Was am Katholizismus so klasse ist: Der Rosenkranz!

Der Rosenkranz ist keineswegs eine Vergottung Marias, wie den Katholiken gern vorgeworfen wird. Er beginnt feierlich mit dem Kreuzzeichen und den Worten:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Im Namen des Dreieinen Gottes wird gebetet, das wird gleich klargestellt. Der Glaube an Ihn wird anschließend bekannt mit dem Apostolische Glaubensbekenntnis, der Formel, mit der Christen sich und einander ihres verbindlichen Glaubens versichern:

Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde…

Ich erspare mir hier einen Credo-Kommentar; nur so viel: „katholisch“ bedeutet „allgemein“, „allumfassend“. Eine Zusammenstellung von Aufsätzen und Glaubenszeugnissen verschiedener jetzt lebender Katholiken zum Credo ist das lesenswerte Büchlein „Dem Credo auf der Spur“ (Hg. Petra Lorleberg).

Auf das Credo folgt das Gloria:

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
wie im Anfang so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Jeder Person der Trinität einzeln und allen zusammen als dem Einen Gott gebührt Ehre, und das in der gesamten Zeit von Anfang bis Ende und in der Ewigkeit. Ewigkeit ist nicht eine unendlich lange Zeit, sondern eine andere Kategorie, das von der Zeit unabhängige Sein Gottes, und das unzerstörbare Sein der Menschen in Seiner unmittelbaren Nähe, nach diesem Leben. In diesem unendlichen und herrlichen Zustand ist alles zu Gottes Ehre; das Gloria bejaht und feiert Ewigkeit und Ehre Gottes.

Vor den drei zusammenhängenden Perlen und vor jedem Gesätz betet man das

Vater unser.

Mit dem wichtigsten Gebet der Christenheit wird also jede Reihe „Ave Maria“ eingeleitet. Der Vater im Himmel ist der Anfang von allem.
Ihm sei Ehre – und deshalb wird nach den ersten drei „Ave Maria“ und nach jedem Gesätz wieder das Gloria gebetet.
Das Gebet zum Vater, das Bekenntnis und Bitte beinhaltet, und die Ehrerbietung vor dem Dreieinen Gott bilden den Rahmen um das wiederholte Ave Maria.

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir.
Du bist gebenedeit unter den Frauen
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes,
Jesus (…).
Heilige Maria, Mutter Gottes,
bitte für uns Sünder
jetzt und in der Stunde unseres Todes.

Nach dem Namen Jesu wird ein Glaubensgeheimnis eingefügt. Jesus, den du, o Jungfrau, geboren hast. Jesus, der für uns gekreuzigt wurde. Jesus, der wiederkommen wird in Herrlichkeit… Diese Geheimnisse handeln immer von Jesus Christus(auch im freudenreichen Rosenkranz, wo es um die enge Beziehung zwischen Mutter und Sohn, zwischen Maria und Jesus geht). Von der Menschwerdung bis zur Wiederkunft dreht sich das Ave Maria im Rosenkranz nur um Ihn; wir betrachten Ihn durch die Augen Seiner Mutter.

Jedes Gesätz besteht aus zehn Ave Maria; zehnmal am Stück schaut der Beter gemeinsam mit Maria ein glaubenswichtiges Ereignis aus Jesu Leben an. Die Wiederholung lässt das Gebet wirklich zu einer Betrachtung werden; der Beter verinnerlicht die einzelnen Stationen des Lebens Jesu ebenso wie Marias mütterliche Liebe.

Jedes Gesätz wird wieder abgeschlossen mit dem Gloria, der Ehrung des Dreieinen Gottes. In neuerer Zeit kommt noch ein optionales Gebet nach jedem Gloria hinzu, das von den Seherkindern von Fatima überliefert ist:

O mein Jesus, verzeihe uns unsere Sünden; bewahre uns vor dem Feuer der Hölle, führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die Deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen.

Der Rosenkranz ist ein Jesusgebet. Der Beter bittet Maria als Mutter und Freundin um Fürbitte – das ist nicht viel anders, als wenn er eine liebe Nachbarin um Fürbitte angeht, nur daß Maria nie unwillig oder abgelenkt ist und immer Zeit hat als Tochter, Mutter und Braut des Herrn; ich schrieb schon darüber.)

Durch das Rosenkranzgebet kommt nicht nur der Beter selbst zur Ruhe und oft auch auf gute Gedanken. Der Rosenkranz ändert auch die Umwelt des Beters – hilft, oft merkbar und wunderbar, in schweren Anliegen, ändert oft den, für den er gebetet wird. Meine wunderschönen Erfahrungen mit dem Rosenkranz bei einer Demonstration und beim Verlaufen im Nebel habe ich beschrieben. Wer Größeres sucht, kann nach Lepanto googeln.

Rosenkranz

Ein Kreuz und neunundfünfzig Perlen gleiten
Durch meine Finger, stetig, ohne Hast.
Bei Jesus und Maria halt ich Rast,
Sie helfe mir, für Ihn mich zu bereiten.

In alle Tage meines Lebens passt
Zu allen stürmischen und ruhigen Zeiten
Der Reigen der Gebete, die mich leiten,
Der Kranz, der Jesu Liebeswerk umfasst.

So wie Dein Leib den Leib des Herrn umschloss,
Umschließt die Perlenschnur des Herren Leben
Und stillt die grauen Ängste, die mich plagen.

