Krabats Vater

Google macht mich mit einem netten Bildchen darauf aufmerksam: Der 2013 gestorbene Autor Otfried Preußler wäre heute 94 Jahre alt.
Der Roman Krabat, in dem der satanische Müller durch ein frommes junges Mädchen besiegt wird, hat mich als Jugendliche stark beeindruckt. Die Szene, in der die Kantorka in der Osternacht „Christ ist erstanden“ anstimmt, hat mich schon damals berührt, als ich noch eine hochnäsige kleine Atheistin war und Ostern nur mit bunten Eiern verband. Wirklich verstanden habe ich dies Buch erst in der Osternacht 1984, in der ich getauft wurde.

Preußler schreibt über den Krabat:

Mein Krabat ist keine Geschichte, die sich nur an junge Leute wendet, und keine Geschichte für ein ausschließlich erwachsenes Publikum. Es ist die Geschichte eines jungen Menschen, der sich mit finsteren Mächten einlässt, von denen er fasziniert ist, bis er erkennt, worauf er sich da eingelassen hat. Es ist zugleich meine Geschichte, die Geschichte meiner Generation, und es ist die Geschichte aller jungen Leute, die mit der Macht und ihren Verlockungen in Berührung kommen und sich darin verstricken. Da gibt es nur einen Ausweg, den einzigen, den ich kenne: den festen Willen, sich davon freizumachen, die Hilfe von treuen Freunden – und jene Hilfe, die einem aus der Kraft der Liebe zuwächst, der Liebe, die stärker ist als die Macht des Bösen und alle Verlockungen dieser Welt.

Quelle

Wenige Tage nach Preußlers Tod habe ich ihm ein Denkmal gesetzt, das ich hier wieder vorhole.

Denkmal für Otfried Preußler

Die Augen sind umkränzt von Lächelfalten,
Und auf den Schultern sitzen kluge Raben,
Die sich dem Bösen einst verschrieben haben,
Bis eine Frau sie löst aus Teufelswalten.

Ein Räuber bittet nicht um milde Gaben
Und raubt die Kaffeemühle einer Alten –
Doch unrecht Gut wird niemals lang behalten,
Am Ende siegt die Freundschaft zweier Knaben.

Da spielt ein Wassermann im Mühlenweiher,
Um mondbeglänzte Burg fliegt ein Gespenst,
Ein muntres Hexchen zähmt den wilden Besen.

Mir war in Jugendtagen Freiheitsfeier,
Was mir noch heut aus Deinen Büchern glänzt!
Ich hoffe, lang noch werden sie gelesen.

© Claudia Sperlich

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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Eine Antwort zu Krabats Vater

  1. meckiheidi schreibt:

    Genau so! Krabat hole ich heute noch ab und zu aus dem Regal. Vor allem in der Osterzeit ist mir danach. Und meine Enkel bekommen jetzt den kleinen Wassermann vorgelesen.

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