Vorwürfe gegen Lebensschützer

Der typische, oft gehörte und gelesene Diskussionsverlauf zum Thema Lebensschutz geht so (alle Argumente der Gegenseite sind mir genau so begegnet):

Ich bin gegen Abtreibung.

Diese selbsternannten Lebensschützer können ja glauben, was sie wollen, aber sollen doch die Frauen in Ruhe lassen!

Ich bin eine Frau, und ich bin dagegen, Menschen vor ihrer Geburt umzubringen. Übrigens ist über die Hälfte der abgetriebenen Kinder weiblich. Ich will aber, daß Frauen in Ruhe gelassen werden.

Das sind keine Kinder, das sind Zellballen.

Das sind Kinder in einem sehr frühen Entwicklungsstadium. Sie haben ab Zeugung einen doppelten Chromosomensatz und eine DNA, beides unverwechselbar.

Den doppelten Chromosomensatz findest du auch in Exkrementen. Tu nicht so, als ob du was von Biologie verstehst.

Exkremente sind nicht identisch mit dem Menschen, der sie absondert. Was in einer Schwangeren wächst, ist nicht Scheiße, sondern ein Mensch.

Kümmert euch doch erst mal um die Kinder auf Lampedusa!

Was hat das jetzt damit zu tun?

Die Geborenen sind euch doch egal. Euch geht es nur um die Ungeborenen.

Ich beherberge seit einem Dreivierteljahr eine Jesidin. Flüchtling aus dem Nordirak.

Ist mir egal, wie du privat lebst.

Du impliziertest gerade, Stichwort Lampedusa, daß Lebensschützer sich nicht um bereits geborene Menschen kümmern.

Du hast ja kognitive Dissonanzen.

Die Pathologisierung von Lebensschützern kommt im Diskussionsverlauf regelmäßig vor, ebenso der Vorwurf, man kümmere sich nicht um Geborene. Der Vorwurf wird gerne illustriert mit einer Forderung, die keiner der Diskussionsteilnehmer erfüllen kann.

Nein, ich kümmere mich in der Tat nicht um „die Kinder auf Lampedusa“, weder um die dort heimischen noch um die knapp geretteten Flüchtlinge. Tatsächlich kümmere ich mich um die meisten Menschen nicht. Das hat einen ganz einfachen Grund – ich kann es nicht. Ich bin genau ein Mensch. Das beinhaltet, daß ich begrenzte Mittel und ein begrenztes Leben habe. Ganz genau wie der Stänker, dem die Kinder auf Lampedusa wahrscheinlich auch so lange keine schlaflosen Nächte bereiten, bis er sie für eine Spitze gegen Lebensschützer instrumentalisieren kann. In dem Moment aber, in dem jemand sagt, daß Leben mit der Zeugung beginnt, wäre es wirklich schade für seinen Gegner, gäbe es kein erhebliches Problem mit ausgezehrt und unterkühlt anlangenden Kindern. Man stelle sich einmal vor, Krieg und Terror wären vorbei für immer, niemand müßte mehr fliehen, in allen Ländern gäbe es für alle eine solide Grundversorgung – und in Deutschland würden immer noch Frauen abtreiben.

Denn das geschähe. Die häufigsten Gründe für Abtreibungen in Deutschland sind nämlich nicht die Fluchtbewegungen auf der Welt, nicht existenzielle Bedrohung – sondern diese:

1. Der Kindsvater will das Kind nicht.
2. Der Kindsvater will das Kind bestimmt nicht, weil er das mit den Nerven nicht schafft und außerdem eh alle Schlampen sind, außer seiner Mutti.
3. Die Frau glaubt, sie schafft das nicht mit diesem Kind, weil sie schon Kinder hat.
4. Die Frau glaubt, sie schafft das nicht mit diesem Kind, weil sie keine Kinder hat.
5. Das Haus ist noch nicht abbezahlt. Außerdem ist zu befürchten, daß die Kinder sich über ein Geschwisterchen gar nicht freuen.

Ich höre solche Gründe immer wieder; sollte irgendeine Leserin sich hier ertappt fühlen, sei ihr gesagt: Das ist kein Geheimnisverrat, das passiert täglich. Die schwierigen und traurigen Fälle, in denen die Mutter durch Vergewaltigung schwanger wurde oder das Kind oder die Mutter behindert ist, sind oft solche, in denen das Kind trotz aller Widerstände der reizenden Nachbarn behalten wird. Die sogenannte „soziale Indikation“ (für das Kind sehr unsozial!) ist die häufigste.

