Gute Folge eines blöden Kommentars

Manchmal bin ich nicht im Internet. Stundenlang. Dann kann passieren, daß ein Kommentator etwas kommentiert, wovon er keine Ahnung hat, und dies auf eine Art, die den Regeln einer zivilisierten Unterhaltung widerspricht.

Daraufhin kann einerseits geschehen, daß ich ihn in nicht mehr vollkommen höflicher Weise von der Diskussion ausschließe. Andererseits kann aber auch Josef Bordat den Kommentar schneller und klüger in der Luft zerrissen haben als ich ihn lesen konnte.

Und da bin ich dem Kommentator fast schon wieder dankbar, ist doch nur seinetwegen mal wieder ein schönes Stück katholische Apologie im Internet zu lesen.

Dennoch bitte ich meine Leser, sich über das, was sie kritisieren wollen, erst einmal gründlich zu informieren. Das ist ein wenig mühsam, man braucht dazu Bücher und logisches Denken, aber ich versichere Ihnen: Es macht auch Freude.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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6 Antworten zu Gute Folge eines blöden Kommentars

  1. Gerd schreibt:

    Josef Bordat schreibt: „Ohne katholische Werte keine Klöster, ohne Klöster keine Klöstergärten, ohne Klöstergärten keine Feldforschung an Erbsen. Gregor Mendel, Augustiner. Katholisch.“
    Dem möchte ich hinzufügen: Ohne katholische Werte keine Kommentarfunktionen auf katholischen Blogs und somit auch keine dummen Kommentare, die dann wieder gute Folgen haben. So schließt sich der Kreis. Es ist einfach schön katholisch zu sein.

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  2. Claudia Leitner schreibt:

    Wie immer formuliert Josef Bordat sehr pointiert und kenntnisreich. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass man mit ähnlicher Argumentation auch Bischof Voderholzers jüngste Äußerungen über den Islam entkräften könnte – indem man zum Beispiel auf die Ära der Abbasiden und die in dieser Zeit errungenen und noch heute wirkenden kulturellen Entwicklungen verweist.
    Außerdem halte ich seine These, die Inquisition sei in den damals von ihr geführten Verfahren so etwas wie eine „unabhängige Behörde“ gewesen, historisch für sehr gewagt.

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    • jobo72 schreibt:

      Danke für die kritischen Anmerkungen!

      Man muss unterscheiden zwischen der Inquisition als Methode (und Alternative zur Akkusation) und der Inquisition als kirchliche oder staatliche „Behörde“. Die Methode garantiert größere Unabhängigkeit, weil der Ankläger nicht zugleich Partei ist. Sie befördert den Rechtsfrieden, da ein Prozess nach Untersuchung aller Umstände irgendwann zum Abschluss kommt und das Urteil im Ergebnis akzeptiert werden muss. Die „Fede“ lässt sich endlos verlängern, immer mit der Gefahr der Eskalation der Gewalt („All Fed‘ hat nun ein Ende“, heißt es in einem alten Kirchenlied über den quasi-paradiesischen Zustand des Friedens).

      Die Inquisitionsbehörde war freilich nicht „unabhängig“ oder gar „neutral“, sondern dem verpflichtet, was Kirchenrecht war (Römische I.) oder Staatsräson (Spanische und Portugiesische I.). „Unabhängig“ und „neutral“ ist etwas anderes, das ist klar. „Unabhängig“ und „neutral“ ist die Staatsanwaltschaft heute aber auch nicht, schließlich muss sie das geltende staatliche Recht durchzusetzen helfen – und das ergreift ja auch Partei, zum Teil sehr deutlich, ob es dem zuständigen Staatsanwalt nun passt oder nicht.

      Die andere Sicht auf die Inquisition sollte natürlich nicht dazu führen, dass man sich als Christ der Fundamentalkritik entzieht. Die schmerzliche Frage ist und bleibt ja, warum sich die Katholische Kirche überhaupt „von der altchristlichen Selbstverpflichtung, auf Gewalt in Religionsdingen zu verzichten, erschreckend weit entfernt“ hatte (so Arnold Angenendt). Dafür gibt es freilich auch wieder kirchenhistorische Gründe, aber das würde jetzt und hier zu weit führen.

      Und was den Islam angeht: Auch da ist gegen eine differenzierte Betrachtung der Geschichte nichts einzuwenden! Ich bin der letzte Mensch, der behaupten würde, Muslime hätten in den letzten 1500 Jahren nur Gewalt ausgeübt. Wir müssen die Kunst, Literatur, Wissenschaft, Musik etc. kennen- und schätzenlernen. Wer sich mit christlicher Mystik beschäftigt, kommt an den arabisch-islamischen Einflüssen nicht vorbei (oft sind es aber auch arabische Juden oder Christen gewesen, die für einen Kulturtransfer nach Europa sorgten – da muss man also auch noch mal differenzieren).

      Nur sollten wir die grundsätzlich anderen Entstehungs- und Frühentwicklungsbedingungen von einerseits Christentum (300 Jahre Verfolgung) und andererseits Islam (300 Jahre militärisch flankierte Expansion) darüber nicht völlig vergessen. Daran zeigt sich, dass hier grundsätzlich andere Voraussetzungen und Prämissen vorherrschen, die sich systematisch bis heute zeigen, etwa in der Akzeptanz von Gewalt zur Konfliktlösung und / oder Missionierung. Da müssen wir schon auch genau hinschauen. Und, übrigens: So super-vorbildlich war die Abbasidendynastie auch nicht (Harun ar-Rashid etwa ließ sich zwar gerne umgeben von Gelehrten abbilden, hat aber zugleich gegen die halbe Welt Krieg geführt, insbesondere gegen Persien und Byzanz), obwohl man deren kulturelle und naturwissenschaftliche Leistungen anerkennen muss.

      Schönes Wochenende!

      JoBo

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      • Claudia Leitner schreibt:

        Sehr geehrter Herr Bordat,

        danke für Ihre Ausführungen!

        Einen Punkt finde ich in Bezug auf die Inquisition noch erwägenswert. Ein wesentliches Novum im Inquistionsverfahren war – und das wird in der modernen Rechtsforschung m.E. oft übersehen – die große Bedeutung des Geständnisses – d.h. der persönlichen Einbekenntnis der subjektiven Schuld vor Gott. Wir finden das heute noch z.B. in Österreich in § 34, 17 StgB – bei den besonderen Milderungsgründen. Nachdem gerade in Österreich derzeit die Diskussion im Gange ist, ob man die Kreuze aus dem Gerichtssaal entfernen soll – könnte man dem entgegen halten, dass man dann auch die Strafmilderung durch ein reumütiges Geständnis wieder abschaffen müsste.

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  3. Gerd schreibt:

    Paris, Nizza, Brüssel, London, Berlin und beinahe Venedig. Welche Argumentation ist hilfreich den Islam auch nur ansatzweise mit der christlichen Religion in Verbindung zu bringen, solange sich Anhänger der islamischen Religion in die Luft sprengen oder mit Fahrzeugen in Menschenmassen rasen?

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