Das kleinere Übel

Man könnte die Beseitigung von Menschen, die einem wirklich ernstlich im Weg stehen, legalisieren. Es gibt ein Recht auf ungestörtes Leben und ungetrübtes Glück, und wenn irgendjemand dem massiv im Wege steht, muss er weg.

Eltern, Geschwister, Verwandte, Nachbarn sind ja in der Tat zuweilen echte und bleibende Behinderungen des eigenen Glücks, belastend, gar bedrohlich. Es ist ein Akt der Notwehr, sie zu entfernen.
Nun ist das den meisten Menschen nur schwer und unter großer Gefahr für das eigene Leben möglich. Gar nicht so selten wurden Menschen selbst schwer oder gar tödlich verletzt beim laienhaften Versuch, andere zu töten. Deshalb ist es notwendig, gut ausgebildete Killer dafür einzusetzen. Um der sozialen Gerechtigkeit willen darf das den Antragsteller nichts kosten, sondern muss als Kassenleistung gewährt werden. Um Mißbrauch vorzubeugen, beschränkt der Gesetzgeber das Recht auf Tötung auf den Verwandtenkreis ersten und zweiten Grades sowie die Nachbarn in höchstens achthundert (in Härtefällen: tausend) Meter Wohnumkreis.

Stellen Sie sich vor, man erlaubt das nicht. Oder man erlaubt es, aber der Antragssteller muss selbst zahlen. Dann werden die Reichen einen Fachmann beauftragen, der die Arbeit professionell, aber für ein Heidengeld erledigt (bei Illegalität noch teurer), und die Armen machen es selber oder beauftragen einen billigen Pfuscher – das bedeutet Lebensgefahr für den Auftraggeber, ebenfalls hohe Gefahr für den Ausführenden und womöglich vermeidbare Quälerei für das Opfer. Es gibt sogar Überlebende solcher Prozeduren!

Auch das Modell, den Antragsteller einer Pflichtberatung zu unterziehen, die ihn stigmatisiert und nur von seiner Not ablenkt, ist verwerflich, weil es den Antragsteller mit dem Makel der Illegalität behaftet.

Viel besser ist es doch, man legalisiert es, lässt nur staatlich geprüfte Killer zu und rechnet über die Krankenkasse ab. Echte Profis tun dem Opfer auch gar nicht weh. Und schließlich wäre es für die Verwandten und Nachbarn ja auch kein schönes Leben, wenn sie ungeliebt sind.

Finden Sie diesen Vorschlag schlecht?
Ich auch.
Finden Sie, bei Ungeborenen sollte ein vergleichbarer Vorschlag verwirklicht werden?
Ich nicht.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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