Monika, meine Mutter und ich

Zwar verdrängt der Sonntag liturgisch den Gedenktag der Heiligen Monika. Aber er verdrängt nicht die Möglichkeit, sich mit ihr oder irgendeinem aus der Schar der Heiligen zu beschäftigen.

Mit ihr, deren Gebete um Bekehrung des Ehemannes und des Sohnes so spät erhört wurden, konnte ich mich lange nicht anfreunden. Als ich mich taufen ließ (zu allem Überfluss katholisch!), war niemand aus meiner Familie dabei; meine Eltern und Brüder fanden diesen Schritt beängstigend, bestenfalls „spinnert“, und befremdlich, daß ich dem „vernünftigen“ und „aufgeklärten“ Atheismus absagte. Meine Mutter befürchtete, mich zu verlieren.

Ich habe lange Zeit nur mit einer Art Neid an die Heilige Monika denken können: Wieso hatte ich niemals eine Mutter, die für mich gebetet hat? Wobei meine Mutter ja eine gute Frau war und viel für mich getan hat! Gemeinsam mit meinem Vater hat sie mir die Schönheit der Sprache nahegebracht; ich wäre ohne diese Eltern wohl nicht Dichterin geworden. Paradoxerweise kenne ich von ihr sogar eines der schönsten Marienlieder. „Maria durch ein Dornwald ging“ sang sie gerne. Als ich sie noch als Kind fragte, warum sie dies Lied so gerne singe, obwohl wir doch an sowas nicht glauben, erklärte sie: Die Geschichte einer Frau, die schwanger ist und sich so darüber freut, daß um sie herum die Rosen erblühen, gefalle ihr.

Über das Christentum sagte sie, es habe wohl vielen Menschen große Dämonenängste genommen. Und dann sei da die Kunst und die Musik! Kultur! Das aber war schon die Quintessenz des Christentums, so wie ich es zu Hause kennenlernte: Schön, poetisch, psychologisch sinnvoll für die Angstgeplagten, die nicht auf modernere Weise damit fertigwerden – aber daß eine liebe und hochgebildete Freundin der Familie katholisch war, war eher zum Wundern.

Und dann wurde ich katholische Christin und las die Confessiones und beneidete Augustinus um seine Mutter. Heute weiß ich: Zum Neid besteht kein Anlass, zuallererst deshalb, weil Neid als Sünde einfach bescheuert ist. Zudem ist es nicht ausgeschlossen, daß die Heilige Monika den Part übernommen hat, den meine Mutter nicht leisten konnte – das Gebet für mich.

Monica

In ihrer Jugend brannte
In Herz und Seele schon
Ein Licht, da sie bekannte
Sich zu dem Gottessohn.
Von Demut und von Güte
War Monica beseelt,
Und wo der Hader glühte,
Hat nie ihr Trost gefehlt.

Sie weinte im Gebete
Für ihren wilden Sohn,
Und für den Gatten flehte
Sie oft vor Gottes Thron.
Den überreichen Segen
Hat Gott ihr spät gewährt:
Zu Jesu Wort und Wegen
Sich Mann und Sohn bekehrt.

Wenn Traum und Bilder schweigen
Und auch die Seele schweigt,
Dann werden wir uns neigen
Vor dem, der uns gezeigt
In einem Atemholen,
In Augenblickes Zeit,
Daß Er uns anbefohlen
Die frohe Ewigkeit.

aus: Lass mich bekennen Deine Mandelblüte

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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