Was am Katholizismus so klasse ist: Das Purgatorium!

Jetzt, wird mancher denken, ist sie völlig ausgetickt. Was ist daran schön?

Ich mag meine Dusche. Wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin, werde ich unweigerlich dreckig – Straßenstaub, Schweiß und was in der Stadt- oder Landluft so herumfliegt, pappt nach einer längeren Fahrt an meinem Körper. So schön die Fahrt war, das ist eklig, und zu Hause bin ich froh, wenn ich mich davon befreien kann.

In diesem Leben pappt so einiges an meiner Seele. Vieles davon geht in der Duschkabine ab, die man Beichtstuhl nennt. Aber anderes, wie die klammernden bösen Neigungen oder die Schäden, die ich anderen Menschen zugefügt habe, oder die hartnäckigen Reste von Übelnehmerei, schlimmstenfalls auch ungebeichtete Sünden, bringe ich beim letzten Atemzug nicht herunter. (Das Gebet um eine gute Sterbestunde schließt ein, das am Ende möglichst wenig Gruseliges an der Seele klebt.) Es ist jedenfalls damit zu rechnen, daß man mit nicht so ganz blütenweißer Seele stirbt.

Ich brauche aber nicht zu befürchten, daß ich mit meinen dreckigen Klamotten zwischen den strahlend weiß gekleideten Bewohnern des goldenen Himmlischen Jerusalem herumlaufen muß. Ich muß – und darf – vorher einen Reinigungsprozess durchlaufen, das Purgatorium (von lat. purgare, reinigen). Der deutsche Ausdruck Fegefeuer entstand durch die Vorstellung, daß die Seelen im Feuer geläutert werden, wie Edelmetalle.

Das Purgatorium hat übrigens, entgegen einem schier unausrottbaren Irrtum, rein gar nichts zu tun mit der Vorstellung eines Limbus, wo es kein Leid gibt, aber auch keine höchste Glückseligkeit in der Anschauung Gottes. Diese Vorstellung entstand, weil man glaubte, Ungetaufte könnten auf keinen Fall in den Himmel kommen, auch wenn sie unschuldig waren. (Genaueres zur Idee des Limbus – auch, daß es hierüber sehr positive Auffassungen gibt – steht bei Kathpedia.)

Ich nehme an, daß ich im Purgatorium sehr genau erfahre, in welchem Maße andere Menschen durch meine Schuld gelitten haben. Das ist, wenn man genau darüber nachdenkt, keine schöne Vorstellung – die Folgen seiner eigenen Sünden genau so empfinden, wie andere sie empfinden mußten. Aber dennoch ist das Purgatorium ein Zustand der Hoffnung, denn es ist klar, daß es ein notwendiger Durchgang ist und danach die ewige Seligkeit kommt.

Nein, schön ist das Purgatorium nicht. Aber klasse ist es, daß es das gibt – daß man befähigt wird, vollkommen rein in den Himmel zu kommen. (Übrigens auch, wenn man nicht glaubt, daß es ein Purgatorium gibt. Ob man etwas glaubt oder nicht ändert ja nichts an seiner Existenz.)

Purgatorium

Meine Sünden ziehen Bahnen,
weiter, als ich sehe,
Folgen kann ich kaum erahnen,
bis ich vor Dir stehe.

Jeden werd ich sehen, jeden,
den ich je verletzte,
den mein Gift geschliffner Reden
je ins Unrecht setzte,

Jeden auch, dem ich versagte
seinen Teil der Gaben,
jeden, über den ich klagte,
ohne Grund zu haben,

Jeden, den ich falsch gerichtet,
vorschnell ausgeschlossen,
den mein Leichtsinn hat vernichtet,
dessen Blut geflossen,

Jeden, den ich zwang zu dulden
Worte oder Taten,
Jeden, der durch mein Verschulden
selbst in Schuld geraten…

Herr, ich darf schon heute wissen:
Du wirst mir vergeben.
Doch erst wird mein Herz zerrissen –
und dann kann ich leben.

© Claudia Sperlich

Advertisements

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
Dieser Beitrag wurde unter Himmlisches, Katholonien abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

14 Antworten zu Was am Katholizismus so klasse ist: Das Purgatorium!

  1. Stefan Fleischer schreibt:

    Ich selber habe mir einmal noch einen anderen Aspekt notiert:
    Das Fegefeuer ist der Ort, wo wir lernen müssen, wie man sich im Himmel zu benehmen hat, soweit wir das nicht schon auf Erden gelernt haben.

