Nicht nur im Mai: Rosenkranz

Vor einiger Zeit wurde ich gebeten, das jeden Samstag in meiner Gemeinde stattfindende gemeinsame Rosenkranzgebet zu leiten. Das verstand ich als Ansporn, mich neu auf diese schändlich vernachlässigte Meditation einzulassen.

Rosenkranz

Auf Kathpedia findet man einen sachlichen Artikel über den Rosenkranz – eine Gebetsform, die sich vom 11. bis zum 15. Jh. aus frühkirchlichen Reihengebeten entwickelte. Die heutige Form schuf der Kartäuser Dominikus von Preußen (um 1384-1460) – die in das Ave Maria eingeflochtenen Clausulæ (auf Deutsch etwas unscharf „Geheimnisse“) schuf er als Gedächtnisstütze, um sich zu vergegenwärtigen, worum es in dem betrachtenden Gebet ging.

Jesus und Maria 2

Für mich ist der Rosenkranz eine Gebetsform, bei der ich Jesus gleichsam durch Marias Augen betrachte und mir Seine Heilstaten immer bewusster mache. Mir hilft dabei auch, nach dem Vaterunser betend über das jeweilige Geheimnis nachzudenken – zu versuchen, es mir wirklich vor Augen zu führen, was Gott für mich getan hat.

Rosenkranz

Denn darum geht es. Er hat sich vollkommen machtlos gemacht, als befruchtete Zelle, als Kind, und später als Gefangener, Gefolterter, Gekreuzigter. Er handelt mit höchster Souveränität als Lehrer und Heiler, als Auferstandener, der den Heiligen Geist sandte und der wiederkommen wird in Herrlichkeit. Er hat eine Frau zu Seiner Mutter gemacht – und sie hat mit ihm gelitten, als Er am Kreuz starb. Er hat sie mit dem Auftrag „Siehe, das ist dein Sohn“ zur Mutter eines Jüngers gemacht und damit zur Mutter aller Jünger – aller Christen. Ihre Fürbitte können wir vertrauensvoll erbitten. Das alles kommt im Rosenkranzgebet zur Sprache.

Der Rosenkranz betrachtet Jesus durch die Augen Marias, umarmt Jesus mit Marias Armen. Während des Rosenkranzgebetes kann verschiedenes geschehen: man kann innerlich zur Ruhe kommen, die Flut der Gedanken kann sich beruhigen und ordnen, neue Gedanken können hervorkommen. Man kann den Glauben festigen und besser begreifen. Zorn und Enttäuschung können durch das Rosenkranzgebet gemildert werden – zuweilen bis dahin, daß man beim letzten Amen ganz versöhnlich gestimmt ist.

VERBUM DOMINI MANET IN AETERNUM

Der Rosenkranz ist für mich nicht die wichtigste Gebetsform von allen – aber eine sehr wichtige, die phasenweis mehr oder weniger Bedeutung für mich hat und die ich generell mehr pflegen will. Zum Beispiel, indem ich in St. Marien in Friedenau am Samstag um 17.45 vorbete. Es wäre schön, wenn ich dabei nicht ein Viertel der Anwesenden und nicht die Jüngste bin.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Nicht nur im Mai: Rosenkranz

  1. Admiral schreibt:

    Ich mag die Wendung „den Rosenkranz leiten“, die Du so häufig benutzt, nicht besonders. Bei „leiten“ assoziiere ich immer eine Macht, die einem gegeben ist und das passt irgendwie nicht zum Gebet.
    Den „Rosenkranz vorbeten“ höre ich in meiner Gegend viel häufiger (eigentlich fast ausschließlich).
    #kleineUndNichtBösGemeinteGedanken

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Dank für den Hinweis. Ich kann das nachvollziehen – bei mir kommt da vielleicht meine alte Abneigung gegen das Wort „vorbeten“ in der Bedeutung „bestimmen, das andere etwas sagen sollen“ durch. Ich gebe Dir aber Recht, die ursprüngliche Bedeutung von „vorbeten“ ist ja schön und soll zu ihrem Recht kommen.

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