Es gibt da keinen Menschen mit Bewusstsein

Mein voriger Artikel wurde von einem lebhaften Gegner kommentiert.
Weil ich mein Entsetzen irgendwie bewältigen muß, und der Logik zuliebe, nehme ich mir die gegnerischen Argumente genauer vor.
Fairerweise merke ich an: Aus Gründen der Zeit- und Nervenersparnis werde ich dem Kommentator hier keine weiteren Möglichkeiten zum Kommentieren geben; er darf mich meinetwegen anderswo in der Luft zerreißen, aber hier hat er genug gesagt.

Abtreibungen sind immer das letzte Mittel und kein Spaß. Wer das tut hat seine Gründe. Es ist belastend für Körper und Psyche. Aber letztlich muss es jeder selbst entscheiden.

Ginge es auch so? „Gattenmord ist immer das letzte Mittel und kein Spaß. Wer das tut, hat seine Gründe. Es ist belastend für Körper und Psyche. Aber letztlich muß es jeder selbst entscheiden.“
Ob eine Entscheidung leicht oder schwer fällt, ob eine Tat gesundheitsfördernd oder belastend ist, Spaß macht oder nicht sagt absolut nichts über ihre Qualität. Auch die Gründlichkeit und Professionalität der Ausführung sagt nichts darüber. Ob eine Tat gut ist oder nicht, wird allein durch das Ziel der Tat bestimmt. Wenn das Ziel einer Tat die Beseitigung eines Menschen ist, kann sie nicht in sich gut sein.

Es gibt keine ABTREIBUNGSLOBBYISTEN die für eine Abtreibung sind, sondern nur für das Recht auf Selbstbestimmung auch, wenn so gewollt, für eine Entscheidung zur Abtreibung. Das tut dann jeder aber selber und keine Lobby.

Wenn ich „Lobbyisten“ sage, meine ich nicht die Frauen, die – sehr oft von Männern bedrängt – abtreiben. Sondern ich meine die Menschen, die immer wieder für ein sogenanntes „Recht auf Abtreibung“ eintreten. Ich meine die Menschen, die mit nur scheinbar logischen Argumenten – und leider oft mit Erfolg – das Grundrecht auf Leben unterminieren.

Nicht übertreiben, es wird kein Mensch getötet. Es gibt da keinen Menschen mit Bewusstsein und es ist unfair diesen Begriff zu verwenden.

Der Kommentator führt später aus, er meine keinesfalls, ein Dementer oder Komatöser dürfe getötet werden. Er spreche von Menschen, die niemals ein Bewußtsein gehabt haben. Er sei übrigens gegen die Todesstrafe.
Er definiert als Mensch mit Eindeutigkeit nur den bereits geborenen Menschen. Warum ein Mensch in den ersten Monaten nach seiner Geburt (also noch ohne eigenes Bewußtsein) ein Recht auf Leben hat, ein Mensch vor seiner Geburt aber nicht, und zwar mit dem Argument, er habe noch kein Bewußtsein, bleibt ungeklärt. Der Kommentator reagiert allerdings gekränkt, wenn ich sage, mit dieser Argumentation habe ein Frühchen eher Lebensrecht als ein fertig ausgetragenes Kind und müßte Kindstötung nach der Geburt für ihn in Ordnung sein.

Gründe hast du selbst schon genannt. Vergewaltigung, Behinderungen….

Tatsächlich schrieb ich: „Die schwierigen und traurigen Fälle, in denen die Mutter durch Vergewaltigung schwanger wurde oder das Kind oder die Mutter behindert ist, sind oft solche, in denen das Kind trotz aller Widerstände der reizenden Nachbarn behalten wird. Die sogenannte „soziale Indikation“ (für das Kind sehr unsozial!) ist die häufigste.“
Sinnerfassendes Lesen kommt bei Menschen, die an ein Recht auf Abtreibung glauben, ziemlich selten vor.

Dann erwähne ich sowohl die Biologie (Leben beginnt mit dem doppelten Chromosomensatz) als auch das Naturrecht.