Festzuhalten ist: Sehr viele Frauen, die eine Abtreibung planen, wissen nichts – wirklich gar nichts – über Mutterschutz, über die Aktion Patin für 9 Monate, über Kinder- und Erziehungsgeld und Alimente und über andere Möglichkeiten der praktischen Hilfe und seelischen Unterstützung. Es ist ganz einfach unbekannt.

Und ich rede nicht von armen, ungebildeten, kleingehaltenen Frauen in Entwicklungsländern. Ich rede von Frauen in einem wohlhabenden westeuropäischen Land, mit solider Versorgung, mit Sozialsystem, oft mit Ersparnissen, immer alphabetisiert und mit Internet, mit Schulbildung. Aber vollständig unwissend, wenn es um ihre eigenen Rechte und die Rechte des Kindes geht!

Vorgeworfen wird Lebensschützern, sich nicht um die Frauen, nicht um Geborene überhaupt, sondern nur um Ungeborene zu kümmern. Die beschriebenen Dinge weiß ich aber deshalb, weil ich diesen Vorwürfen nicht entspreche. Ich kenne zahlreiche Lebensschützer, und keiner von ihnen entspricht diesen Vorwürfen.

Die Leute, die Lebensschützern immer wieder alles mögliche vorwerfen, sind keine ungewaschenen Barbaren. Viele von ihnen sind gebildete, hochintelligente Menschen, die ihre Kinder lieben, ihren Nachbarn helfen und Bettlern ein Essen spendieren. Nur wenn es um die Rechte Ungeborener geht und um die Rechte von Frauen, darum, daß Abtreibungen meistens von anderen als der Schwangeren gewollt werden und immer ein himmelschreiendes Unrecht gegenüber dem ungeborenen Menschen sind – dann blenden sie plötzlich alle Klugheit und Menschlichkeit aus. Dann auf einmal haben Menschen im Mutterleib keine Rechte.

Ich wollte es freundlicher sagen, aber

DIESE ABTREIBUNGSLOBBYISTEN KOTZEN MICH AN.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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43 Antworten zu Vorwürfe gegen Lebensschützer

  1. Claudia Leitner schreibt:

    Um ehrlich zu sein bezweifle ich, dass es die oft zitierten „Abtreibungsbefürworter“ überhaupt gibt. Auch wenn man das ungeborene Kind ganz beiseite schiebt, bleibt die Abtreibung ein medizinischer Eingriff, der zumindest sehr unangenehm ist. Niemand, der bei Trost ist wird das wirklich einem anderen „wünschen“. Ihr Punkt mit dem Wissensdefizit finde ich interessant. Man kann das aber aber auch umgekehrt sehen. Vielleicht sind die Frauen einfach zu gut informiert und wissen genau, dass Alimente durchschnittlich 200 Euro im Monat betragen und etwa 25 % der Väter gar nichts zahlen. Oder sie wissen aus ihrem Bekanntenkreis, wie es Frauen geht, die nach der Babypause wieder in den Beruf einsteigen und plötzlich ihren vorher Untergebenen Kaffee servieren dürfen. Die häufigste Grund – wie sie richtig feststellen – ist wohl das Fehlen einer tragfähigen Beziehung. Interessanterweise wird dieser Grund bei verheirateten und unverheirateten Frauen genauso häufig genannt.

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Tja… und das Baby darf es dann ausbaden. Tolle Wurst.
      Ich habe früher auch nicht von „Abtreibungsbefürwortern“ oder „-lobbyisten“ gesprochen, aber in letzter Zeit ist mir in diesem Zusammenhang derartig viel Herzlosigkeit begegnet, daß ich diese Begriffe doch für angebracht halte. Nicht immer, aber immer öfter.

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    • carn schreibt:

      Die Befürwortung steckt implizit im Begriff „Zellhaufen“ drin.

      Denn wenns nur ein Zellhaufen ist, dann ist die einzig ethisch relevante Frage, obs der Frau nun bei Weiterexistenz oder bei Vernichtung des Zellhaufens besser ergehen wird; und das ist eigentlich eine mehr oder minder objektiv betrachtbare Prognosefrage, womit der der „Zellhaufen“ sagt, damit automatisch die Abtreibung in den Konstellation befürwortet, indem eben diese Prognosefrage mehr oder minder eine eindeutige Antwort für Vernichtung hat.

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  2. Rheinisch offen: Der letzte Satz reißt´s heraus!