    Gefällt 1 Person

  2. Herr S. schreibt:

    Ich frage mich allerdings inzwischen, wo denn in der heiligen Schrift, der biblischen Offenbarung, das Purgatorium (Fegefeuer) vorkommt?

    Gefällt mir

  3. Stefan Fleischer schreibt:

    Mir kommt spontan die Stelle bei Paulus in den Sinn: 1.Kor 3,14-15
    Hält das stand, was er aufgebaut hat, so empfängt er Lohn. Brennt es nieder, dann muss er den Verlust tragen. Er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durch Feuer hindurch. (Jud 23)

    Gefällt 1 Person

  4. Claudia Sperlich schreibt:

    Herr S., zum einen deutet die von Stefan Fleischer angegebene Stelle darauf. Dann heißt es in Off. 21,27: „Aber nichts Unreines wird hineinkommen, keiner, der Gräuel verübt und lügt. Nur die, die im Lebensbuch des Lammes eingetragen sind, werden eingelassen.“ Das kann ebenfalls auf eine postume Reinigung hinweisen. 2 Makk. 12,32-45 spricht davon, daß für Gefallene, bei denen heidnische Amulette gefunden wurden, gebetet und ein Sühnopfer dargebracht wird. Das ist nur sinnvoll, wenn man von einer möglichen Läuterung nach dem Tode ausgeht.

    Gefällt mir

  5. Pingback: 2017-06-05 | Was am Katholizismus so klasse ist … | Gebetsgruppe Aachen

  6. Herr S. schreibt:

    Danke für die Hinweise auf die Bibelstellen, die mir z.T. auch bereits bekannt waren.
    Die Stelle aus 1Kor 3 besagt in der Tat ein jenseitiges – auch schmerzliches – Gericht, aber nicht explizit ein Reinigungsfeuer, in dem die befleckte Seele eine mehr oder weniger lange Zeit reingebrannt werden muss.
    Off 21 deute ich genau wie Jud 23 als das Feuer der Hölle, in dem eben die Unreinen, die sich im irdischen Leben unbekehrt von Gott abgewandt haben, unrettbar landen werden.
    Die Stelle aus 2 Makk deutet m.E. auch nicht auf ein Purgatorium, sondern besagt zum einen, der Tod der gefallenen Juden sei als Strafe für ihr heimliches Vertrauen auf fremde Götter und damit einen Verstoß gegen das erste Gebot zurückzuführen. Die überlebenden Juden mit Judas an der Spitze hoffen allerdings, dass sie durch ein Sühnopfer die Seele der sündigen und deswegen mit dem Tod bestraften Gefallenen bei der Auferstehung der Toten am jüngsten Tag vor der ewigen Verdammnis retten können (2 Makk 12, 44f).
    Das ist allerdings etwas anderes als ein Purgatorium:
    Hier in 2Makk wird von Lebenden für Gestorbene, die offensichtlich bereits von Gott bestraft worden sind, gebetet und ein Opfer gebracht für ein Bestehen letzterer beim Jüngsten Endgericht – nicht aber, um sie aus einem Reinigungsfeuer zu erlösen.

    Gefällt mir

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Was für einen Sinn sollte denn ein Sühnopfer haben, wenn es schon eh klar ist, daß die Verstorbenen in der Hölle landen? Dann bringt es ihnen nichts, für sie zu beten. Ist es aber eh klar, daß sie im Himmel landen, wäre ein Sühnopfer auch sinnlos, denn dann brauchen sie es nicht. Nur ein Reinigungsort kann ein solches Opfer überhaupt rechtfertigen.

      Gefällt mir

      • Herr S. schreibt:

        Ich kenne mich in den altjüdischen Jenseitsvorstellungen insbes. z.Zt. der Makkabäerbücher nicht näher aus, aber von der Existenz eines Fegefeuers waren die damaligen Zeitgenossen offensichtlich Nicht überzeugt.
        Sehr wohl dagegen von der nachtodlichen Weiterexistenz einer Seele, die endgültig im Jüngsten Gericht entweder in den Himmel oder in die Hölle kommt.
        Wie gesagt: Das ist aber etwas anderes als ein reinigend-brennendes Fegefeuer für die Seelen, in welchem sie nach dem Tod wie ein Roherz geläutert und gereinigt werden.

