Die dämlichste Presseerklärung aller Zeiten

… und ich habe mir dennoch die Mühe gemacht, sie zu kommentieren: Die Presseerklärung des Bündnisses „Welcome to Hell“ – also der Verantwortlichen dafür, daß am vergangenen Wochenende in Hamburg über zweihundert Polizisten verletzt und noch viel mehr an den Rand des Zusammenbruchs getrieben wurden, dutzendweise Kleinwagen verbrannt, Geschäfte und Straßen verwüstet wurden.

Presseerklärung des Bündnisses „Welcome to Hell“, Samstag 8.7.2017

Ziel des Protestes gegen den G20 war es, seine planmäßige Durchführung zu be- oder sogar zu verhindern, ihn empfindlich in seinem Ablauf zu stören oder wenigstens die Glitzershow mit ihren scheinheiligen „Familienfotos“ zu beschmutzen und den Teilnehmer*innen die ideologische Soße eines politisch substanziellen Kaffeeklatschs zu versalzen. Diese Ziel haben wir erreicht.

Und zwar in Hamburg-Schanzenviertel, das ja für Glitzershow berühmt ist.

Der Kapitalismus ist ein gesellschaftliches Herrschafts- und Gewaltverhältnis, das eine Schneise der Verwüstung hinter sich herzieht: ökologisch, ökonomisch, gesellschaftlich. Eine Schneise der Verwüstung, die Menschen, besonders, aber nicht nur jenseits der Metropolen, allerorten die Lebensgrundlage entzieht. Der ausgerufene Siegeszug des Kapitalismus ist für viele Menschen nicht weniger als die Hölle auf Erden. Wenn wir unser Bündnis „Welcome to Hell“ genannt haben, dann meinten wir genau das: Den Herrschenden ihr G20-Treffen in Hamburg ansatzweise zu der Hölle zu machen, die sie zu verantworten haben und für die sie stehen.

Das mit der Schneise der Verwüstung habt Ihr jedenfalls gut hinbekommen. Gebrüllt habt Ihr u.a.: „No justice, no peace – fight the police“ (Keine Gerechtigkeit, kein Frieden, bekämpft die Polizei). Ach? Ich dachte immer, es ginge Euch um Gerechtigkeit und Frieden? Und um den Kampf gegen das Kapital? Ja klar, die Polizei, die u.a. Vergewaltiger und Mörder dingfest macht oder auch, weniger dramatisch, verhindert, daß ich Euch einfach im Zorn eine reindresche, ist aus Eurer Sicht ja „Büttel des Kapitals“ oder so. Plündernd und brandschatzend seid Ihr durch die Gegend gezogen und habt von Eurem Lieblingsanwalt nur die sanfte Mahnung gehört „Aber doch nicht bei uns; nächstes Mal geht Ihr für sowas nach Pöseldorf“.

Unser Rückblick auf den Freitag und Samstag steht noch unter dem ermutigenden Eindruck, nach der brutalen Zerschlagung unserer Demonstration am Donnerstag ein hohes Maß an spektrenübergreifender Solidarität erfahren zu haben. Es hat sich am Freitag gezeigt, wie wichtig und wirkungsvoll es war, zu einem entscheidenden Zeitpunkt – unmittelbar vor Beginn des Gipfels – alle Spaltungsversuche von außen entschieden zurück zu weisen und auch die differierenden Einschätzungen über Formen und Inhalte des Protestes soweit zurückzustellen, dass die Tage gestern und heute insgesamt zu einem Erfolg werden konnten. Es hat sich gezeigt, wie vielfältige und unterschiedliche Formen des Widerstands sich zu einer erfolgreichen Gesamtdynamik entwickeln können.

