Ein Sonett zum Evangelium vom Tage

Liebe
Mt. 10,37-39

„Wer Vater, Mutter, Tochter oder Sohn
Mehr liebt als Mich, der ist nicht Meiner wert.“
Dies Herrenwort drang in mich wie ein Schwert,
Es schien der ersten Liebe selbst zum Hohn.

Doch wo man Eltern wie die Götter ehrt,
Wo man die Kinder hebt auf Gottes Thron,
Ist Tyrannei und Menschenfurcht der Lohn,
Und das Gebot der Liebe wird verkehrt.

Vergöttert nicht, die Gott euch anvertraut!
Gehorcht und dient und liebt einander gern,
Doch immer bleibe Gott an erster Stelle.

Wo Liebe fordernd Seinen Weg verbaut,
Bleibt diesem falschen Fordern liebend fern.
Mehr als das Leben liebt des Lebens Quelle.

© Claudia Sperlich

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Ein Sonett zum Evangelium vom Tage

  1. Gerd schreibt:

    „Wer Vater, Mutter, Tochter oder Sohn
    Mehr liebt als Mich, der ist nicht Meiner wert.“

    Eine, im Nachhinein, klare Aussage des Herrn zum Zölibat der Priester. Kann es sein, dass der Herr explizit nur seine Jünger angesprochen hat, oder die die ihm bedingungslos nachfolgen wollten?

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Jesus spricht diese Worte zwar nur zu den zwölf Jüngern. Insofern sind sie der Aufruf zum priesterlichen Zölibat. Allerdings sagt Jesus nicht „Wer unter euch…“, sondern ganz allgemein „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als Mich…“; das ist wieder ganz allgemein gesprochen, und damit geht die Aufforderung zur radikalen Nachfolge an alle. Den Priestern ist aufgetragen, das klarzustellen.

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