Sonett, in einem ungelüfteten Warteraum geschrieben

Flucht

Die Heimat ausgelöscht von Mörderbanden.
Viertausend Kilometer weit geflohen,
Und bis hierher dringt jener Feinde Drohen –
Dort töteten sie alle, die sie fanden.

Ein kleiner Film aus guten Tagen, frohen:
Ein Hochzeitsfest, ein Tanz. Die Kämpfe branden
Im Jahr darauf. Die bunten Kleider schwanden.
Voll Blut die Straßen, und die Dächer lohen.

Hier wird von grauer Ämter grauem Zwang
Erfasst und mürb gemacht, oft stundenlang,
Beim Warten auf Berechtigung zum Leben.

Ich bin dabei. Ich halte mit ihr aus
Den lähmend-lahmen Bürokratengraus.
Ich bin dabei. Mehr kann ich ihr nicht geben.

© Claudia Sperlich

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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