Fötus ist nicht Kind! Das mag für dich so sein, ist es aber nicht.
Das Naturrecht und Gesetze die darauf beruhen gehen auf die Griechen/Spartaner zurück. Die haben Kinder mit Behinderungen ganz auf dem Naturrecht basierend im Wald ausgesetzt und nur gesunde groß gezogen. Ein Glück, dass wir das nicht mehr so machen. Sklaven und Frauen waren keine gleichberechtigten Menschen. Menschen, waren nur Männer mit Landbesitz!

Für den Kommentator sind Menschen vor der Geburt keine gleichberechtigten Menschen. Er ist gegen das Aussetzen von Kindern, nicht aber gegen das Töten von kleineren Kindern, und zwar deshalb, weil er diese als Kinder, jene aber als Nicht-Kinder ansieht. Die Entwicklung des Naturrecht-Gedankens ist ihm fremd, weil er die Entwicklung seit dem Beginn des Christentums ignoriert.

Was soll der Quatsch mit den Chromosomen? Die Haare die mir ausfallen haben den auch, ein Krebsgeschwür genau so. Chromosomen können nicht denken, fühlen, die leben nicht einmal für sich alleine.

Ein menschlicher Körper macht tatsächlich Abfallprodukte. Aber ein menschlicher Körper ist kein Abfallprodukt. Was in einer Frau nach der Befruchtung der Eizelle heranwächst, ist nicht Scheiße oder Krebs oder ein Haar, sondern ein Mensch.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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10 Antworten zu Es gibt da keinen Menschen mit Bewusstsein

  1. elisabeth schreibt:

    guter artikel! an der uni salzburg gab (gibt?) es den lehrstuhl für pränatale psychologie, dort kann man mehr erfahren über bewusstsein des vorgeburtlichen menschen.

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ich bin sicher, daß der Mensch in der ersten Lebensphase – als Morula – kein Bewußtsein hat. Nur ändert das rein gar nichts an seinem Lebensrecht.
      Pränatale Psychologie halte ich dennoch für eine hochinteressante Sache; die Sinne setzen ja tatsächlich recht früh ein und mit ihnen das Empfinden. Allerdings stimme ich gripseljagd zu in dem einen Punkt, daß ein Mensch vor (und noch eine ganze Weile nach) der Geburt nicht das hat, was Philosophen „Bewußtsein“ nennen. Was er dennoch hat: Lebensrecht, unabdingbares.

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  2. Herr S. schreibt:

    Ich hatte ja deshalb u.a. auch die in Dr. van Lommel Buch wissenschaftlich beschriebene einschlägige Nahtoderfahrung mit der Seele eines Totgeborenen beschrieben.

    Aber auch dagegen wüsste ein hartnäckiger Atheist wieder Einwände vorzubringen.

    Ich finde, Sie, verehrte Frau Sperlich, aber auch z.B. Herr Bordat auf seinem Blog, räumen dem hier aufgetretenen Widersacher @grispeljagd mit seinen bereits in Ihrem ersten Artikel von Ihnen längst widerlegten aber von ihm trotzdem hartnäckig nochmals gebrauchten „Argumenten“ pro Wahlfreiheit für Abtreibung viel zu viel Raum ein.

    Sie werden solche verbildeten und verblendeten Menschen auch mit guten Argumenten kaum überzeugen können.

    Viel zu viel Ehre, Energieaufwand und Aufmerksamkeit für einen möglichen Troll.

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  3. Herr S. schreibt:

    Kann sein, dass auch so jemand irgendwann zur Einsicht kommt – allerdings kaum durch die Erinnerung an ein vor Jahren geführtes Streitgespräch.

    Ich verstehe Ihre wirklich ehrenwerte Intention,
    aber Sie sind keinesfalls verpflichtet, als Christin „Perlen vor die Säue zu werfen“ [Mt7,6].

    Mich wurmt ein wenig, dass es solchen Leuten oftmals gelingt, ihre kruden Ansichten auf einem christlichen Blog auszubreiten und dem Gegenüber die ausführliche öffentliche Beschäftigung damit quasi aufzuzwingen…

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  4. Chris P. schreibt:

    Ich teile Ihre Position zu diesem Thema, bin aber froh dass hier auch andere Meinungen zu Wort kommen dürfen, solange sie höflich geäußert werden. So kann von der anderen Seite niemand sagen, es werde nicht auf seine Argumente eingegangen. Statt dessen existiert hier sowohl ein Klima der Diskussionsbereitschaft als auch eine feste Überzeugung.

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