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  3. Gerd schreibt:

    „Vorgeworfen wird Lebensschützern, sich nicht um die Frauen, nicht um Geborene überhaupt, sondern nur um Ungeborene zu kümmern. Ich kenne zahlreiche Lebensschützer, und keiner von ihnen entspricht diesen Vorwürfen.“

    Wenn gebildete Leute diese „Argumentation“ vertreten, sollte man über den Begriff „Bildung“ etwas differenzierter nachdenken. Wenn es Bildung schafft zwischen Geborenen und Ungeborenen zu unterscheiden, im Sinne das Ungeborenen getötet werden können, dann kann man diese Bildung beruhigt in die Tonne kloppen. Da passt der Bereich Höllisches sehr gut.

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Natürlich schafft das keine Bildung, das behauptet auch niemand. Was ich meine, ist: Menschen argumentieren so unfassbar dämlich, obwohl sie in anderen Bereichen gebildet sind, und zwar in einer Weise, die man keineswegs“in die Tonne kloppen“ soll.

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      • Gerd schreibt:

        Ich habe mich leider undeutlich ausgedrückt, es sollte heißen: „Wenn es diese Gebildeten schaffen zwischen Geborenen und Ungeborenen zu unterscheiden“.

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  4. Herr S. schreibt:

    Ich kann Ihren Frust verstehen.
    Aber, um einem der Vorwürfe der Gegenseite zu begegnen, gerade die Lebensrechts-organisationen wie z.B. die Stiftung “ Ja zum Leben“ kümmern sich ja nicht nur um die ungeborenen Kinder sondern auch um geborene und deren Mütter, und da werden auch Aspekte mit ins Auge gefasst, die Claudia Leitner in ihrem Kommentar berechtigterweise anführt.
    Übrigens ist die Unterstützung und ggf. sogar Mitarbeit von/bei Lebensrechtsorganisationen auch eine mögliche Aufgabe für Frauen – und Männer – mit Abtreibungserfahrung, die das im Nachhinein bereuen und eine gewisse Wiedergutmachung anstreben.
    Dass es sich nicht beim Frühembryo um körpereigenes Gewebe sondern um einen eigenständigen Menschen handelt, dürfte dadurch klar sein, dass sich die DNS des Frühembryos von der der Eltern unterscheidet.
    Das Argument mit dem „Zellgewebe“ oder „Zellklumpen“ statt eine Menschen im Frühstadium kommt immer wieder; manchmal ist es Ausdruck der Verdrängung eigener diesbezüglicher Schuld.

    Ich möchte abschließend auf einen interessanten einschlägigen Artikel zur hiesigen Abtreibungsproblematik mit zahlreichen Kommentaren hinweisen:
    http://papsttreuerblog.de/2017/02/08/vermutlich-dreimal-so-viele-abtreibungen-in-deutschland-als-statistisch-dokumentiert/

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Dank für den Kommentar.
      Der Hinweis auf die DNA des Kindes verfängt leider bei Pro-Choice-Vertretern nicht. Da wird gern alles abgeblockt, was eigentlich bekannt ist – oder es werden in Singerscher Manier Menschenrechte relativiert.

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      • Herr S. schreibt:

        Meine Frau hat mal eine Kollegin, die ihr lautstark mit dem Argument des entfernten „Zellklumpens“ kam, sehr ruhig und voll Teilnahme gefragt:
        „Hast du etwa eigene diesbezügliche Erfahrungen?“
        Die Reaktion des Gegenübers:
        Das Gesicht verfiel und Tränen traten in die Augen und die Antwort war:
        „Ja, DAS darfst du mich nicht fragen…“
        Mag nur ein Einzelfall sein, aber das meinte ich mit verdrängter eigener diesbezüglicher Schuld, die sich, wenn daran – vielleicht unbeabsichtigt – gerüttelt wird, zunächst sehr aggressiv-laut mit den bekannten und erlernten Argumenten zu rechtfertigen versucht.
        Nach unserer eigenen Erfahrung ist Spenden oder sogar aktives Arbeiten für den Lebensschutz für/in den betr. einschlägigen Bewegungen tief befriedigend und persönliche Gewissensruhe verschaffend.

