Scheißstaat!

Ich habe dies Wort in meiner ganzen Pubertät nicht benutzt. Und nicht in der wilden Jugend, da ich noch annahm, es gäbe irgendwo, irgendwann einen menschlichen Sozialismus. Nicht in meiner Jobcenterzeit. Und nicht, als ich mit Lageso zu tun bekam.

Aber gestern kam heraus, daß dieser Scheißstaat einer Jesidin, die aus dem Nordirak geflohen ist, nachdem IS dort alles kaputtgemacht hat und alle, die nicht schnell genug weg waren, entweder ermordet oder versklavt hat, und die nach dramatischer Flucht und übler Zeit in einem Turnhallenlager unter Angst, Schlaflosigkeit und verschiedenen Symptomen leidet, für die keine körperlichen Ursachen ausgemacht werden können, deshalb keine Therapie gewährt, weil sie weder gefoltert noch vergewaltigt wurde und auch die Köpfung bzw. Versklavung mehrerer Bekannter nicht direkt gesehen, sondern nur aus zweiter Hand mitbekommen hat.

Daß außerdem der muslimische Übersetzer, der für diese köstliche Anamnese nötig war, zu Protokoll gab, eine Kurmanci-sprachige Jesidin habe als Muttersprache arabisch und sei religionslos.

Daß dieser Scheißstaat Dumme und Lügner einstellt, um Terrorismusopfern zu „helfen“. Mit einer halben Packung Schmerztabletten und ei ei, tutu.

So geschehen in Berlin, Turmstraße 21, da, wo der Termin zur ersten Therapiestunde ausgemacht war. Bei der Caritas. Und ja, ich weiß: weder alle Katholiken noch alle Muslime sind so. Dennoch, von ganzem Herzen:

Scheißstaat. Scheißstaat. Scheißstaat.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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14 Antworten zu Scheißstaat!

  1. C.Becker schreibt:

    Gibt es die Möglichkeit Widerspruch einzulegen? Ich bin fassungslos, wenn ich das hier lese. Unglaublich auch, was dieser Dolmetscher da zu Protokoll gegeben hat. Ganz gleich, ob Seve nun einer Religion anghört, diese praktiziert oder nicht, ihr ist Schreckliches widerfahren. Ich hoffe und bete für sie, dass sie die Hilfe bekommt, die sie braucht.

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  2. Bonum schreibt:

    Das könnte man so sehen. Durch Jahrzehntelange Tätigkeit im Obdachlosenwesen in Bayern
    (es gibt das Projekt BISS (Bürger in Sozialen Schwierigkeiten)) habe ich eine andere Realität erkannt.

    Leider haben die Obdachlosen kaum Aussicht auf eine Wohnung Die weiblichen Obdachlosen sind oft erheblicher Gewalt ausgesetzt und ALLE Obdachlosen sind ausnahmslos chronisch Krank…Zum Glück gib es die Abtei St Bonifaz….Sie gehört zum Kloster Andechs… Das Motto lautet:
    KEINE VORSCHRIFTEN MACHEN, SONDERN TÜREN AUFTUN
    Gemäß diesem Motto engagiert sich die Abtei Sankt Bonifaz für Männer und Frauen ohne festen Wohnsitz.

    Dabei ist die Allerwichtigste Regel der Helfenden die Wahrung der Professionellen Distanz…Das können Anfänger leider nicht und verstricken sich sehr sehr unprofessionell in die Ganze Sache. Das führt nicht nur zu keinem Erfolg sondern hilft den Betroffen in keinster Weise…..So muss man oft auch den Helfern helfen…Aber die Hoffnung stirbt zuletzt

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  3. petra ulbrich schreibt:

    Hui, da ist aber eine Menge Wut im Spiel – und ich finde, eine sehr berechtigte.

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ja, ich habe heute nachmittag noch aus den Ohren geraucht.
      Jetzt komme ich aber von einem langen und wundervollen Gottesdienst und bin zu etwas Gelassenheit gekommen… also ein ganz bißchen Gelassenheit.
      Die grundlegende Uneinigkeit mit deutschen Behörden bleibt – und das ist gut so.

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      • petra ulbrich schreibt:

        Die grundlegende Uneinigkeit ist stark berechtigt, die habe ich auch und bin heftig gefrustet vom Sozialstaat.

        Ich freue mich auf den Sonntagsgottesdienst – heute Abend beim Gebet hat Carsten um ein besseres Verständnis miteinander gebetet. Wiebkes Amen hat meinen Neffen etwas verwirrt. Er muss nicht mitbeten, hab ich ihm gesagt. Ich hoffe, er hat das verstanden.

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  4. Claudia Leitner schreibt:

    Hallo – ich würde gerne auf diese Literatur verweisen..http://sbpm.web-com-service.de/downloads/FlyerBegutachtungsbuch.pdf
    Eventuell kann ein privates Gutachten helfen.

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Dank für den Hinweis.
      Die Daten von der Therapeutin nehme ich aber raus; ich möchte auf meinem Blog nicht den Anschein erwecken, Reklame für Ärzte zu machen. Trotzdem Danke!

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      • Claudia Leitner schreibt:

        Es lag mir nichts daran Werbung zu machen. ich kenne die Dame auch nicht und das ist auch überhaupt nicht mein Fachgebiet. Ich hatte nur vor einigen Wochen einen Artikel in der „Deutschen Ärztezeitung“ gelesen, der sich mit genau diesem Thema bzw. einem solchen Fall beschäftigt hatte und mich daran erinnert. Der Artikel müsste sich vielleicht noch googeln lassen.

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  5. Gabriele v. Fuchs schreibt:

    Kann jetzt erst wegen längerer Abwesenheit schreiben. 1. Dolmetscher müssen vereidigt sein. Selbst wenn ein Privatmann als Dolmetscher bei einem Termin z.B. beim Notar mit dabei ist, muss dieser vor Beginn der eigentlichen Verhandlung vom Notar vereidigt werden, was dann auch in die Urkunde aufgenommen wird.
    Frage: War bzw. ist dieser Dolmetscher vereidigt? Staatlich vereidigt? Gibt es einen Nachweis dafür?
    2. Kann man Befangenheit geltend machen, wenn ein muslimischer Mann für eine jesidische Frau dolmetschen soll? Gibt es nicht Frauen als Dolmetscherinnen?
    3. Auf jeden Fall zur schriftlichen Niederschrift Widerspruch gegen diese „Übersetzung“ einlegen und auf die Eidesformel Bezug nehmen und eine Wiederholung dieses Termins mit einem anderen Dolmetscher fordern. Und damit auch Widerspruch gegen den Bescheid einlegen, da er aufgrund unwahrhafter Widergabe und Übersetzung des Gesagten erstellt wurde.

    Ich hoffe sehr, Sie können sich zur Wehr setzen. Heute muss man sich leider gegen alles und jeden wehren. Spreche aus Erfahrung.
    Viel Erfolg für Sie und Seve!

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