Ein Gelübde

Die katholische Kirche kennt neben Ordens- Weihe- und Ehegelübden auch persönliche Gelübde. Hier verspricht der Gläubige – und zwar freiwillig und ohne jeden Druck – entweder eine Sache oder eine Tat oder Lebensweise. Gültig und damit bindend ist ein Gelübde dann, wenn es im Einklang mit dem katholischen Glauben steht, frei und überzeugt von einem Menschen mit ausreichender Vernunft abgelegt wird und weder innere noch äußere Gründe dagegenstehen (also Vernunft und Glaube für die Beurteilung dieses Gelübdes hinreichen und keine Hindernisse im Weg stehen).

Von einem privaten und ohne Zeugen im Gebet abgelegten Gelübde kann jeder Priester in der Beichte befreien. Es gibt aber auch das öffentliche und feierliche Gelübde – das wird vor einem Priester abgelegt. Davon kann nur der Papst entbinden.
Nachzulesen ist das im CIC, Buch IV, Titel 5, Kapitel 1, Can. 1191-1198.

Genau dies habe ich heute in St. Lambertus nach der Heiligen Messe vor Priester und Gemeinde getan.

Nach Kreuzzeichen und Vaterunser fragte der Priester, ob dies Gelübde „ein freiwilliges und überlegtes, mögliches und Gott gemachtes Versprechen sei, dessen vorsätzlicher Bruch einer sakrilegischen Sünde gleichkommt.“

Ja!

Dann kniete ich vorm Tabernakel nieder und sagte:

Ich gelobe, über die Zeit von drei Jahren – von heute an – keusch zu leben, dem Herrn und der Kirche gehorsam, in evangelischer Armut so besitzend, als besäße ich nicht,
täglich an der Heiligen Messe teilzunehmen,
täglich wenigstens eine halbe Stunde lang in Anbetung zu verharren, entweder vor dem Tabernakel oder bei der Eucharistischen Anbetung,
häufig, das heißt mindestens einmal im Monat, das Sakrament der Versöhnung zu empfangen.

Nun gab er mir den Segen, und wir beteten das Ave Maria.

Habe ich mich nun zu etwas gezwungen, mich in eine selbstgemachte Unfreiheit begeben? Ganz im Gegenteil. Ich habe bestätigt, was ich privat schon vor längerer Zeit gelobt habe und praktiziere. Ich akzeptiere nur einen Herrn – den aber liebe ich so, daß ich ganz bei Ihm sein will. Ihm will ich dienen. Kein anderer darf über mich verfügen. Eigentlich habe ich gelobt, genau das zu tun, was ich am liebsten tue.

Natürlich habe ich mich gebunden. Vielleicht wird es auch Tage geben, an denen die Versuchung groß ist, fernzubleiben. Aber gegen Versuchungen gibt es ja das Mittel des Gebetes. Viel öfter werde ich auch weiterhin einfach glücklich sein über genau das, was ich gelobt habe.

Auf den Rat eines weisen Dominikaners hatte ich beschlossen, dies Gelübde zunächst auf drei Jahre zu beschränken. Ich kann es nach Ablauf dieser Zeit erneuern – und dann für immer. Danach sehne ich mich.

Wie sich das gehört, gab es hinterher noch den säkularen Teil – ich lud den Priester und meine lieben Freunde Suse und Tobias auf einen Kaffee ein.

Und wieder einmal gibt es das Wesentliche auch als Sonett:

Gelübde

Mein Jesus, Dir allein will ich gehören,
Gehorsam, arm und keusch will ich Dir dienen,
Will knien vor Dir, von Deinem Licht beschienen,
Will Dir bekennen, Dich bekennend hören.

Und will die Welt mit arroganten Mienen
Und seichten Spiegelungen mich betören,
Nimm weg die Geister, die den Geist verstören,
Bekehre uns. Gib Frieden, Herr, auch ihnen.

Mein Heiland, keinen andern will ich haben!
Aus Dir entspringen alle meine Gaben,
Die Lebenskraft aus frischem Wurzeltriebe.

Ich weiß schon, Herr – ich nütze keinem Orden.
Ich bin nur Dichterin, sonst nichts geworden.
Und doch gelobe ich – weil ich Dich liebe.

© Claudia Sperlich

Ich bin glücklich!

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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12 Antworten zu Ein Gelübde

  1. C.Becker schreibt:

    Wie schön!

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  2. petra ulbrich schreibt:

    Gott sei mit dir und dein Mittelpunkt. Es ist schön zu lesen, wie es dich erfüllt.

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  3. Chris P. schreibt:

    Meinen Glückwunsch zu Ihrem Gelübde.

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  4. meckiheidi schreibt:

    Wie mutig du bist! Ich gratuliere dir und wünsche von Herzen Glück und Gottes reichen Segen.

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  5. Claudia Sperlich schreibt:

    Herzlichen Dank allen Gratulanten!

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  6. Rheinische Glück- und Segenswünsche!

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  7. Sharela schreibt:

    Herzlichen Glückwunsch und Gottes Beistand für die Erfüllung des Gelübdes!

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  8. In großem Respekt zieh ich den Hut vor Dir und wünsche Dir den Beistand, die Führung und den Segen des Ewigen. Er lasse sein Angesicht leuchten über dir und bestärken Dich täglich in der Gewißheit, das Richtige getan zu haben! Sei und bleib behütet allezeit! Ganz lieben Gruß vom ollen, grauen Wolf aus dem Land am Meer.

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  9. DieTheologin schreibt:

    Erinnert mich an eine Art „privates“ Gelübde, im Gebet, nur mit Jesus abgesprochen: Wenn es dir gefällt, will ich nur dir gehören. Das war auch lange so. Und es war gut. Und dann trat der eine Mann in mein Leben, von dem ich glaube, dass er „mein“ Mann ist. Und es ist auch gut. Es macht die Zeit davor nicht wertlos. Es gab Zeiten, da dachte ich, ich kann niemals einen anderen „neben“ Jesus lieben. Jetzt merke ich, dass ich ihn IN Jesus lieben kann. Gottes Segen für deinen Weg.

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