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  5. gripseljagd schreibt:

    Abtreibungen sind immer das letzte Mittel und kein Spaß. Wer das tut hat seine Gründe. Es ist belastend für Körper und Psyche. Aber letztlich muss es jeder selbst entscheiden. Es gibt keine ABTREIBUNGSLOBBYISTEN die für eine Abtreibung sind, sondern nur für das Recht auf Selbstbestimmung auch, wenn so gewollt, für eine Entscheidung zur Abtreibung. Das tut dann jeder aber selber und keine Lobby. Das mag dich Ankotzen, ich finde aber, jeder hat das Recht selbst zu entscheiden was er möchte oder nicht.

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Bei jeder Abtrteibung wird ein Mensch getötet. Gründe hat übrigens auch jeder, der einen bereits geborenen Menschen tötet. Was auch kein Spaß ist und nach Ansicht des Täter das letzte Mittel. Dennoch ist es vermutlich auch in Deinen Augen verkehrt.

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      • gripseljagd schreibt:

        Nicht übertreiben, es wird kein Mensch getötet. Es gibt da keinen Menschen mit Bewusstsein und es ist unfair diesen Begriff zu verwenden. Verkehrt? Jeder hat das Recht auf sein eigenes Leben und seine Entscheidungen. Da kann ich mir schon vorstellen, dass es Entscheidungen gibt sich für einen Abbruch einer Schwangerschaft zu entscheiden bevor es zu spät ist. Gründe hast du selbst schon genannt. Vergewaltigung, Behinderungen…. Mit der Geburt wird vieles anders, da muss man auch bereit für sein. Wenn das Kind dann der „Feind“, der Mensch gewordene Ausdruck für das persönliche Elend ist, ist das auch für Niemanden gut.

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        • Claudia Sperlich schreibt:

          Gripseljagd, nach Ihrer Logik kann man ein siebenmonatiges Kind im Mutterleib problemlos töten lassen (was in Holland und in den USA geschieht), ein siebenmonatiges Frühchen aber nicht.
          Ferner knüpfen Sie „Mensch sein“ an „Bewußtsein“. Das ist widerlich. Es ist deshalb widerlich, weil es unmittelbar, ohne jeden Umweg, zur Legalisierung der Euthanasie führt, wenn solche Menschen wie Sie das Sagen haben. Wie in Holland, wie in den USA und wie in Ansätzen auch schon in Deutschland.

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        • gripseljagd schreibt:

          Nun werden sie mal nicht komisch. Es ist eine Frechheit mir so etwas vorzuwerfen. Ich bin z.B. gegen die Todesstrafe. Was in der USA passiert kann ich nicht beeinflussen. Sieben Monate braucht auch keine Frau die bei Verstand ist sich zu entscheiden.

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        • Claudia Sperlich schreibt:

          Warum werden dann Spätabtreibungen durchgeführt? Sie werden nämlich durchgeführt. Sogar noch später.
          Mit Abtreibungslobbyisten meine ich solche Leute wie Sie. Sie setzen sich voll für ein „Recht“ auf das Umbringen Ungeborener ein. Und sind gegen Todesstrafe? Sehr glaubwürdig… Ich glaube Ihnen sogar, daß Sie das ganz ernst meinen. Nur meine ich es eben auch ernst.
          Und mehr noch: Die Biologie und das Naturrecht – beide älter als wir – meinen es auch ernst.

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      • Claudia Leitner schreibt:

        Ich denke, dass hier die Urteile des BVerfG oft falsch verstanden werden. Wenn dieser sagt, dass dort wo Leben ist, diesem auch Menschenwürde zukommt, dann bedeutet das explizit nicht, dass der Gesetzgeber geborenes und ungeborenes Leben gleich behandeln muss. Das tut er auch – ohne Beanstandung der Verfassungsrichter – nicht. Wenn sich eine Schwangere z.B. jeden Tag betrinkt, dann kann man sie trotzdem nicht wegen Körperverletzung belangen, man kann sie gegen ihren Willen nicht einmal behandeln. Der Gesetzgeber sieht hier also sehr wohl eine Entität zwischen Schwangerer und Kind. Eine gesetzliche Gleichstellung – etwa im Personhood Act – brächte auch eine Menge Probleme mit sich. Letztlich würden sie damit etwas, was sie nur einmal haben zweimal hergeben.

