Allerheiligen wird heut feierlich begangen

… so dichtete es der Archipoeta. Was die Heiligen sind und was nicht, erklärt Josef Bordat.

Über einige der unzähligen Heiligen  habe ich gedichtet – man kann das in dem Büchlein Lass mich bekennen Deine Mandelblüte nachlesen (und nächstes Jahr in einem weiteren Gedichtband).

Die Kirche weiß, daß es viel mehr Heilige gibt, als sie offiziell heiliggesprochen  hat. Denn bei einer Heiligsprechung wird nicht gemacht, daß jemand heilig ist, sondern die längst bestehende Heiligkeit bestätigt. Im Grunde sagt die Kirche durch die Heiligsprechung nur: Schau an, dieser Mensch ist heilig – wir ahnten es schon, und nun sagen wir es offiziell.

Heute stelle ich einen vor, der weder selig- noch heiliggesprochen ist, aber in der Urgemeinde war und Paulus hörte – wenigstens den ersten Teil einer langen Predigt. Ich glaube, auch Eutychus ist in der Schar der Heiligen, und vermutlich hat auch jeder Kirchgänger schon Predigten erlebt, bei denen die Anrufung des Hl. Eutychus sinnvoll wäre.

Eutychus
Apg. 20,7-11

Ich wollt ihn hören! Er war groß im Lehren.
Der Tag war heiß. Die Arbeit war beschwerlich.
Ich ging trotzdem, vom neuen Weg begeistert.
Ich kam ein wenig spät. Der Raum war voll.
Ein freier Platz war noch im Fensterrahmen,
Die frische Luft ließ Müdigkeit verfliegen.

Er sprach so stark vom Herrn, vom Auferstandnen!
Der nur die Liebe ist, Er fordert Liebe,
Der uns vergibt, will, daß auch wir vergeben.

Er sprach so viel vom Herrn und Seinen Wundern.
In meinem Kopf vermengten sich die Mühen
des Tages mit den Wundern voller Liebe.
Auf Wasser gehn und Stürme stillen, heilen,
und Brot und Wein vermehren und verteilen –
ich sah Ihn lächelnd meine Lasten tragen.

Und Paulus sprach, nun leiser, vom Geheimnis
des Glaubens und von Blut und Wein und Leben,
von Opfer, Kreuzestod und Auferstehung.

Geheimis unsres Glaubens – Blut und Wein…
Die Arbeit war vollbracht – von Ihm, nicht mir…
Die Arbeit meines Tages – schwer und nichtig…
In meinem Geist vermengten sich die Worte
mit aller Last des Tages, aller Mühe
und aller Freude. Augen fielen zu.

Im Fallen dann ein jäher wacher Schreck,
dann Schmerz – und dann ein langer dunkler Gang,
am Ende helles Licht und Er im Lichte.

Und dann benommenes Erwachen. Paulus hielt mich,
in seinen Augen etwas wie Entsetzen
und etwas wie Erleichterung und Freude.
Die Freunde standen um uns, stumm vor Schrecken,
und jubelten, als Paulus sprach: Er lebt!
Und ja – ich lebe. Jesus sei gepriesen!

© Claudia Sperlich

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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