Du Erste, die für Ihn ihr Blut vergoss,
In deren Mutterhand Er sich gegeben –
Trag mein Gebet zu dem, den Du getragen.

© Claudia Sperlich

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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9 Antworten zu Was am Katholizismus so klasse ist: Der Rosenkranz!

  1. Pingback: 2017-06-05 | Was am Katholizismus so klasse ist … | Gebetsgruppe St. Josef, Aachen

  2. Jorge schreibt:

    Grusel.
    Wieso denn „nach Lepanto googeln“?
    Die Vorstellung, Lepanto habe etwas mit dem Rosenkranzgebet zu tun gehabt, ist erstens Aberglaube, zweitens Kriegsverherrlichung und drittens historisch betrachtet schlicht unwahr (die Legende von dem Rosenkranzmadonnenbild auf dem Flaggschiff entstand erwiesenermaßen erst lange nach der Seeschlacht).
    Papst Johannes Paul II. hat für solche scheußloichen Vereinnahmungen des katholischen Volksglaubens für die militärischen Interessen irgendwelcher „katholischen“ Großmächte ausdrücklich Abbitte geleistet und sich im Namen der Kirche für derartigen Unsinn entschuldigt.

    Es ist ausgesprochen ärgerlich, wenn jetzt irgendwelche Neugläubige oder Konvertiten hingehen, den Katholizismus nach ihrem Gusto umdeuten, das Bekenntnis des bekanntermaßen rosenkranzfreundlichen Papstes ignorieren und erneut kriegslüsterne Legenden verbreiten, nur weil sie keine Moslems mögen und im Herzen eher evangelikal als katholisch denken. Maria mag die Moslems und umgekehrt gilt in großen Teilen dasselbe, bei Evangelikalen ist das Gegenteil der Fall, das müssen auch Konvertitinnen akzeptieren. Höflich gesagt.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Lieber Jorge,
      es erschließt sich mir nicht, warum es kriegsverherrlichend sein soll, wenn Menschen um Befreiung von Aggressoren beten. Ich persönlich finde das Christentum erheblich besser als den Islam und bin froh, in einem weit mehr vom Christentum als vom Islam geprägten Land zu leben.
      Ich finde den letzten Absatz Deines Kommentars ziemlich dummdreist, aber darüber sind wir uns vermutlich nicht einig. So höflich wie mir noch möglich gesagt.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Noch etwas zu Deinem offensichtlichen Versuch, mir und allen Lesern von katholischlogisch einen Bären aufzubinden.

      „Durch das eifrige Beten des Rosenkranzes können auf die Fürsprache der himmlischen Mutter des Herrn außerordentliche Gnaden erlangt werden. Davon war der hl. Pius V. fest überzeugt, und er wollte nach dem Sieg von Lepanto ein eigenes Fest, den Gedenktag Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz, einführen.

      Ich habe Maria, der Königin des heiligen Rosenkranzes, zu Beginn des dritten Jahrtausends durch das Gebet des Rosenkranzes das wertvolle Gut des Friedens und die Förderung der Institution der Familie anvertraut. Ich erneuere diesen Akt des Vertrauens auf die Fürsprache des hl. Pius V., dieses großen Marienverehrers.“

      aus: Botschaft von Johannes Paul II. anläßlich des 500. Jahrestag der Geburt des hl. Papstes Pius V

  3. Herr S. schreibt:

    Ja, der Rosenkranz ist wirklich klasse. Ich habe ihn als kleines Kind nahezu spielerisch-leicht von meiner guten schon sehr betagten Oma durch deren laut-vernehmliches Beten selbst abgelernt, und es war mir eine Lust, mit ihr quasi „um die Wette“ zu beten.
    Später gab es viele Jahre, wo ich ihn leider vergaß – erst in schweren Stunden erinnerte ich mich dann seiner und fing wieder an, ihn zu beten.
    Er ist mir und auch meiner Frau ein unglaublich wertvolles Gebet, das mir persönlich auch schon in schwerer Lage wunderbar geholfen hat und das wir auch unseren beiden Enkelin nun beigebracht und nahegelegt haben.
    Er gibt mir unglaubliche innere Ruhe und Zuversicht – da brauche ich keine fernöstlichen Meditationstechniken o.ä.
    Ich kann das Gebet, dessen sämtliche Glaubensgeheimnisse ja auch u.a. im Neuen Gotteslob-Gebetbuch stehen, nur jedem wärmstens anempfehlen.

  4. Gerd schreibt:

    Könnten sie vielleicht mal was über die Lauretanische Litanei schreiben? Die gehört in unserer Gemeinde zum Rosenkranz, wie das Gelbe zum Ei. Sozusagen das Sahnehäubchen auf den Rosenkranz.

  5. Sharela Koch schreibt:

    Danke für den tollen Blogeintrag! Mir gefällt vor allem am Rosenkranz, dass dabei das Leben Jesu „etappenweise“ betrachtet wird und man dabei zur Ruhe kommt. Der Rosenkranz hilft mir auch in stressigen und schwierigen Situationen Ruhe zu bewahren und meine Gedanken zu ordnen und gute Lösungen zu finden. Schade, dass viele meiner Altersgenossen ihn durch ihr Umfeld erst gar nicht kennen lernen…

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