Leute, die meisten finden Euch Scheiße. Fragt mal die Leute vom Pflegedienst, deren Auto ihr verbrannt habt. Oder die Pflegebedürftigen, zu denen diese mit Verspätung kamen. Oder die kleinen Selbständigen, deren Läden ihr zertrümmert und geplündert habt. Oder die unzähligen Angestellten und Ehrenamtlichen, die Euren Dreck weggemacht haben. Oder die Kinder, die verängstigt zu Hause blieben statt spielen zu gehen. Oder die Polizisten, die Ihr mit Stahlkugelgeschossen und Metallstangen und Pflastersteinen verletzt habt. Oder die Radfahrer, die ihre Drahtesel bestenfalls zwar heile, aber mit einer dicken Schicht Dreck verschmiert vorfanden und wegen der Glasscherben überall erstmal nicht benutzen konnten. Oder einfach irgendwelche Leute, die im Schanzenviertel wohnen und mit Euch nicht ganz dicke sind.

Aus unserer Sicht haben wir das von allen Spektren und Organisationen gemeinsam formulierte Ziel erreicht: Der Gipfel konnte am Freitag nicht ungestört und reibungslos ablaufen. Schon gar nicht, ohne dass die massive und vielschichtige Kritik daran und ihr praktischer Ausdruck in Aktionen auf der Straße die Berichterstattung über das Gipfelgeschehen nicht zeitweise sogar überlagert hätte. Die politische und polizeiliche Strategie, den Protest auf ein zahnloses, harmloses, als Demonstration der Meinungsvielfalt und -freiheit zu vereinnahmendes Maß zurück zu stutzen, ist ins Leere gelaufen.

Wenn Ihr außer entfesselten Gewaltorgien nichts wisst, was Biss hat, seid Ihr dumm und phantasielos. Wenn die Schlacht im Schanzenviertel euer gemeinsam formuliertes Ziel ist, seid ihr brutale Machos. Und wenn ihr glaubt, mit solchen Aktionen die Politiker der G20 ernsthaft zu stören, seid ihr realitätsferne Spinner.

Wir verstehen uns und unseren Protest als Teil eines vielfältigen Spektrums von linken Gruppen, Positionen, Organisationsansätzen und politischen Ausdrucksformen. Innerhalb dieses Spektrums stehen wir dafür, dass wir uns nicht auf den viel zitierten „friedlichen“ Protest reduzieren lassen wollen. Zielgerichtete Militanz ist für uns eine Option und ein Mittel, um über eine rein symbolische Protestform hinauszukommen und direkt und wirksam in Ereignisse, Prozesse und Entwicklungen verändernd einzugreifen. Zielgerichtet heißt zum einen, dass sie einen Zweck verfolgt, der mit den gewählten militanten Mitteln auch erreichbar ist. Zum anderen, dass Folgen und Risiken einschätz- und verantwortbar sind. Ein kleiner gemeinsamer Nenner ist in unserer Szene in der Regel auch immer wieder dort gefunden worden, wo es darum ging, die körperliche Unversehrtheit Dritter zu achten.

Ja, organisiert wart Ihr, das muss man Euch lassen. Deshalb ist jedes Geschwafel von Provokation durch die Polizei verlogen, denn Ihr habt die Pyrotechnik und die Stahlkugeln nicht mitgenommen, weil die Taschen sonst so leer wären, sondern weil Ihr sie von Anfang an einsetzen wolltet. Die Abfackelaktionen waren, wie man auf zahlreichen Videos sieht, in der Durchführung klar strukturiert; Ihr wußtet vorher genau, was Ihr machen wolltet. Der Punkt für die Organisation geht an Euch. Das mit der körperlichen Unversehrtheit ist bei über zweihundert verletzten Polizisten eine unsägliche Dreistigkeit und lässt darauf schließen, daß ihr den Polizisten das Menschsein absprecht.

