Myriam aus Qaraqosh

In den letzten Tagen gab es einige Diskussionen auf facebook über Jesu Worte zur Feindesliebe. Mir fiel nicht zum ersten Mal auf, daß es unter westlichen Christen durchaus die Haltung gibt „Das kann Jesus nicht gesagt haben, das geht eh nicht“. Und leicht ist es keineswegs, aber das hat Jesus ja auch nie behauptet. In diesem Zusammenhang fiel mir Myriam wieder ein.

Im Februar 2015 wurde die damals zehnjährige Myriam Behnam, eine Christin aus Qaraqosh im Irak, in einem Flüchtlingslager in Erbil interviewt. Ihr erstaunliches Zeugnis ging um die Welt – und ist wert, wieder einmal gehört zu werden.

Wie geht es dir, Myriam?
Gut, und dir?
Mir geht es prima. – Du siehst wirklich unser Programm?
Ja.
Magst du Sat-7 Kids?
Ja.
Woher kommst du? Bist du auch aus Qaraqosh?
Ja, ich bin aus Qaraqosh.
Du bist zehn Jahre alt, stimmts?
Ja.
Wie lange bist du schon in diesem Lager?
Vier Monate.
Was vermisst du am meisten aus Qaraqosh, was du hier nicht hast?
Wir hatten da ein Haus, und wir hatten dort Spaß, und hier haben wir das nicht. Aber, Gott sei Dank, Gott sorgt für uns.
Wie meinst du das, daß Gott für euch sorgt?
Gott liebt uns, und Er wollte nicht, daß IS uns umbringt.
Du weißt, wie sehr Gott dich liebt, nicht wahr?
Ja, Gott liebt uns alle, nicht bloß mich, Gott liebt jeden.
Glaubst du, daß Gott auch die liebt, die dir wehgetan haben, oder nicht?
Er liebt die, aber Satan liebt Er nicht.
Was empfindest du gegenüber denen, die dich von zu Hause vertrieben haben und dich in solche Not gebracht haben?
Ich will denen nichts tun, ich will nur Gott bitten, ihnen zu vergeben.
Und kannst du ihnen auch vergeben?
Ja.
Aber das ist sehr schwierig – oder ist es leicht, denen zu vergeben, die bewirkt haben, daß ich leide?
Ich bringe die nicht um. Warum sollte ich sie umbringen? Ich bin nur traurig, daß sie uns von zu Hause vertrieben haben. Warum haben sie das getan?
Du warst gern in deiner Schule in Qaraqosh, nicht wahr?
Ja, ich war immer die Klassenbeste.
Hattest du auch Schulfreunde?
Ja.
Sind die hier bei dir? Oder ist keiner von ihnen hier?
Einige sind hier, aber ich weiß nicht wo genau.
Vielleicht schauen ja einige von ihnen gerade jetzt Sat-7 Kids im Fernsehen. Was möchtest du ihnen gern sagen?
Bevor ich herkam, hatte ich eine Freundin. Sie hieß Sandra, und wir haben immer den ganzen Tag zusammen verbracht. In der Schule waren wir den ganzen Tag zusammen. Obwohl wir keine Nachbarn waren, hatten wir einander sehr lieb. Wenn eine der anderen Unrecht getan hat, haben wir einander immer vergeben. Manchmal haben wir gespielt und sind in Streit geraten, aber wir haben einander immer vergeben. Wir hatten einander sehr lieb, und jetzt möchte ich sie einfach sehen.
