Mittendrin Ost: Sehnsuchtsort – kommt und seht

Die Katholische Charismatische Erneuerung veranstaltet immer mal Kongresse und regionale Wochenendveranstaltungen mit dem Titel „Mittendrin“. „Mittendrin Ost“ fand vom 27. bis zum 29. Oktober im Gertrauden-Krankenhaus statt, vorwiegend in der Krankenhauskapelle.

Es begann am Freitagabend mit Lobpreis und einer kurzen Einführung der Referentin Pia Attard. Mit fast hundert Teilnehmern war die kleine Kapelle ziemlich voll, und so schön das war, gab es zu wenig Luft. Die meisten Leute kommen damit ziemlich gut zurecht, sehr im Widerspruch zu meinem Wissen über die menschliche Atmung, aber ich finde Luftmangel sehr anstrengend. Der Heilige Geist wehte dafür umso stärker! Charismatischer Lobpreis hat eine besondere Atmosphäre und ausgesprochen schöne Lieder – im Gegensatz zur Gattung Neues Geistliches Lied sehr bibel- und kirchentreu und mit fetzigen Melodien. Das Sprachengebet, das in einem solchen Lobpreisgottesdienst immer vorkommt, ist mir nicht gegeben, aber ich freue mich an dem Klang und daran, daß so viele diese Gabe haben.

Pia Attard aus Malta stellte sich und ihren Mann vor und gab eine charmante Einführung. Ihre in englischer Sprache gehaltenen Vorträge über karmelitische Spiritualität wurden übersetzt, was für mich sehr eindrucksvoll war: Ich verstand sie sehr gut, bekam aber jeden einzelnen Satz noch einmal auf Deutsch, so daß alles in anderer Art noch einmal gesagt wurde. Dadurch hörte ich sie sozusagen in sehr ruhigem Tempo und mit Erklärung.
Sie erinnerte uns, daß Heiligkeit nicht etwas ist, was nur die fernen großen Heiligen haben, sondern eine Aufgabe für jeden Christen. Ebensowenig ist Mystik etwas Fernes, Geheimnisvolles, irgendwie gar Esoterisches, sondern einfach eine innige Verbundenheit mit Jesus.

Zuletzt wurde der Eucharistische Segen erteilt, und der Eucharistische Herr wurde in einen sehr schön vorbereiteten Raum gebracht, wo nun während der ganzen Veranstaltung angebetet werden konnte. Es hatten sich sogar Leute gefunden, die die Nachtstunden übernahmen.

Der Samstag begann für mich mit leichtem Verschlafen und ausfallendem Frühstück. An der normalerweise spärlich besuchten 8.00-Uhr-Messe nahmen viele CE-Mitglieder teil, was den Klang der Kirchenlieder sehr verbesserte. Ich hatte mich von 9.00 bis 10.00 Uhr zur Anbetung eingetragen und ging bald nach der Messe zeitig hin. Von 9.00 Uhr an war ich etwa eine Dreiviertelstunde lang allein mit dem Herrn – eine unbeschreiblich schöne, stärkende und segensreiche Zeit!

Um 10.00 Uhr ging es wieder los mit Lobpreis. Das ist schon anders als der oft etwas schleppende Gesang der meisten normalkatholischen Gemeinden an Wochentagsmessen!

Die Referentin stellte im Laufe des Tages in drei weiteren Vorträgen drei Mystiker vor. Teresa von Avila gebraucht für die geistliche Reise durchs Leben die Bilder Weg, Berg und Wüste, wobei der „Berg“ verschiedene Bedeutungen haben kann – er ist einerseits der Ort der Gottesbegegnung (Horeb, Sinai, Tabor) und der Stabilität, andererseits kann er für feindliche Mächte stehen. Die Wüste ist der Ort geistlicher Durststrecken, die sich im Nachhinein als notwendig und heilsam herausstellen.
In ihrem Werk „Die innere Burg“ legt sie dar, daß der Weg zu Gott nicht eine physische Wegstrecke ist, sondern ein Vordringen in die eigene Seele, da der Leib ja Tempel Gottes ist. Diese innere Burg hat sieben „Wohnungen“, von denen immer eine kostbarer ist als die andere, aber die ersten Wohnungen bergen durchaus Gefahren (z.B. ist die „dritte Wohnung“ eine Art behagliches Christsein, in dem man gute Werke vollbringt und brav zur Kirche geht und sich damit so richtig gut fühlt, ohne seine eigene Kleinheit und die mangelnde Gottesliebe zu bemerken).

Johannes vom Kreuz bezeichnet das so notwendige wie schreckliche Erleben der Gottesferne als „Dunkle Nacht der Seele“ und weist auf, wie gerade in solchen Zeiten der scheinbaren Abwesenheit Gottes in Wirklichkeit Gott in besonders intensiver Art da ist, den Menschen „durch die Wüste trägt“ und zu höherer Einsicht bringt.