Mit Blick auf die Dynamik, die sich gestern Abend im Schanzenviertel entwickelte, sind wir noch nicht zu einer gemeinsamen abschließenden Einschätzung gekommen. Ein paar Punkte wollen wir dennoch bereits jetzt anmerken:

Es lässt uns – bei allen Unterschieden in Nuancen der Wahrnehmung und Bewertung – natürlich nicht unberührt, wenn am gestrigen Abend in der Schanze eine Dynamik entstand, die von dort anwesenden oder wohnenden Menschen als Bedrohung wahrgenommen wurde und offenbar auch bedrohliche Situationen produziert hat. Der Gipfel ist nun vorbei und es ist Zeit genug, eine genaue Rekonstruktion und Auswertung aller Einzelaktionen auch des Freitagabends vorzunehmen und das auch über unsere Szene hinaus zu diskutieren.

Dann diskutiert mal schön. Andere Leute haben derweil das Schanzenviertel aufgeräumt und saubergemacht.

Klar ist, dass wir diese Diskussion nicht im Rahmen aufgeheizter medialer Berichterstattung führen wollen und werden, und uns auch nicht in Debatten darüber verstricken wollen, wie „das Viertel“ die ganzen Ereignisse bewertet. „Das“ Viertel gab es noch nie. Und so haben wir auch gestern und heute Stimmen gehört, die genervt oder wütend waren, oder alles und uns einfach nur Scheiße fanden. Aber ebenso wurde auch reichlich Sympathie und Solidarität zum Ausdruck gebracht.

Also, ihr habt auch Stimmen gehört, die Eure Scheißaktion als solche sehen. Sicher habt Ihr denen in Ruhe zugehört und schon eine Solidaritätskasse eingerichtet für die Leute, deren Läden und Autos Ihr kaputtgemacht habt – oder etwa nicht?

Ein weiterer Punkt ist die Polizeipropaganda. Dass die Polizei lügt wie gedruckt, um die öffentliche Meinung und die Geschehnisse in einer Weise zu beeinflussen, die ihnen möglichst weite Handlungsspielräume und eine Legitimation verschafft, ist in den Tagen des Widerstands gegen den G20 mehrfach offenkundig geworden. Dass sich dies nun noch verschärft in einer Situation, in der der Druck auf Politik und Polizei zunimmt und von Scholz über Grote und Steffen bis hin zu Dudde, Ferk und Zill alle um ihren Job fürchten müssen, ist klar.

Wenn die Polizei erst ihre Zögerlichkeit und anschließend den Einsatz von schwer bewaffneten Sondereinsatztruppen damit erklärt, sie habe „Hinweise“ gehabt, dass auf den Dächern Gehwegplatten gestapelt und massenhaft Molotow-Cocktails vorbereitet worden seien, dann darf dies ernsthaft bezweifelt werden. Bislang hat die Polizei keine ihren Behauptungen entsprechende Belege präsentiert. (Die werden sie aber bei Nachfrage sicher irgendwo ausgraben können.)

Klar, und die unzähligen Videos, die Euch beim Randalieren und Plündern zeigen, sind alle gefälscht – oder welchen Bären versucht Ihr mir gerade aufzubinden?

Diese Taktik, Einsätze durch vorher gestreute Gerüchte zu rechtfertigen, die sich dann im Laufe der Medienberichterstattung zu vermeintlichen Tatsachen verfestigen, hat sich bereits während der „Welcome to Hell“-Demo gezeigt und zuletzt bei der Razzia der B5, die wieder mit „Hinweisen“ gerechtfertigt wurde, es würden dort Brandsätze vorbereitet. Eine Behauptung, die sich im Zuge der Durchsuchung in Luft auflöste.

Am Freitagabend war die Polizei offenbar tatsächlich von der Vehemenz der Auseinandersetzung überrascht und damit überfordert. Es drängte sich aber auch der Gedanke auf, dass die Gelegenheit für taktisches Agieren mehr als dankbar aufgegriffen wurde. Im martialischen Ausdruck des mit Maschinenpistolen bewaffneten SEK im Wohnviertel und inmitten teils angetrunkener Schaulustiger und in den verwendeten Bürgerkriegsmetaphern sehen wir auch Kalkül. Es könnte darum gehen, rückwirkend alle gelaufene Härte und Brutalität zu rechtfertigen und sich öffentlichkeitswirksam Rückendeckung zu holen für das, was von Politik und Sicherheitsapparat gegebenenfalls als repressive Antwort noch kommen wird.

