen auseinandergesetzt hätte, wies er niemanden ab. Viele junge Männer wollten sich ihm anschließen, und so wurde er schließlich – wohl zunächst wider Willen – zum Begründer des christlichen Mönchtums.

Ein Wolf führte ihn zu einem anderen Einsiedler, Paulus von Theben. Als der starb, halfen Löwen Antonius, ihn zu begraben. Ob das wörtlich so stimmt, bezweifle ich zwar. Aber ich kann mir gut vorstellen, daß dieser fromme Asket, der so heftigen Versuchungen widerstanden hatte, keine Angst hatte – auch nicht vor gefährlichen Tieren.

Antonius lebte etwa von 250 bis 356 (das Eremiten- und Asketenleben scheint nicht ganz ungesund zu sein). 1095 wurde der Antoniter-Orden gegründet, der sich der Krankenpflege widmete (insbesondere an Mutterkornvergiftung oder „Antoniusfeuer“ Erkrankte, bei denen man wegen ihrer beängstigenden Halluzinationen den dämonengeplagten Heiligen als Schutzpatron anrief). Im 18. Jh. wurde der Orden den Maltesern inkorporiert. Im Mittelalter hielten die Antoniter Schweine, die frei liefen und durch ein umgehängtes Glöckchen kenntlich gemacht wurden. Die Schweine wurden von der Allgemeinheit bis zur Schlachtreife gefüttert; das Fleisch wurde an die Armen verteilt. (Die Redensart „Frech wie ein Antoniusschwein“ ist, heißt es, in Österreich noch heute bekannt.) Die Darstellung des Heiligen mit einem Schwein an seiner Seite bezieht sich auf diesen Brauch, wird aber auch mit den ihm so lästigen Dämonen in Verbindung gebracht (wohl durch die gedankliche Verbindung zu Schweinen und Dämonen in Mk. 5,11-13).

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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