Thérèse de Lisieux hat einen ganz unmittelbaren, naiv scheinenden und dabei sehr reifen Begriff der Heiligkeit. Sie sieht Heiligkeit darin, sich wie ein Kind völlig in Gottes Hand zu geben, gleich was geschieht. Ein besonderes Anliegen ist ihr die beständige Dankbarkeit und das Wahrnehmen anderer Menschen als von Gott geliebten Mitmenschen.

In einem weiteren Abschnitt des Tages hatte man die Wahlmöglichkeit zwischen einer Buchvorstellung von Margarete Dennenmoser und einem Lobpreis-Workshop. Ich entschied mich für Letzteres. Eine junge Katholikin, die im ökumenischen Gebetshaus Berlin aktiv ist, und ihr evangelischer Kollege brachten uns näher, wie ein musikalischer Lobpreis organisiert wird und abläuft. Hier hätte ich gerne noch intensiver experimentiert, wir hatten nur kurz Gelegenheit, unsere Stimmen auszuprobieren und uns im improvisierten Wechselgesang zu üben. Mir machte das Lust, zu Hause sowohl das Stundengebet als auch den Rosenkranz zu singen, und zwar alles, auch die Lesung des Stundengebets in improvisiertem Gesang. Das gibt dem Gebet, wie ich finde, mehr Ruhe und hilft mir, mich auf den Text besser zu konzentrieren. Gerade beim Rosenkranzgebet verhindere ich so ein „Leiern“.

Später warf ich noch einen Blick auf den Büchertisch; u.a. lagen sehr schön illustrierte Jugendbücher des evangelikalen Autors Max Lucado aus, die mir nach einem kurzen Anlesen durchaus lesenswert scheinen.

Der Wechsel von Lobpreis, Gebet und Vortrag ist sehr schön. Nicht so schön war, daß durch einen Kommunikationsfehler in der Kaffeepause zwar Pause war, aber kein Kaffee – und ich hatte noch immer keinen Tropfen Kaffee zu mir genommen. Außerdem sind fast hundert Menschen in einer kleinen Krankenhauskapelle zwar sehr erfreulich, allerdings führen sie auch zu Sauerstoffmangel. Ich war nach dem dritten Vortrag, so interessant er war, wirklich ziemlich fertig. Es gab dann eine Abendsuppe und danach weiteren Lobpreis und Segnungen, aber da konnte ich wirklich nicht mehr. Ich ging noch kurz zur Anbetung und dann nach Hause.

Am Sonntag schaffte ich Dank der Zeitumstellung, sowohl auszuschlafen als auch zu frühstücken. Ich war wieder von 9.00 bis 10.00 Uhr zur Anbetung eingeteilt und wieder zeitig da, und diesmal war es noch schöner, in mir war so viel Ruhe (vielleicht lag es auch daran, daß in mir nun auch Kaffee war)! Etwa eine Dreiviertelstunde lang war ich allein mit Ihm.

Kurz vor 10.00 Uhr fanden sich noch einige andere ein. Dann kamen zwei Priester, der eine erteilte den Eucharistischen Segen, und mit dem Herrn zogen sie wieder in die Kapelle. Dort sangen wir wieder den Lobpreis. Die Kinder und Jugendlichen sollten dann erzählen, was sie gemacht hatten – trauten sich aber vor den vielen Menschen nicht so ganz, also übernahm die Leiterin des Jugendprogramms. Sie hatten offenbar sehr einträchtig gespielt, gebacken und gebetet, biblische Geschichten gehört und darüber gesprochen. Keines der Kinder wirkte gelangweilt oder maulig, nur ein Junge schien mir ziemlich müde – aber das ist ja kein schlechtes Zeichen bei zweieinhalb so randvollen Tagen.

Wir feierten eine lange und schöne Messe mit viel Gesang und einer guten Predigt. Neben mir saß ein behinderter Junge, der große Freude am Mitsingen hatte, obwohl er die Worte nicht richtig artikulieren konnte. Ich half ihm, die einzelnen Lieder aufzuschlagen, denn damit hatte er Probleme, es war ihm aber offenbar wichtig. Beim Friedensgruß strahlte er mich übers ganze Gesicht an.

Als einziges Manko empfand ich, daß die vielen Dankesworte an alle, die zu diesen segensreichen Tagen geholfen hatten, vor dem Schlußsegen gesprochen wurden und die ganze noch so berechtigte Beifallklatscherei in der Messe stattfand. Lieber wäre mir gewesen, diesen Teil nach dem Schlußsegen stattfinden zu lassen!

Den Abschluß bildete das gemeinsame Mittagessen in einer fröhlichen Aufbruchstimmung.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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11 Antworten zu Mittendrin Ost: Sehnsuchtsort – kommt und seht

  1. Thomas Jakob schreibt:

    Das hört sich alles sehr gut an. Bis auf gelegentlichen Sauerstoff- und Kaffeemangel. Mit besonderem Interesse habe ich den Abschnitt über die Mystiker gelesen. Der Link zu Max Lucado funktioniert gerade nicht.

