Träumer und Pragmatiker

Joseph war beides. Er handelte nie überstürzt, er überschlief Entscheidungen erst einmal. Er hörte zu, wenn Gott zu ihm sprach. Und er war Handwerker, war ein Mann der Tat. Er war bescheiden, blieb im Hintergrund – und war der Ernährer des Herrn.

Joseph

Er wurde nie von seinem Herrn gefragt,
ob er den sonderbaren Ziehsohn wollte.
Er lernte träumend, wie er handeln sollte –
und blieb bei ihr und hat sich nicht beklagt.

Schon möglich, daß er trauerte und schmollte,
vielleicht von Zorn und Zweifel angenagt.
Doch hat das Ungewohnte er gewagt,
als das verheißne Wort ihn überrollte.

Er richtete, so gut es ging, die Hütte
und legte seinen Mantel auf die Schütte,
damit Maria weich lag und der Knabe.

Er brachte beide durch als Gastarbeiter.
Die Träume blieben seine Wegbereiter.
Vielleicht sah er den Sohn als Gottesgabe.

aus: Lass mich bekennen Deine Mandelblüte. Gedichte, tredition 2015

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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