Rabourdin, die Vendée und ein Dokudrama

Der Film The Hidden Rebellion (original: La Rébellion Cachée) des französischen Filmemachers Daniel Rabourdin kann als Stream oder auf DVD gesehen werden.

Die Bürger der Vendée, zumeist Bauern und Handwerker, verteidigten ihren Glauben und den König gegen die Revolutionsgarden. Es ging ihnen unter dem fortschrittlichen und menschenfreundlichen Louis XVI. gut. Die Revolutionäre verlangten von ihnen Verleugnung ihres Glaubens, Abgabe von hohen Steuern und Beteiligung aller wehrfähigen Männer an den Kämpfen – auch mitten in der Erntezeit. Die Vendéer weigerten sich.

Sie waren tapfere Kämpfer und hatten zunächst Erfolge. Aber dem Schreckensregime waren sie nicht gewachsen. Der größte Teil der Vendéer – Männer, Frauen, Kinder – wurde guillotiniert, erschossen, erschlagen, ertränkt, verbrannt. In französischen Schulbüchern kommt das nicht vor. Die Täter werden immer noch mit Straßennamen geehrt, die Opfer sollen vergessen werden. Auch in Deutschland ist zwar die französische Revolution, nicht aber der Widerstand der Vendée Unterrichtsstoff. Zu Recht spricht der Historiker Reynald Secher von einem Memorizid, einem Mord an der Erinnerung.

Der Katholik Daniel Rabourdin hat diesen Film ohne eigene Mittel gemacht. Er hat, um Geld zu sparen, seine Wohnung aufgegeben, in einem Zelt gelebt und die Versicherung gekündigt. Er hat Laien dafür gewonnen, unentgeltlich als Schauspieler mitzumachen – und die Laien spielten mit professionellem Können.

Der Film ist dokumentarisch – Historiker sprechen, zeitgenössische Bilder und Karten werden gezeigt – und zugleich mit eindrucksvollen spielfilmartigen Szenen. Der Terreur wird dabei einerseits sehr genau gezeigt, andererseits hausiert Rabourdin nicht mit Scheußlichkeiten. Das Fallbeil wird in Bewegung gezeigt, man hört das Sausen und sieht die blutgetränkte Schürze des Henkers – aber man sieht keine abgeschlagenen Köpfe. Die Frau, deren Kind vor ihren Augen ermordet wird, sieht man, das Bajonett des Revolutionärs auch – alles Weitere darf man sich selbst ausmalen, und das ist hart genug. Der Film ist an keiner Stelle voyeuristisch, er lässt uns weinen, aber nicht erbrechen. Auch liegen allen Szenen gut dokumentierte Tatsachen zugrunde. Erhaltene Aussagen von Vendéern werden zitiert.

Als kleines Manko empfinde ich, daß der Film die Vendéer allzu gut darstellt. Denn es hat zweimal Vergeltungsmaßnahmen gegen Revolutionäre gegeben. Eine weitere wurde vom Kommandanten Maurice d’Elbée verhindert. (Damals waren Revolutionäre in einer Kirche gefangengehalten, die Bauern wollten sie für ein kürzlich verübtes Massaker mit dem Leben bezahlen lassen. D’Elbée befahl den Vendéern, das Vaterunser zu beten, und sagte darauf, wenn sie „wie auch wir vergeben“ gebetet hätten, so müssten sie das auch tun. Sie hörten auf d’Elbée. – Was für eine Filmszene hätte daraus werden können!)

An den Vendéern wurde nicht „nur“ eine Reihe von Massakern verübt. Es war ein Völkermord, wie der Film deutlich zeigt. Die offen – auch schriftlich – erklärte Absicht der Revolutionäre war die vollständige Vernichtung der Vendéer.

Großen Eindruck hat mir ein französischer Historiker gemacht, der anfangs sagt, er glaubt nicht an Gott – und dann kenntnisreich aufzeigt, daß religionsfeindliche Systeme regelmäßig in die Katastrophe führen. Diese feine Unterscheidung zwischen „Ich glaube nicht an Gott“ und „Du darfst nicht an Gott glauben“ wünsche ich mir von vielen.

Rabourdin hat den Vendéern ein Denkmal gesetzt. Das französische Fernsehen ist einstweilen nicht daran interessiert, dies Denkmal zu zeigen. Gut, daß wir Dank moderner Technik auf ein tendenziöses, atheistisch und wissenschaftsfeindlich geprägtes Fernsehen nicht angewiesen sind!

The Hidden Rebellion sollte im Geschichtsunterricht gezeigt werden, und wer immer über die großen Errungenschaften der französischen Revolution spricht, müsste verpflichtet werden, diesen Film zu sehen.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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3 Antworten zu Rabourdin, die Vendée und ein Dokudrama

  1. Diesen Film gibt es nicht auf Amazon…. soviel zur Meinungsfreiheit

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  2. Gertie S. schreibt:

    Ist davon auszugehen, dass es in Bälde eine deutsche Synchronfassung geben wird? Und was müsste man anstellen, um eine Solche zu produzieren?

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Das weiß ich nicht. Am besten wendest Du Dich auf Facebook an Daniel Rabourdin (auf Französisch oder Englisch oder auch auf Deutsch, der kennt genug Leute zum Übersetzen und kann, wenn ich mich recht entsinne, auch ein wenig Deutsch).

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