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        • Claudia Sperlich schreibt:

          Offengestanden ist mir die Meinung des BVerfG ziemlich egal.
          Denn das BVerfG könnte durchaus geändert werden. Vielleicht sagt es schon übermorgen: Mensch ist nur ein geborener Mensch. (Dazu wäre zwar eine Verfassungsänderung nötig, aber das ginge ja.)
          Es geht mir hier nicht darum, was Gesetze sagen, sonder darum, was ist. Und weder Biologie noch Naturrecht scheren sich einen Deut darum, was irgendeine Verfassung sagt. Verfassungen, wenn sie gut sind, richten sich am Naturrecht aus, so gut sie können. Nicht umgekehrt.
          Übrigens gilt nach dem Erbrecht ein Mensch ab Zeugung (!) als potentiell erbberechtigt. Das hat einen guten Grund. Angenommen, der Vater stirbt vor der Geburt seines Kindes. Wäre das Erbrecht hier ungenauer, so würde das Kind ohne Erbanspruch gegenüber dem Vater geboren.

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  6. Gerd schreibt:

    „Es gibt da keinen Menschen mit Bewusstsein und es ist unfair diesen Begriff zu verwenden.“

    Woher die Sicherheit? Mal sehr ernsthaft nachgefragt: Wenn ich diese Sicherheit hätte, wäre meine Mutter, als sie aufgrund ihrer Demenz mich nicht mehr erkannte und für Jesus hielt, doch problemlos zu töten gewesen, weil sie ja offensichtlich über kein „gesundes“ Bewusstsein verfügte. Und noch eins: Wenn ein Patient vor einer schweren OP in Narkose versetzt wird, verfügt er ja, zumindest zeitweise, nicht über ein Bewusstsein. Nach ihrer Logik würde sich kein Arzt strafbar machen, wenn er diesen Patienten einfach verbluten lässt, solange er sich in der Narkose befindet.

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  7. gripseljagd schreibt:

    Gerd, deine Beispiele sind doch nicht richtig. Der Fötus hatte nie ein Bewusstsein und ist nicht betäubt, es sei denn die Mutter ist es. Außerdem behauptet doch Niemand, dass alles was kein Bewusstsein hat getötet werden soll oder darf. Wo hast du den Quatsch her? Du überdrehst da völlig.
    Es ist schade, dass sich deine Mutter als Persönlichkeit so aufgelöst hatte, aber das kann uns allen passieren.
    Letztlich geht es darum, dass eine Frau über sich selbst bestimmen kann und darf. Nicht gezwungen werden kann, nur weil sie Frau ist, ein ungewolltes Kind irgendwann auf die Welt zu bringen.

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Und wenn das Kind geboren wird, hat es auch noch lange kein Bewußtsein. Wie sieht es dann aus? Kindstötungen kommen ja immer mal vor. Nach Deiner Logik müssen die in Ordnung sein, denn ein Neugeborenes oder auch ein drei Monate altes Kind hat zwar Instinkte (hatte es bereits im Mutterleib), aber mit ziemlicher Sicherheit nicht das, was wir „Bewußtsein“ nennen.

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      • gripseljagd schreibt:

        Kindstötungen kommen vor, ja in bestimmten Ausnahmesituationen (wir sehen jetzt mal nicht auf Psychopathen, denen sowieso alles egal ist) tun Mütter dieses unmittelbar nach der Geburt. Das ist Traurig und später wird es auch durch diese so wahrgenommen. Aber in der Regel ist bei uns ja keine Mutter alleine und es wird verhindert.
        Diese Kindstötung ist in der Natur gar nicht so unbekannt. Ich selbst habe das bei meinen Tieren schon so erlebt. Bei Tieren Pech bei Menschen tragisch.
        Bei der Entscheidung über die strafrechtliche Konsequenz wird das auch berücksichtigt.

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  8. gripseljagd schreibt:

    Claudia , Biologie und das Naturrecht? was soll das? Tiere töten den Nachwuchs anderer Väter, Löwen tun das, Wahle, Wölfe, der Kuckuck….Die Biologie und die Natur ist da sehr brutal und geht rigoros gegen fremden Nachwuchs vor. Menschen ziehen auch fremde Kinder groß und Männer verlangen nicht, dass eine Frau ihr Kind tötet um nur von ihm alleine Kinder groß zu ziehen. Also lassen wir mal besser die Natur hier beiseite.

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Wir sind aber Menschen.
      Und mit Biologie meine ich die Wissenschaft, die herausgefunden hat, daß bei der Zeugung ein doppelter Chromosomensatz entsteht.
      „Männer verlangen nicht, dass eine Frau ihr Kind tötet…“? Ich berate Schwangere in genau dieser Situation. Mindestens die Hälfte der Abtreibungen geschieht auf Drängen des Mannes.
      Naturrecht ist übrigens ein Begriff aus der Philosophie. Ich dachte, das weißt Du. Ich schrieb „Biologie und Naturrecht“, weil es zwei verschiedene, mir in diesem Zusammenhang aber ähnlich wichtige Dinge sind.

