Die Verhinderung der Subsidiarität

Ich hatte heute Mittag einen besonnenen, staatstreuen Artikel mit einem Loblied auf die Subsidiarität und einem gewissen Verständnis für staatliche Überforderung geschrieben. Eben habe ich ihn gelöscht. Stattdessen zitiere ich aus einem Brief an eine Behörde, den ich dort morgen abgeben werde (Post, auch Einschreiben, ist in diesem Zusammenhang nicht vertrauenswürdig).

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie gestern telephonisch mit Herrn *** besprochen, folgen hier noch einmal die Angaben zum Untermietvertrag mit Frau S. Aus Gründen halte ich auch noch einmal schriftlich den Gang der Dinge fest.

Am 2. Mai habe ich Frau S. aus der Notunterkunft abgeholt. Das war mit der Heimleitung in der Woche zuvor so besprochen worden. Frau S. hatte meine Wohnung bereits besichtigt und sich sehr erfreut gezeigt. Nun wartete sie auf ein Einverständnis des Heimleitung, worauf ihr ein Mitarbeiter der Heimleitung (oder der Heimleiter selbst, das weiß ich nicht) sagte, eine Einwilligung zu ihrem Auszug sei nicht nötig. Die Auskunft, Frau S. dürfe nicht ohne weiteres in eine Wohnung ziehen, kam für mich überraschend.

Von mir liegt dem Heim übrigens ein Schreiben vor, daß S. bei mir einzieht und daß ich mich um die polizeiliche Meldung kümmern werde. Das wurde gern und mit Dank angenommen. Widerspruch habe ich nicht gehört. Ich hoffe, hierzu von Ihnen bald grünes Licht zu bekommen.

Ich hatte den Mietvertrag sowie meinen Grundbuchauszug auf Anraten der Hilfsorganisation „Wohnungen für Flüchtlinge“ nebst Schreiben zur Klärung der Sachlage sowohl an das BAMF wie auch an Lageso geschickt. Telephonisch wurde mir kurz darauf mitgeteilt, daß das Zimmer mit zehn Quadratmetern zu klein für eine Kostenübernahme sei. (Der Brief wurde also durchaus zur Kenntnis genommen.) Hierauf habe ich Widerspruch eingelegt und per Einschreiben geschickt, der bisher unbeantwortet blieb. Was die geringe Größe angeht, weise ich darauf hin, daß die gemeinsame Nutzung von Küche, Bad und Balkon im Untermietvertrag festgelegt ist und daß Wohnungen vom gleichen Schnitt für wohlhabende Friedenauer Ehepaare ausreichen.

Die kürzlich spontan entstandene und schon jetzt äußerst effektive Freiwilligen-Organisation „MuKhi – Maria unter dem Kreuz hilft“ hat bereits für Möbel gesorgt und weitere Hilfe zugesagt.

Ich finde das Subsidiaritätsprinzip eine hervorragende Sache. Ich halte es aber für richtig, daß der Staat helfenden Bürgern seinerseits auch ein wenig unter die Arme greift, statt ihnen Knüppel zwischen die Beine zu werfen.

Mit freundlichen Grüßen
Claudia Sperlich

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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3 Antworten zu Die Verhinderung der Subsidiarität

  1. Wolfram schreibt:

    Und? Hat es geholfen?

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