„Bürgerkriegsmetaphern“? Seid nicht albern. Massenhafte Brandstiftung, johlende Horden, die alles kaputthauen, was zufällig im Weg steht, Geschäftsleute, die sich nur mit dem eilig aufgehängten Bekenntnis zu Eurer Meinung und „spare our store“ vor der existenziellen Vernichtung retten können – und Ihr äußert ein empfindliches Mimimi, wenn man das „Bürgerkrieg“ oder so ähnlich nennt?

Es könnte auch darum gehen, einen letzten präventiven Versuch der Spaltung der Bündnisse zu unternehmen und die spektrenübergreifenden Solidarität zu untergraben. Nach der großen und ausdrucksstarken Demonstration am heutigen Samstag, wagen wir jedoch weiterhin zu bezweifeln, dass das funktionieren wird.

Das waren erfolgreiche Tage!
Liebe und Kraft für alle Verhafteten und Verletzten!
Auf zur Anti-Knast-Demo „Nobody forgotten, nothing forgiven!“ morgen um 12.00h!
G20 to Hell!

Ja, das war ein Erfolg für Euch. Weil Ihr „alles kaputtmachen“ als Erfolg verbucht, sofern es von Euch ausgeht. Dann demonstriert mal schön weiter – aber fühlt Euch nicht allzu sicher. Guckt Euch einfach die Geschichte aller Revoluzzertruppen Eures Kalibers an – es ist noch immer schief gegangen.

Ich wünsche Euch nicht zur Hölle, auch da unterscheiden wir uns. Ich hoffe und bete, daß der Herr die noch nicht weggekifften Teile Eures Gripses reaktiviert. Nur Er kann das.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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11 Antworten zu Die dämlichste Presseerklärung aller Zeiten

  1. Supersansa schreibt:

    Was für Idioten.
    Diverse G-20-Gipfelteilehmer aus autoritär angehauchten bis sehr autoritären Staaten gehen jetzt mit dem sicheren Eindruck nach Hause, dass liberale, bürgerfreundliche Demokratie wie in Deutschland nicht empfehlenswert ist, weil sie Chaos, Gewalt und brennende Straßen zulässt.
    Suuuuuper gemacht, ihr Trantüten!

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Gute Ergänzung! Ja, sie werden nun alle sagen „Wir haben ja gleich gewußt, daß die Bürger einfach hartes Durchgreifen brauchen.“ Und das Blödeste ist: Zahlreiche Deutsche sagen es nach solchen Aktionen auch.

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  2. Herr S. schreibt:

    Hier offenbart sich eine geradezu Vergiftung und tiefe „Verdorbenheit der Gehirne“ [Wolf Biermann sinngemäß].
    Er bezweifelt eine Heilungsmöglichkeit bei den davon Befallenen und meint, dass es mehrere Generationen benötigt, dieses falsche Denken wirklich weitgehend auszumerzen.
    Allerdings:
    Bei Gott ist kein Ding unmöglich – deshalb ist es durchaus nicht unsinnig, auch wider alle menschliche Vernunft und Erfahrung für solche verbildeten und zutiefst verblendeten Zeitgenossen zu beten.

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  3. ernest t. schreibt:

    Tja, blöd nur, wenn einige derjenigen, denen Sie hier ungefragt den Opferstatus überhelfen, die Sache differenzierter sehen und auch zur analytischen Reflexion fähig sind:

    Ein Spielzeug-, ein Eisladen, ein Feinkostrestaurant oder auch ein Kiosk stehen ja nun nicht unbedingt im Verdacht, mit der bööösen Roten Flora in enger Verbundenheit zu stehen.
    Ohne Kenntnisse der Gegebenheiten vor Ort, ideologisch aufmunitioniert durch Youtube, facebook und Co., poltern dann eben tausende Kommentare durch die virtuelle Welt wie der ihre.
    Schwarz-weiß malend, ohne Fähigkeit und Wille zur Differenzierung. Denn „DIE“ kiffen ja eh „ALLE“.

