Es begab sich. Ja.

Eigentlich wollte ich die drölfzigste historisch-kritische (in Wahrheit weder historisch bewanderte noch kritikwürdige) Auslassung widerlegen zu dem ewigen Thema, warum Jesus angeblich nicht geboren, oder nicht in Bethlehem geboren, oder nicht von der Jungfrau Maria geboren, oder nicht als Sohn Gottes geboren sei. Ich wollte das besonders deshalb, weil sie in einem katholischen Pfarrblatt erschienen war (zum Glück nicht in meiner Gemeinde).

Schon wetzte ich die Tastatur und lud das Magazin mit Griechischwörterbüchern und soliden Argumenten.

Da hörte ich eine Stimme, die sprach also zu mir:
Tochter, wie oft hast du jetzt anderen Leuten erklärt, was Ich gesagt habe?

Und ich antwortete:
Ich weiß es nicht, Herr, aber es war sehr oft.

Da sagte die Stimme wiederum zu mir:
Siehste. Lass es doch einfach mal bleiben. Komm zu meinem Geburtstag.

Und ich antwortete und sprach:
Aber, Herr, diese Torfköppe müssen doch endlich mal lernen, daß es eben Dein Geburtstag ist, und daß Du der Herr und Erlöser bist, und das mit Betlehem und den Engeln und Hirten und so.

Da lachte die Stimme und sprach:
Lass es gut sein, Tochter! Was das Schreiben angeht, so wird ja deine nächste Kolumne am 5. Januar auf kath.net erscheinen. Heute Nacht aber lass uns feiern!

Und so gehe ich zur letzten Messe im Advent, lasse mich stärken durch Sein Wort und Seinen Leib, knie danach vorm Tabernakel, gehe nachmittags zum Krippenspiel und freue mich mit Ihm an den Kindern, die Seine früheste Erdenzeit nachspielen, gehe zur Christmette in froher Feierlichkeit und denke zwischendurch:

Liebe vom 19. Jahrhundert geprägten historisch-kritisch-besserwisserischen Leugner der Göttlichkeit Jesu, Ihr seid mir lieb und wert, ich will auch für Euch beten, aber im übrigen lasst mich einfach Weihnachten feiern. Der Herr ist geboren, Halleluja! Er hat uns erlöst, Halleluja! Vertraut Ihm, lest ein paar gute Bücher, singt Weihnachts- und Osterlieder, freut euch im Herrn!

Ich habe mich oft genug in die Schar der Apologeten eingereiht, und ich habe meine Sache nicht ganz schlecht gemacht. Nun aber bin ich so voll Weihnachtsfreude, daß kein Platz mehr ist für die Lust, mit Kritikastern zu diskutieren, die auf sachlich richtige und klar vorgebrachte Argumente nichts zu zitieren wissen als die immergleichen biedermeierlichen Schulmeister, auf deren Schultern stehend sie glauben, in den Himmel zu reichen und ihn von allen Mysterien reinigen zu können.

Sie langen nicht hin, und sie können es nicht. Denn was sie auch sagen mögen: Jesus, der Christus, der Heiland, ist in Bethlehem geboren als Sohn Gottes und der Jungfrau Maria, und Engel haben es den Hirten verkündet.

Quod scripsi, scripsi.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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5 Antworten zu Es begab sich. Ja.

  1. Christian schreibt:

    In diesem Sinne Fröhliche Weihnachten
    wünsche ich Dir, Christian

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  2. Chris P. schreibt:

    Sind Sie skeptisch, was die gesamte historisch-kritische Methode angeht, oder beklagen sie lediglich extreme Auswüchse?

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Letzteres. Ich habe Sympathie für die Forschung, die sich ehrlich darum bemüht, die säkulare und religiöse Umgebung Jesu möglichst genau zu erforschen. Auch literarische Vergleiche haben ihre Berechtigung.
      Allerdings scheinen mir die Auswüchse überhand zu nehmen, oder mindestens werden sie lauter propagiert.

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      • Chris P. schreibt:

        Ich denke auch, dass die Bibelauslegung von den inzwischen entwickelten Methoden der Geschichtsforschung profitieren kann. Kann mir aber auch vorstellen, dass das 19.Jahrhundert mit seiner Neigung zum Positivismus in manche Ergebnisse seine eigene, zeitbedingte Prägung einfließen lässt, was auch für heutige Deutungen, die in einem immer säkularisierteren Umfeld entstehen, gelten dürfte. Da kann ich schon verstehen, dass man anfängt, die historisch-kritische Methode historisch und kritisch zu durchleuchten. 😀

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