Frauen, lasst Euch nicht erpressen!

Seit einiger Zeit bin ich Mitglied in einer geschlossenen facebook-Gruppe, die Fragen zum Thema Abtreibung beantwortet. Die Gruppe ist christlich orientiert, und wir versuchen, oft mit Erfolg, Frauen Mut zum Kind zu machen. Es melden sich auch Frauen, die eine Abtreibung lange hinter sich haben und sich selbst nicht verzeihen können, und auch da gilt es, zu helfen.

Die Hilfe, die diese Gruppe leisten kann, besteht vor allem in zweierlei: Ermutigung und Aufklärung über die Rechte, die eine Mutter in Schwierigkeiten hat.

Das Mutterschutzgesetz schützt Schwangere vor Kündigung, auch wenn sie noch in der Ausbildung sind. Kinder haben immer einen Anspruch auf Kindergeld. Männer haben für die von ihnen gezeugten Kinder Alimente zu zahlen, wenn sie nicht mit der Mutter zusammenleben. Jeder Mensch, auch eine unverheiratete Mutter, wird durch Gesetze vor Verleumdung und übler Nachrede geschützt – notfalls können junge Mütter auch gegen die Erzeuger ihrer Kinder gerichtlich vorgehen.

Dazu kommen Hinweise auf gute professionelle Beratung, z.B. bei

Kaleb
Die Birke
Endlich wieder leben!
Rahel e.V.

und in vielen anderen Gruppen; auf der Kaleb-Seite wird man unter „Hilfreiche Adressen“ fündig.

Ich habe als Administratorin einer mit etwas über dreihundert Mitgliedern überschaubaren facebook-Gruppe täglich mit Frauen zu tun, die erpresst werden. Und zwar nicht mit bildungsfernen, bettelarmen Frauen aus Ländern, in denen die Unterdrückung von Frauen üblich ist, sondern mit deutschen Frauen, die von deutschen Männern emotional und wirtschaftlich erpresst werden und das mit sich machen lassen. Ich wage es, daraus zu schließen: Es geschieht täglich hunderte von Malen in Deutschland. Frauen werden von Männern erpresst, um ihre Kinder töten zu lassen. Dies ist wahrscheinlich der häufigste Grund für Abtreibung.

Wenn du das Kind nicht wegmachen lässt, verlasse ich dich! Wir können uns das nicht leisten! Ich will kein Kind! Du bist gegen meinen Willen schwanger geworden! Ich halte das nervlich nicht aus! – Allen Ernstes, das sind  Argumente von Männern. Ich erfahre sie von Frauen, die das Kind eigentlich wollen, aber nun verzweifelt sind, weil die Erzeuger („Väter“ mag ich sie nicht nennen) auf Tötung des Kindes bestehen.

Männer!
Eure Partnerin war Euch gut genug für das Vergnügen im Bett. Jetzt gibt es Konsequenzen, und Ihr wollt sie nicht tragen? Ihr „könnt es Euch nicht leisten“ in einem wohlhabenden Land mit Kindergeld, weil Ihr lieber nicht auf Auto, Haus und Urlaub verzichten wollt? Ja, das sind Argumente, ich habe sie gelesen.
Ihr wußtet nicht, daß keine Verhütungsmethode (außer Abstinenz) hundertprozentig sicher ist? Erzählt mir nichts, Ihr hattet Biologieunterricht.
Ihr ertragt die Schwangerschaft nervlich nicht? Müsst Ihr auch nicht. Denn ertragen muss es Eure Partnerin. Falls Ihr dabei dick werdet, fresst und sauft halt weniger. Und vor Schwangerschaftsstreifen seid Ihr gewiss sicher.
Seid einfach Männer. Angeblich hat das ja mit Mut zu tun.

Frauen!
Euer Partner ist nicht ein schützenswertes Sensibelchen, auf das Ihr ständig Rücksicht nehmen müsst, auch um den Preis eines jungen Lebens. Euer Partner ist auch nicht im Grunde gut, nur mit der Schwangerschaft halt überfordert.
Euer Partner ist noch nicht mal ein Partner. Er ist einfach ein notgeiler Erpresser. Schmeißt ihn raus.

Liebe Männer, liebe Frauen, kommt endlich raus aus dem Muff des 19. Jahrhunderts, dieser üblen Dunstwolke, unter der die Emanzipation keine Luft mehr bekommt. Lasst Euch nicht weismachen, Abtreibung sei etwas anderes als die Tötung eines unschuldigen Menschen. Schon gar nicht, Abtreibung habe mit Befreiung der Frau zu tun.

Werdet erwachsen. Und lasst erwachsen werden.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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7 Antworten zu Frauen, lasst Euch nicht erpressen!

  1. Andreas Topp schreibt:

    Hallo Claudia,

    super Artikel! Deine Ansage an die Männer gefällt mir sehr!

    Herzliche Grüße Andreas

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  2. Christian schreibt:

    Drum prüfe, wer sich mit wem ins Bett legt…

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  3. Chris P. schreibt:

    Mein Respekt für Ihren Einsatz.

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  4. Herr S. schreibt:

    Hinweisen auf überkonfessionelle christliche Hilfestellen für Frauen im Schwangerschaftskonflikt möchte ich hiermit:

    Stiftung „Ja zum Leben“

    sowie auf die Internetplattform

    „Vorabtreibung.net“ der Aktion 1000plus,

    wo sich schwangere Frauen anonym von fachkompetenten Beraterinnen über Möglichkeiten beraten lassen können, wie sie ihr Kind bewahren und Austragen können.

    Sog. Beratungsschein werden dort NICHT ausgestellt.

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