Sechs Monate unter Gelübde

… und keinen Augenblick bereut.

Am ersten Adventssonntag vergangenen Jahres habe ich feierlich gelobt, drei Jahre lang in Armut, Keuschheit und Gehorsam gegenüber Gott und der Kirche zu leben, täglich zur Messe zu gehen, täglich mindestens eine halbe Stunde lang vorm Tabernakel oder vor dem ausgesetzten Allerheiligsten anzubeten und mindestens einmal im Monat das Sakrament der Versöhnung zu empfangen.

Immer noch und immer mehr fühle ich mich beschenkt viel mehr als verpflichtet, befreit viel mehr als gebunden. Ich sehne mich danach, dies Gelübde nach Ablauf der drei Jahre zu wiederholen – und dann für immer.

Du riefst mich

Du riefst mich, Herr, und ich diene Dir gern,
viel lieber dien ich auf Knien Dir,
als fordernd vor einem andern zu stehn.

Ich hab Dir gelobt – hätt ichs eher getan,
doch eitel ist Klage um frühere Zeit –,
Dir betend zu dienen, Tag für Tag,
in Anbetung und in Heiliger Messe,
drei Jahre lang, und ein halbes ist um.

Schon sehne ich mich nach dem letzten Tag –
nicht überdrüssig, ich diene Dir gern –,
denn dann will ich dies noch einmal geloben,
und dann für ewig. Wenn Du es willst
und wenn ich dann lebe, nimm mich in Dienst
zur Messe, zur Anbetung, Tag für Tag,
bis ewig ich schauen und beten darf.

*

Nur Ihm

Ich bin beschenkt und getragen,
Mit Gold meine Zeit überstäubt.
Die Welt versucht mich zu jagen
Und nennt mich dumm und betäubt –
Die Welt hat ihr Spielchen verloren
An den, der für mich ist geboren.

Ich will von Neuem geloben,
Was ich meinem Herrn versprach,
Der mich gewollt und gewoben,
Den einst diese Welt zerbrach.
Denn Er, der für mich ist gestorben,
Hat mich voller Liebe umworben.

Ihm will ich für immer gehören –
Gelübde, das niemals verfällt.
Und will sich die Welt daran stören,
Verstöre ich gerne die Welt:
Ich geh durch ihr Stürmen und Branden
Mit Ihm, der für mich ist erstanden.

© Claudia Sperlich

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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