Offener Brief an Ansgar Mayer

Der Direktor der Abteilung Medien und Kommunikation des Erzbistums Köln, Ansgar Mayer, lamentiert auf seinem facebook-Auftritt über die „rechtskatholische“ Lebensschützerbewegung und entblödet sich nicht, sein Lamento durch eine Graphik zu untermauern. So böse ist also der Marsch für das Leben! Solche Leute sind dabei! Seht selbst:

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Den Ursprung dieser Graphik hat er nicht verraten. Es ist ein Artikel, der von Galle über den Marsch für das Leben trieft.

Sehr geehrter Herr Mayer,
die Graphik, die Sie zur Verdeutlichung Ihrer Position auf facebook gezeigt haben, stammt aus einem Artikel, der gelinde gesagt unkatholisch ist, in härteren Worten: Von keiner blassen Ahnung getrübt, was die katholische Kirche eigentlich sein mag, ihr aber dennoch in herzlicher Feindschaft gegenüberstehend.
So etwas zitieren Sie affirmativ.
Wenn man die Graphik aus dem Zusammenhang dieses Artikels betrachten könnte, könnte man mit großem Wohlwollen sagen: auf rein sachlicher Ebene stimmen die Angaben. Herr Lohmann ist katholisch, mehrere der Aufgeführten sind in der AfD, alle sind für den unbedingten Schutz des Lebens.
Aber das Wohlwollen verläßt einen schon gleich, noch ehe man die Herkunft des Bildchens kennt, wenn man etwas genauer nachdenkt. Die Graphik will nämlich den Eindruck vermitteln, als seien „katholische Kirche“, „AfD“ und „Lebensschützerbewegung“ von vornherein eng vernetzte Gemeinschaften. Als sympathisiere praktisch jeder, der am Marsch für das Leben teilnimmt, mit der AfD.
Herr Lohmann hat in diesem Jahr ausdrücklich untersagt, daß ein AfD-Mitglied auf die Rednertribüne kommt – weil das als Wahlkampfmethode oder sonstige Vemengung von Lebensschutz und Politik ausgelegt werden könnte. Herr Lohmann betont immer wieder, daß die Lebensschutzbewegung nicht parteilich ist und daß sie auch religiös nicht gebunden ist. (Daß viele Lebensschützer Christen sind, kommt daher, daß das Christentum genuin lebensbejahend ist. Ich fürchte, es ist an dieser Stelle notwendig, das zu sagen.)
Ich habe in diesem Jahr zum zweiten Mal als Ordnerin am Marsch für das Leben teilgenommen. Meine Erfahrungen sind: Die Teilnehmer benehmen sich fast alle sehr gesittet. Im letzten Jahr musste ich einen abhalten, zum Zweck der Missionierung unter die kreischenden und sehr gewaltbereiten Gegendemonstranten zu gehen; in diesem Jahr erlebte ich auf Teilnehmerseite nichts Nervigeres als eine am Rand stattfindende kleine interkonfessionelle Zänkerei, die ich beschwichtigen konnte.
Von der Gegenseite erlebe ich regelmäßig:
1. massive Störung einer friedlichen und angemeldeten Versammlung unter freiem Himmel;
2. mehrere Fälle von Gewalt;
3. vulgäre Pöbelei;
4. vollständige Dialogunfähigkeit;
5. massive Störung eines ökumenischen Gottesdienstes.
2015 und 2016 gab es Angriffe auf behinderte Teilnehmer des MfdL. 2015 gröhlten die Gegendemonstranten ihre Parolen auch in einer Schweigeminute für die Opfer der Aktion T4. Einmal musste ich 2015 die Polizei um Hilfe bitten, weil mehrere Männer und Frauen einer Frau ein Kreuz weggerissen hatten und nun behaupteten, die Frau habe es ihnen freiwillig gegeben.
In diesem Jahr wurde die Rede einer jungen Dame mit Down-Syndrom durch Gebrüll der Gegendemonstranten gestört. Es wurde auch versucht, die Veranstaltung durch Stinkbomben und Blockbuster zu stören. Eine Gegendemonstrantin sagte mir wörtlich: „Ich bin für Abtreibung.“ Eine andere hielt ein Schild mit der Aufschrift: „Für jedes Kind, das ihr kriegt, treiben wir eins ab.“
Und Sie regen sich auf, weil sie nicht mit jedem einzelnen von 7500 Befürwortern des unbedingten Rechts auf Leben Bier trinken würden?
Gehen Sie doch baden.
Beste Grüße
Claudia Sperlich

 

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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7 Antworten zu Offener Brief an Ansgar Mayer

  1. Admiral schreibt:

    Herr Mayer müßte mittlerweile mit seinem Postboten gesprochen haben, daß Briefe von Dir blockiert werden.

    Es ist interessant zu sehen, wen er scheinbar alles bei Facebook alles blockiert hat. Darunter sind tatsächlich Personen, die noch niemals eine Interaktion mit ihm hatten……

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Nun ja, ich blockiere auch manchmal Leute, mit denen ich nicht interagiert habe – damit das auch fürder nicht geschieht. Aber bei mir ist es eher die Ausnahme. Meistens sage ich mir doch: Gottes Zoo hat viele Tierlein.

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  2. Olet lucernam! schreibt:

    Was mich an diesem intellektuellen Totalausfall am meisten schockiert ist, dass Herr Mayer Direktor der Abteilung Medien und Kommunikation des Erzbistums Köln ist. Wenn’s von einem sonstigen Linksaußen käme, wäre es schon wieder gähnend langweilig.

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  3. Gerd schreibt:

    Wenn Herr Mayer den Begriff „rechtskatholisch“ gebraucht, ist jede weitere Diskussion überflüssig, Zeitverschwendung und ohne Nutzen. Wie will man jemanden erreichen der in Schablonen denkt?

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  4. Gerd schreibt:

    Dann wurde in ihrer und meiner Jugend kräftig für uns gebetet.

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