Zwei Brüder

… und der brave von beiden wird bis heute zu wenig beachtet. Dabei finde ich ihn, den beleidigten Rechthaber, genauso wichtig wie seinen leichtsinnigen und verschwenderischen jüngeren Bruder.

Der eifersüchtige Bruder
Lk. 15,11-32

Die harte Arbeit hab ich gern gemacht.
Hab froh und gut gepflügt, gesät, geschnitten.
Ließ mich um keine Hilfe zweimal bitten,
Hab neues Land und Vieh uns eingebracht.

Ich liebe unsre alten Bauernsitten,
Dies Land, das grün in goldner Sonne lacht.
Ich hab mich mit dem Wildfang nie verkracht!
Er war doch immer bei uns wohlgelitten!

Es hat dem Vater fast das Herz gebrochen,
Als er mit seinem Erbe fortgegangen.
Nun hat ers durchgebracht, kommt angekrochen!

Er wird gefeiert. Ich bin nur Getriebe.
Darf ich, der Immertreue, nichts verlangen?
Und ich verlang doch nichts – nur Vaters Liebe.

aus: Lass mich bekennen Deine Mandelblüte. Gedichte, tredition 2015

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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Eine Antwort zu Zwei Brüder

  1. Gerd schreibt:

    „Kind, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, ist dein.“
    Was für eine Verheißung. Keine Zurechtweisung, kein Tadel, keine Vorwürfe. Der Sohn muss nun erkennen, dass nur beim Vater der volle Besitz garantiert ist.

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