Was am Katholizismus so klasse ist: Die Feste!

Katholiken feiern eigentlich immer. Natürlich wird in der katholischen Kirche jeden Tag die Messe gefeiert – nicht in jeder Gemeindekirche täglich, aber insgesamt in der Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen. Jeden Augenblick wird irgendwo auf der Welt Messe gefeiert. In Berlin kann ich ohne Schwierigkeit täglich an einer Messe teilnehmen. Und was feiert man da? Die Auferstehung des Herrn. Ostern. Wir feiern täglich Ostern – nur am Karfreitag und am Karsamstag (Jesu Tod und Grabesruhe) gibt es keine Messe, was wiederum logisch ist. Am Karfreitag wird aber dennoch gefeiert – nämlich der Tod Christi zur Erlösung der Welt. Am Karsamstag hält man inne, aber schon am Abend geht es wieder los mit der gewaltigen Feier der Osternacht. Denn was wir in jeder Messe feiern, wird zum Ostertermin natürlich noch einmal ganz besonders schön und ausgiebig und fröhlich gefeiert.

Außerdem feiern wir an bestimmten Tagen Seine Geburt, Sein Auftreten in der Welt, die Einsetzung des Abendmahls, Seine Himmelfahrt, die Herabsendung des Heiligen Geistes. Nicht zu vergessen Fronleichnam, das große Fest, an dem wir Seinen Leib durch die Straßen tragen. Aber damit ist noch nicht Schluß mit den Feiern.

Wir feiern auch für Maria, die Mutter des Herrn, und mit ihr – und das gar nicht so selten. Wir feiern jeden einzelnen Tag das Gedenken mehrerer Heiliger, feiern bestimmte Heilige (Johannes den Täufer, Petrus, Paulus, Josef, Thomas von Aquin und viele andere) mit besonderer Festlichkeit und besonderem Brauchtum, feiern unsere Namenspatrone, die Patrone von Kirchen, Schulen und Krankenhäusern. Die Gedenktage der meisten Heiligen sind zwar keine Feste oder gar Hochfeste, also liturgisch nicht mit besonderem Aufwand, aber auch das Gedenken darf feierlich sein! Namenstag haben heute zahlreiche Menschen, z.B. die mit Namen Rita oder Felix, aber auch solche, die Bobo oder Fulgentius heißen.

Wir feiern nicht nur Taufen, Firmungen, Priester- und Ordensweihen, sondern auch deren Jubiläen. Hinzu kommt, daß Katholiken auch weltliche Feiern gerne mitnehmen. Wir feiern mit besonders schönen Gottesdiensten alles vom Mauerfall bis zum Geburtstag des Gemeindepfarrers. Wir feiern sogar, wenn wir trauern – Tod und Begräbnis und das Gedenken an die Toten, einzelne und alle, werden feierlich begangen.

Wir kommen eigentlich aus dem Feiern gar nicht mehr heraus. Ja, wir beginnen die Woche mit einem Feiertag! Denn der Sonntag ist der erste Tag der Woche; zum „Wochenende“ wurde er durch die protestantische Arbeitsethik, die „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ haben will. Aber Jesus lag am letzten Tag der Woche, am Sabbat, im Grab – und erstand am ersten Tag der folgenden Woche. Deshalb gilt für Christen die Sonntagspflicht – also die Vorschrift, am Sonntag jede nicht absolut notwendige Arbeit ruhen zu lassen und den Sonntagsgottesdienst zu besuchen, wenn es irgend möglich ist. Man könnte sagen: Christen sind einmal in der Woche zum Feiern verpflichtet. Weltliche Pflichten sind in der Regel weit öder.

Erst die jauchzende, überschwengliche, himmlische Freude – dann die Arbeit, und während der Arbeitswoche so oft wie möglich eine kleine Feierlichkeit einbauen, und wenn es hart wird, an den Wochenanfang denken: Das ist katholische Lebensauffassung.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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4 Antworten zu Was am Katholizismus so klasse ist: Die Feste!

  1. Du kennst ja meinen dezidierten Antiprotestantismus, aber der Montag als Wochenanfang stammt wohl eher aus atheistischem Umfeld, wurde mithin in der DDR auch früher eingeführt als im Westen.

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