Vive la Pucelle!

Jeanne d’Arc, die Heilige aus Domrémy, wurde von Freunden wie Feinden auch schlicht la Pucelle, das Mädchen, genannt.

Sie wurde vor 585 Jahren nach einem windigen Prozess voll Verfahrensfehler verbrannt. Ihre Hauptankläger starben unrühmlich: 1438 fand man den Leichnam des Promotors Jean d’Estivet in einer Jauchegrube. 1442, gute elf Jahre nach Jeannes Tod, starb der Bischof Pierre Cauchon an einem Herzschlag, während er rasiert wurde.

Ihre Mutter durfte den erfolgreichen Rehabilitationsprozess 1449/50 noch erleben. Die zahlreichen Aussagen zu ihren Gunsten waren im Gegensatz zum Prozess widerspruchsfrei. Unter anderem sagte Thomas Marie, Prior des Stiftes Saint-Michel bei Rouen:

Wo es keinen freien Richter gibt, ist weder der Prozeß noch das Urteil gültig.

Bruder Ysambert de la Pierre, Priester vom Orden der Predigerbrüder zu Rouen, sagte aus:

Als man sie als verstockte Ketzerin und Rückfällige brandmarkte, antwortete sie öffent­lich, vor allen Beisitzern: „Das wäre mir nie geschehen, wenn Ihr, Ihr Herren der Kir­che, mich in Euer Gefängnis gebracht und mich dort bewacht hättet!“
Nach Aufhebung dieser Sitzung, als die Richter auseinandergingen, sagte der Bischof von Beauvais zu den draußen wartenden Engländern: „Farewell, seid guten Mutes! Es ist vollbracht.“
Als sie ihrem Ende nahe war, bat und flehte das fromme Mädchen inständig und de­mütig, ich sollte in die nächste Kirche gehen, um ihr von dort ein Kreuz zu bringen, um es emporzuhalten, ihr vor die Augen, bis zum letzten Atemzug, damit das Kreuz, an dem der Heiland hing, unausgesetzt vor ihrem Blick bliebe, solange noch Leben in ihr war. Während sie schon in Flammen stand, rief sie unaufhörlich bis zuletzt mit lauter Stimme den Namen Jesu, dann rief sie flehend und unablässig die Heiligen des Paradieses um Hilfe an. Und dann – zum Zeichen ihres inbrünstigen Glaubens an Gott – brachte sie, noch als sie ihr Haupt neigte und ihren Geist aufgab, den Namen Jesus hervor, so wie wir es von dem Heiligen Ignatius und anderen Märtyrern lesen.
Sogleich nach Jeannes Tod kam der Henker zu mir und meinem Begleiter, Bruder Martin Ladevenu; er war von wunderbarer Reue und entsetzter Zerknirschung bewegt und völlig verzweifelt, da er fürchtete, niemals mehr Gnade und Verzeihung oder Nachsicht vor Gott zu finden. Der Henker versicherte und beteuerte, daß trotz des Öls, des Schwefels und der Kohle, die er zur Verbrennung der Eingeweide und des Herzens hinzugetan hatte, das Feuer diese nicht verzehrt, und weder die Eingeweide noch das Herz in Asche verwandelt worden waren, worüber er sich erstaunte wie vor einem offensichtlichen Wunder.

Ihre Heiligsprechung erfolgte zwar erst im 19. Jh. – dargestellt wurde sie schon weit früher immer mit einem Heiligenschein.

Jeanne d’Arc ist vorbildhaft für mutiges Bekenntnis und Verteidigung des Glaubens und der Freiheit. Vielleicht deshalb ist sie Schutzpatronin des Rundfunks.

Heilige Johanna, bitte für uns.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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