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      • gripseljagd schreibt:

        Fötus ist nicht Kind! Das mag für dich so sein, ist es aber nicht.
        Das Naturrecht und Gesetze die darauf beruhen gehen auf die Griechen/Spartaner zurück. Die haben Kinder mit Behinderungen ganz auf dem Naturrecht basierend im Wald ausgesetzt und nur gesunde groß gezogen. Ein Glück, dass wir das nicht mehr so machen. Sklaven und Frauen waren keine gleichberechtigten Menschen. Menschen, waren nur Männer mit Landbesitz!
        Was soll der Quatsch mit den Chromosomen? Die Haare die mir ausfallen haben den auch, ein Krebsgeschwür genau so. Chromosomen können nicht denken, fühlen, die leben nicht einmal für sich alleine.

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        • Claudia Sperlich schreibt:

          Ich finde mich gerade ein bißchen gemein, diese Aussage von Dir freizugeben. Denn irgendwann wirst Du wahrscheinlich wissen, daß sie weit unter Deinem Niveau ist.
          Mehr von Dir möchte ich hier einstweilen nicht zulassen.
          Von mir gibt es einen Lesetipp:
          Josef Bordat, Das Gewissen.

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        • Ralf schreibt:

          „Fötus ist nicht Kind“. Nun, das sind Zuschreibungen. Ich bin kein Fötus, aber Kind meiner Eltern – und vor dem Gesetz doch schon seit Jahrzehnten kein Kind mehr. Das Problem ist die ungenaue Verwendung biologischer Begriffe und Vermischung derselben mit ethischen Wertungen. Es gibt Hundeföten, Walföten, Katzenföten, Föten aller Säugetiere – und eben auch Menschenföten.

          Der Fötus eines Menschen ist wie der eines Hundes ein Fötus. Beides Föten. Beide gleich? Biologisch: eindeutig nein! Der Hundefötus ist ein Hund im Frühstadium, der Menschenfötus ein Mensch im Frühstadium. Rein biologisch, rein naturwissenschaftlich gesprochen ist die Sachlage eindeutig!

          Beide gleichwertig? Das ist KEINE Frage der Biologie. Und daher auch keine Frage der biologischen Termini.
          Peter Singer bspw. legt es auf die intellektuelle Potenz als Richtwert ab und spricht daher 5jährigen Schimpansen ein deutlich höheres Lebensrecht zu als 1jährigen Menschen oder stark dementiell Erkrankten. Das ist – so schrecklich es für den einen oder anderen sein mag – in sich kohärent. Nur ist dieser Maßstab von ihm frei so festgelegt. Wollen wir dem folgen?
          Wer ungeborenen Menschen das Lebensrecht abspricht, kann dies nicht biologisch begründen, da die biologische Beschreibung über keine Ethik verfügt. Deswegen sind Begriffe wie Zellhaufen, Embryo, Fötus etc. denkbar ungeeignet. Ich kann auch nicht den Wert eines Bildes beurteilen, indem ich physikalische Begriffe der Lichtreflexion der Farben bemühe.

          Selbstverständlich ist prinzipiell der Abtreibungsgegner genauso begründungspflichtig wie der Abtreibungsermöglicher. Nur hat es der erste deutlich leichter, so lange wir das Töten von Menschen im Konsens grundsätzlich für einen verwerflichen Akt halten. Doch machen wir uns nichts vor, dieser Konsens bröckelt in der säkularen Welt zusehends.

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        • Claudia Sperlich schreibt:

          Willkommen, Ralf, und Dank für diesen ausgewogenen Kommentar!

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  9. gripseljagd schreibt:

    Nicht mehr frei schalten? Du hast geschrieben du machst Beratung? Dann müsstest du doch mit Argumenten und Meinungen umgehen können. Du müsstest es aus deiner Arbeit gewohnt sein. Warum dann jetzt den Rückzieher, stimmt deine Aussage nicht?

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  10. Gerd schreibt:

    Wenn jemand die Meinung vertritt, dass Leben erst dann wahrgenommen werden kann, wenn es über ein Bewusstsein verfügt, dann aber die Antwort schuldig bleibt, wann und wo dieses Bewusstsein denn festgestellt werden kann, soll oder muss, erübrigt sich jede Diskussion. Das nervige an solchen Diskussionen ist, dass man verzweifelt nach Vernunft sucht und sie dennoch nicht findet.

