Und wieder eine schicke Rezension!

Harald Stollmeier, der Eisvogel, war so freundlich, mein Büchlein „Die Befreierhervorragend zu rezensieren.

Dreizehn Geschichten reihen sich in Claudia Sperlichs neuem Büchlein scheinbar unschuldig aneinander und erinnern an Kafka („Das Amt“), Stanilaw Lem („Die Befreier“) und Edgar Allan Poe („Weihnachtsfeier mit Autorenlesung“). Alle Geschichten zeichnet eine aufmerksame Feinfühligkeit aus, verbunden mit dem Verzicht auf Verurteilungen. Um so kälter läuft es dem Leser den Rücken herunter, wenn ihm selber klar wird, womit er es zu tun hat, um so mehr, wenn der Sprecher sich nicht als böse versteht sondern als gut und beispielsweise aufrichtig hofft, dass man eines Tages keine behinderten Föten mehr entsorgen muss („Genetisch einwandfrei“).
Die Welt, in der Sperlichs Geschichten handeln, ist erkennbar unsere, leicht überzeichnet. Stellenweise nur sehr leicht: Wenn einer Arbeitslosen die Leistungen gestrichen werden, weil sie nicht als “Vollstreckerin” arbeiten will („Ein Job fürs Leben“), dann ist die Analogie zu Hebammen oder Ärzten, die ihren Arbeitsplatz verlieren, weil sie nicht an Abtreibungen mitwirken wollen, nur deshalb nicht sofort offensichtlich, weil Deutschland keine Todesstrafe hat.

Zwei nicht minder erfreuliche Rezensionen gab es schon neulich. In der von Josef Bordat heißt es:

Mit „Die Befreier“ hält man ein Stück unterhaltsam geschriebener Gegenwartsanalyse in Händen, die klar Position bezieht. Dadurch, dass entscheidende Themen angerissen werden, vor allem aber dadurch, dass ruhig und gelassen erzählt wird, wie es morgen werden könnte, wenn fortgesetzt wird, was heute mehrheitsfähig ist – oder auf direktem Weg dazu. Claudia Sperlich scheut nicht die unzeitgemäße Warnung vor den unguten Tendenzen unserer Tage: Biozentrismus, Transhumanismus, Sozialfaschismus. Ein wichtiges Buch.

Und Tobias Klein schreibt:

Einen Teil der Geschichten siedelt die Autorin in einer möglichen nahen Zukunft an – und die sieht nicht rosig aus: Da soll nach der Wiedereinführung der Todesstrafe eine arbeitslose Metzgerin zur Henkerin umgeschult werden; da wandeln sexuell gehemmte Wissenschaftler auf Frankensteins Spuren, um sich durch Genmanipulation die perfekte Partnerin zu „erschaffen“; da bringen militante Tierbefreier, ohne selbst die Konsequenzen ihres Handelns zu überschauen, die Zivilisation zu einem mindestens partiellen Zusammenbruch. In diesen Zukunftsvisionen, ebenso aber auch in einigen der anderen Texte der Sammlung artikuliert sich ein starkes Interesse der Autorin an ethischen Fragen – gepaart mit einem nicht geringen Maß an Skepsis gegenüber gewissen Erscheinungsformen des wissenschaftlich-technologischen und gesellschaftlichen „Fortschritts“. Nicht nur in diesem Zusammenhang spielt auch der katholische Glaube der Autorin immer wieder eine Rolle in ihren Geschichten – mal ganz offen, mal eher durch die Hintertür.

Ich finde, man sollte auf die Herren Stollmeier, Bordat und Klein hören.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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