Leben aus der Kraft des Heiligen Geistes

An zwei Wochenenden nahm ich an einem Seminar mit diesem verheißungsvollen Titel teil. Die katholische Charismatische Erneuerung bietet dies Seminar immer wieder an; ich nahm zum ersten Mal daran teil. Ich werde hier nicht alle Einzelheiten wiedergeben, sondern nur, was mir gleich einfällt, weil es für mich das Wichtigste am Seminar war. Andere mögen ganz anderes als besondere Wichtigkeit erlebt haben.

Veranstaltungsort war die Berliner St-Petrus-Kirche in der Bellermannstraße, nicht weit vom Gesundbrunnen. Das ist eine schöne neogotische Kirche, recht groß, und wie in Berlin häufig zu sehen zunächst freistehend gebaut, später sind dann Wohnhäuser rechts und links darangesetzt, so daß sie jetzt in einer Häuserzeile steht.

Der Zeitplan war: Freitag 18.30-21.00 Uhr, Samstag 10.30-17.00 Uhr, Sonntag 12.00-14.30 Uhr – dies vom 23.-25. September und vom 7.-9. Oktober.

Am ersten Freitagabend begannen wir mit einem Lobpreisgottesdienst in der Kirche. Pater Adrian Kunert SJ leitete die Veranstaltung und auch den Gesang mit seiner schönen, geschulten und mitreißenden Stimme – das war schon der erste Pluspunkt. Die Lieder aus dem in der CE benutzten Buch XPraise sind, bis auf wenige Ausreißer, nicht die gewohnten Schnulzen des Neuen Geistlichen Liedgutes, sondern an biblischen Texten orientiert und mit schönen, meist keineswegs trivialen Melodien versehen. (Ich finde die Vielzahl an Synkopen etwas schwierig, aber ich bin lernfähig.) Es wurde mit vollem Einsatz zum Lob Gottes gesungen. Auch hatte jeder die Möglichkeit, seinen persönlichen Dank an Gott auszusprechen. Ich mag das sehr gerne, weil mir bei dieser Form auch oft klar wird, wie viele Dinge es gibt, für die ich danken kann.

Anschließend wurde das Allerheiligste ausgesetzt. Nun ist Eucharistische Anbetung für mich das Größte, Beste, Schönste was es gibt – und die fand an jedem Kursabend statt. Schon deshalb will ich wieder zu einem solchen Seminar. Gewünscht hätte ich mir nur längere Zeiten der Stille während der Anbetung, bei der auch viel gesungen wurde.

Beiden Wochenenden waren von Lobpreis und Anbetung geformt. Wir hörten in einem Gemeindesaal Vorträge und arbeiteten dann in Kleingruppen. Diese Arbeit war ein von anfänglichem und abschließendem kurzen Gebet gerahmter Austausch über das Gehörte. Am ersten Abend habe ich mich dabei ein wenig fremd gefunden, aber danach war es einfach nur bereichernd. Es wurde auch im Plenum Zeugnis abgelegt. Für mich wurde dabei wichtig, daß die eindrücklichen inneren Erlebnisse, die ich lange vorher hatte, auch anderen so oder ähnlich widerfahren sind. Das ist mir Bestärkung und Grund zur Dankbarkeit.

Das Sprachengebet ist den Charismatikern besonders wichtig. Mir ist es mittlerweile – auch durch Pater Adrians kluge Erläuterungen – nicht mehr einfach nur befremdlich, ich höre es gern. Aber selbst ist mir dies Charisma fremd, und als kleinen Kritikpunkt bringe ich an: Liebe Charismatiker, bitte tut nicht so, als ob jedem, der dies Charisma nicht hat, das Wichtigste fehlt. Der Herr weiß schließlich, warum Er es dem einen gibt und dem anderen nicht.

Der zweite Samstag war der wichtigste Tag. Nach dem Lobpreis wurde das Allerheiligste ausgesetzt. Zwei vierköpfige Gruppen gingen in den Altarraum, und jeder, der wollte, konnte dort um den Segen bitten. (Es wollten fast alle. Auf eine Segnung richtig lange warten müssen, weil so viele „anstehen“, ist ein besonderes Hoffnungszeichen!) Ich erfuhr durch das Segensgebet auf eine ganz besondere Weise Gottes Liebe. Meine nicht ganz geringen persönlichen Schwierigkeiten waren in diesem Moment machtlos, und auch wenn sie durchaus real sind, weiß ich, daß Gott der Stärkere ist.

Ich erlebte auch am abschließenden Sonntag eine besonders schöne Form der Gemeinschaft. Ich war (aus Gründen, die damit nichts zu tun haben) traurig, und zwei Gläubige beteten für mich und legten mir die Hände auf. Diese sehr intensive Form der Fürbitte ist in den meisten Gemeinden leider eher unüblich. Ich empfand sie als tröstend und tragend.

Die Vorträge fand ich nicht so besonders wichtig (pardon, liebe Referenten) – aber Falsches wurde nicht darin gesagt. Der Austausch war zum Glück keine Diskussion über das Gehörte, sondern nahm die Vorträge nur als Impuls. Anbetung und Segnung bleiben für mich das Bedeutsamste. Daß ich zwischen den beiden Wochenenden es zum besonderen Verständnis eines biblischen Gebetes – des Magnificat – kam, führe ich auf diese gute Zeit vertieften Anbetens zurück.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Leben aus der Kraft des Heiligen Geistes

  1. Eugenie Roth schreibt:

    Zungenrede ist vollig uninteressant ALS ZEICHEN für „Vollständigkeit“: 1 Kor 12, 31
    Warum sollen wir uns mit Niedrigem zufriedengeben?
    Und das akustische Durcheinander, das dabei leider oft entsteht …

    Einmal habe ich wunderschönes SINGEN in Sprachen erlebt, als leitete ein Chorleiter einen Chor. DAS war schön!!! – Nein, ich bin durchaus NICHT gegen das Sprachengebet.

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