Gedicht zum Evangelium des Tages

Die Heilung des Lahmen
Mk. 2,1-12

Der Meister kam zu mir. Ich war geehrt,
Den vielgerühmten Gottesmann zu sehen.
Ich wollte so viel fragen und verstehen.
Man sagte, keinen ließ Er unbelehrt.

Es sprach sich schnell herum. Schon kamen Massen.
Sein Wort war liebevoll und streng und stark.
Ich spürte nicht als einzger bis ins Mark
Die Kraft des ewgen Gottes mich erfassen.

Bis auf die Straße drängte, dicht an dicht,
Voll Neugier aller Nachbardörfer Menge.
Er saß und lehrte in des Hauses Enge,
Und plötzlich übergoß Ihn Mittagslicht.

Die lose Platte war beiseitgeschoben.
Wie eine Säule stand der Sonnenglast,
An Seilen ließen sie herab die Last
Und schauten hoffnungsvoll auf Ihn von oben.

Drei Freunde auf dem Dach, den vierten sah
In einem Tragetuch man niederschweben
Vor Jesus. „Deine Sünden sind vergeben.“
Erleichtert lächelnd lag der Lahme da.

Die Schriftgelehrten waren voller Fragen:
„Wer kann vergeben außer Gott allein?“
Der Meister sagte: „Was wird größer sein:
Vergebung oder Heilung zuzusagen?“

So sprach Er und befahl dem Mann, zu gehen,
Der stand und nahm die Trage und ging fort.
Großäugig standen die Gelehrten dort:
„So etwas haben wir noch nie gesehen.“

© Claudia Sperlich

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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