Martin Recke über den Kulturkatholizismus. Eine Antwort

Martin Recke schreibt auf Commentarium sehr Bedenkenswertes zum Kulturkatholizismus, dieser im Westen übergroßen Form eines Katholizismus, der sich als kulturelles Ereignis und schöne Tradition versteht, aber weitgehend ohne Wissen um Glaubensinhalte auskommen will, zum Teil auch fast völlig ohne Glauben.

Das ist erschreckend, auch wenn es nicht neu ist. Martin Recke sieht eine radikale Umkehr als einzige Möglichkeit, das Schiff der Kirche nicht scheitern zu lassen. Ich gebe ihm Recht – und habe doch einen Einwand, vielleicht auch nur eine Ergänzung.

Man kann etwas tun gegen die Folklorisierung der Kirche, nämlich katholisch sein, Laut geben und beten. Man kann den Dreieinen Gott und Seine Kirche lieben und ehren, und nochmals: beten.
Man kann vertrauen auf Jesu Wort: „Wo zwei oder drei [echt jetzt! Nicht zwei- oder dreitausend, sondern zwei oder drei!] in Meinem Namen versammelt sind, da bin Ich in ihrer Mitte.“ (Mt. 18,20)
Und: „Die Mächte der Unterwelt werden die Kirche nicht überwältigen.“ (Mt. 16,18)

Die Zeiten sind hart (übrigens waren sie noch nie anders als hart, Härte ist ein Proprium der Weltzeit), die Kirche ist in einem schlechten Zustand, aber sie ist die Braut Christi, der mystische Leib Christi. Verletzt und geschändet, aber unzerstörbar. Es ist unsere Aufgabe, für die Braut Christi zu beten, und Jesu Zusicherung, daß sie trotz aller Schrecknisse unzerstörbar ist. (Ein Blick auf die Geschichte zeigt: die Kirche hat die Häresien des 4. Jhs. und des Hochmittelalters, die Renaissancepäpste, die Reformation und die Einflüsse der New-Age-Bewegung überstanden.)

Man kann nichts tun, auch nicht für die Kirche, ohne Gottes Gnade. Die aber ist von vielen unbemerkt oder verkannt gerade jetzt gewaltig wirksam. Die Charismatische Erneuerung, jener zuerst als „schwärmerisch“ verschrieene geistliche Aufbruch, der in den 60er Jahren begann, ist in der ganzen katholischen Kirche lebendig, auch wenn die Kulturkatholiken (und manche anderen) ihn nicht recht wahrnehmen. (Ähnliches gilt auch für evangelische Kirchen; hier geht es aber um die katholische.)

Die Charismatische Erneuerung ist keinesfalls eine sektiererische Bewegung weg von der Kirche; wo einzelne Charismatiker diesen Anschein erwecken, sollte man als Katholik freundlich nachhaken, vielleicht geschwisterlich ermahnen, sich aber nicht über Gebühr beunruhigen lassen. Sektierer-Typen gibt es in jedem Ort der christlichen Gemeinde, sogar unter Kulturkatholiken, die mit Feuereifer andere zu überzeugen suchen, die Kirche müsse mit der Zeit gehen. Also – keine Angst vor einzelnen Charismatikern, die irgendwie seltsam sind. Erstens könnte man selbst der Seltsamere sein, zweitens sagt das nichts oder wenig über die gesamte Bewegung.

Ich bin zur Charismatischen Erneuerung gekommen, nachdem mir Gott sehr klar gemacht hatte, daß ich trotz äußerem christlichen Eifer wesentliche Aspekte des Christentums mißachtete. Ich hatte über ein zugleich aufwühlendes und heilsames Erleben mit einem Priester gesprochen, der mich zu einem charismatischen Gottesdienst einlud.

Der erste charismatische Lobpreisgottesdienst war ein ziemlicher Schock für mich, ich fremdelte sehr. Aber was mich damals so abgestoßen hatte, wurde mir erklärt – und zwar in ganz nüchterner, ganz einleuchtender Weise. Ich bin seitdem gerne und mit wachsender Begeisterung bei der monatlich stattfindenden Praystation, einem Lobpreisgottesdienst bei mir in der Nähe. Für Neugierige:

Praystation Berlin
Sonntag, 21. Mai 2017
charismatischer Lobpreisgottesdienst
Kapelle im St. Gertrauden-Krankenhaus
Paretzer Str. 12 (S41/42, U3 Heidelberger Platz)
anschließend immer zusammensitzen, reden usw.
Folgetermine 2017 jeweils So, 15h30: 25.6.; 9.7. danach Sommerpause

Auch die Nightfever-Gottesdienste mit Beichtmöglichkeit, Lobpreis und Eucharistischer Anbetung sind eine Frucht der Charismatischen Erneuerung. Sie werden von jungen Leuten organisiert, und sollte jemand über die unfromme Jugend meckern, lade ich ihn herzlich zum Nightfever ein: da erlebt man eine frohe und klare, dynamische und beständige Frömmigkeit, eine ansteckende Freude in Gott.

Es gibt in der katholischen Kirche Europas wohl mehr Kulturkatholiken als Charismatiker. Auch sind Charismatiker nicht die alleinige Rettung – das wissen sie übrigens, denn Charismatikern ist sehr klar, daß die alleinige Rettung Jesus Christus ist. Jedoch sehe ich diesen nun schon fünfzig Jahre währenden Aufbruch als ein besonderes Geschenk Gottes an Seine Kirche. Da dies Geschenk so gut hält und dabei noch wächst, sollte man sich trotz allem nicht übergroße Sorgen um die Kirche machen.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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6 Antworten zu Martin Recke über den Kulturkatholizismus. Eine Antwort

  1. Imrahil schreibt:

    Entschuldigung, aber Nightfever ist meines Wissens eine Frucht des WJT Köln und nicht wirklich der CE, wenn man von dem nicht unnatürlichen Umstand absieht, daß die katholische Bewegungen in den Leuten, die sich dort engagieren, sehr ausgiebige Schnittmengen haben und man sich im allgemeinen kennt und mag.

    Gefällt 1 Person

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Nun ja… man könnte jetzt argumentieren, daß der WJT Köln eine Frucht der Charismatischen Erneuerung ist, ohne die solche Dinge wie Weltjugendtage gar nicht mehr möglich wären. Aber Du hast Recht, was die direkte Herkunft angeht.

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  2. Olet lucernam! schreibt:

    Außer der Charismatischen Erneuerung gibt es in DER Kirche noch so viel mehr als nur Kulturkatholizismus.

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  3. Bea Thérèse schreibt:

    Für mich hat die Charismatische Erneuerung zwei wichtige Aspekte: Befruchtung des geistlichen Lebens der Gemeinden und die Stärkung ökumenischer Beziehungen. Als ehemaliger Freikirchler wage ich zu behaupten, dass es nirgendwo eine so große Schnittmenge zwischen Gläubigen verschiedener Konfessionen und Denominationen gibt, wie innerhalb der Charismatischen Bewegung. Wichtig scheint mir, dass die charismatische Erneuerung das Dach der katholischen Kirche benötigt, um nicht ins Schwärmerische, Spaltende abzugleiten. Dass dies erkannt wird, zeigt so manche Konversion, wie z.B.die von Ulf Ekman.

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