Schöpfung bewahren

Die katholische Kirche begeht heute den von Papst Franziskus initiierten Weltgebetstag um die Bewahrung der Schöpfung. Das heißt, die meisten Menschen, die diesen Tag tatsächlich begehen, beten um verantwortungsvollen Umgang mit dem Leben auf der Erde und denken dabei besonders an Bäume sowie schöne oder niedliche oder bizarre, womöglich bedrohte, Tierarten. Das ist richtig und wichtig, aber…

Es geht dem Heiligen Vater um die Überwindung oder wenigstens Eindämmung der ökologischen Krise. Das heißt, es geht zwar auch um die möglichst schonende Behandlung anderer, zum Teil leidensfähiger Arten – aber zunächst einmal geht es um den Menschen. Denn Menschen leiden unter Umweltzerstörung und schlechtem Umgang mit Ressourcen. Man darf Menschen nicht antun, mutwillig oder fahrlässig ihre Umwelt zu zerstören.

Oft ist das ein Dilemma. So brauchen Menschen zu einem auch nur einigermaßen guten Leben technische Hilfsmittel, medizinische Versorgung, Bildung – und das bedeutet, sie brauchen Energie. Jedes noch so ökologische Kraftwerk ist ein Eingriff in die Natur. Wir können uns bemühen, diesen Eingriff so gering wie möglich zu halten, aber paradiesisch intakt können wir die Erde nicht halten, wenn wir leben wollen. Wir müssen den Heiligen Geist bitten, uns Wege zum schonenden Umgang mit der Erde zu zeigen.

Ich denke zudem daran, daß die Schöpfung ein großes Rätsel ist. So rätselhaft wie die Theodizeefrage, zuweilen so rätselhaft wie das Böse, obwohl zu meiner Glaubensgewissheit gehört, daß die Schöpfung grundsätzlich gut ist. Es gehören aber Wesen dazu, deren Sinn ich nicht erkennen kann. Amöben, die menschliche Gehirne zerstören, Bakterien, die ein Drittel der europäischen Bevölkerung dahinraffen, Viren, die Ungeborene erblinden lassen – ich bin froh, wenn diese mikroskopischen Monster vernichtet werden zur Bewahrung des Menschen, der Schöpfung ist und dem die Schöfpung anvertraut wurde.

Bewahrung der Schöpfung heißt nicht „Rückzug des Geschöpfes Mensch aus der übrigen Schöpfung“. Es ist Gottes Wille, daß wir uns die Erde untertan machen. Aber es ist sinnvoll, sich dabei klarzumachen, was mit Herrschern geschieht, die ihre Untertanen grausam behandeln. Darüber klären Geschichtsbücher auf, nicht Biologiebücher.

Und schließlich: Dem winzigsten, eben erst gezeugten Menschlein ist diese königliche Würde übertragen. Man muss es schützen. Man darf es nicht töten. Der Mensch ist Teil der Schöpfung und zugleich über alle anderen Wesen der Erde erhaben. Wenn ich um Bewahrung der Schöpfung bete, bete ich auch für die Menschen, deren Leben so schrecklich gefährdet ist.

Heute bete ich um die Bewahrung der Schöfung. Am 17. September werde ich am Marsch für das Leben teilnehmen. Das hat miteinander zu tun.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Schöpfung bewahren

  1. Claudia Leitner schreibt:

    Ich kann mich mit allen Punkten vollinhaltlich identifizieren. Trotzdem stehe ich dem sogenannten „Marsch für das Leben“ sehr kritisch gegenüber. Das liegt nicht daran, dass ich ein Einstehen für den Lebensschutz verwerflich finde sondern schlicht und einfach an den konkreten Forderungen, die im Manifest des Marsches gestellt werden. Diese halte ich teils für redundant, teils für kontraproduktiv und teils für unpraktikabel. Vieles klingt schön ist aber in Wirklichkeit schlicht Nonsens. Zum Beispiel das Thema mit der Abtreibungsfinanzierung. Diese wurde ja nicht deshalb eingeführt um Abtreibungen zu erleichtern sondern um einen Schwarzmarkt von Billiganbietern zu verhindern. Außerdem wäre es eine Maßnahme, die ausschließlich sozial Schwache treffen würde. Oder die Forderung nach Anpassung der Gesetze – damit ist offensichtlich das Strafrecht gemeint. Auch das ist widersinnig. Eine Beratungspflicht mit gleichzeitiger Strafandrohung würde schlicht und einfach nicht funktionieren – das kann man regeln wie man es will. Schon gar nicht solange in so gut wie allen Nachbarländern Abtreibungen problemlos und straffrei möglich sind.

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Es bleibt ein riesiges Problem. Seit Abtreibung möglich ist, gibt es Abtreibungen; seit Abtreibung unter bestimmten Umständen von Ärzten durchgeführt werden kann, gibt es Abtreibung durch Ärzte. Wenn die Alternative zur Abtreibung durch einen Arzt ausschließlich die Abtreibung durch eine Engelmacherin wäre, müßte man die durch den Arzt vorziehen. Aber es stimmt ja nicht. Die Alternative ist: Baby leben lassen.
      Abtreibung (oder irgendetwas) legalisieren, weil es die anderen ja auch machen, ist denkbar schlecht. Die Gesetze eines Landes dürfen nicht davon abhängig sein, ob sie im Nachbarland auch existieren – sondern einzig und allein davon, ob sie gut sind, d.h. den Menschen nützen.
      Abtreibungsfinanzierung ist Finanzierung der Vernichtung junger Menschen. Soll man die zulassen, weil die anderen sie auch zulassen? Ich finde nicht.
      Eine Beratungspflicht mit gleichzeitiger Strafandrohung existiert in Deutschland zur Zeit, das bleibt wahr, auch wenn die meisten Abtreibungen straffrei bleiben. Die Abtreibungsstatistiken – so erschreckend hoch sie sind – sinken seit mehreren Jahren.

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