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  2. Gerd schreibt:

    Ich glaube von Papst Benedikt stammt der Satz: „Wer in der Messe Beifall klatscht hat vom Sinn derselben nichts verstanden.“

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      So streng kann ich das nicht sehen – denn dazu war da zu viel echte Frömmigkeit versammelt. Aber ich glaube auch, Benedikt meinte das Beifallklatschen bei Teilen der Messe – hier war es ja ein nicht zur Messe gehörender Einschub (der, wie gesagt, nach dem Schlußsegen besser gewesen wäre).

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  3. Gerd schreibt:

    Ob die Frömmigkeit echt oder gespielt ist, können und sollen wir nicht beurteilen. Da sind wir wohl einer Meinung.
    „Beifall ist der Ausdruck der Billigung oder des Gefallens einer Darbietung.“ (Quelle: Wikipedia)
    Die Messe ist keine Darbietung wie z.B. im Sinne eines Konzertes. Sie ist eine Vergegenwärtigung! Das ist ein himmelweiter(!) Unterschied. Gott braucht nicht unseren Applaus. (Gott braucht uns strenggenommen überhaupt nicht.) Er liebt uns. Ich spende meiner Frau keinen Beifall weil sie mich liebt. Das wäre im höchsten Maß respektlos. Ich werde Messen in denen Beifallsbekundungen vorhersehbar sind, meiden wie der Teufel das Weihwasser. Egal wie hoch die Frömmigkeit-Skala nach oben offen ist.

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Wie bereits zweimal erklärt: der Beifall wurde NICHT dem Geschehen der Messe gespendet. Bitte, bitte, lesen Sie genau. Ich habe gerade auf einer anderen Baustelle so Furchtbares erlebt, weil ungenau gelesen wird, daß ich mehr und auch noch von Ihnen wirklich nicht brauchen kann. Danke.

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  4. Gerd schreibt:

    Um es vorweg zu nehmen: Ich habe sie nicht falsch verstanden. Sie schreiben doch selber: Zitat: „Als einziges Manko empfand ich, daß die vielen Dankesworte an alle, die zu diesen segensreichen Tagen geholfen hatten, vor dem Schlußsegen gesprochen wurden und die ganze noch so berechtigte Beifallklatscherei in der Messe stattfand. Lieber wäre mir gewesen, diesen Teil nach dem Schlußsegen stattfinden zu lassen!“
    Da sind wir doch einer Meinung. Die Dankesworte waren Bestandteil der hl. Messe, weil sie vor dem Schlußsegen gesprochen wurden. Dann habe ich Papst Benedikt zitiert und sie sehen das nicht so streng. Hier gehen unsere Meinungen auseinander. So what?
    Vielleicht noch etwas über meinen Hintergrund. In unserer Gemeinde wird gedankt, dass sich die Balken biegen. Adressaten dieser Dankesorgien sind immer alle die zum Gelingen der Messe und deren Vorbereitung und Durchführung beigetragen haben. Kein großer Unterschied zu den charismatischen Erneuerern. Finde ich zumindest.
    Im übrigen brauchen sie von mir keine Kommentare frei zu schalten. Sie müssen mich nicht ertragen. 😉

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Dank für die Erklärung.
      Ich sehe es insofern anders, als „Dank an den Referenten“ kein Teil der Messe ist, auch wenn es (leider) während der Messe gesagt wird.
      Mit „auch noch von Ihnen“ meinte ich: „auch noch von einem von den Guten“. 😉 Automatische Freischaltung eines bewährten Kommentators bleibt bestehen, kleiner Dissens ändert da nichts.

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  5. Gerd schreibt:

    Vielleicht noch dies: In der Messe will ich meine Ruhe haben. Ich will nur vor Gott sein. Dann kommt der Lobpreis von ganz alleine. Ich brauche keinen Dank, ich brauche keinen Friedensgruß und kein Zeichen der Versöhnung. Ich will, um es mit Loriot zu sagen, dort einfach nur sitzen und/oder knien. Nur da sein, mehr geht nicht und mehr braucht es auch nicht. Jesus hat, als er die Eucharistie eingesetzte, ausnahmslos alleine gehandelt. Die Jünger waren nur da und haben gehört, gestaunt und aufgesogen. Sie sind sich nicht in die Arme gefallen oder haben dieselben zum Himmel gestreckt. Sie haben Jesus nicht gedankt und keinen Lobpreis angestimmt. Aber genug davon an dieser Stelle.

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  6. Herr S. schreibt:

    @Gerd
    Sie haben völlig recht. Auch mir gehen diese ewiglangen öffentlichen „Danksagungsorgien“ im Gottesdienst an irgendwelche Beteiligten, die zur Ausgestaltung und zum Gelingen desselben irgendwie beigetragen haben, gehörig auf den Geist.

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