        Gefällt mir

  7. Stefan Fleischer schreibt:

    Christliche Hoffnung geht über den Tod hinaus

    Die erste Hoffnung des Christen ist das ewige Leben. Unsere Hoffnung greift also weit über diese Welt hinaus. Wir glauben und vertrauen, dass Gott uns und allen Menschen dieses Ziel gegeben hat. Er gibt uns auch die Möglichkeit, es zu erreichen. Er hat aber jedem Menschen auch die Freiheit gegeben, ihn, den Schöpfer und Herrn, abzulehnen, und damit dieses letzte Ziel seines Lebens zu verfehlen. Christliche Hoffnung jedoch ist, dass, wenn wir uns bemühen schon jetzt in der Beziehung zu Gott zu leben, er uns jede Hilfe schenken wird, dieses Ziel zu erreichen.

    Doch selbst wenn wir in einem Zustand sterben, in dem wir wegen all unseres Versagens und unserer Sünden noch nicht reif, nicht rein genug sind für diese ewige Beziehung zu ihm, haben wir eine Hoffnung. Solange unser Zustand nicht hoffnungslos ist, weil wir uns bewusst Gott und seinem Erbarmen verweigern, gibt es einen Ort der Reinigung, das Fegfeuer, wie es früher genannt wurde. Ich glaube, auch das darf ein Grund der Hoffnung und des Vertrauens, ja sogar der Dankbarkeit für uns sein. Gott ist gerecht, sonst wäre er nicht Gott. Diese Lösung erlaubt es ihm, gleichzeitig gerecht und barmherzig zu sein. So kann uns die Hoffnung auf seine Barmherzigkeit bis über den Tod hinaus begleiten.

    Quelle: Gottesbeziehung heute Seite 75

    Gefällt mir

    • Herr S. schreibt:

      Das beantwortet aber nicht meine Frage, wo denn in der göttlichen Offenbarung das Purgatorium oder Fegefeuer vorkommt.
      Ich finde keine überzeugenden Stellen für dessen Vorhandensein. Vielleicht ist es ein Phantasiegebilde mittelalterlicher spekulativer Theologie, wie einst der Limbus pueorum, ohne echte Verankerung in der göttlichen Offenbarung?
      Genügt nicht stattdessen die Erlösungstat des Gottessohn Jesus Christus für das Seelenheil der ihn nicht ablehnenden sündigenden Menschen?

      Gefällt mir

  8. Stefan Fleischer schreibt:

    Lieber Herr S
    Wenn wir an einen nur liebenden Gott glaubten, so wrde das gengen. Wenn wir aber auch Gottes Gerechtigkeit bercksichtigen, dann gengt das, zumindest mir, nicht. Wenn ich mit dem Psalmisten zu Gott schreien darf: „Schaffe mir Recht gegen meine Feinde!“ dann muss ich auch akzeptieren, dass Gott auch meinem Feind Recht verschafft gegen mich, dort wo ich mich an ihm verfehlt habe.

    Gefällt 1 Person

  9. Stefan Fleischer schreibt:

    Mir ist eben noch in den Sinn gekommen:
    Mt 5,25-26
    Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, solange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist. Sonst wird dich dein Gegner vor den Richter bringen und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener übergeben und du wirst ins Gefängnis geworfen. Amen, das sage ich dir: Du kommst von dort nicht heraus, bis du den letzten Pfennig bezahlt hast.
    Das ist zwar kein Beweis, aber für mich ein Hinweis!

    Gefällt 1 Person

    • Herr S. schreibt:

      In der Tat, das kann man als Hinweis auf eine jenseitiges Sühne lesen und verstehen zumindest für sündige Nichtchristen.

      Denn für uns, die wir an Jesus Christus als den Erlöser und Sohn Gottes glauben, dürfte doch wohl Mk 10,45 gelten: „Denn […] der Menschensohn ist […] gekommen, um […] sein Leben hinzugeben für viele.“
      Und ebenso des Herrn Zusage aus Mt 26,28: „das ist mein Blut, […], das für viele(!) vergessen wird zur Vergebung der Sünden.“
      Und schließlich des Herrn Aussage in Joh 3,18a: „Wer an Ihn [den Herrn] glaubt, wird nicht gerichtet, …“

      Trauen wir doch einfach mal dem Erlösungswerk Jesu Christi solche Gnadenerweise für unser Seelenheil zu!

      Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.