Von Frauen, Macht, Pullundern und der Kirche

Christiane Florin studierte Politikwissenschaft, Neuere Geschichte und Musikwissenschaft, wogegen nichts zu sagen ist. Außerdem schreibt sie Bücher. Ihr jüngstes Werk „Der Weiberaufstand. Warum Frauen in der katholischen Kirche mehr Macht brauchen“ (Mai 2017) tourt sie gerade durch Deutschland. Dagegen habe ich einiges zu sagen.

Einen ersten Eindruck kann man durch Frau Florins Artikel in der Zeit bekommen, einen zweiten auf der Homepage des Buches.

Peter Winnemöller hat über diesen Schmarrn schon im Mai so Hervorragendes geschrieben, daß ich mir eine ausufernde Kritik an dem Buche erspare, ja wirklich, ich als Weib finde, Winnemöller als Mann hat beinahe genug gesagt.

Aber aus zwei Gründen ganz kann ich das Schreiben zu diesem Thema nicht lassen. Der erste Grund ist der Untertitel: Warum Frauen in der katholischen Kirche mehr Macht brauchen. Es geht der Autorin also um Macht.

Zunächst mal ist es ein radikaler Machtverzicht, Priester zu werden. Bei der Weihe verspricht der Kandidat, lebenslang zu dienen, und unterwirft sich Gott in dem drastischen Zeichen der Prostratio vor aller Augen. Selbstverständlich hat ein Priester Autorität innerhalb der Gemeinde – aber nicht aus eigener Macht, sondern aus Gnade. Je höher er im Rang steigt, desto mehr Menschen dient er. Ja, es gibt Machtstrukturen in der Kirche, weil es notwendig verschiedene Ränge gibt. Aber anders als in einem weltlichen Verein oder einem Konzern wünscht sich kein Mensch, der alle fünf Sinne beisammen hat, an die Spitze zu steigen.
Dann ist Macht an sich eine in dieser Welt leider notwendige Sache, wenn irgendetwas erreicht werden soll. Gerechtigkeit ohne Macht ist nichts wert. (Daß Macht ohne Gerechtigkeit furchtbar ist, steht auf einem anderen Blatt – hier ist die Rede von der Kirche, die dem gerechten Gott gehört.) Frau Florin sagt: „Die Worte „Macht“ und „Kontrolle“ stehen in keinem lehramtlichen Schreiben zum Thema“ – da hat sie Recht, denn es geht nicht wesentlich darum, und sie fährt fort: „gerade deshalb stehen sie im Raum, sobald über Amt, Sakrament und Institution diskutiert wird“ – da hat sie Unrecht, denn es geht der Kirche um Gott, der allein alle Macht hat, und um das Heil aller Menschen, und basta.

Nun findet Frau Florin es ungerecht, daß Frauen nicht Priester werden können. Ich will hier nicht zum hunderttausendsten Male die Gründe wiederkäuen, warum das Priesteramt Männern vorbehalten ist – ich verweise auf die Bibel, den CIC, den Katechismus der katholischen Kirche. Mir fällt zu diesem ewigen Vorwurf der Ungerechtigkeit nur dies ein: Es ist nicht ungerecht, daß Männer keine Hebammen werden können. (Zwar gibt es Geburtshelfer – aber es wird fast allen Gebärenden erheblich lieber sein, von einer Frau Beistand zu erfahren.) Es ist auch nicht ungerecht, daß Männer nicht gebären können. (Zwar gibt es seltsame Versuche, Menschen dahingehend „umzubauen“, daß das doch geht – aber jeder kann sehen, daß das nicht in Ordnung ist.)

Was mich aber wirklich kränkt, ist Frau Florins ewige Insinuation, ausschließlich Männer (die Bösen) seien gegen Frauenordination, während Frauen (die Guten) ihr selbstverständlich beipflichten. Das zementiert sie mit einer geschickten Auswahl von Lob und Kritik an ihrem Buch – Peter Winnemöller und Johannes Schröer äußern fundamentale Kritik, viele Frauen und Männer äußern hohes Lob oder mindestens Achtung, keine Gegnerin der Frauenordination wird zitiert. Doris Wiese-Gutheil, Pressereferentin der katholischen Stadtkirche Frankfurt, weiß gar, „… dass viele Frauen in der katholischen Kirche gar nicht mehr für Gleichberechtigung kämpfen. Die älteren haben resigniert und begnügen sich in großer Zahl mit dem Ehrenamt, die jüngeren interessieren sich gar nicht mehr für die Kirche als Institution.“

