Kein Gebet geht ins Leere

Wir beten für die Armen Seelen, und wir wissen doch nicht, ob der Mensch, für dessen Seele wir jetzt beten, überhaupt im Purgatorium ist. Vielleicht ist er ja längst in Gottes Herrlichkeit angekommen. Oder – leider nicht auszuschließen – er hat sein Heil verscherzt und ist in einem weit schlimmeren Zustand als die Armen Seelen.

Gott aber hört unsere Gebete, da bin ich sicher – und Er wird aus jeder aufrichtigen Bitte um etwas in sich Gutes (z.B. das Seelenheil eines Menschen) auch etwas Gutes machen (z.B. das Seelenheil eines anderen Menschen).

Glücklicherweise gibt es viele Menschen, bei denen ich mir ganz sicher sein darf: Die sind bei Gott! Für ungezählte Heilige haben wir gestern gedankt. Heute beten wir für die, die auf dem letzten Wegabschnitt zur Heiligkeit sind. Und weil Gebet etwas ganz Anderes ist als Magie, können wir ausschließen, daß unsere Gebete etwas Falsches bewirken. Weil Gott Gott ist, können wir ausschließen, daß sie ins Leere gehen.

Meinem Vater zu Allerseelen

Wie ein Niegewesen
kreist der blaue Ball
Zeichen ungelesen
stumm im leeren All

Martin Sperlich

Gesucht und nicht gefunden
die Wahrheit im Menschenleben.
Hat vielen vieles gegeben,
ist ganz und gar mir verschwunden.

Ich weiß nicht, wo er gelandet.
Hat Gott ihn zu sich genommen?
Wird er noch zu Ihm kommen?
Oder ist er gestrandet?

Es geht nicht ums Wiedersehen,
um meine Sehnsucht gehts nicht.
Aber es geht um das Licht –
es geht um das Auferstehen.

Die fromme Mutter geflohen,
er selbst vom Führer verführt.
Dann hat er das Unrecht gespürt
und bereut – man musste nicht drohen.

Hat Wahrheit in Bildern gesehen
und Stückwerk fürs Ganze gehalten.
Er liebte geschaffne Gestalten
und lehrte mich, Kunst zu verstehen.

Ein Heiliger war er zwar nicht.
Doch treu und tapfer im Tragen
von schweren und schönen Tagen.
Sei ihm gnädig, Herr, im Gericht.

© Claudia Sperlich

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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