Jacques Hamel

Jacques Hamel war Auxiliar-Priester in der nordfranzösischen Gemeinde Saint-Etienne-du-Rouvray. 1948 wurde er ordiniert. 86jährig war er noch immer aufrecht und dienstbereit. Er vertrat heute den Pfarrer der St-Etienne-Kirche.
Die Wochentagsmesse ist in St. Etienne üblicherweise nicht besonders gut besucht. Auch heute war die Kirche nicht voll. Hwd. Jacques Hamel zelebrierte.

Zwei Männer drangen während der Messe durch einen Hintereingang in die Kirche ein, nahmen fünf Geiseln – den Priester, zwei Ordensschwestern und zwei weitere Gläubige. Sie beriefen sich auf IS. Einer der beiden ist identifiziert als ein Syrer, der bereits als „terrorverdächtig“ eingestuft war. Die Terroristen durchschnitten dem Priester die Kehle. Eine andere Geisel wurde so schwer verletzt, daß ihr Überleben noch ungewiss ist.

Jacques Hamel war beliebt in der Gemeinde. Er hat praktisch sein Leben lang der Kirche und den Gläubigen gedient. Abbé Aimé-Rémi Mputu Amba, Priester in Sotteville-lès-Rouen, sagt über ihn:

Malgré son âge avancé, il était toujours aussi investi dans la vie de la paroisse. On lui disait souvent, en rigolant ‘Jacques, tu en fais un peu trop, il serait temps de prendre ta retraite‘. Ce à quoi il répondait , en riant, ‚tu as déjà vu un curé à la retraite? Je travaillerai jusqu’à mon dernier souffle‘. Pour lui, partir au moment où il célebrait la messe, c’est une forme de consécration, malgré les circonstances dramatiques.

Trotz seines fortgeschrittenen Alters hat er sich immer voll in das Gemeindeleben eingebracht. Wir sagten ihm oft im Spaß, „Jacques, du machst ein bißchen zu viel, es wäre an der Zeit, daß du in den Ruhestand gehst.“ Worauf er lachend antwortete: „Hast du schon mal einen Pfarrer im Ruhestand gesehen? Ich werde bis zu meinem letzten Atemzug arbeiten.“ Daß er ging, während er die Messe feierte, ist für ihn eine Art der Heiligung, trotz der dramatischen Umstände.“

Im Pfarrblatt vom Juni schrieb Jacques Hamel diesen Feriengruß (Übersetzung von mir):

Der Frühling war ziemlich kühl. Wenn unsere Stimmung ein bißchen trübe war, nur Geduld, der Sommer wird endlich kommen. Und auch die Ferienzeit.
Die Ferien sind eine Zeit, um von unseren gewöhnlichen Beschäftigungen Abstand zu nehmen. Aber sie sind nicht eine einfache Unterbrechung. Sie sind eine Zeit der Erholung, aber auch der Selbstbesinnung, der Begegnungen, des Teilens, der Geselligkeit.
Eine Zeit der Selbstbesinnung: Manche Leute werden einige Tage zu Exerzitien oder zum Pilgern nehmen. Andere werden wieder das Evangelium lesen, allein oder mit anderen, als ein Wort, das heute leben lässt. Andere werden neue Kraft schöpfen aus dem großen Buch der Schöpfung, werden die so verschiedenen und großartigen Landschaften bewundern, die uns erheben und zu uns von Gott sprechen.
Könnten wir doch in diesen Augenblicken die Einladung Gottes hören, uns um diese Welt zu kümmern, sie dort, wo wir sind, zu einem wärmeren, menschlicheren, brüderlicheren Ort zu machen.
Eine Zeit der Begegnung mit Nächsten, mit Freunden: Ein Augenblick, um sich die Zeit zu nehmen, gemeinsam etwas zu erleben. Ein Augenblick, um auf andere zu achten, wer sie auch sein mögen.
Eine Zeit des Teilens: Teilen unserer Freundschaft, unserer Freude. Teilen wir den Kindern unsere Hilfe mit, und zeigen wir so, daß sie für uns zählen.
Auch eine Zeit des Gebets: Aufmerksam auf das, was in unserer Welt gerade vorgeht. Beten wir für jene, die es am meisten benötigen, um Frieden, um ein besseres Zusammenleben.
Und dann ist immer noch das Jahr der Barmherzigkeit. Bereiten wir unser Herz, daß es aufmerksam wird auf die schönen Dinge, auf jeden, auch auf jene, die sich vielleicht noch etwas einsamer fühlen werden.
Mögen die Ferien uns erlauben, die Fülle der Freude, der Freundschaft und der Besinnung zu erleben. Dann werden wir, besser ausgestattet, den Weg gemeinsam wieder aufnehmen können.
Schöne Ferien euch allen!
Père Jacques

Erlauben wir den Terroristen nicht, diese heiteren und guten Worte zu vernichten. Ehren wir Jacques Hamel, indem wir uns besinnen, teilen, aufmerksam sind auf unsere Nächsten, beten – auch und gerade für die, die es am meisten benötigen. Zum Beispiel für die Terroristen.

Quellen:
Wikipedia
Figaro
rouen.catholique.fr

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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3 Antworten zu Jacques Hamel

  1. Claudia Leitner schreibt:

    Ein grauenhaftes feiges Verbrechen, wirklich!

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Feige würde ich nun gerade nicht nennen, was absehbar mit dem Tod des Täters endet. Grauenhaft und böse aber auf jeden Fall. Es bringt mich dahin, mal wieder darüber nachzudenken, was Mut eigentlich ist – und daß Mut nicht von sich aus gut ist, weil man mit großem Mut sehr falsche und böse Dinge tun kann.

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