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Der Kommentator, auf den Du Dich beziehst, schreibt hierzu: „Du schreibst Quatsch. Eine Mücke die mich sticht nehme ich wahr, auch wenn sie kein Bewusstsein hat. Ich nehme also auch Leben ohne Bewusstsein wahr und habe das nie abgestritten.“
      Da muss man also früher ansetzen, nämlich im Sprachverständnis. Magst Du ihm die Bedeutungsweite des Wortes „wahrnehmen“ erklären? 😉 (Ich habe volles Veständnis, wenn nicht.)

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  11. Pingback: Es gibt da keinen Menschen mit Bewusstsein | Katholisch? Logisch!

  12. Herr S. schreibt:

    Der Fötus ist vom ersten Augenblick an ein Mensch mit einem – zunächst nur aus einer Zelle bestehendem – sterblichen Leib und einer unsterblichen Seele.
    Dass die Seele auch schon beim Fötus im Früheststadium vorhanden ist, bezeugt zumindest für uns Christen dir Begegnung Elisabeths mit Maria: Sowohl Elisabeth selbst als auch ihr 6 monatiger Embryo in ihr erkennen Maria als Muttergottes und die in ihr reifende Leibesfrucht trotz embryonalen Frühstadiums als den HERRN!
    Das wird ein Atheist zwar alles als fromme Legende abtun, aber vielleicht überzeugt solche Menschen das oftmals und auch wissenschaftlich belegte Phänomen der von zahlreichen Menschen (auch unreligiösen) erlebten sog. Nahtoderfahrungen (NTE) vom Vorhandensein einer unsterblichen menschlichen Seele bei jedem Menschen.
    Ich empfehle hier u.a. das zwar recht umfangreiche aber wissenschaftlich seriöse Buch „Unendliches Bewusstsein“ des niederländischen Kardiologen Pim van Lommel.
    Darin sind u.a. zahlreiche Nahtoderlebnisse von unterschiedlichsten Menschen aufgeschrieben.
    Ich erinnere mich u.a. an einen Fall, worin ein Mensch in der NTE seinem als Frühgeburt verstorbenen Geschwister begegnete. Die Seele dieses Geschwisters offenbarte sich eben der Seele des Betreffenden als entsprechend mit ihr verwandt, ohne dass die betr. Seele des die NTE erlebten Menschen vor der Begegnung Kenntnis von der Existenz eines totgeborenen Geschwisters hatte.
    Also:
    Auf ein „Bewusstsein“ kommt es hier nicht an. Die Seele des Menschen existiert unabhängig davon.

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  13. Herr S. schreibt:

    Zum Einstieg in das Thema Nahtoderfahrungen ( NTE ) würde ich die sehr umfassende und gut verständlich geschriebene Darstellung des evangelischen Pädagogen Jörgen Bruhn “ Blicke hinter den Horizont“ empfehlen.

    Fazit darin ist, dass es eine nach dem irdischen Tod weiterlebende Seele gibt
    und viele der aus den Nahtoderfahrungen (NTE) Zurückgekehrten übereinstimmend von ihnen dort widerfahrenen Erlebnissen berichten. 
    Je nach Vordringtiefe in dieses Gebiet gibt es mehr oder weniger von Bruhn als „Mosaiksteine“ bezeichnete Erfahrungen, die die Seelen machen:
    Z.T. sind diese Erfahrungen sogar nachprüfbar, wie akustische Eindrücke oder Erlebnisse der Seele während der sog. „Ausleibigkeit“. Ein Erlebnis der NTE ist die Begegnung – eher die Schau – mit einem sog. „Lichtwesen“, das Bruhn als das „Heilige“ bezeichnet und das von den Menschen je nach ihrem Weltbild zu irdischen Lebzeiten unterschiedlich gedeutet wird. Ich selbst deute es nach den Berichten
    als Jesus Christus selbst.
    Ein weiterer Mosaikstein der NTE ist die übereinstimmend erfahrene
    Botschaft, dass es im irdischen Leben
    einzig und allein auf die [geübte] Liebe und auf den Erwerb von Wissen/Erkenntnis ankomme.
    All das kann ich gut mit meinem christlich-katholischen Glauben vereinbaren und integrieren.Ich stimme weitgehend – jedoch nicht in allem – mit dem erkennbar im liberal-protestantischen Glauben beheimateten Autor Jörgen Bruhn überein (z.B. nicht darin, was seine Einstellung zur Hölle oder den „christlich-altkirchlichen“ Dogmen angeht), aber das gen. Buch ebenso wie auch das von van Lommel empfehle ich wärmstens zu lesen.

