Wieder mal ein Behördensonett

Es geschieht so häufig, daß ich auf dem Heimweg von einem Behördengang ein Sonett schreibe, daß ich eigentlich beginnen müßte, der deutschen Bürokratie ein wenig dankbar zu sein. Aber ach, ich bin ein unvollkommener Mensch, und es will mir nicht gelingen.

Als sie vom Bürgeramte kam

O meiner Nerven Geißel, Bürgeramt,
An das ich goldne Lebenszeit verlier!
In dir verschwindet virtuell Papier,
Du Tümpel, von der Akten Wust verschlammt!

Das Führungszeugnis war bestellt – und dir
Hab ich geglaubt; der Stimme Seidensamt:
„Wir schickens!“ hat zum Warten mich verdammt.
Heut stand ich endlich mahnend wieder hier.

Bisher kein Dokument stillt mein Verlangen,
Beschwerdefrist ist leider auch vergangen –
Und wieder heißt es: „Zahle, und dann warte!“

Hast zweimal dreizehn Euro abgenommen
Dafür, daß ich nichts Böses unternommen
Und daß zu lang auf den Beweis ich harrte.

© Claudia Sperlich

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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