Ich kämpfe deswegen nicht für Gleichberechtigung in der Kirche, weil es sie gibt. Ich bin als Frau getauft und gefirmt, bin vollwertige Christin mit allen Rechten und Pflichten, die das mit sich bringt, empfange als Frau den Leib des Herrn, gehe als Frau zur Beichte, durfte als Frau ein Gelübde ablegen, bin für die Kirche Lektorin und Dichterin, bekomme Hilfe von ihr, wo ich sie brauche, und helfe ihr, wo ich kann – wenn es nottut, als Verteidigerin gegen die dumme Welt. Ich habe in der Kirche die gleichen Rechte wie der Papst (und ein paar mehr, z.B. die Freiheit des Aufenthaltsortes), nur nicht die gleichen Fähigkeiten und Möglichkeiten. (Der Heilige Vater hat auch nicht die gleichen Fähigkeiten und Möglichkeiten wie eine Frau.)

„In der Kirche sind Frauen Platzanweisungsobjekte“, weiß Frau Florin. Nein! In der Kirche, und nur in ihr, sind Frauen frei trotz einer Welt, die Frauen ständig in die eine oder andere Richtung zerren, für irgendwelche Agenden benutzen oder gleich verbrauchen will. Die Kirche versichert mir täglich neu, was ich in meiner atheistischen Familie nie gelernt habe: Ich bin als Kind Gottes zur Freiheit berufen.

Frauen, die Christiane Florin widersprechen, kommen in Christiane Florins Weltbild nicht vor (sie erwähnt nur kurz das Desinteresse ihrer pubertierenden Tochter an ihrem Buch). In allem, was ich von Florin zum Thema ihres Buches lese, sind Männer bestenfalls in vorsichtiger Annäherung an ihre Meinung begriffen, sind meist irgendwie spießig (tragen Pullunder!), haben festgefahrene Meinungen, mit denen sie ihre Macht zementieren – oder so ähnlich. Frauen werden von ihr zitiert, wenn sie ihr Buch hervorragend oder zumindest bemerkenswert finden, wenn sie Priesterinnen sehnlichst wünschen oder zumindest leise ersehnen. Frauen wie ich kommen bei ihr nicht vor. Da wird nur eine andere Frau zitiert, daß ältere Frauen „resigniert“ haben.

Und das ist eine Unverschämtheit sondergleichen! Ich gehöre vollständig, mit allem, was ich bin und habe, dem Herrn Jesus. Durch Seine Kirche schenkt Er sich mir jeden Tag neu. In Seiner Kirche ist die einzige Möglichkeit für mich, alles, was ich kann, zu Seiner Ehre zu geben. Nichts anderes will ich. Er, der die Kirche auf den Fels Petrus erbaut hat, ist der Einzige, der absolut über mich zu bestimmen hat. Er hat, wie die Kirche lehrt, ausschließlich Männer zu Seinen Priestern bestimmt. Daran ändert auch nicht, daß das Wort „Apostel“ an verschiedenen Stellen der Bibel in verschiedener Bedeutung benutzt wird (nämlich einerseits gegenüber den Zwölfen als „von Gott gesandter Bote“, andererseits gegenüber allen von der jungen Gemeinde zu verschiedenen Diensten beauftragten Christen als „von der Gemeinde bestellter Bote“).

Frau Florin tut so, als gebe es Frauen wie mich nicht – weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Sie tut so, als sei eine Katholikin, die keine Priesterinnen will, etwas völlig Undenkbares – als wären solche Vögel wie ich bestenfalls zu pathologisieren.

Ich bin ein Weib, und obendrein kein gutes“ – kann mich mit der großen Kirchenlehrerin nicht messen, aber für eines bin ich gerade noch gut und gescheit genug: Zu wissen, daß die katholische Kirche Recht hat, weil sie durch Christus auf Petrus, den Fels, gebaut ist.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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12 Antworten zu Von Frauen, Macht, Pullundern und der Kirche

  1. Gerd schreibt:

    Jesus hat zum Thema Macht alles erklärt was es zu klären gibt: „Meine Macht ist nicht von dieser Welt.“
    Kurz, prägnant und bindend. Die einzige Macht die JEDER Christ besitzt ist die der Wahrheit. Aus SEINER Wahrheit. Und die ist nicht von dieser Welt. Deswegen wird sie von dieser Welt bis aufs Messer’s Schneide bekämpft und nicht verstanden. Da macht Frau Florin keine Ausnahme. Sie bestätigt nur die Regeln, dieser Welt.