Du weißt nicht, wo sie ist, oder?
Nein, das weiß ich nicht.
Wenn Sandra uns nun sieht, wird sie dir sicher ihre Grüße schicken, und ich bin sicher, daß sie dich liebt, Myriam.
Sie liebt mich sehr. Und ich liebe sie auch und hoffe, sie hier eines Tages zu sehen.
Sicher, und ich hoffe, wir können bei dir sein, wenn du Sandra triffst.
Hoffentlich.
Was meinst du?
Ich hoffe, wir kommen wieder nach Hause und sie kommt wieder nach Hause, und wir können uns wieder treffen.
Ich hoffe, ihr kommt in ein Zuhause, das besser ist als euer früheres Zuhause.
Wenn Gott will! Nicht was wir wollen, sondern was Gott will, denn Er weiß.
Bist du nicht manchmal traurig? Glaubst du zum Beispiel, Jesus hat dich verlassen?
Nein. Manchmal weine ich, weil wir unser Zuhause und Qaraqosh verlassen haben, aber ich bin nicht wütend auf Gott, weil wir Qaraqosh verlassen haben. Ich danke Ihm, weil Er für uns gesorgt hat. Auch wenn wir hier leiden, Er sorgt für uns.
Du hast mich so viel gelehrt.
Danke. Du hast mir auch etwas beigebracht.
Was habe ich dir beigebracht?
Du hast mir beigebracht… du hast mir nichts beigebracht, was ich meine, ist: du hast Anteil an mir genommen. Du hast Anteil an mir genommen. Ich hatte Gefühle, und ich wollte, daß die Leute wissen, wie ich mich fühle… die Kinder hier…
Weißt du, daß Jesus dich niemals verlassen wird?
Er wird mich nie verlassen. Wenn du wirklich gläubig bist, wird Er dich nie verlassen.
Kennst du ein Lied, das du gerne singst, wenn du alleine bist, und durch das du zu Jesus sprichst? Oder erinnerst du dich an gar nichts mehr?
Ich kenne ein paar Lieder.
Würdest du mir dein Lieblingslied vorsingen? Nur ein kurzes Lied, das du uns vorsingen kannst – was meinst du?
Hier ist ein Lied: (singt) Wie froh ist der Tag, an dem ich zum Glauben an Christus kam. Meine Freude war vollkommen bei Tagesanbruch, und voll Dankbarkeit sang meine Stimme. Meine Liebe zu meinem herrlichen Retter wird von Tag zu Tag wachsen. Ein neues Leben, ein freudiger Tag, wenn ich mit dem, den ich liebe, wieder vereint werde. Von Liebe bewegt, kam Er – oh was für eine wunderbare Liebe! Er machte mich wieder gerecht durch einen wahrhaftigen Bund. Meine Liebe zu meinem herrlichen Retter wird von Tag zu Tag wachsen. Ein neues Leben, ein freudiger Tag, wenn ich mit dem, den ich liebe, wieder vereint werde.

