Helfen, beten, Hilfe erfahren

Als ich neulich zum stillen Gebet in die Kirche kam, war dort eine Schar Kinder im Vorschulalter. Eine Katechetin sprach mit ihnen gerade das Vaterunser und dann das Ehre sei dem Vater. Zuletzt erklärte sie ihnen, daß wir beim Verlassen der Kirche noch einmal knien vor Jesus, der alles Leid für uns getragen hat, und die kleinen Knöpfe machten ihre Kniebeuge (einer zwar in Richtung Tür, aber was soll’s).
Ich sprach die Lütten an, bat sie um Fürbitte für eine Frau, die bei mir wohnt, die von weit weg kommt und in ihre Heimat nicht mehr kann, weil da alles kaputt ist. Bat: Wenn ihr heute euer Nachtgebet sprecht, denkt doch bitte auch an sie, der Staat macht Schwierigkeiten.
Die Kinder nickten, die Katechetin sagte zu: Ja, das machen wir, das werd ich auch machen.

Tags darauf war ich mit Seve beim Amt, und wir gerieten an einen Sicherheitsmann, der echtes Interesse zeigte, die Managerin informierte, sich mit ihr und uns an einen Tisch in einem fast leeren Verwaltungszelt setzte – und siehe da, alles löste sich. Sie gab echte, gute, hilfreiche Hinweise, erklärte geduldig, verstand. Dann ging sie wieder, und der Sicherheitsmann, ein Jordanier, diente als Dolmetscher und Zuhörer und gab noch einige wertvolle Tips.

Wir hatten damit die größten und verworrensten Schwierigkeiten, was die Wohnberechtigung angeht, vorläufig gemeistert. Seve hatte sich einiges auch von der Seele reden können.

Eine Jesidin, eine Christin, ein Moslem einträchtig an einem Tisch. Guter Rat, betroffenes Zuhören und Übersetzen, echtes Mitleid und gutes Tun. Seve berichtete von mehreren Untaten des IS. Ich sah, wie der Sicherheitsmann um Fassung rang, bevor er übersetzte.

Dank sei allen, die für uns gebetet haben. Dank sei Gott.

Es gab und gibt weitere Schwierigkeiten, sowohl durch die immer noch – und wohl noch lange – hohe Sprachbarriere als auch durch immer neue schlechte Einfälle des Lageso; der neueste ist, soweit ich Seve verstanden habe, eine Abmeldung durch Lageso, zwei Wochen ehe sie überhaupt das Recht bekommt, sich irgendwo anders anzumelden. Für mich heißt das: Morgen oder übermorgen muss ich wieder zum Amt und hoffe inständig, dort nicht laut zu werden. Insgesamt heißt es, daß ich vermutlich weiterhin und immer mal wieder mit einem Fuß im Gefängnis stehe, weil ich diesen Staat entlaste und einem Menschen helfe.

Es gibt aber auch weiter Menschen (MuKhi und andere), die durch Rat und Tat und Gebet helfen. Es wird sie auch geben, wenn ich, was mich nicht wundern würde, tatsächlich wegen irgendeines Verstoßes gegen Gesetze, die zu kennen und zu verstehen ich nicht wahnsinnig genug bin, eine Weile im Knast verbringe (Notiz an mich selbst: Schreibzeug mitnehmen).

Zeitweise komme ich an meine Grenzen. Ich habe auch eigene Schwierigkeiten zu lösen und muss aufpassen, daß die nicht auf der Strecke bleiben. Aber was solls! Frau Merkel hat es wohl anders gemeint, aber ich zitiere:

Wir schaffen das.

Und ich füge hinzu:

Mit Gottes Hilfe. Amen.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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9 Antworten zu Helfen, beten, Hilfe erfahren

  1. C.Becker schreibt:

    Sehr schönes Zeugnis.
    Dir uns Seve weiterhin Gottes Segen. Möge ER ihr, dir und allen anderen engagierten Menschen in diesem Land Kraft, Zuversicht und Mut schenken. Und jene in ihren Herzen anrühren und zur Umkehr bewegen, die für die Kriege und das Elend in dieser Welt verantwortlich sind. Allen Regierenden und Entscheidungsträgern möge ER mit seiner Weisheit und seinem Geist erfüllen.
    Amen.

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  2. Petra schreibt:

    Mit Verlaub.Aber ist DAS :
    „Ich sprach die Lütten an, bat sie um Fürbitte… die bei mir wohnt, die von weit weg kommt und in ihre Heimat nicht mehr kann, weil da alles kaputt ist. Bat: Wenn ihr heute euer Nachtgebet sprecht, denkt doch bitte auch an sie, DER STAAT MACHT SCHWIERIGKEITEN !!!! „………..

    ……….nicht eine Art „Kindesmissbrauch“ ???

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Der Staat macht aber Schwierigkeiten. Versuch mal, beim Lageso über einen Sachverhalt eine klare Auskunft zu bekommen. Versuch einem Menschen zu helfen. Ich habe den Lütten nicht erklärt, daß beim Lageso ständig widersprüchliche Sachen gesagt werden, daß das Heim sie wegen der „Residenzpflicht“ gar nicht hätte weglassen dürfen, es aber gerne getan hat, und ich nun mit der unbeweisbaren Behauptung „Die haben mir das gesagt“ de facto einen Verstoß gegen irgendwelche Vorschriften und Regelungen begehe – daß schlimmstenfalls meine Aufnahme einer Flüchtlingsfrau dazu führen wird, daß sie ihr Asylrecht verliert (bitte frag mich nicht warum) und ich wegen Verstoß gegen ich weiß nicht was in den Knast komme. Außerdem: Denk mal ganz ganz flott, ganz ganz schnell, ganz ganz richtig, wenn Du in der beschriebenen Situation bist. Aber klar, einem Kind kann man ja noch keine Wahrheit zumuten. Oder vielleicht doch?

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      • Claudia Sperlich schreibt:

        Kindesmißbrauch wäre gewesen, wenn ich den Kindern gesagt hätte, vor welchen Greueln sie tatsächlich fliehen musste. Das sind Sachen, die werde ich nicht ins Netz stellen – weil sie zu furchtbar sind.

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  3. Sharela schreibt:

    Ich kann beim besten Willen nicht nachvollziehen, wie man die Bitte um ein Gebet oder gute Wünsche mit einem Kindesmissbrauch in einem Satz nennen oder gar vergleichen kann!?

    Liebe Claudia, ich wünsche Ihnen und Seve viel Kraft und Gottes Rückenwind, um die anstehenden Herausforderungen zu meistern. Wie Sie in Ihrem Eintrag schön schilderten, schickt Gott doch auch in den ausweglos erscheinenden Situationen immer wieder Hilfe. Es geht immer wieder – wenn auch nur mit kleinen Schritten – vorwärts.

    Schönen Abend!

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Herzlichen Dank, Sharela! Morgen muss ich zum Amt und mal wieder einiges klären, was schlicht unverständlich ist… und eben musste ich Seve beruhigen: Alles wird gut, wir – Kirchengemeinde, Pfarrer, ich – lassen dich nicht verhungern und nicht schwarzfahren… Ach Menno, Lageso ist echt ne Prüfung.

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  4. Sabine Roller schreibt:

    Aus Zeitgründen komme ich etwas seltener ins Internet, daher kommentiere ich erst heute. Weiterhin wünsche ich Ihnen und Seve viele Fürbitten und die damit verbundenen Fortschritte! Hoffentlich haben Sie bald hier über positive Entwicklungen zu berichten.

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