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Dank für diese Ergänzung.
      „Die sind dumm, lästig und schlagen hier Scheiben ein, erschießen dich aber im Zweifelsfall nicht.“ steht in der zitierten Stellungnahme zu lesen. Von hoher Höhe geworfene Pflastersteine und geworfene oder mit der Zwille geschossene Stahlkugeln sind durchaus nicht weniger lebensgefährlich als Schüsse. Auch Feuer soll schon Menschen getötet haben.
      Abgesehen davon habe ich durchaus auch andere Aussagen gehört – aber vielleicht sind die für Sie nicht so relevant, weil der Geschäftsführer einer Rewe-Filiale Ihnen nicht so sympathisch ist. Die Altenpflegerin, deren Auto auf dem Parkplatz vor ihrer Arbeitsstelle verbrannt wurde, wird das wohl nicht als nur dumm und lästig ansehen. Der türkische Familienvater, dessen Auto in Flammen aufging und dessen Kinder große Angst hatten, versteht die Vorfälle auch nicht so gut. (Bitte suchen Sie sich die Videos selbst heraus, ich habe keine Lust dazu, und wenn Sie mir nicht glauben, lassen Sie es halt bleiben.)
      „Nur Zugereiste“ – ach Leute, das ist doch albern. Es gab von den Organisatoren des Höllenspektakels ganz klare Aufrufe zu kommen und nicht nur legale Dinge zu tun. (Im Netz leicht nachlesbar.) Die Zugereisten waren eingeladen worden.
      Ich glaube nicht, das alle Linken kiffen, aber erstens darf ich auch polemisch sein, zweitens habe ich wahrlich mehr als einmal mitbekommen, daß Kiffen in gewaltaffinen linken Kreisen ziemlich populär ist.

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      • Claudia Sperlich schreibt:

        Zudem: Wurde einer der von Ihnen zitierten Läden geplündert? Das würde mich jetzt wirklich interessieren. Ein Ladenbesitzer, dessen Geschäft nicht verwüstet wurde, kann natürlich leicht sagen, daß die Plünderungen zwar doof, aber nicht so schlimm waren.

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  4. ernest t. schreibt:

    Also dürfen nur Ladenbesitzer, die ausgeplündert wurden, eine Meinung haben und diese äußern? Da erübrigt sich jede Diskussion.
    Was jetzt viele Leute in der Schanze am wenigsten brauchen und wollen, ist eine aufgedrückte Opferrolle durch Betonargumente wie die ihren. Gänzlich lächerlich wird es, wenn Sie und viele andere Ideologen den Leuten in der Schanze erklären wollen, wie die Schanze tickt. Das ist übergriffig.

