Regierende Feiglinge?

Oder doch nicht?
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Heute morgen schockierten Spiegel, Welt, FAZ und andere mit der Meldung, die Bundesregierung wolle sich von der Armenien-Resolution distanzieren. Erzürnt schrieb ich:

Die Armenien-Resolution sagt, was längst bewiesen ist: Der Völkermord an den Armeniern, begangen 1915 durch das Osmanische Reich, dessen Rechtsnachfolger die Türkei ist, war – nun ja: eben ein Völkermord. Ich habe darüber schonmehrmalsgeschrieben, und ich werde meine Solidarität mit den Armeniern nicht aufgeben.

Der Antrag, den Völkermord so nennen zu dürfen und die Opfer zu ehren, wurde am 2. Juni 2016 mit überwältigender Mehrheit vom Bundestag angenommen. Frau Merkel war nicht dabei.

Erdoğan ist beleidigt ob dieser Resolution – das war nicht anders zu erwarten bei diesem hypersensiblen Männlein. Und weil er beleidigt ist, stampft er auf und sagt: Wer das sagt, darf aber nicht in die Türkei – auch nicht, wenn er als Abgeordneter seine in der Türkei stationierten Landsleute besuchen will.

Und das ist für die Bundesregierung ein Grund, sich urplötzlich von der Armenien-Resolution zu distanzieren, zu sagen, es sei ja alles nicht so gemeint gewesen. Frau Schwesig (SPD), mit der ich gewiß nicht immer einer Meinung bin, behält Format: „Als Mitglied der Bundesregierung stehe ich hinter diesem Beschluss. Da sollte niemand aus der Bundesregierung wackeln.“ Aber zur Stunde sieht es aus, als ob die Mehrheit wackelt – jene Mehrheit, die im Juni die Resolution so tapfer verteidigt hat.

Ich rufe hinüber zu den deutschen Soldaten nach Incirlik:

Soldaten, legt Ihr eigentlich Wert auf den Besuch von einer Bande von Feiglingen? Von Leuten, die die Hose voll haben, wenn Erdoğan mit der Faust droht? Ihr übt einen Beruf aus, der hohen Mut erfordert. Braucht Ihr den Besuch von Menschen, denen Mut vollständig wesensfremd ist?

Später fügte ich einen Nachtrag hinzu:

Inzwischen gibt es eine Distanzierung von der Distanzierung. Allerdings halte ich die erste Distanzierung, also die von der Resolution, nicht für eine Ente – Frau Schwesigs Worte wären sinnlos, wenn sie nicht stattgefunden hätte. Das heißt, ich halte die zweite Distanzierung, die von der Distanzierung, für den Versuch, angerichteten Schaden zu reparieren.

Dann sollte es eine Ente gewesen sein. Aber irgendwie doch wieder nicht so ganz. Wer weiß.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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Eine Antwort zu Regierende Feiglinge?

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