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  14. Claudia Leitner schreibt:

    Nun hat auch der bekannte Blogger Josef Bordat das Thema dieses Blogs aufgenommen. Er tut das – wie immer – kenntnisreich und theologisch fundiert. Ich bin nun selbst weder Theologin noch Ethikerin – ich kann deshalb nur aus Sicht der Historikerin und Juristin antworten. Dabei möchte ich mich auf die beiden Karlsruher Urteile BVerfGE 39 und 88 beschränken, die direkt mit dem Schwangerschaftsabbruch zu tun haben. Bei Urteile zählen in der Tat zu den widersprüchlichsten, die deutsche Justiz nach 1945 hervorgebracht hat. Meiner Meinung nach – und ich möchte dabei weder Tröndle noch Isensee zitieren – liegt das einfach daran, dass sie versucht haben, Unlösbares zu lösen. „Jeder“ im Sinne des Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG ist „jeder Lebende“, anders ausgedrückt: jedes Leben besitzende menschliche Individuum; „jeder“ ist daher auch das noch ungeborene menschliche Wesen – so sieht es das Bundesverfassungsgericht – maßgeblich geprägt von Ernst Benda – 1975. Gleichzeitig heißt es ein paar Absätze später: Der Gesetzgeber ist grundsätzlich nicht verpflichtet, die gleichen Maßnahmen strafrechtlicher Art zum Schutze des ungeborenen Lebens zu ergreifen, wie er sie zur Sicherung des geborenen Lebens für zweckdienlich und geboten hält. Wie ein Blick in die Rechtsgeschichte zeigt, war dies bei der Anwendung strafrechtBVerfGE 39, 1 (45)BVerfGE 39, 1 (46)licher Sanktionen nie der Fall und traf auch für die bis zum Fünften Strafrechtsreformgesetz gegebene Rechtslage nicht zu. Und das traf auch aus guten Gründen nicht zu. Denn letztlich ließe sich eine rechtliche Gleichbehandlung von geborenem und ungeborenem Leben praktisch nur durchsetzen wenn man die Menschenrechte von Frauen einschränkt.

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  15. Mom schreibt:

    Im Prinzip kann man die Diskussion abschließen. Die Argumente sind ausgetauscht, letztlich glaubenssache und damit nicht wirklich an die gegenseite vermittelbar. Ich halte die fristenlösung nach deutschem modell für gut vertretbar und sehr hilfreich und bereue es persönlich immer mehr, eine ungeplante Schwangerschaft nicht abgebrochen zu haben. Ich wuerde nie wieder ein ungewünschtes kind zur welt bringen,wenn schon abzusehen ist, dass die negativen stressoren so stark sein werden, dass das kind bis ins erwachsenenalter schäden davonträgt. Und das Engagement diverser Hilfsorganisationen in allen ehren, soviel geld und zeit hat keiner, um in allen schwierigen fällen über Jahren zu unterstützen.

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Daß aber ein Mensch getötet wird bei einer Abtreibung, hat mit Glauben gar nichts zu tun, sondern mit biologischem Wissen. Es ist einfach nicht zu ändern, daß eine befruchtete Eizelle einen doppelten Chromosomensatz zur Folge hat.
      Das Argument „Lieber töten als nicht richtig lieben“ höre ich immer wieder, und ich verstehe es immer weniger. Denn es impliziert, daß Tod besser ist als ein Leben mit Schwierigkeiten, und daß man schon vor der Geburt die nicht zu bewältigende Größe der Schwierigkeiten besser absehen kann als der Betroffene – das Kind – es je wird können. Das finde ich bizarr.

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    • Herr S. schreibt:

      Die Lebensschutzorganisationen in Deutschland sind ausschließlich spendenfinanziert.
      M.W. hat z.B. 1000plus derzeit lediglich 30000 Spender.
      Trotzdem bewegen sie schon jetzt enorm viel.
      Gehen Sie mal auf deren Homepage…

      Würde es eine millionenfache breite Volksbewegung hierfür geben und staatliche
      Gesetze und Förderungen hin zu einer familienfreundlichrenen Kultur des Lebens verändert werden, so wäre noch ungemein mehr an Hilfen für die Betreffenden möglich.

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