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      „Also dürfen nur Ladenbesitzer, die ausgeplündert wurden, eine Meinung haben und diese äußern? Da erübrigt sich jede Diskussion.“
      Habe ich nicht gesagt. Sondern: Wenn ausgerechnet die Ausgeplünderten sich extrem sauer und verständnislos äußern, die nicht-Ausgeplünderten aber der Ansicht sind, es war alles schon in Ordnung, nur die etwas Lästigen kamen eh von Außerhalb, dann nimmt mich das wunder.
      Die Aussagen von Leuten, die es Scheiße fanden, daß ihre Kinder verschreckt, ihre Autos verbrannt, ihre Läden verwüstet wurden, nehme ich ohne jede Ideologie ernst. Daß es ganz einfach Scheiße ist, Menschen zu verletzen, und zwar erheblich, möchte ich nicht immer neu erklären müssen.
      Ideologen sehe ich da irgendwo anders. Zum Beispiel in den Hornochsen, die ganz klar und unzweideutig zur Randale aufgerufen haben, hier in diesem Internet, und die für die Randale mithin verantwortlich sind, auch wenn sie selbst vielleicht im Trockenen saßen.
      Daß von ihnen nicht eine einzige kleine Äußerung des Mitgefühls kommt für Polizisten, die bei der Aktion verletzt wurden (und zwar nicht von Blümchen und Kekskrümeln, sondern von Steinen und Stahlkugeln), spricht Bände.
      Daß Sie die Schanze offenbar als etwas ganz besonders Elitäres sehen, wo Gesetze gelten, die andere nicht zu kommentieren haben, ist auch nicht uninteressant. Allerdings haben Sie auf den ganz realen Unmut von Bewohnern der Schanze über diese hanebüchenen Aktionen noch kein Wort verloren. Ja klar, die Frau vom Pflegedienst war natürlich keine Bewohnerin der Schanze. Die kam womöglich von ganz woanders. Vielleicht hat sie ja eine Villa in Pöseldorf, so als Altenpflegerin, und dann ist das Abfackeln ihres Autochens schon OK, gelle?
      Ernest, wer hier übergriffig ist, ist noch sehr die Frage.

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    • Gerd schreibt:

      „in dem Wissen, dass dieses überflüssige Spektakel nun vorbei ist, hoffen wir, dass die Polizei ein maßvolles Verhältnis zur Demokratie und den in ihr lebenden Menschen findet,“

      Jetzt wissen wir wie zumindest Teile der Schanze ticken. Also die Polizei (!) soll ein maßvolles Verhältnis zur Demokratie finden. Ja, wenn die so ticken, dann ticken sie nicht mehr richtig. Um das zu erkennen braucht es keine Ideologie, da reicht gesunder Menschenverstand völlig aus.

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  5. Gabriele v. Fuchs schreibt:

    In der Geschichte gab es eine Parallele: Da wüteten ab den 1930er Jahren die Rechten und die Ultralinken in Deutschlands Straßen gemeinsam gegen die Weimarer Demokratie. Diese Bilder jetzt aus Hamburg, die für mich Bürgerkriegscharakter hatten, haben sich bei mir eingeätzt. Für mich sind diese Leute Faschisten. Genauso übel wie die Rechten. Sie führen Krieg um des Krieges willen. Mehr nicht. Alles andere ist Geschwätz. Wenn ich sehe, wie diese schwarzen Gestalten da am frühen Morgen durch die Straßen liefen und die Autos von ungeschorenen Bürgern ansteckten, kann ich nur sagen, dass ich das nicht so ruhig beobachtet hätte. Aber diese Faschisten leben auch von unseren Steuergeldern unseres Staates, den sie verachten. Da lässt es sich leicht hetzen, wenn man weiß, dass die Stütze rechtzeitig auf dem Konto ist.
    Für mich geht es nicht um Schanze etc. Für mich geht es hier um Leute, die anderen Leuten Gewalt antun. Egal mit welchen „Argumenten“, die keine sind, sondern einfach weil sie Bock drauf haben. Das Schlimme ist, dass die meisten wieder straflos davonkommen.
    Welche Gefühle das wohl bei den Betroffenen Polizisten, Anwohnern, Eigentümern von zerstörtem Besitz etc. auslöst?

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    • Herr S. schreibt:

      Gerade dieses Milieu plädiert übrigens für ein bedingungslos vom Staat pro Kopf zu zahlendes Grundeinkommen von mind. 1000€ monatlich.

      Damit würden wir dann solche total Verbildeten auch noch belohnen und subventionieren.

      Mir ist es völlig unverständlich, dass sich dem Gemeinwohl verpflichtete Politiker ernsthaft mit solchen Utopien abgeben und sogar ihre versuchsweise Umsetzung erwägen, wie gerade seitens der sog. Jamaika-Koalition in Schleswig-Holstein geschehen.

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