Myriam wurde im Juli 2015 von einem amerikanischen Reporter interviewt und zeigte ein bemerkenswertes Verständnis von der Dreieinigkeit und von der Bibel. Sie nennt die Auferstehung „die einzige Geschichte in der Bibel“ – hat also begriffen, daß alles andere in der Bibel auf Jesus hin verstanden werden kann.

In der Bibel sagt Jesus zu uns: „Habt keine Angst, Ich bin bei euch“, und Er hat auch gesagt „Vergebt anderen“. Gleich wie sehr sie euch hassen, ihr müsst ihnen vergeben. Jesus ist mein Vater, und Er ist mein Schöpfer. Ich habe keinen Besseren als Ihn. Als IS uns von zu Hause vertrieben hat, war Seine Hand über uns, und Er hat uns gerettet.
Wenn Myriam erwachsen ist, will sie bei Ärzten ohne Grenzen mitmachen.
Es gibt überall Menschen, die medizinische Behandlung brauchen, aber nicht bekommen, weil sie nicht genug Geld haben, um zum Arzt zu gehen. Und in der Regel sind die Ärzte auch nicht ihre Nachbarn. Jesus hat gesagt: „Umsonst habt ihr’s empfangen, umsonst sollt ihr geben.“ Deshalb sollen wir sie lieben und ihnen Behandlung geben.
Myriam sagt, sie liebt die Bibel, weil sie Gottes Liebesgeschichte mit den Menschen ist.
Die einzige Geschichte in der Bibel ist die Geschichte von der Auferstehung des Herrn Jesus Christus. Durch diese Geschichte können wir Hilfe erlangen.
Wenn ich bete, so bete ich, Gott möge uns helfen, wieder nach Hause zu gehen, und auch, daß der Friede Gottes auf den ganzen Irak kommt, und auch, daß Gott IS vergeben möge.
Die Worte, die ich zu euch sage, kommen nicht irgendwoher. Sie kommen vom Heiligen Geist. Der Heilige Geist hat mir die Worte gegeben, die ich euch sagen soll.
Myriams stolzer Vater sagt:
Ich glaube, Gott hat mir eine gute Tochter gegeben – daß sie das Wort Jesu durch die Medien verbreitet. Nicht für den Ruhm, sondern um Gottes Wort allen Menschen zu geben, die im Frieden leben.
Myriams Mutter Alice brachte ihren Kindern viele religiöse Lieder bei. Sie sagt:
Es scheint, daß der Heilige Geist ihnen in die Herzen gegeben hat, diese Lieder zu lieben und diesen Teil ihrer Persönlichkeit ganz Gott zu weihen, und Gott zu preisen, und so lieben sie diese Art des Lobpreises besonders. Und schließlich mahnt Myriam Kinder in den USA und anderswo, Gott zu lieben und ihren Glauben mit Freunden zu teilen.
Und wieder Myriam:
Sie brauchen keine Angst zu haben. Und auch wenn Dinge in ihrem Leben passieren, sollten sie von uns und unseren Leben lernen. Das ist nicht um etwas zu bekommen oder selbst berühmt zu werden, sondern um Gottes Willen, weil Gott lebt, und wir wollen alles zur Ehre Gottes tun, und auch um Gott in unseren Leben zu preisen.

Kurz vor Weihnachten 2015 besuchte der selbe Reporter Myriam wieder in Erbil und brachte ihr viele Postkarten und Bilder mit, die für sie und alle Flüchtlingskinder bei Sat7 eingegangen waren – Kinderbilder und Grüße aus aller Welt.
Myriam wurde völlig überrascht; sie saß in einem Klassenraum, als der Reporter kam.

Ab 2:06:
Ein Freund namens Sam Evans fragt: Was ist das Geheimnis deiner Stärke bei all diesen schrecklichen Dingen, die der Feind dir angetan hat?
Ich widerstehe dem Bösen mit Jesus Christus.
Eine unserer Freundinnen namens Megan schickt einen Brief und fragt Myriam: Welchen Rat kannst du Menschen geben, die Verfolgung leiden?
Ich sage ihr, sie soll unerschütterlichen Glauben behalten. Das sollte sie. Sie muss unerschütterlichen Glauben haben, denn dann wird sie Gott vertrauen, und ihr Vertrauen zu Gott wird ihr Liebe geben und Kraft, um das Leid der Verfolgung zu ertragen.
Möchtest du den Mächtigen der Welt vielleicht eine Botschaft sagen?
Ich möchte ihnen sagen: Betet zu Jesus, denn Er ist alles im Leben. Er hat ihnen das Leben gegeben und beschirmt sie in harten Zeiten. Ich möchte ihnen sagen, sie sollen Liebe im Herzen haben und Barmherzigkeit für andere. Wir leiden jetzt. Aber sie sollten Liebe und Barmherzigkeit im Herzen haben.
Es gibt einen Dialekt namens Sorath, nicht wahr, Myriam?
Ja.
Und in dem kann man das Gebet des Herrn sprechen. Kannst du es in Sorath aufsagen?
(Myriam und ihre beiden Freundinnen sprechen das Gebet des Herrn.)
Was würdest du all den Leuten heute sagen, die versuchen dir zu sagen, daß sie dich unterstützen und lieben?
Ich möchte ihnen sagen: Ich danke euch allen, denn ihr habt mir ein Gefühl von Sicherheit und Frieden gegeben. Ich danke auch all jenen, die für mich und für das ganze irakische Volk gebetet haben. Ich danke allen Kindern, die mir diese Geschenke geschickt haben.

Myriam ist nun ungefähr zwölf Jahre alt. Vielleicht ist sie wieder zu Hause in Qaraqosh – leider habe ich keine weiteren Nachrichten. Hoffen und beten wir, daß sie auch weiter so eine mutige, gläubige, vergebende Christin bleibt!

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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