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  2. Ja, ja, Amen!

    Doch fing er wieder an zu schrein:
    Ich trag keine Pullunder, Nein!
    Nein, den Pullunder mag ich nicht;
    nein, den Pullunder trag ich nicht!

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  3. Gerd schreibt:

    Man sollte die Wahrheit nicht „pull under“ tragen. Auf den Scheffel damit und auf den Leuchter. Der Avater wurde mir zugeteilt. Ich nehme was ich kriegen kann. Gefällt er etwa nicht?

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  4. Thomas Jakob schreibt:

    Ich bin Christ und gehöre zur evangelisch-lutherischen Kirche. Ich finde die konfessionelle Trennung angesichts der gemeinsamen Geschichte und der gemeinsamen Probleme der Kirchen anachronistisch. Auf theologische Spitzfindigkeiten zur weiteren Rechtfertigung der Spaltung gebe ich nicht viel, mit dem Status einer „versöhnten Verschiedenheit“ bin ich durchaus nicht zufrieden.

    Aber: Handfest, für jeden sichtbar und verständlich und auch für mich von Bedeutung sind die beiden Unterschiede, dass die evangelische Kirche Frauen zu allen Ämtern zulässt und Pfarrer heiraten dürfen.

    Hier steht sich die katholische Kirche meiner Meinung nach selbst im Wege. Man kann die lehramtlichen Positionen dazu sicher aus der Tradition heraus rechtfertigen. Ich frage aber, ob man das auch auf die Dauer tun muss. Wenn der Wille da wäre, gäbe es bestimmt auch Wege, in einer Kirche, die sich auf Jesus Christus beruft, der wiederholt verknöcherte Traditionen seiner Zeit übergangen hat, wenn der direkte Weg zum Menschen es erforderte. Und an der Rolle der Maria Magdalena als erster Zeugin und Verkünderin der Auferstehung ließe sich bestimmt eine feine und ganz unverkrampfte theologische Begründung für eine Priesterweihe von Frauen festmachen. Wenn man denn wollte.

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    • Gerd schreibt:

      Welche verknöcherten Traditionen hat Jesus denn genau übergangen? Können sie das präzisieren? Im Judentum gab es, so viel ich weiß, zu seinen Lebzeiten keine Hohepriesterin. Da gab es also nichts zu übergehen. Zumindest in dieser Hinsicht.

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Maria Magdalena ist ein hervorragendes Vorbild für alle Frauen, die den Auferstandenen verkünden – ob sie nun Kirchenlehrerinnen sind oder Grundschul-Katechetinnen, Mütter oder Patentanten oder einfach Frauen, die begeistert und vernünftig über Jesus sprechen und schreiben.
      Sie ist vorbildlich für überhaupt alle Christen durch ihre Liebe zu Christus und ihr spontanes und furchtloses Bekenntnis.
      Ich kann in ihr aber keinen irgendwie gearteten Hinweis darauf erkennen, daß es Priesterinnen geben soll.

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      • Thomas Jakob schreibt:

        Dagegen kann ich nichts sagen. Mir ist auch kein Vers in der Bibel bekannt, in dem steht, dass im 21. Jahrhundert in der römisch-katholischen Kirche Frauen zu Priesterinnen geweiht werden sollten. Wie ich oben schon geschrieben habe, ist der Status quo mit Sicherheit aus der Tradition begründbar. Wenn ich katholisch wäre, würde ich jetzt vielleicht weiter argumentieren. Aber so sage ich nur: Das müsst Ihr untereinander lösen, wenn Ihr es denn lösen wollt. Nach unserem (selbstverständlich einzig richtigen und wahren und biblischen) Verständnis sind wir Evangelischen da ohnehin einen wichtigen Schritt weiter.

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        • Gerd schreibt:

          In der Bibel steht überhaupt nix vom 21. Jahrhundert. Die „Evangelischen“ gibt es so überhaupt nicht. Wie oft sich die Reformatoren von den Reformatoren und den Reformatoren abgesplittert haben, kann doch kein Mensch mehr zählen und die haben alle das selbstverständlich einzig richtige und wahre Verständnis der Schrift? Warum sind sie dann in alle Himmelsrichtungen verstreut? Aber ich nehme meine evangelischen Mitbrüder und Schwestern natürlich ernst: Das müsst ihr allerdings selber lösen. Versucht es mal ohne Abspaltung von der Spaltung.

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